Persönliches Lernmaterial: Diese Zusammenfassung dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt weder offizielle Vorgaben noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Lymphknoten – Klinische Untersuchung

Systematische Untersuchung und Befundung der Lymphknotenstationen: Inspektion, Palpation, Kriterien und differenzialdiagnostische Überlegungen

🩺 Klinische Untersuchung 🔬 Inspektion & Palpation 📋 Differenzialdiagnose ⚕️ Kenntnisprüfung

1. Grundlagen und Bedeutung der Lymphknotenuntersuchung

Die Untersuchung der Lymphknoten ist ein fester Bestandteil der körperlichen Untersuchung und liefert wichtige Hinweise auf infektiöse, entzündliche und maligne Erkrankungen. Lymphknoten sind als Filterstationen des Immunsystems an strategisch wichtigen Stellen des Körpers verteilt und reagieren auf pathologische Prozesse mit Größenveränderungen, Konsistenzänderungen oder Schmerzhaftigkeit.

Die systematische Untersuchung umfasst die Inspektion (Betrachtung) und die Palpation (Tastuntersuchung) und folgt einem strukturierten Ablauf, der in der Kenntnisprüfung reproduzierbar dargestellt werden muss.

2. Inspektion

Die Inspektion ist der erste Schitter Schritt und erfolgt vor jeder Palpation. Der Untersucher betrachtet die relevanten Regionen systematisch mit bloßem Auge.

Was wird inspiziert?

  • Schwellung (Tumor): Sichtbare Vergrößerungen einzelner oder mehrerer Lymphknoten (z. B. Paketlymphknoten)
  • Rötung (Rubor): Entzündungszeichen über den Lymphknotenstationen
  • Überwärmung (Calor): Kann auf akute Entzündungen hinweisen
  • Fundus: Bei der zervikalen Untersuchung ggf. Augenhintergrund inspizieren (z. B. bei Hodgkin-Lymphom)
  • Zeichen einer Infektion: Eitrige Prozesse, Fistelöffnungen, Narben
  • Malignitätszeichen: Fixierte, unregelmäßige Schwellungen
  • Abflussgebiet: Hautareale, von denen die Lymphe zu den regionären Lymphknoten fließt (z. B. Ekzem im Versorgungsgebiet)
⚠️ Wichtig für die Prüfung

Der Prüfer erwartet eine strukturierte Beschreibung des Inspektionsbefundes. Beginnen Sie immer mit dem allgemeinen Inspektionsbefund, bevor Sie zur Palpation übergehen. Benennen Sie die Region, die Sie inspizieren, und beschreiben Sie objektiv, was Sie sehen.

3. Palpation

3.1 Grundprinzipien

Die Palpation der Lymphknoten erfordert eine entspannte Lagerung des Patienten und die Verwendung der Fingerspitzen. Der Patient muss sich in einer entspannten Lage (relaxierte Position) befinden, damit die darunterliegenden Strukturen optimal getastet werden können.

✅ Technik

Man tastet mit den Fingerspitzen kreisende oder wischende Bewegungen und versucht, den Knoten zwischen Zeigefinger und Daumen zu erfassen und zu bewegen. So können Größe und Verschieblichkeit gegenüber dem umgebenden Gewebe geprüft werden.

3.2 Palpationskriterien – Die 4 Hauptkriterien

Für die Beurteilung eines Lymphknotens gelten folgende Kriterien, die in der Prüfung standardisiert angegeben werden müssen:

KriteriumWas wird beurteilt?Pathologisch wenn…
1. LokalisationWo befindet sich der LK? Welcher Abflussregion entspricht er?Abweichung von der normalen Anatomie, ungewöhnliche Lage
2. Größe (Durchmesser)Wie groß ist der LK?Über 1 cm (Nodus > 1 cm gilt als vergrößert / pathologisch)
3. KonsistenzHart, weich, derb, prallelastisch?Hart → maligne. Weich/schmerzhaft → akute Entzündung
4. DruckschmerzhaftigkeitSchmerzhaft bei Palpation?Schmerzhaft → akute Infektion. Schmerzlos → chronisch/maligne
📌 Prüfungstipp

Prüfer fragen häufig: „Beschreiben Sie, wie Sie einen Lymphknoten beurteilen." Die Antwort folgt dem Schema: Lokalisation → Größe → Konsistenz → Druckschmerzhaftigkeit (plus ggf. Verschieblichkeit und Anzahl).

