Dieses Dokument fasst die zentralen Lehren aus einem Vortrag über die Grundlagen der Interpretation der Optischen Kohärenztomographie (OCT) zusammen, mit einem Fokus auf die Makula. Die Kernaussage ist, dass die OCT ein leistungsstarkes Hilfsmittel zur Diagnose ist, jedoch stets als Ergänzung zur klinischen Untersuchung und Anamnese dienen muss und nicht für isolierte „Spot-Diagnosen“ verwendet werden darf.
Lernziele
- Die Inhalte der Einzelvorlesung „Briefing-Dokument: Prinzipien der OCT-Interpretation“ strukturiert wiedergeben.
- Diagnostische Befunde und Differenzialdiagnosen fachärztlich einordnen.
- Therapie, Verlauf und Warnzeichen sicher beurteilen.
Ausführliche Vorlesung
Briefing-Dokument: Prinzipien der OCT-Interpretation
Zusammenfassung
Dieses Dokument fasst die zentralen Lehren aus einem Vortrag über die Grundlagen der Interpretation der Optischen Kohärenztomographie (OCT) zusammen, mit einem Fokus auf die Makula. Die Kernaussage ist, dass die OCT ein leistungsstarkes Hilfsmittel zur Diagnose ist, jedoch stets als Ergänzung zur klinischen Untersuchung und Anamnese dienen muss und nicht für isolierte „Spot-Diagnosen“ verwendet werden darf.
Ein systematischer, schichtweiser Analyseansatz ist für eine korrekte Befundung unerlässlich. Besonderes Augenmerk liegt auf der Integrität der äußeren Netzhautschichten (Externale limitierende Membran, Photorezeptoren, Retinales Pigmentepithel), da diese für die visuelle Prognose des Patienten von entscheidender Bedeutung ist. Praktische Empfehlungen umfassen die Verwendung der Graustufenansicht zur Vermeidung von Artefakten und die Notwendigkeit, bei jedem Scan die Nervenfaserschicht zu beurteilen.
Technologisch ermöglicht die Weiterentwicklung zum Swept-Source-OCT fortschrittliche Verfahren wie die OCT-Angiographie (OCT-A). Das Dokument schließt mit der Analyse charakteristischer OCT-Befunde bei wichtigen Pathologien wie der altersbedingten Makuladegeneration (AMD), dem Makulaforamen, der Chorioretinopathia centralis serosa (CRCS) und dem Zentralarterienverschluss (ZAV), um die Anwendung der vorgestellten Prinzipien zu demonstrieren.
1. Einleitung: Die Philosophie der OCT-Befundung
Der Grundpfeiler einer kompetenten OCT-Interpretation ist das Verständnis, dass es sich um einen Teil eines umfassenden diagnostischen Prozesses handelt. Die alleinige Betrachtung eines OCT-Bildes zur Stellung einer „Spot-Diagnose“ ist fehleranfällig und wird explizit abgelehnt. Stattdessen müssen die OCT-Befunde immer im Kontext der klinischen Untersuchung, der Anamnese und des Fundusbefundes interpretiert werden. Die OCT liefert ein anatomisches Abbild der Netzhaut; ein tiefes Verständnis der Netzhautanatomie ist daher die Voraussetzung für eine präzise Befundung.
2. Fundamentale Anatomie der Netzhaut im OCT
2.1 Makroanatomie
- Anatomische Makula: Der Bereich der Netzhaut zwischen den temporalen Gefäßbögen mit einem Durchmesser von 5,5 mm. Moderne OCT-Geräte erfassen in der Regel diesen gesamten Bereich.
- Fovea: Das 1,5 mm große Zentrum der Makula, das für die höchste Sehschärfe verantwortlich ist. Es weist die höchste Dichte an Zapfen-Photorezeptoren (ca. 90-95 %) auf.
- Foveale Avasculäre Zone (FAZ): Ein kapillarfreier Bereich im Zentrum der Fovea, der die Lichtstreuung minimiert und so die Bildqualität optimiert.
- Pigmente: Die gelbliche Farbe der Fovea wird durch die Karotinoide Lutein und Zeaxanthin verursacht.
