Klinische Lungen- und Thoraxuntersuchung
Schwerpunkt: Kenntnisprüfung (Innere Medizin & Chirurgie)
1. Die vier Säulen der Lungenuntersuchung
Inspektion
Sehen & Beobachten
Palpation
Tasten & Fühlen
Perkussion
Klopfen & Resonanz
Auskultation
Hören & Lauschen
Die korrekte Reihenfolge ist entscheidend: Inspektion → Palpation → Perkussion → Auskultation. Diese Reihenfolge ist bei der Lungenuntersuchung streng einzuhalten (anders als beim Abdomen, wo die Auskultation vor der Perkussion und Palpation kommt).
2. Inspektion (Betrachtung)
Die Inspektion ist der erste und einer der wichtigsten Schritte. Folgende Punkte müssen systematisch beurteilt werden:
2.1 Atemfrequenz (Atemzugsfrequenz)
- Erwachsene: 12–20 Atemzüge/min (je nach Lehrbuch 14–18 oder 14–20)
- Kinder: 16–25 Atemzüge/min (altersabhängig, höhere Frequenz als bei Erwachsenen)
- Säuglinge: 30–60/min
| Begriff | Definition | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|
| Tachypnoe | Atemfrequenz > 20/min (Erw.) | Pneumonie, Lungenembolie, azidose, Angst, Schmerz, Fieber |
| Bradypnoe | Atemfrequenz < 12/min | ZNS-Depression (Opioide, Sedativa), erhöhter ICP, metabolische Alkalose |
| Orthopnoe | Atemnot in flacher Lagerung | Linksherzinsuffizienz, Asthma, COPD, Pleuraerguss |
| Apnoe | Atemstillstand | Atemstillstand,需要在 weitere Abklärung |
2.2 Atemtyp und Atemform
2.3 Atemexkursion (Thoraxbewegung)
Die Atemexkursion beschreibt die symmetrische Hebung und Senkung des Thorax während der Inspiration und Exspiration.
- Beide Thoraxhälften sollen sich gleichmäßig heben und senken
- Die Atemexkursion soll 5–6 cm betragen
- Asymmetrien deuten auf pathologische Prozesse hin
2.4 Atemhilfsmuskulatur
Bei verstärktem Atemantrieb oder Obstruktion werden die Atemhilfsmuskulatur eingesetzt:
- M. sternocleidomastoideus (Kopfnicker)
- M. trapezius (Trapezmuskel)
- M. scaleni (Treppenmuskeln)
- M. pectoralis major/minor (Brustmuskeln)
- Interkostalmuskulatur
- MM. serratus anterior/posterior
2.5 Trachea (Luftröhre)
- Mediastinalverschiebung zur Gegenseite → Spannungspneumothorax, großer Pleuraerguss, ausgedehnte Tumoren
- Mediastinalverschiebung zur betroffenen Seite → Atelektase, Lungenfibrose, Lobärpneumonie (Zug nach oben)
2.6 Thoraxform (Thoraxdeformitäten)
| Deformität | Beschreibung | Bei Erkrankungen |
|---|---|---|
| Fassthorax (Faßthorax) | Horizontale Rippenstellung, verbreiterter Thorax, verminderte Exkursion | COPD, Emphysem (Lungenüberblähung) |
| Trichterbrust (Pectus excavatum) | Einbuchtung des Sternums nach innen | Meist kongenital, kosmetisch |
| Kielbrust (Pectus carinatum) | Vorwölbung des Sternums nach außen | Meist kongenital |
| Harrison-Furche | Horizontale Impression am Ansatz des Zwerchfells | Chronische Asthma bronchiale, Rachitis bei Kindern |
| Skoliose / Kyphose | Wirbelsäulenverkrümmung | Sellink-Symptom, thorakale Deformität |