3.3 Konsistenz – Detaillierte Differenzierung

🔹 Weich / Weichelastisch

  • Normalbefund (kleine, weiche LK)
  • Akute Entzündung
  • Infektiöse Mononukleose

🔸 Hart / Derb

  • Maligne Erkrankung
  • Lymphom
  • Metastase

Spezifische Konsistenzbefunde

  • Akute Entzündung: Druckschmerzhaft, derb, überwärmt
  • Chronische Lymphadenitis: Meist schmerzlos oder nur leicht schmerzhaft
  • Malignom / Lymphom: Typischerweise schmerzlos, derb bis hart, schlecht verschieblich
  • Virale Infektion (z. B. EBV): Druckschmerzhaft, weich bis derb, oft beidseitig zervikal
  • Alkoholschmerz: Klassisch bei Lymphomen — Schmerz nach Alkoholgenuss (bei Hodgkin-Lymphom beschrieben)
🚨 Kritischer Hinweis

Hart, schmerzlos und fixiert = dringender Malignitätsverdacht. Sofortige weitere Diagnostik erforderlich!

4. Wichtige Lymphknotenstationen

4.1 Zervikale Lymphknoten (Hals)

Die zervikalen Lymphknoten werden in verschiedene Gruppen unterteilt, die unterschiedlichen Abflussgebieten entsprechen.

LymphknotengruppeLokalisationAbflussgebiet / Klinische Bedeutung
Okzipitale LKAm Hinterkopf / OcciputAbflussgebiet: Kopfhaut. Vergrößert bei lokalen Infekten, Röteln, Rubella
Präaurikuläre LKVor dem OhrAbflussgebiet: äußerer Gehörgang, Augenlid. Bei Konjunktivitis, Otitis externa
Submandibuläre LKUnterhalb des KieferwinkelsAbflussgebiet: Gesicht, Zähne, Gingiva, Mundboden
Submentale LKUnterhalb des KinnsAbflussgebiet: Kinn, Unterlippe, Zungenspitze
Zervikale LK (oberflächlich)Entlang der V. jugularisAbflussgebiet: Pharynx, Tonsillen, Schilddrüse
NackenlymphknotenNackenregionUnspezifisch, aber auch bei Toxoplasmose, HIV
📌 Virchow-Drüse – der wichtigste Befund

Die Virchow-Drüse (supraklavikulärer LK links) ist ein tastbarer, vergrößerter Lymphknoten oberhalb der linken Klavikula. Sie ist ein klassischer Hinweis auf eine maligne Erkrankung, insbesondere auf:

  • Gastro-intestinale Karzinome (Magenkarzinom = häufigste Ursache!)
  • Bronchialkarzinom
  • Ösophaguskarzinom

Merke: „Virchow" = VIP-Zeichen (Very Important Pathological sign) für Malignität!

4.2 Inguinale Lymphknoten (Leiste)

Die inguinalen Lymphknoten werden in zwei Gruppen eingeteilt:

🔹 Horizontale Gruppe

  • Tastbar direkt unterhalb des Leistenbandes
  • Abflussgebiet: Untere Bauchwand, äußeres Genital, Gesäß, Analkanal, distales Rektum
  • Klinisch wichtig: Bei Tumorerkrankungen im Beckenbereich

🔹 Vertikale Gruppe

  • Tastbar im Bereich des Femoraldreiecks (medial der V. femoralis)
  • Abflussgebiet: Untere Extremität (Bein, Fuß)
  • Enthält die Rosenmüller-Drüse (Rosemüller-LK)
ℹ️ Klinische Besonderheit

Die Rosenmüller-Drüse (Cyrano-Drüse) ist ein rudimentärer Lymphknoten in der Fossa ischioanalis. Sie kann bei analen/rektalen Karzinomen vergrößert sein.