2.2 Schichten der Netzhaut
Die Netzhaut besteht aus 10 klar abgrenzbaren Schichten, die von innen nach außen wie folgt angeordnet sind:
| Schicht (Deutsch) | Abkürzung |
|---|
| Innere Grenzmembran (Membrana limitans interna) | ILM |
| Nervenfaserschicht | NFL |
| Ganglienzellschicht | GCL |
| Innere plexiforme Schicht | IPL |
| Innere Körnerschicht | INL |
| Äußere plexiforme Schicht | OPL |
| Äußere Körnerschicht | ONL |
| Äußere Grenzmembran (Membrana limitans externa) | ELM |
| Photorezeptorenschicht (IS/OS-Junction) | IS/OS |
| Retinales Pigmentepithel | RPE |
Versorgung und Einteilung:
- Innere Netzhaut: Umfasst die Schichten von der ILM bis zur INL. Sie wird durch die Zentralarterie der Netzhaut (Arteria centralis retinae) versorgt, die sich in einen inneren und äußeren Kapillarplexus aufteilt.
- Äußere Netzhaut: Umfasst die Schichten von der OPL bis zum RPE. Ihre Versorgung erfolgt durch Diffusion aus der darunterliegenden Aderhaut (Choroidea).
Der Komplex aus ELM, Photorezeptoren (IS/OS-Junction) und RPE wird im OCT als „äußere Netzhaut“ zusammengefasst. Die Intaktheit dieser drei hyperreflektiven Linien ist ein entscheidender prognostischer Indikator für das Sehvermögen.
2.3 Spezifische Zelltypen und Strukturen
- Ganglienzellschicht (GCL): Eine Ausdünnung der GCL kann ein früheres Anzeichen für ein Glaukom sein als die Ausdünnung der NFL. Es wird empfohlen, GCL-Scans routinemäßig bei Glaukompatienten durchzuführen, da dieses Instrument zur Früherkennung als „untergenutzt“ gilt.
- Müller-Zellen: Diese Zellen bilden das strukturelle Gerüst der Netzhaut. Bei fortgeschrittener Ischämie oder Ödemen können sie als vertikale Säulen sichtbar werden. Sie sind auch an der Bildung von epiretinalen Membranen (ERM) beteiligt.
3. Technologische Grundlagen und Geräte
3.1 Funktionsprinzip des OCT
Die OCT-Technologie basiert auf dem Prinzip der Niedrigkohärenz-Interferometrie. Ein Laserstrahl scannt die Netzhaut, und das Gerät misst die Laufzeitverzögerung des reflektierten Lichts im Vergleich zu einem Referenzstrahl. Aus diesen Daten wird ein hochauflösendes, Querschnittsbild der Netzhautschichten rekonstruiert.
Wichtig: Verschiedene Hersteller (z. B. Heidelberg, Alcon) verwenden unterschiedliche Referenzpunkte für die Dickenmessung (z. B. RPE-Oberfläche vs. Bruch-Membran). Dies führt dazu, dass Dickenmessungen zwischen Geräten nicht direkt vergleichbar sind.
3.2 Evolution der OCT-Technologie
- Time-Domain OCT: Die erste Generation, langsamere Scangeschwindigkeit.
- Spectral-Domain OCT: Deutlich schnellere Scans und höhere Auflösung.
- Swept-Source OCT: Die neueste Generation mit extrem hohen Scangeschwindigkeiten. Diese Geschwindigkeit ist die Voraussetzung für die OCT-Angiographie (OCT-A), bei der die Bewegung von Erythrozyten erfasst wird, um Blutgefäße und Fluss darzustellen.
3.3 Gerätevergleich
- Alcon: Bekannt für benutzerfreundliche Software, aber technologisch veraltet. Wird heute oft in Optikergeschäften für Screening-Zwecke eingesetzt.
- Heidelberg / Canon: Technologisch fortschrittlicher, bieten detailliertere Informationen und Funktionen wie OCT-A. Sie sind der Standard in spezialisierten Netzhautkliniken.