| Schwanenhals | Überstreckter Hals, eingezogene Supraklavikularregion | Schwere COPD / Asthma |
2.7 Weitere Inspektionsbefunde
- Zyanose — zentral (Lippen, Zunge) = Hypoxämie; peripher (Akren) = periphere Durchblutungsstörung
- Jugularvenenstauung (JVD) — erhöhter zentralvenöser Druck (Rechtsherzinsuffizienz, Perikarderguss)
- Narben — frühere Thorakotomien, Resektionen (z. B. Lobektomie, Pneumektomie)
- Asymmetrien — Vorwölbung einer Thoraxhälfte (Pleuraerguss, Spannungspneumothorax, Tumoren)
- Einziehungen — interkostale oder suprasternale Einziehungen (schwere Atemnot, Asthma, COPD)
- Clubbing (Trommelschlegelfinger) — bei Bronchialkarzinom, chronischen Lungenerkrankungen, Bronchiektasen
- Lippenzittern — bei Hyperkapnie (COPD)
3. Palpation (Tastuntersuchung)
Die Palpation des Thorax umfasst drei Hauptuntersuchungen:
3.1 Thoraxkompression (Schmerzprovokation)
- Kompression von ventral und dorsal gleichzeitig
- Fester, aber nicht brutaler Druck
- Zum Schluss: Thorax vorsichtig komprimieren
- Nicht die Handfläche komplett auflegen — dies kann das Atemgeräusch verfälschen
- Nicht schmerzhaft stark drücken
Die Thoraxkompression dient der Schmerzprovokation bei:
- Rippenserienfraktur
- Rippenfraktur
- Thoraxtrauma
- Pleuritis (schmerzhafte Atmung)
Der Patient wird von ventral und dorsal gleichzeitig komprimiert. Schmerzhaftigkeit weist auf eine Fraktur oder Pleuritis hin.
3.2 Stimmfremitus (Tastbare Schallübertragung)
- Patient bittet den Patienten, «66» oder «99» oder «einen langen Ton» zu sagen
- Der Untersucher legt die Innenfläche der Finger (nicht die ganze Handfläche!) auf den Thorax des Patienten
- Die Mittel- und Zeigefinger (der Mittelhand) liegen flach auf der Haut
- Die restlichen Finger und die Handfläche sollen leicht angehoben sein und den Patienten nicht berühren
- Vergleich symmetrischer Punkte links und rechts
Der Stimmfremitus (auch: tastbare Stimmübertragung, fühlbare Resonanz) wird durch die Vibration der Stimmlippen erzeugt und über das Bronchialsystem an die Thoraxwand übertragen:
| Stimmfremitus | Befund | Bedeutung |
|---|---|---|
| Normal | Symmetrische Vibration links = rechts | Normale Lungenbelüftung |
| Verstärkt | Stärker tastbar als üblich | Konsolidierung / Infiltration (Pneumonie) — der Schall wird besser übertragen |
| Abgeschwächt | Kaum oder nicht tastbar | Pleuraerguss, Pneumothorax, Asthma, COPD, Bronchialobstruktion, Pleuraverdickung |
3.3 Atemexkursion palpatorisch
Die palpatorische Prüfung der Atemexkursion ergänzt die Inspektion:
- Der Untersucher legt beide Hände mit den Daumen auf den Rücken des Patienten (Thoraxmitte)
- Die Daumen liegen symmetrisch und werden während der Atmung beobachtet
- Bei asymmetrischer Bewegung: Hinweis auf einseitige Lungenerkrankung (Pleuraerguss, Pneumothorax, Atelektase)
