Persönliches Lernmaterial: Diese Zusammenfassung dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt weder offizielle Vorgaben noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Ohren- & Schilddrusenuntersuchung

Klinische Untersuchung von Gehor und Schilddruse – Umfassende Zusammenfassung

Klinische Untersuchung Stimmgabelprufungen Schilddruse HNO / Endokrinologie

Die Ohrenuntersuchung umfasst die systematische klinische Untersuchung des Gehors und der neurologischen Koordination. Sie gliedert sich in Inspektion, Horatestung (Flustertest, Stimmgabelprufungen nach Weber und Rinne) sowie die Koordinationsprufung (Romberg-Test). Ziel ist die Differenzierung zwischen Schallleitungs- und Schallempfindungsstorungen.

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1. Ohrenuntersuchung – Ubersicht & Zielsetzung

Ziel der Untersuchung

Die Ohrenuntersuchung dient der klinischen Beurteilung des Gehors und der neurologischen Koordination. Mittels Stimmgabelprufungen (Weber und Rinne) kann der Arzt zwischen zwei Formen der Schwerhorigkeit unterscheiden:

Schallleitungsstorung (Konduktionsschwerhorigkeit) Ursache liegt im ausseren Ohr oder Mittelohr (z. B. Cerumen, Otitis media, Paukenerguss, Trommelfellperforation). Der Knochenleitungston wird besser gehort als der Luftleitungston.
Schallempfindungsstorung (Sensorineurale Schwerhorigkeit) Ursache liegt im Innenohr oder Hornerv (z. B. Presbyakusis, Horsturz, Akustikusneurinom). Hier ist die Knochenleitung beeintrachtigt.

Benotigte Instrumente

  • Stimmgabel (typischerweise 512 Hz) – fur Weber- und Rinne-Test
  • Otiskop (optional) – zur Beurteilung des Gehorgangs und Trommelfells
  • Uhr oder Taschentuch – fur den Flusterstimmentest
Der Stimmgabeltest wird in uber 90 % der Falle in der klinischen Prufung verlangt. Der Kandidat muss sowohl die korrekte Durchfuhrung als auch die Interpretation der Befunde beherrschen.
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2. Inspektion der Ohren

Durchfuhrung

  1. Der Patient sitzt aufrecht; der Untersucher steht vor ihm.
  2. Beide Ohren werden visuell inspiziert – von vorne und von hinten.
  3. Besonderes Augenmerk auf:
  • Verletzungen (Frakturen, Prellungen, Hamatome)
  • Formanomalien (z. B. Aurikularanhangsel, Mikroodie)
  • Entzundungszeichen (Rotung, Schwellung, Sekret)
  • Ohrmuschelveranderungen (z. B. Topfpflanzenerohr bei Rippenfraktur)
  • Mund-Nasen-Maske abnehmen (falls getragen), um Verletzungen hinter dem Ohr zu erkennen
Besonderheit: Die Haller-Zellen (Cellulae mastoideae) konnen bei der Inspektion von hinten als Vorwolbung erkennbar sein – dies kann auf eine Mastoiditis hinweisen.
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3. Horatest (Orientierend)

Flusterstimmentest

Ein einfacher orientierender Horatest zur groben Einschatzung der Horfahigkeit:

  1. Der Patient verschliesst ein Ohr mit dem Finger.
  2. Der Untersucher stellt sich ca. 50–60 cm vom Patienten entfernt auf die Seite des nicht verschlossenen Ohres.
  3. Der Untersucher flustert eine kurze Zahlen- oder Wortfolge (z. B. „22", „Schuh", „Koder").
  4. Der Patient wiederholt das Gehorre.
  5. Der Test wird auf der anderen Seite wiederholt.
Der Patient sollte Zahlen aus einer Entfernung von 1–2 Metern bei Flustersprache korrekt wiederholen konnen. Bei einer Schwerhorigkeit muss die Entfernung reduziert werden.