4. Systematischer Ansatz zur OCT-Interpretation
4.1 Allgemeine Prinzipien
- Qualitätssicherung: Bei schlechter Bildqualität (z. B. durch Katarakt oder kleine Pupille) sollte der Scan wiederholt werden, gegebenenfalls nach medikamentöser Mydriasis.
- Graustufen-Ansicht: Es wird dringend empfohlen, OCT-Bilder in Schwarz-Weiß (Graustufen) zu betrachten. Farbkodierungen können Details überdecken und zu Fehlinterpretationen führen.
- Prüfung der Nervenfaserschicht (NFL): Es ist entscheidend, immer die Anwesenheit und den Zustand der NFL zu überprüfen. Eine fehlende NFL kann bei oberflächlicher Betrachtung übersehen werden.
- Bestimmung des Auges: Die Lokalisation des Sehnervenkopfes relativ zur Makula bestimmt, ob es sich um das rechte oder linke Auge handelt:
- Sehnerv rechts von der Makula = Rechtes Auge
- Sehnerv links von der Makula = Linkes Auge
4.2 Qualitative vs. Quantitative Analyse
- Quantitative Analyse: Umfasst Dickenmessungen und topographische Karten (z. B. ETDRS-Grid). Diese Zahlen sind ohne morphologischen Kontext wenig aussagekräftig. Eine Netzhautdicke von 350 µm kann bei einem Patienten normal, bei einem anderen pathologisch sein.
- Qualitative Analyse: Beschreibt die morphologischen Veränderungen in den einzelnen Netzhautschichten. Dies ist der entscheidende Teil der Befundung, da hier die Pathologie identifiziert wird (z. B. Zysten, Flüssigkeit, Membranen).
4.3 Schritt-für-Schritt-Analyse der Schichten
Ein systematischer Ansatz (entweder von innen nach außen oder umgekehrt) stellt sicher, dass keine Pathologie übersehen wird.
| Bereich | Zu beachtende Pathologien |
|---|
| Vitreoretinale Grenzschicht | Epiretinale Membran (ERM), Vitreomakuläre Traktion (VMT), Glaskörperabhebung (PVD). |
| Innere Netzhaut | Intraretinale Zysten (IRC), Zystoides Makulaödem (CMO), Intraretinale Flüssigkeit (IRF), Hyperreflektive Punkte. |
| Äußere Netzhaut (ELM, IS/OS) | Unterbrechungen (Disruption), Verlust, Unregelmäßigkeiten. Die Integrität ist prognostisch entscheidend. |
| RPE & Bruch-Membran | Drusen, Pigmentepithelabhebung (PED), Atrophie, Risse, subretinales hyperreflektives Material (z.B. bei CNV). |
| Choroidea (Aderhaut) | Dickenveränderungen (verdickt bei CRCS, verdünnt bei hoher Myopie), pathologische Gefäße, Läsionen (z. B. Nävus). |
Wichtige Terminologie:
- SRF (Subretinal Fluid): Flüssigkeitsansammlung zwischen der neurosensorischen Netzhaut und dem RPE.
- IRF (Intraretinal Fluid): Flüssigkeit innerhalb der Netzhautschichten.
- PED (Pigment Epithelial Detachment): Abhebung des RPE von der Bruch-Membran.
5. OCT-Befunde bei spezifischen Pathologien (Fallbeispiele)
5.1 Vitreomakuläre Traktion (VMT) und Makulaforamen
- VMT: Ein fokaler oder breitbasiger Zug des Glaskörpers an der Makula. Kann zu intraretinalen Zysten und einem Ödem führen. Bei Diabetes muss differenziert werden, ob das Ödem traktionell oder durch das DMÖ bedingt ist. Ein Probelauf mit 3 Anti-VEGF-Injektionen kann hier diagnostisch helfen.
- Makulaforamen (Full-Thickness): Ein durchgehender Defekt aller Netzhautschichten. Ein „Fluid Cuff“ (Flüssigkeitssaum am Foramenrand) ist ein positives prognostisches Zeichen für einen operativen Verschluss.
- Lamelläres Foramen (Partial-Thickness): Ein inkompletter Defekt, bei dem die äußeren Netzhautschichten intakt bleiben. Führt meist zu keiner signifikanten Sehverschlechterung und erfordert keine Behandlung.