- Die Exkursionsdistanz beträgt normalerweise 5–6 cm
4. Perkussion (Klopfuntersuchung)
- Mittel Finger (Mittelphalanx) des linken Mittelfingers auf den Thorax legen
- Mit dem rechten Mittelfinger (am besten Zeigefinger) kräftig auf das Mittelgelenk des linken Fingers schlagen
- Der Schlag soll kurz und präzise sein
- Perkussion von oben nach unten, immer im Seitenvergleich
- Bei der Leberperkussion: rechts beginnen (volle Lunge), dann nach links wandern (Grenze am linken Sternalrand)
4.1 Perkussionsklänge — Normalbefund
| Bereich | Perkussionsschall | Erklärung |
|---|---|---|
| Über der Lunge | Sonorer Klopfschall (voller, tiefer Ton) | Luftgefülltes Lungengewebe |
| Über der Leber | Gedämpfter Klopfschall | Parenchymorgan unter der Lunge |
| Über dem Herzen | Gedämpfter Klopfschall | Herz als solides Organ |
| Über Magen/Darm | Tympanitischer Klopfschall | Luft im Magen-Darm-Trakt |
4.2 Pathologische Perkussionsbefunde
| Befund | Klang | Bedeutung |
|---|---|---|
| Pleuraerguss | Abgeschwächt bis gedämpft (stumpf) | Flüssigkeit in der Pleurahöhle verdrängt Luft |
| Pneumothorax | Tympanitisch (hypersonor, laut) | Luft in der Pleurahöhle — verstärkte Schwingung |
| Spannungspneumothorax | Hypersonorer, tympanitischer Klopfschall | Erhöhter intrapleuraler Druck, Mediastinalshift |
| Pneumonie (Konsolidierung) | Gedämpfter Klopfschall | Alveolen gefüllt mit Exsudat statt Luft |
| Lungenfibrose | Leicht gedämpfter Klopfschall | Verhärtetes Lungengewebe |
| Atelektase | Stumpfer, gedämpfter Klopfschall | Kollabierte oder luftleere Lunge |
| Bronchialkarzinom | Je nach Lage: gedämpft oder tympanitisch | Tumorbedingt |
| Lungenüberblähung (COPD) | Hypersonorer Klopfschall | Überblähte Alveolen |
4.3 Lungengrenzen (Perkussion der Lungengrenzen)
Die Lungengrenzen werden perkutorisch bestimmt. Normalerweise liegt die Lungenbasis in der Midklavikularlinie in Höhe des 6. Interkostalraums und in der Medianaxillarlinie in Höhe des 8. Interkostalraums.
- Patient atmet normal weiter (normale Atmung)
- Beginn der Perkussion: Von der Lunge nach kaudal
- Der Übergang von sonorem zu gedämpftem Schall markiert die Lungengrenze
- Inspiration und Exspiration: Die Lungengrenze verschiebt sich normalerweise um 3–6 cm (Zwerchfellexkursion)
- Patient macht dann maximale Inspiration und Exspiration — Zwerchfellexkursion messen
- Nach kranial verschoben (hoch): Pleuraerguss, Spannungspneumothorax (auf der betroffenen Seite), Zwerchfellhochstand
- Nach kaudal verschoben (tief): Lungenemphysem, Asthma bronchiale
5. Auskultation (Abhorchen)
- Patient aufrecht setzen (oder im Bett aufrecht lagern)
- Arme verschränken oder Hände auf die Schultern legen → Schulterblätter werden gespreizt, bessere Belüftung der Lungenfelder
- Stethoskop mit der Membran auflegen (nicht mit der whole Hand!)