Weitere orientierende Tests

  • Tic-Tac-Test: Geräuschtest mit den Fingern
  • Stimmgabel: Qualitativer Horatest (Weber & Rinne)
Hyp- oder Hyperakusis? Wenn der Patient ein Ohr besser hort als das andere, liegt moglicherweise eine einseitige Schwerhorigkeit vor, die further abgeklart werden muss.
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4. Weber-Test (Stimmgabel auf Scheitel)

Prinzip

Der Weber-Test ist ein bilateraler Vergleichstest: Die schwingende Stimmgabel wird auf den Mittelpunkt des Kopfes (Scheitel) gesetzt. Der Patient wird gefragt, in welchem Ohr er den Ton lauter wahrnimmt.

Durchfuhrung

  1. Stimmgabel anschlagen (mit Handballen oder an den eigenen Kniescheiben – nicht auf eine harte Oberflache, da dies Obertone erzeugt).
  2. Stimmgabel auf den Mittelpunkt des Kopfes (Scheitel) aufsetzen.
  3. Patienten fragen: „In welchem Ohr horten Sie den Ton lauter?"

Befundinterpretation

BefundInterpretationUrsache
Keine Lateralisation NormalbefundBeidseitig gleiche HorleistungNormalhorend oder beidseitig symmetrische Storung
Lateralisation nach rechts Rechts-SeitenbetonungRechtes Ohr hort besser (Knochenleitung)Bei rechtsseitiger Schallleitungsstorung ODER linksseitiger Schallempfindungsstorung
Lateralisation nach links Links-SeitenbetonungLinkes Ohr hort besser (Knochenleitung)Bei linksseitiger Schallleitungsstorung ODER rechtsseitiger Schallempfindungsstorung
Merksatz: Bei einseitiger Schallleitungsstorung lateralisiert der Weber-Test zum kranken Ohr (weil die Knochenleitung auf dieser Seite ungestort ist). Bei einseitiger Schallempfindungsstorung lateralisiert er zum gesunden Ohr.
Wichtig: Der Weber-Test allein kann nicht zwischen Schallleitungs- und Schallempfindungsstorung unterscheiden – er zeigt nur, welche Seite betroffen ist. Erst der Rinne-Test liefert die Differenzierung.
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5. Rinne-Test (Knochenleitung vs. Luftleitung)

Prinzip

Der Rinne-Test vergleicht die Knochenleitung (KL) mit der Luftleitung (LL) am selben Ohr. Er wird nach dem Weber-Test durchgefuhrt und differenziert die Art der Schwerhorigkeit.

Durchfuhrung (einzelnes Ohr)

  1. Stimmgabel anschlagen.
  2. Stimmgabel mit dem Fuss (Handle) auf den Processus mastoideus (Warzenfortsatz) des zu testenden Ohres setzen.
  3. Patienten fragen: „Horen Sie den Ton?"
  4. Sobald der Ton nicht mehr gehort wird, Stimmgabel sofort vor den Gehorgang (ca. 1–2 cm Abstand) halten.
  5. Patienten fragen: „Horen Sie den Ton jetzt wieder?"

Befundinterpretation

Rinne-BefundDefinitionInterpretation
Rinne positiv (LL > KL) Normalbefund / SE-StorungLuftleitung wird besser gehort als KnochenleitungNormalhorend oder Schallempfindungsstorung (Innenohr/Hornerv)
Rinne negativ (KL > LL) PathologischKnochenleitung wird besser gehort als LuftleitungSchallleitungsstorung (ausseres Ohr / Mittelohr)
Merksatz Rinne: Rinne positiv = Luft besser als Knochen = SE-Storung oder Normalbefund. Rinne negativ = Knochen besser als Luft = SL-Storung.