5.2 Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)
- Trockene AMD: Charakterisiert durch Drusen (Ablagerungen unter dem RPE), PEDs und im Spätstadium die geographische Atrophie (Verlust von RPE und Photorezeptoren).
- Feuchte AMD: Gekennzeichnet durch eine choroidale Neovaskularisation (CNV), die zu subretinaler Flüssigkeit (SRF), intraretinaler Flüssigkeit (IRF), PEDs und Blutungen führt.
5.3 Zentralarterienverschluss (ZAV)
- Zeigt eine ausgeprägte Hyperreflexivität und Verdickung der inneren Netzhautschichten aufgrund von ischämischem Ödem.
- Die äußere Netzhaut ist initial unauffällig, da sie von der Choroidea versorgt wird.
5.4 Chorioretinopathia centralis serosa (CRCS)
- Typischer Befund ist eine kuppelförmige, seröse Abhebung der neurosensorischen Netzhaut (SRF).
- Häufig sind auch kleine PEDs vorhanden.
- Die Aderhaut ist typischerweise verdickt mit erweiterten Gefäßen (Pachychoroidie).
- Therapieoptionen: Zunächst abwartende Haltung. Bei Persistenz ist die photodynamische Therapie (PDT) die effektivste Behandlung. Micropulse-Laser ist eine Alternative mit geringerer Wirksamkeit. Anti-VEGF-Therapien sind langfristig ineffektiv.
5.5 Weitere Befunde
- Hohe Myopie: Der Scan kann aufgrund eines posterioren Staphyloms gekippt erscheinen. Die Choroidea ist oft extrem verdünnt.
- Chloroquin-Makulopathie: Führt zu einer „Bulls-Eye“-Atrophie des RPE und der äußeren Netzhaut um die Fovea. Bei Patienten aus dem Nahen Osten/Indien kann die Schädigung peripher beginnen, was Gesichtsfelduntersuchungen mit größerem Radius (24-2) erfordert.
- Choroidealer Nävus: Stellt sich im OCT als eine hyporeflektive Läsion innerhalb der Aderhaut dar.
Prüfungsorientierter Überblick
Dieses Dokument fasst die zentralen Lehren aus einem Vortrag über die Grundlagen der Interpretation der Optischen Kohärenztomographie (OCT) zusammen, mit einem Fokus auf die Makula. Die Kernaussage ist, dass die OCT ein leistungsstarkes Hilfsmittel zur Diagnose ist, jedoch stets als Ergänzung zur klinischen Untersuchung und Anamnese dienen muss und nicht für isolierte „Spot-Diagnosen“ verwendet werden darf.
Ein systematischer, schichtweiser Analyseansatz ist für eine korrekte Befundung unerlässlich. Besonderes Augenmerk liegt auf der Integrität der äußeren Netzhautschichten (Externale limitierende Membran, Photorezeptoren, Retinales Pigmentepithel), da diese für die visuelle Prognose des Patienten von entscheidender Bedeutung ist. Praktische Empfehlungen umfassen die Verwendung der Graustufenansicht zur Vermeidung von Artefakten und die Notwendigkeit, bei jedem Scan die Nervenfaserschicht zu beurteilen.
Technologisch ermöglicht die Weiterentwicklung zum Swept-Source-OCT fortschrittliche Verfahren wie die OCT-Angiographie (OCT-A). Das Dokument schließt mit der Analyse charakteristischer OCT-Befunde bei wichtigen Pathologien wie der altersbedingten Makuladegeneration (AMD), dem Makulaforamen, der Chorioretinopathia centralis serosa (CRCS) und dem Zentralarterienverschluss (ZAV), um die Anwendung der vorgestellten Prinzipien zu demonstrieren.
Der Grundpfeiler einer kompetenten OCT-Interpretation ist das Verständnis, dass es sich um einen Teil eines umfassenden diagnostischen Prozesses handelt. Die alleinige Betrachtung eines OCT-Bildes zur Stellung einer „Spot-Diagnose“ ist fehleranfällig und wird explizit abgelehnt. Stattdessen müssen die OCT-Befunde immer im Kontext der klinischen Untersuchung, der Anamnese und des Fundusbefundes interpretiert werden. Die OCT liefert ein anatomisches Abbild der Netzhaut; ein tiefes Verständnis der Netzhautanatomie ist daher die Voraussetzung für eine präzise Befundung.