- Symmetrisch hören: links und rechts im Vergleich, von oben nach unten
- Patient tief durch den Mund atmen lassen (nicht durch die Nase)
- Sowohl ventral (vorne) als auch dorsal (hinten) auskultieren
- Mindestens einen full Atemzug pro Punkt anhören
- ✅ Immer symmetrisch vergleichen (links vs. rechts)
- ✅ Membran des Stethoskops verwenden (für hohe Frequenzen)
- ✅ Nur die Fingerkuppen (Zeige- und Mittelfinger) auf den Patienten legen — nicht die ganze Handfläche
- ❌ Nicht die ganze Handfläche auflegen — dies stört das Atemgeräusch und verfälscht die Wahrnehmung
- ❌ Nicht bei kaltem Stethoskop abhören — dies verursacht Muskelzittern
5.1 Normale Atemgeräusche
| Geräusch | Charakteristik | Normalbefund über |
|---|---|---|
| Vesikuläratmen | Weich, blasend, leise; during inspiration zunehmend, during expiration endet früh; kein Intervall zwischen in- und exspiration | Normale Lungenperipherie |
| Bronchialatmen | Rauh, röhrenförmig; mit Intervall zwischen Inspiration und Exspiration; hörbar über dem Sternum | Normalerweise über der Trachea und großen Bronchien (vom Patienten nicht wahrnehmbar) |
| Bronchovesikuläratmen | Mischform zwischen Vesikulär- und Bronchialatmen | Interskapulär, über dem Manubrium sterni |
5.2 Pathologische Atemgeräusche und zusätzliche Geräusche
5.2.1 Bronchialatmen (pathologisch)
Bronchialatmen über der Lunge ist immer pathologisch und zeigt eine Konsolidierung:
- Pneumonie (häufigste Ursache) — Bronchialatmen über dem Infiltrat
- Atelektase (Lungenkollaps)
- Großer Pleuraerguss (oberhalb des Ergusses)
- Lungenfibrose
5.2.2 Rasselgeräusche (Krepitieren / Ronchi)
| Typ | Charakteristik | Bedeutung |
|---|---|---|
| Feinblasiges Rasseln (Feinronchi, Krepitation) | Fein, knisternd, wie Haare reiben; bei Inspiration zunehmend; nicht weghustbar | Pneumonie (Alveolen gefüllt), Lungenödem, Alveolitis, beginnende Herzinsuffizienz |
| Grobblasiges Rasseln (Grobronchi) | Blubbernde Geräusche; tief; bei In- und Exspiration; weghustbar | Bronchiektasen, Bronchitis, Lungenedem (spätes Stadium) |
| Giemen (Sibilantes) | Hochfrequent, pfeifend, summend; besonders bei Exspiration | Bronchospasmus: Asthma bronchiale, COPD, Bronchitis |
| Brummen (Sonores) | Tief, bassartig, brummend; besonders bei Exspiration | Große Atemwege betroffen: Bronchitis, COPD |
5.2.3 Metallische Atemgeräusche
- Metallisches Bronchialatmen — sehr lautes, raues Bronchialatmen; typisch bei Lungenabszess, Kavernen (z. B. Tuberkulose), großen Pneumonieherden
- Metallische Rasselgeräusche — bei Lungenabszess, Bronchiektasen
5.2.4 Pleurales Reibegeräusch (Pleuralreiben)
- Klingt wie Leder reiben oder Knarren
- Entsteht durch Reibung der entzündeten Pleura (Pleuritis sicca / Fibrinosa)
- Bei In- und Exspiration hörbar
- Nicht weghustbar
- Typisch bei: Pleuritis, Perikarditis (perikardiales Reiben), Peritonitis
- Pleuritis sicca (fibrinöse Pleuritis): Harter, schmerzhafter Reibungsgeräusch; zu Beginn der Pleuritis
- Pleuritis exsudativa: Reibegeräusch verschwindet, wenn sich Flüssigkeit zwischen den Pleurablättern ansammelt (Flüssigkeit dämpft das Geräusch)
5.2.5 Stridor
Ein Stridor ist ein inspiratorisches (oder exspiratorisches) Atemgeräusch, das auf eine Obstruktion der oberen Atemwege hinweist:
- Inspiratorischer Stridor — Obstruktion auf Höhe Larynx/Trachea (Fremdkörperaspiration, Larynxödem, Epiglottitis, Krupp)
- Exspiratorischer Stridor — Obstruktion der unteren Trachea oder Bronchien
5.2.6 Abgeschwächtes oder fehlendes Atemgeräusch
- Pleuraerguss — Atemgeräusch abgeschwächt oder fehlend über dem Erguss
- Pneumothorax — Atemgeräusch abgeschwächt oder fehlend auf der betroffenen Seite
- 重度 Asthma / COPD — abgeschwächtes Vesikuläratmen durch Air trapping
- Bronchialobstruktion (Tumor, Fremdkörper) — fehlendes Atemgeräusch distal der Obstruktion
- Pleuradickung — durch Narbengewebe
5.3 Stimmübertragung (Auskultatorisch)
Neben dem tastbaren Stimmfremitus gibt es die auskultatorische Stimmübertragung:
- Bronchophonie — verstärkte Stimmübertragung (Patient sagt «66» laut, und der Untersucher hört es verstärkt über einem konsolidierten Bereich)
- Ägophonie — hohe, piepsige Stimmübertragung (bei Pleuraerguss — die Stimme klingt wie ein «Mekkern» einer Ziege)
- Pektrolalie — ungewöhnlich laute, nasal klingende Stimmübertragung
6. Sonderthemen und spezielle Untersuchungssituationen
6.1 Phrenikusparese (Zwerchfelllähmung)
- Der Nervus phrenicus (C3–C5) innerviert das Zwerchfell motorisch
- Bei Parese: ipsilaterale Zwerchfellparalyse → Zwerchfellhochstand
- Ursachen: OP (Herzchirurgie), Tumoren, Trauma, idiopathisch
- Klinisch: Paradoxe Zwerchfellbewegung — bei Inspiration steigt das gelähmte Zwerchfell (statt zu sinken)
6.2 Spannungspneumothorax
Der Spannungspneumothorax ist ein klinischer Notfall:
| Befund | Erklärung |
|---|---|
| Hypersonorer Klopfschall | Luft in der Pleurahöhle |
| Abgeschwächtes Atemgeräusch | Kollabierte Lunge |
| Trachea-Deviation zur Gegenseite | Mediastinalshift durch Überdruck |
| Jugularvenenstauung | Behinderter venöser Rückfluss |
| Hypotonie, Tachykardie | Obere Einflussstauung, reduziertes Herzzeitvolumen |
6.3 Bronchialkarzinom — typische Untersuchungsbefunde
- Inspektion: Facies hectica, Gewichtsverlust, Clubbing, zentrale Zyanose
- Stimmfremitus: Abgeschwächt bei zentralem Tumor (Obstruktion)
- Perkussion: Gedämpfter Klopfschall über dem Tumor
- Auskultation: Bronchialatmen, abgeschwächtes Atemgeräusch, ggf. Stridor (bei Trachealobstruktion)
- Trachea: Bei Pancoast-Tumor: Trachealdeviation, Horner-Syndrom (Ptosis, Miosis, Anhidrose)
6.4 Pneumonie — typische Untersuchungsbefunde
- Inspektion: Tachypnoe, Fieber, Schüttelfrost, produktiver Husten, eitriges Sputum
- Stimmfremitus: Verstärkt über dem Infiltrat
- Perkussion: Gedämpfter Klopfschall über dem Infiltrat
- Auskultation: Bronchialatmen + feinblasiges Rasseln (Krepitation) + Bronchophonie
6.5 COPD / Emphysem — typische Untersuchungsbefunde
- Inspektion: Fassthorax, Atemhilfsmuskulatur aktiv, Lippenzittern, Flachexhaling, barrel chest
- Atemfrequenz: Tachypnoe oder Bradypnoe bei fortgeschrittener Erkrankung
- Stimmfremitus: Abgeschwächt (durch Air trapping und verminderte Schallübertragung)
- Perkussion: Hypersonorer Klopfschall (Lungenüberblähung)
- Auskultation: Abgeschwächtes Vesikuläratmen, verlängertes Exspirium, Giemen und Brummen (exspiratorisch)
7. Prüfungstipps und häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen Pneumothorax und Pleuraerguss perkutorisch?