Kombinierte Interpretation: Weber + Rinne

WeberRinne rechtsRinne linksDiagnose
Lateralisation rechtsNegativPositivRechtsseitige Schallleitungsstorung
Lateralisation linksPositivNegativLinksseitige Schallleitungsstorung
Lateralisation rechtsPositivNegativLinksseitige Schallempfindungsstorung
Lateralisation linksNegativPositivRechtsseitige Schallempfindungsstorung
Keine LateralisationPositivPositivBeidseitig normal oder beidseitig SE-Storung
Keine LateralisationNegativNegativBeidseitige Schallleitungsstorung
Abkurzungen: LL = Luftleitung, KL = Knochenleitung, SE = Schallempfindungsstorung, SL = Schallleitungsstorung
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6. Neurologische Koordination & Gleichgewicht

Stand- und Gangprufung

Der Gang des Patienten wird beobachtet:

  • Normaler Geradeausgang
  • Blindgang (Augen geschlossen) – Zehengang und Hackengang
  • Fuhren-Probe (Fuhren durch den Raum bei geschlossenen Augen)

Romberg-Test

Der Romberg-Test pruft die propriozeptive Ruckmeldung und die Kleinhirnfunktion:

  1. Patient steht mit geschlossenen Fussen aufrecht (Fusssohlen voll aufliegend).
  2. Patient wird aufgefordert, die Augen zu schliessen.
  3. Untersucher beobachtet: Schwankung oder Fallneigung?
Romberg positiv (kompensiert): Leichte Schwankung, Patient korrigiert sich selbst. Physiologisch bei geschlossenen Augen.
Romberg negativ (dekompensiert): Starke Schwankung oder Sturz beim Schliessen der Augen. Hinweis auf Ruckenmarkserkrankung, Polyneuropathie oder Kleinhirnstoring.

Klinische Relevanz

Die Koordinationsprufung ist Teil der Hirnnervenuntersuchung, insbesondere des N. vestibulocochlearis (Hornerv, N. VIII). Storungen konnen hinweisen auf:

  • Akustikusneurinom (Vestibularisschwannom)
  • Morbus Meniere
  • Vestibulare Neuritis
  • Polyneuropathie (diabetisch, alkoholbedingt)
Der Romberg-Test dient der Unterscheidung zwischen vestibularer und zerebellarer Ataxie. Bei vestibularer Storung fallt der Patient zur betroffenen Seite; bei zerebellarer Ataxie ist die Schwankung richtungsunabhangig.

Die Schilddrusenuntersuchung umfasst die Inspektion, Palpation und Auskultation der Glandula thyroidea. Sie erlaubt die Beurteilung von Grosse, Konsistenz, Beweglichkeit und vaskularer Versorgung des Organs. Anatomische Leitstrukturen wie das Ligamentum suspensorium (Berry-Ligament) und die Blutversorgung durch die A. thyroidea superior und A. thyroidea inferior sind prufungsrelevant.

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7. Schilddrusenuntersuchung – Ubersicht & Grundlagen

Die Schilddruse (Glandula thyroidea)

Die Schilddruse ist eine endokrine Druse, die sich vor der Trachea (Luftröhre), unterhalb des Schildknorpels (Cartilago thyroidea), befindet. Sie besteht aus zwei Lappen (Lobus dexter und Lobus sinister), die durch eine Verbindungsbrucke (Isthmus) verbunden sind.

Funktion der Schilddruse

  • Synthese und Speicherung der Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin)
  • Regulation des Grundumsatzes
  • Einfluss auf Herz-Kreislauf, Wachstum und neuronale Entwicklung
  • Calcitonin-Produktion (C-Zellen) – Regulation des Kalziumhaushalts

Typische Krankheitsbilder

Hyperthyreose (Schilddrusenuberfunktion)
  • Struma diffusa (Morbus Basedow)
  • Struma nodosa (Schilddrüsenknoten)
  • Thyreoiditis
Hypothyreose (Schilddrusenunterfunktion)
  • Hashimoto-Thyreoiditis
  • Postoperative Hypothyreose
  • Jodmangel
In der Kenntnisprufung wird haufig nach der Funktion der Schilddruse, der Lage der Organe, der Blutversorgung und der WHO-Klassifikation der Struma gefragt.
I