Anatomische Makula: Der Bereich der Netzhaut zwischen den temporalen Gefäßbögen mit einem Durchmesser von 5,5 mm. Moderne OCT-Geräte erfassen in der Regel diesen gesamten Bereich. Fovea: Das 1,5 mm große Zentrum der Makula, das für die höchste Sehschärfe verantwortlich ist. Es weist die höchste Dichte an Zapfen-Photorezeptoren (ca. 90-95 %) auf. Foveale Avasculäre Zone (FAZ): Ein kapillarfreier Bereich im Zentrum der Fovea, der die Lichtstreuung minimiert und so die Bildqualität optimiert. Pigmente: Die gelbliche Farbe der Fovea wird durch die Karotinoide Lutein und Zeaxanthin verursacht.
Die Netzhaut besteht aus 10 klar abgrenzbaren Schichten, die von innen nach außen wie folgt angeordnet sind:
Schicht (Deutsch) Abkürzung ----------------------------------------- :-------- Innere Grenzmembran (Membrana limitans interna) ILM Nervenfaserschicht NFL Ganglienzellschicht GCL Innere plexiforme Schicht IPL Innere Körnerschicht INL Äußere plexiforme Schicht OPL Äußere Körnerschicht ONL Äußere Grenzmembran (Membrana limitans externa) ELM Photorezeptorenschicht (IS/OS-Junction) IS/OS Retinales Pigmentepithel RPE
Versorgung und Einteilung: Innere Netzhaut: Umfasst die Schichten von der ILM bis zur INL. Sie wird durch die Zentralarterie der Netzhaut (Arteria centralis retinae) versorgt, die sich in einen inneren und äußeren Kapillarplexus aufteilt. Äußere Netzhaut: Umfasst die Schichten von der OPL bis zum RPE. Ihre Versorgung erfolgt durch Diffusion aus der darunterliegenden Aderhaut (Choroidea).
Der Komplex aus ELM, Photorezeptoren (IS/OS-Junction) und RPE wird im OCT als „äußere Netzhaut“ zusammengefasst. Die Intaktheit dieser drei hyperreflektiven Linien ist ein entscheidender prognostischer Indikator für das Sehvermögen.
Ganglienzellschicht (GCL): Eine Ausdünnung der GCL kann ein früheres Anzeichen für ein Glaukom sein als die Ausdünnung der NFL. Es wird empfohlen, GCL-Scans routinemäßig bei Glaukompatienten durchzuführen, da dieses Instrument zur Früherkennung als „untergenutzt“ gilt. Müller-Zellen: Diese Zellen bilden das strukturelle Gerüst der Netzhaut. Bei fortgeschrittener Ischämie oder Ödemen können sie als vertikale Säulen sichtbar werden. Sie sind auch an der Bildung von epiretinalen Membranen (ERM) beteiligt.
Diagnostik
- Dieses Dokument fasst die zentralen Lehren aus einem Vortrag über die Grundlagen der Interpretation der Optischen Kohärenztomographie (OCT) zusammen, mit einem Fokus auf die Makula. Die Kernaussage ist, dass die OCT ein leistungsstarkes Hilfsmittel zur Diagnose ist, jedoch stets als Ergänzung zur klinischen Untersuchung und Anamnese dienen muss und nicht für isolierte „Spot-Diagnosen“ verwendet werden darf.
- Ein systematischer, schichtweiser Analyseansatz ist für eine korrekte Befundung unerlässlich. Besonderes Augenmerk liegt auf der Integrität der äußeren Netzhautschichten (Externale limitierende Membran, Photorezeptoren, Retinales Pigmentepithel), da diese für die visuelle Prognose des Patienten von entscheidender Bedeutung ist. Praktische Empfehlungen umfassen die Verwendung der Graustufenansicht zur Vermeidung von Artefakten und die Notwendigkeit, bei jedem Scan die Nervenfaserschicht zu beurteilen.