4.3 Axilläre Lymphknoten (Achselhöhle)

Die Achselhöhle enthält mehrere Lymphknotengruppen, die nach ihrer topographischen Lage benannt werden:

GruppeLokalisationAbflussgebiet / Klinische Relevanz
Laterale LK (Lateralgruppe)Seitliche AxillaAbflussgebiet: obere Extremität
Pektoral LK (Pectoralgruppe)Vordere AxillaAbflussgebiet: Vorderwand Thorax, Mamma
Zentrale LK (Centralgruppe)Zentrum der AxillaGrößte LK-Gruppe; drainiert alle anderen axillären LK
Subscapuläre LKHintere AxillaAbflussgebiet: Rücken, hintere Thoraxwand
Apikale LKSpitze der AxillaDrainieren alle übrigen axillären LK; bei Mammakarzinom besonders wichtig
✅ Untersuchungstechnik der Axilla

Der Patient streckt die Arme hoch. Der Untersucher fasst tief in die Axilla und lässt den Patienten die Arme langsam senken. So werden die axillären Falten entfaltet und die LK können optimal getastet werden. Alternativ kann man die Axilla beidseitig gleichzeitig untersuchen.

📌 Mamma-Karzinom Connection

Bei Mammakarzinom: Die axillären Lymphknoten sind die erste Filterstation für die Lymphdrainage der Brust. Tastbare axilläre LK bei einem Mammakarzinom sind ein prognostisch ungünstiges Zeichen (N+ = node-positive disease).

5. Differenzialdiagnose vergrößerter Lymphknoten

5.1 Häufige Ursachen nach Erkrankungsgruppen

🔹 Infektiös / Entzündlich

  • Bakterielle Infekte (Streptokokken, Staphylokokken)
  • Virale Infekte (EBV = infektiöse Mononukleose, CMV, HIV, Röteln)
  • Katzenkratzkrankheit (Bartonella)
  • Tuberkulose
  • Toxoplasmose

🔸 Maligne Erkrankungen

  • Lymphome (Hodgkin & Non-Hodgkin)
  • Leukämien
  • Metastasen (Mamma-, Bronchial-, GI-Karzinom)
  • Virchow-Drüse → Magenkarzinom

5.2 Typische klinische Konstellationen

BefundWahrscheinlichste DiagnoseErgänzende Hinweise
Beidseitig zervikal, weich, schmerzhaft, Fieber, PharyngitisInfektiöse Mononukleose (EBV)Halslymphknoten oft bilateral; Splenomegalie möglich
Supraklavikulär links, schmerzlos, hartVirchow-Drüse → Malignom (Magen-Ca)Gastro-intestinales Karzinom ausschließen
Zervikal, schmerzlos, derb, B-SymptomatikLymphom (Hodgkin/Non-Hodgkin)B-Symptome (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust)
Axillär, schmerzhaft, gerötetAkute Lymphadenitis (bakteriell)Oft nach Hautinfektion im Arm-Bereich
Zervikal, chronisch, schmerzlosTuberkulose (Scrofula)V. a. Tuberkulose bei längerer Anamnese
Inguinal, schmerzlos, kleinNormalbefund (bis 1,5 cm)Bei > 1 cm: weitere Abklärung

6. Klinisches Management – Wann zur Histologie?

Die zentrale Entscheidungsfrage in der Praxis und Prüfung lautet: Wann muss ein Lymphknoten operativ entfernt und histologisch untersucht werden?