8. Inspektion der Schilddruse

Durchfuhrung der Inspektion (von vorne)

  1. Der Untersucher steht vor dem Patienten.
  2. Der Patient sitzt oder steht aufrecht.
  3. Der Patient wird gebeten, den Kopf leicht nach hinten zu neigen (leichte Reklination).
  4. Der Untersucher betrachtet den Halsbereich und schluckt mit dem Patienten.
  5. Wahrend des Schluckakts wird die Schilddruse durch das Ligamentum suspensorium nach kranial verlagert.

Was wird inspiziert?

  • Schwellung (Struma) – sichtbare Vergrosserung der Schilddruse
  • Narben – nach Voroperationen (Schilddrüsenresektion)
  • Symmetrie – einseitige Vergrosserung (Struma nodosa) oder beidseitige Vergrosserung (Struma diffusa)
  • Venenverweiterung – mediastinale Raumforderung, die auf retrosternale Struma hinweist
  • Hautveranderungen – Rotung, Entzundung, Strumennarben
Wahrend des Schluckakts bewegt sich die Schilddruse nach oben – das ist ein wichtiges Zeichen, um eine Schilddrüsenvergrosserung von anderen Halsschwellungen (z. B. Lymphknoten) zu unterscheiden. Wenn die Schilddruse beim Schlucken nicht nach oben wandert, spricht man von einer retrosternalen Struma.

Inspektionsbefunde im Detail

BefundMogliche Diagnose
Symmetrische, diffuse SchwellungStruma diffusa (z. B. Morbus Basedow)
Unsymmetrische, knotige SchwellungStruma nodosa (Schilddrüsenknoten)
Schwellung + ExophthalmusMorbus Basedow (Hyperthyreose)
Narbe am Hals + fehlende BeweglichkeitZustand nach Strumektomie
Schwellung, die nicht beim Schlucken aufsteigtRetrosternale Struma (Thorax inlet)
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9. Palpation der Schilddruse

Palpation von hinten (klassische Methode)

Der Untersucher steht hinter dem Patienten:

  1. Der Patient sitzt aufrecht; der Kopf ist leicht nach vorne gebeugt.
  2. Der Untersucher steht hinter dem Patienten und legt beide Hande mit Daumen auf den Nacken des Patienten.
  3. Die ubrigen Finger liegen beidseits am Hals, unterhalb des Schildknorpels.
  4. Der Patient wird aufgefordert zu schlucken (Wasser anbieten, falls notig).
  5. Die Schilddruse wird palpatorisch auf Grosse, Konsistenz, Verschieblichkeit und Schmerzhaftigkeit beurteilt.
Wichtiger Hinweis fur die Prufung: Vor der Palpation den Patienten immer um Erlaubnis bitten und die Untersuchung ankundigen. Dies ist ein Zeichen von Respekt und Professionalitat und wird vom Prufer positiv bewertet!

Beurteilungskriterien

  • Konsistenz:
    • Weich/elastisch → normale Schilddruse oder Struma diffusa simplex
    • Derb/fest → chronische Hashimoto-Thyreoiditis, Struma calva
    • Steinhart → Karzinomverdacht
    • Fluktuierend → Zyste oder nodose Struma
  • Schmerzhaftigkeit: Schmerzhafte Schilddruse → akute Thyreoiditis de Quervain, Eiterung
  • Fixation: Fixierte, nicht verschiebliche Schilddruse → Malignitatsverdacht (Karzinom)
  • Knoten: Einzelne oder multiple Knoten → Schilddrüsenknoten, Autonomes Adenom

Warum bewegt sich die Schilddruse beim Schlucken?