→ Pneumothorax = hypersonor/tympanitisch; Pleuraerguss = gedämpft/stumpf - Was ist der Unterschied im Stimmfremitus bei Pneumonie vs. Pleuraerguss?
→ Pneumonie: verstärkt; Pleuraerguss: abgeschwächt - Was ist Vesikuläratmen vs. Bronchialatmen und wie unterscheidet man sie?
→ Bronchialatmen hat ein Intervall, Vesikuläratmen nicht - Was ist der Stimmfremitus und wie führt man ihn korrekt durch?
→ Nur Fingerkuppen auflegen, nicht die ganze Hand - Was sind die Zeichen eines Spannungspneumothorax?
→ Hypersonorer Klopfschall + abgeschwächtes Atemgeräusch + Tracheadeviation + JVD - Was ist Cheyne-Stokes vs. Kussmaul vs. Biot?
→ Cheyne-Stokes: wellenförmig; Kussmaul: tief und regelmäßig; Biot: unregelmäßig mit Pausen - Was ist die korrekte Reihenfolge der Lungenuntersuchung?
→ IPA: Inspektion → Palpation → Perkussion → Auskultation - Was ist der Unterschied zwischen Pleuritis sicca und exsudativa?
→ Sicca: Reibegeräusch vorhanden; Exsudativa: Reibegeräusch verschwindet (durch Flüssigkeit) - Wie perkutiert man die Lungengrenzen korrekt?
→ Von lufthaltigem zu gedämpftem Schall, bei normaler Atmung beginnen, dann bei tiefer Inspiration/Exspiration - Welche Atemhilfsmuskulatur kennen Sie?
→ M. sternocleidomastoideus, M. trapezius, M. scaleni, Mm. pectorales, Interkostalmuskulatur
- Immer symmetrisch untersuchen und vergleichen
- Die Reihenfolge IPA unbedingt einhalten (nicht wie beim Abdomen!)
- Bei der Palpation nur die Fingerkuppen auflegen, nicht die Handfläche
- Immer zuerst den Normalbefund beschreiben, dann den pathologischen Befund
- Die Atemfrequenz immer objektiv zählen (nicht schätzen)
- Bei der Perkussion immer von oben nach unten und im Seitenvergleich vorgehen
- Die Zwerchfell-Exkursion bei maximaler In- und Exspiration messen
- Bei der Auskultation den Patienten tief durch den Mund atmen lassen
7.1 Häufige Fehlerquellen
| Fehler | Was stattdessen tun |
|---|---|
| Handfläche bei Stimmfremitus auflegen | Nur Mittel- und Zeigefinger auflegen |
| Auskultation mit kalten Stethoskop | Stethoskop vorwärmen in der Hand |
| Nicht symmetrisch vergleichen | Immer links und rechts im Vergleich abhören |
| Falsche Reihenfolge (Auskultation vor Perkussion) | Reihenfolge IPA einhalten |
| Zu schnelles Abhören | Mindestens einen vollständigen Atemzug pro Punkt anhören |
| Nur von ventral abhören | Auch dorsal abhören (besonders wichtig: über der Lungenspitze, hinten) |
8. Zusammenfassung — Systematischer Untersuchungsablauf
- Inspektion: Atemfrequenz, Atemtyp, Atemexkursion, Thoraxform, Trachea, Zyanose, Atemhilfsmuskulatur, Narben
- Palpation: Thoraxkompression (Schmerzprovokation), Atemexkursion, Stimmfremitus
- Perkussion: Sonorer Klopfschall über Lunge, Lungengrenzen, Zwerchfellexkursion, pathologische Klänge
- Auskultation: Vesikuläratmen, Bronchialatmen, Rasselgeräusche, Pleuralreiben, Stridor, Stimmübertragung (Bronchophonie, Ägophonie)
Lungenuntersuchung — Klinische Zusammenfassung
Schwerpunkt: Kenntnisprüfung Innere Medizin & Chirurgie
Erstellt auf Basis des Vorlesungstranskripts