🚨 Regel: 8-Wochen-Regel

Wenn ein Lymphknoten länger als 8 Wochen unverändert bestehen bleibt und/oder keine erkennbare Ursache (z. B. Infektion) vorliegt, sollte eine vollständige Exstirpation (Exzision) zur histologischen Untersuchung erfolgen.

6.1 Komplikationen der Lymphknotenexstirpation

🔸 Mögliche Komplikationen

  • Wundinfektion: Bakterielle Kontamination
  • Hämatom: Blutansammlung im Wundgebiet
  • Lymphödem: Störung des Lymphabflusses, Schwellung der betroffenen Extremität
  • Nervenverletzung: (z. B. N. thoracicus longus bei Axilla-OP)
  • Nachblutung, Keloidbildung

⚠️ Besonders bei Malignom

  • Bei ausgedehnter Axilla-OP: erhöhtes Risiko für Armlymphödem
  • Nach inguinaler Exstirpation: Beinlymphödem möglich
  • Wundheilungsstörungen bei Bestrahlung

7. Schnellübersicht: Lymphknotenbefunde auf einen Blick

BefundSchmerzhaft?KonsistenzTypische Ursache
Klein, weich, mobilNeinPrallelastischNormalbefund
Vergrößert, gerötet, warmJaWeich bis derbAkute Entzündung
Hart, schmerzlos, fixiertNeinHart/SteinhartMalignom / Lymphom
Supraklavikulär linksMeist schmerzlosDerbVirchow-Drüse → GI-Ca (Magen!)
Beidseitig zervikal, weichJaWeichEBV (infektiöse Mononukleose)
Chronisch, schmerzlosKaum/schwachDerbTB, Sarkoidose, Lymphom

8. Prüfungs-Checkliste – Was muss ich können?

📋 Checkliste für die praktische Prüfung (OSCE / Kenntnisprüfung)
  • Patientenlagerung: Patient entspannt lagern (Muskulatur erschlafft), gute Zugänglichkeit der zu untersuchenden Region
  • Inspektion: Immer zuerst inspizieren — Schwellung, Rötung, Überwärmung, Paketlymphknoten, Malignitätszeichen
  • Palpation: Fingerspitzen verwenden, kreisende/wischende Bewegungen, LK zwischen Fingern bewegen
  • Befundbeschreibung: Lokalisation → Größe → Konsistenz → Druckschmerzhaftigkeit → Verschieblichkeit
  • Größenregel: Über 1 cm Durchmesser = pathologisch (Ausnahme: inguinal bis 1,5 cm können normal sein)
  • Virchow-Drüse: Lokalisation kennen (supraklavikulär links), klinische Bedeutung für GI-Karzinome
  • Axilla: Alle 5 Gruppen kennen (lateral, pektoral, zentral, subscapulär, apikal)
  • Inguinalregion: Horizontalgruppe und Vertikalgruppe anatomisch zuordnen
  • Indikation zur Exstirpation: Persistenz über 8 Wochen ohne erkennbare Ursache
  • Komplikationen: Infektion, Hämatom, Lymphödem
  • Differenzialdiagnosen: Infektiös (EBV, TB), maligne (Lymphom, Metastasen), autoimmun
  • B-Symptomatik: Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust → Lymphom-Diagnostik einleiten
🔑 Die 3 goldenen Regeln der Lymphknotenuntersuchung
  1. Immer erst inspizieren, dann palpieren — niemals andersherum!
  2. Immer entspannte Muskulatur — der Patient muss locker sein, sonst tastet man Muskulatur, nicht LK
  3. Immer alle 4 Kriterien angeben: Lokalisation + Größe + Konsistenz + Druckschmerzhaftigkeit

Lymphknoten – Klinische Untersuchung & Befundung
Zusammenfassung auf Basis der Vorlesungstranskripte | Vollständig überarbeitete Fassung