Die Schilddruse ist uber das Ligamentum suspensorium glandulae thyroideae (Berry-Ligament) an der Trachea (Luftröhre) befestigt. Dieses Ligament verbindet die Schilddruse mit dem Knorpel der Luftröhre und sorgt dafur, dass die Druse beim Schlucken zusammen mit der Trachea nach oben gleitet.

Prufungsfrage: „Warum bewegt sich die Schilddruse beim Schlucken nach oben?" → Antwort: Wegen des Ligamentum suspensorium (Berry-Ligament), das die Schilddruse mit der Trachea verbindet.

Schilddrüsenkonsistenz im Überblick

KonsistenzBefundTypische Diagnose
Weich-elastischNormale Struma diffusaJodmangelstruma, Basedow
Derb-festChronische EntzundungHashimoto-Thyreoiditis
SteinhartKarzinomverdacht!Schilddrüsenkarzinom
FluktuierendZystische VeranderungSchilddrusenzyste
SchmerzhaftAkute EntzundungThyreoiditis de Quervain
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10. Auskultation der Schilddruse

Durchfuhrung

Nach der Palpation wird die Schilddruse abgehort (Auskultation mit dem Stethoskop):

  • Stethoskop uber der Schilddruse aufsetzen
  • Auf Gefassgeriusche achten
  • Patienten bitten, den Atem kurz anzuhalten (um Atemgeriusche auszuschliessen)

Befundinterpretation

Kein Gefassgeriusch – Normalbefund. Keine gesteigerte Durchblutung nachweisbar.
Struma basedowiana (Hyperthyreose) – Ein Stromungsgeriusch (Vaskularisationsgeriusch) ist nachweisbar. Dies entsteht durch die gesteigerte Durchblutung der Schilddruse bei Hyperthyreose.
Bei Hyperthyreose (z. B. Morbus Basedow) ist die Schilddruse hypervaskularisiert, was zu einem typischen Gefassgeriusch fuhrt. Dieses Stromungsgeriusch ist ein wichtiger klinischer Hinweis auf eine Schilddrusenuberfunktion und wird auch als „Struma vasculosa" bezeichnet.

Zusammenfassung: Hyperthyreose-Zeichen bei der Untersuchung

  • Vergrosserte, weiche Schilddruse (Struma diffusa)
  • Gefassgeriusch bei der Auskultation
  • Exophthalmus (bei Morbus Basedow)
  • Tachykardie, Tremor, Warmeintoleranz
  • Gewichtsverlust bei gesteigertem Appetit
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11. Anatomie, Blutversorgung & Ligamentum suspensorium

Topographische Anatomie

  • Lage: Ventral der Trachea, kaudal des Schildknorpels (Cartilago thyroidea)
  • Bestandteile: Zwei Lappen (Lobus dexter + Lobus sinister) + Isthmus
  • Grosse: Normalerweise ca. 20–25 g schwer, 4–6 cm breit, 2–3 cm hoch
  • Form: Schmetterlingsformig

Blutversorgung

ArterieVerlauf / Versorgungsgebiet
A. thyroidea superior (Ast der A. carotis externa)Versorgt den oberen Pol der Schilddruse. Wichtig: Verlauf in Nahe des N. laryngeus superior (Spezieller Ast des N. vagus, X. Hirnnerv)
A. thyroidea inferior (Ast des Truncus thyrocervicalis, A. subclavia)Versorgt den unteren Pol der Schilddruse. Wichtig: Verlauf in Nahe des N. laryngeus recurrens (Unterer Kehlkopfnerv, Ast des N. vagus) – OP-Risiko bei Strumektomie!
A. thyroidea ima (in ca. 3 % der Falle vorhanden)Kleine Variante aus dem Truncus brachiocephalicus oder der Aortenbogen. Relevant bei Schilddrusen-OP.
OP-Risiko N. laryngeus recurrens: Bei einer Schilddrusenoperation (Strumektomie) besteht das Risiko einer Schadigung des N. laryngeus recurrens, der in der Nahe der A. thyroidea inferior verlauft. Dies kann zu einer Stimmbandlahmung und Heiserkeit fuhren.