- Technologisch ermöglicht die Weiterentwicklung zum Swept-Source-OCT fortschrittliche Verfahren wie die OCT-Angiographie (OCT-A). Das Dokument schließt mit der Analyse charakteristischer OCT-Befunde bei wichtigen Pathologien wie der altersbedingten Makuladegeneration (AMD), dem Makulaforamen, der Chorioretinopathia centralis serosa (CRCS) und dem Zentralarterienverschluss (ZAV), um die Anwendung der vorgestellten Prinzipien zu demonstrieren.
- Der Grundpfeiler einer kompetenten OCT-Interpretation ist das Verständnis, dass es sich um einen Teil eines umfassenden diagnostischen Prozesses handelt. Die alleinige Betrachtung eines OCT-Bildes zur Stellung einer „Spot-Diagnose“ ist fehleranfällig und wird explizit abgelehnt. Stattdessen müssen die OCT-Befunde immer im Kontext der klinischen Untersuchung, der Anamnese und des Fundusbefundes interpretiert werden. Die OCT liefert ein anatomisches Abbild der Netzhaut; ein tiefes Verständnis der Netzhautanatomie ist daher die Voraussetzung für eine präzise Befundung.
- Anatomische Makula: Der Bereich der Netzhaut zwischen den temporalen Gefäßbögen mit einem Durchmesser von 5,5 mm. Moderne OCT-Geräte erfassen in der Regel diesen gesamten Bereich. Fovea: Das 1,5 mm große Zentrum der Makula, das für die höchste Sehschärfe verantwortlich ist. Es weist die höchste Dichte an Zapfen-Photorezeptoren (ca. 90-95 %) auf. Foveale Avasculäre Zone (FAZ): Ein kapillarfreier Bereich im Zentrum der Fovea, der die Lichtstreuung minimiert und so die Bildqualität optimiert. Pigmente: Die gelbliche Farbe der Fovea wird durch die Karotinoide Lutein und Zeaxanthin verursacht.
- Der Komplex aus ELM, Photorezeptoren (IS/OS-Junction) und RPE wird im OCT als „äußere Netzhaut“ zusammengefasst. Die Intaktheit dieser drei hyperreflektiven Linien ist ein entscheidender prognostischer Indikator für das Sehvermögen.
- Die OCT-Technologie basiert auf dem Prinzip der Niedrigkohärenz-Interferometrie. Ein Laserstrahl scannt die Netzhaut, und das Gerät misst die Laufzeitverzögerung des reflektierten Lichts im Vergleich zu einem Referenzstrahl. Aus diesen Daten wird ein hochauflösendes, Querschnittsbild der Netzhautschichten rekonstruiert. Wichtig: Verschiedene Hersteller (z. B. Heidelberg, Alcon) verwenden unterschiedliche Referenzpunkte für die Dickenmessung (z. B. RPE-Oberfläche vs. Bruch-Membran). Dies führt dazu, dass Dickenmessungen zwischen Geräten nicht direkt vergleichbar sind.
- 1. Time-Domain OCT: Die erste Generation, langsamere Scangeschwindigkeit. 2. Spectral-Domain OCT: Deutlich schnellere Scans und höhere Auflösung. 3. Swept-Source OCT: Die neueste Generation mit extrem hohen Scangeschwindigkeiten. Diese Geschwindigkeit ist die Voraussetzung für die OCT-Angiographie (OCT-A) , bei der die Bewegung von Erythrozyten erfasst wird, um Blutgefäße und Fluss darzustellen.
Differenzialdiagnosen
- Anatomische Makula: Der Bereich der Netzhaut zwischen den temporalen Gefäßbögen mit einem Durchmesser von 5,5 mm. Moderne OCT-Geräte erfassen in der Regel diesen gesamten Bereich. Fovea: Das 1,5 mm große Zentrum der Makula, das für die höchste Sehschärfe verantwortlich ist. Es weist die höchste Dichte an Zapfen-Photorezeptoren (ca. 90-95 %) auf. Foveale Avasculäre Zone (FAZ): Ein kapillarfreier Bereich im Zentrum der Fovea, der die Lichtstreuung minimiert und so die Bildqualität optimiert. Pigmente: Die gelbliche Farbe der Fovea wird durch die Karotinoide Lutein und Zeaxanthin verursacht.