Ligamentum suspensorium glandulae thyroideae (Berry-Ligament)

Das Ligamentum suspensorium (auch Berry-Ligament genannt) ist ein bindegewebiges Band, das die Schilddruse lateral und dorsal an die Trachea befestigt. Es ist von grosser klinischer Bedeutung:

  • Es begrenzt die Fixation der Schilddruse – bei einem Karzinom kann die Schilddruse durch Einwachsen in das Ligament fixiert erscheinen.
  • Es erklart die Bewegung der Schilddruse beim Schlucken (gleitet mit der Trachea nach kranial).
  • Es spielt eine Rolle bei der chirurgischen Pparation (Risikostruktur!).
Prufungsfragen zum Berry-Ligament:
  • „Was ist das Ligamentum suspensorium?" → Antwort: Es ist das Band, das die Schilddruse mit der Trachea verbindet (Berry-Ligament).
  • „Warum bewegt sich die Schilddruse beim Schlucken?" → Antwort: Durch das Ligamentum suspensorium, das die Schilddruse mit der Luftröhre verbindet.

Venoser Abfluss

  • V. thyroidea superior → V. jugularis interna
  • V. thyroidea media → V. jugularis interna
  • V. thyroidea inferior → V. brachiocephalica (uber den Plexus venosus thyroideus)

Innervation

  • Sympathisch: Aus dem Ganglion cervicale superius et medium (Truncus sympathicus)
  • Parasympathisch: N. laryngeus superior et recurrens (Aste des N. vagus)
Klinischer Hinweis: Der N. laryngeus recurrens ist der haufigste Nerv, der bei Schilddrusenoperationen gescha-digt wird. Er verlauft in der Nahe der A. thyroidea inferior in der tracheoo-sophagealen Rinne.
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12. WHO-Klassifikation der Struma

WHO-Klassifikation (Grad 0–III)

GradBezeichnungInspektionPalpation
Grad 0Keine StrumaNicht sichtbarNicht tastbar (bei normaler Anatomie)
Grad IaStruma palpabel, nicht sichtbarNicht sichtbar auch bei ReklinationBeim Schlucken tastbar
Grad IbStruma tastbar, nur bei Reklination sichtbarBei extremer Reklination/Schlucken sichtbarTastbar, aber bei normaler Kopfhaltung nicht sichtbar
Grad IIStruma sichtbarBei normaler Kopfhaltung deutlich sichtbarLeicht palpabel
Grad IIIGrosse Struma (massiv)Schon von weitem sichtbar, auch bei geschlossener KleidungMassiv vergroessert, oft mit Kompressionssymptomen
In der Prufung wird haufig gefragt: „Was bedeutet Grad-I-Struma?" → Antwort: Eine Schilddruse, die nicht sichtbar, aber tastbar ist (und sich beim Schlucken nach oben bewegt).

Klassifikation nach Funktionszustand

  • Euthyreote Struma: Normale Schilddrüsenfunktion (haufigste Form, z. B. Jodmangelstruma)
  • Hyperthyreote Struma: Uberfunktion → Morbus Basedow, toxisches Adenom
  • Hypothyreote Struma: Unterfunktion → Hashimoto-Thyreoiditis
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13. Prufungstipps & haufige Fragen

Haufige Prufungsfragen Ohrenuntersuchung

1. Beschreiben Sie den Weber-Test!
Antwort: Stimmgabel anschlagen, auf den Scheitel des Patienten setzen und fragen, in welchem Ohr der Ton lauter wahrgenommen wird. Lateralisation zum kranken Ohr = Schallleitungsstorung; zum gesunden Ohr = Schallempfindungsstorung.
2. Beschreiben Sie den Rinne-Test!
Antwort: Stimmgabel auf Warzenfortsatz setzen (Knochenleitung), sobald der Ton verschwindet, Stimmgabel vor das Ohr halten (Luftleitung). LL besser als KL = Rinne positiv (normal oder SE-Storung). KL besser als LL = Rinne negativ (SL-Storung).
3. Unterschied Schallleitungs- vs. Schallempfindungsstorung?
Antwort: SL-Storung = Problem im ausseren Ohr/Mittelohr → Rinne negativ. SE-Storung = Problem im Innenohr/Hornerv → Rinne positiv.
4. Wozu dient der Romberg-Test?
Antwort: Prufung der propriozeptiven Ruckmeldung und Kleinhirnfunktion. Positiv = physiologisch (leichte Schwankung); dekompensiert (Sturz) = pathologisch.

Haufige Prufungsfragen Schilddrusenuntersuchung

1. Beschreiben Sie die Palpation der Schilddruse!
Antwort: Von hinten, Daumen auf den Nacken, Finger palpieren unter dem Schildknorpel, Patient schlucken lassen → Grosse, Konsistenz, Verschieblichkeit, Schmerzhaftigkeit beurteilen.
2. Was ist das Ligamentum suspensorium (Berry-Ligament)?
Antwort: Es verbindet die Schilddruse mit der Trachea und sorgt fur die kraniale Bewegung beim Schlucken. Es ist auch eine wichtige chirurgische Leitstruktur.
3. Welche Arterien versorgen die Schilddruse?
Antwort: A. thyroidea superior (aus A. carotis externa) und A. thyroidea inferior (aus Truncus thyrocervicalis der A. subclavia). Optional: A. thyroidea ima.
4. Was bedeutet „Grad-I-Struma"?
Antwort: Nicht sichtbar, aber tastbar und beim Schlucken nach oben beweglich.
5. Welches Gefassgeriusch weist auf eine Hyperthyreose hin?
Antwort: Ein Stromungsgeriusch uber der Schilddruse bei der Auskultation, bedingt durch die gesteigerte Vaskularisation (hypervaskularisierte Schilddruse = Struma basedowiana).

Do's & Don'ts in der Prufung

Do's
  • Patient immer um Erlaubnis bitten
  • Hande waschen vor der Untersuchung
  • Stimmgabel korrekt anschlagen (nicht auf harte Flache)
  • Bei Schluckversuch Wasser anbieten
  • Befunde klar und strukturiert benennen
  • WHO-Klassifikation kennen und anwenden
Don'ts
  • Stimmgabel nicht auf Tisch oder harte Oberflache schlagen
  • Nicht abwechselnd Ohr und Knochenleitung prufen, ohne Reihenfolge einzuhalten
  • Den Romberg-Test nicht bei unsicheren Patienten weglassen
  • Schilddruse nicht schmerzhaft palpieren ohne Grund
  • Nicht vergessen, die Durchblutung (Auskultation) zu prufen
  • Den N. laryngeus recurrens und seine Gefahrdung bei der OP nicht vergessen

Zusammenfassung: Komplette Untersuchungssequenz

1. Inspektion Ohren (Verletzungen, Form) v 2. Flusterstimmentest (beidseits) v 3. Weber-Test (Scheitel) v 4. Rinne-Test (Warzenfortsatz -> Gehorgang) v 5. Romberg-Test & Koordination v -> Differenzierung: SL- vs. SE-Storung
1. Inspektion Schilddruse (vorne, Reklination) v 2. Palpation Schilddruse (von hinten, beim Schlucken) v 3. Auskultation (Gefassgeriusch?) v -> Befund: Struma grad?, Konsistenz?, Gefassgeriusch?

Zusammenfassung basierend auf den Vorlesungstranskripten – Ohrenuntersuchung & Schilddrusenuntersuchung

Erstellt fur die medizinische Kenntnisprufung