Therapieprinzipien
- Qualitätssicherung: Bei schlechter Bildqualität (z. B. durch Katarakt oder kleine Pupille) sollte der Scan wiederholt werden, gegebenenfalls nach medikamentöser Mydriasis. Graustufen-Ansicht: Es wird dringend empfohlen, OCT-Bilder in Schwarz-Weiß (Graustufen) zu betrachten. Farbkodierungen können Details überdecken und zu Fehlinterpretationen führen. Prüfung der Nervenfaserschicht (NFL): Es ist entscheidend, immer die Anwesenheit und den Zustand der NFL zu überprüfen. Eine fehlende NFL kann bei oberflächlicher Betrachtung übersehen werden. Bestimmung des Auges: Die Lokalisation des Sehnervenkopfes relativ zur Makula bestimmt, ob es sich um das rechte oder linke Auge handelt: Sehnerv rechts von der Makula = Rechtes Auge Sehnerv links von der Makula = Linkes Auge
- VMT: Ein fokaler oder breitbasiger Zug des Glaskörpers an der Makula. Kann zu intraretinalen Zysten und einem Ödem führen. Bei Diabetes muss differenziert werden, ob das Ödem traktionell oder durch das DMÖ bedingt ist. Ein Probelauf mit 3 Anti-VEGF-Injektionen kann hier diagnostisch helfen. Makulaforamen (Full-Thickness): Ein durchgehender Defekt aller Netzhautschichten. Ein „Fluid Cuff“ (Flüssigkeitssaum am Foramenrand) ist ein positives prognostisches Zeichen für einen operativen Verschluss. Lamelläres Foramen (Partial-Thickness): Ein inkompletter Defekt, bei dem die äußeren Netzhautschichten intakt bleiben. Führt meist zu keiner signifikanten Sehverschlechterung und erfordert keine Behandlung.
- Typischer Befund ist eine kuppelförmige, seröse Abhebung der neurosensorischen Netzhaut (SRF). Häufig sind auch kleine PEDs vorhanden. Die Aderhaut ist typischerweise verdickt mit erweiterten Gefäßen (Pachychoroidie). Therapieoptionen: Zunächst abwartende Haltung. Bei Persistenz ist die photodynamische Therapie (PDT) die effektivste Behandlung. Micropulse-Laser ist eine Alternative mit geringerer Wirksamkeit. Anti-VEGF-Therapien sind langfristig ineffektiv.
Red Flags
- Qualitätssicherung: Bei schlechter Bildqualität (z. B. durch Katarakt oder kleine Pupille) sollte der Scan wiederholt werden, gegebenenfalls nach medikamentöser Mydriasis. Graustufen-Ansicht: Es wird dringend empfohlen, OCT-Bilder in Schwarz-Weiß (Graustufen) zu betrachten. Farbkodierungen können Details überdecken und zu Fehlinterpretationen führen. Prüfung der Nervenfaserschicht (NFL): Es ist entscheidend, immer die Anwesenheit und den Zustand der NFL zu überprüfen. Eine fehlende NFL kann bei oberflächlicher Betrachtung übersehen werden. Bestimmung des Auges: Die Lokalisation des Sehnervenkopfes relativ zur Makula bestimmt, ob es sich um das rechte oder linke Auge handelt: Sehnerv rechts von der Makula = Rechtes Auge Sehnerv links von der Makula = Linkes Auge
Prüfungsfragen
1. Was sind die wichtigsten Lernpunkte der Vorlesung „Briefing-Dokument: Prinzipien der OCT-Interpretation“?
Die Antwort ergibt sich aus den strukturierten Abschnitten und muss am individuellen klinischen Befund überprüft werden.
2. Welche Befunde erfordern eine dringliche Abklärung?
Rasche Sehverschlechterung, starke Schmerzen, ausgeprägte Entzündung, Druckanstieg oder Verdacht auf eine infektiöse oder neurologische Ursache.