Persönliches Lernmaterial: Diese Zusammenfassung dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt weder offizielle Vorgaben noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Klinische Kopf- & Mundhöhlenuntersuchung

Strukturierte Anamnese und Inspektion — Vorbereitung auf die ärztliche Kenntnisprüfung

1. Untersuchungsstrategie & Prüfungstipps

Die Untersuchung des Kopfes und der Mundhöhle folgt einem klar strukturierten Ablauf. In der mündlichen Prüfung ist es entscheidend, die Reihenfolge Inspektion → Perkussion → Palpation konsequent einzuhalten und zu jedem Schritt das passende Krankheitsbild parat zu haben.

Standardisierter Untersuchungsablauf:
  • 1. Inspektion — Inspektion des Kopfes, Gesichts, der Augen, Lippen und Mundhöhle
  • 2. Perkussion — Perkussion der Schädelkalotte
  • 3. Palpation der Nervenaustrittspunkte — Druck auf die Trigeminusdruckpunkte
  • 4. Beurteilung der Mundhöhle — Zahnstatus, Zahnfleisch, Schleimhaut, Tonsillen, Zunge
Prüfungstipp: Der Prüfer erwartet keine langen Erklärungen. Zu jeder Beobachtung solltest du ein bis drei typische Differenzialdiagnosen nennen können (Beispiel: „Vergröberte Gesichtszüge → Akromegalie", „eingeschränkte Mimik → Morbus Parkinson"). Lieber kurz und präzise antworten als ausschweifend.
Wichtig für die Kenntnisprüfung: Prüfer fragen oft direkt nach lateinischen Fachbegriffen oder typischen Befunden (z. B. „Welche Druckschmerzhaftigkeit weisen Sie nach?", „Welche Foramina kennen Sie?", „Was ist das Kulissenphänomen?"). Die korrekte lateinische Nomenklatur ist prüfungsrelevant — auch wenn manche Prüfer sie nicht zwingend verlangen, sichert sie Pluspunkte.

2. Inspektion des Kopfes und Gesichts

2.1 Inspektion des Kopfes

Bei der Inspektion wird zunächst die Hautfarbe beurteilt (Gesichtsfarbe, Ikterus, Blässe, Zyanose), danach folgen Kopfform und Gesichtszüge.

2.2 Beurteilung der Gesichtszüge (Facies)

Folgende pathognomonische Veränderungen der Mimik und der Gesichtszüge werden geprüft:

  • Vergröberung der Gesichtszüge (Facies) — Hinweis auf Akromegalie (Vergrößerung der Gesichtsknochen und Weichteile durch Wachstumshormonüberschuss)
  • Eingeschränkte Mimik / Hypomimie (Hypomimie) — Hinweis auf Morbus Parkinson oder Depression
  • Mikrostomie — krankhaft kleiner Mund, Vorkommen bei systemischer Sklerose (Sklerodermie) und bei fazialem Pseudobulbärparese (Bulbärparese)
Pathologischer Befund — Akromegalie: Vergröberung der Gesichtszüge, Vergrößerung von Nase, Lippen, Kinn und Stirn. Hervortreten der Augenbrauenwülste, vergröberte Nasolabialfalte. Die Stirn kann eine Kuhle aufweisen (Hinweis auf Hypophysentumor mit Einwachsen in den Sinus sphenoidalis / Keilbeinhöhle).
Pathologischer Befund — Morbus Parkinson: Hypomimie (vermindertes Mienenspiel, Maskengesicht), Hypophonie. Bei progressiver supranukleärer Blickparese treten zusätzlich vertikale Blickparesen auf.

2.3 Beurteilung der Zyanose

Bei der Inspektion der Lippen und des Gesichts wird die Zyanose (Blauverfärbung) beurteilt. Drei Formen werden unterschieden:

  • Periphere Zyanose (Akrozyanose) — Blauverfärbung der Akren (Finger, Zehen, Lippen) durch verlangsamte Blutströmung
  • Zentrale Zyanose — Blauverfärbung von Zunge, Lippen und Haut, Hinweis auf schwere Oxygenierungsstörung (kardial oder pulmonal)
  • Test zur Differenzierung: Low-Test und Recap-Test (Rekapillarisierungstest) — bei peripherer Zyanose bleibt die Farbe auch nach Druck und Rekapillarisierung verzögert
Wichtig für die Kenntnisprüfung: Bei der Frage „Welche Formen der Zyanose kennen Sie und wie differenzieren Sie diese?" lautet die Antwort: periphere Zyanose (Akrozyanose), zentrale Zyanose; Differenzierung mit Low-Test und Recap-Test.

2.4 Kopfhaltung und Kopfbewegung

Bereits bei der Inspektion wird auf Schiefhals (Torticollis) geachtet — eine schiefe Kopfhaltung als Hinweis auf einen Torticollis spasmodicus (spastischer Schiefhals, zervikale Dystonie).

3. Perkussion der Schädelkalotte

3.1 Durchführung

Die Perkussion der Schädelkalotte wird mit beiden Fingern (Fingerperkussion) durchgeführt — von vorn nach hinten und von hinten nach vorn über den gesamten Schädel.

3.2 Klopfschmerz der Kalotte

Der Klopfschmerz der Kalotte ist ein wichtiger klinischer Hinweis. Lokalisierter Klopfschmerz kann auf folgende Pathologien hindeuten:

  • Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) — Klopfschmerz über den betroffenen Nebenhöhlen (Sinus frontalis, Sinus maxillaris)
  • Mastoiditis — Klopfschmerz über dem Warzenfortsatz (Processus mastoideus)
  • Traumatische Läsionen — Schädelprellung, Fraktur
Prüfungstipp: Bei der Perkussion der Kalotte können Prüfer konkret fragen: „Was prüfen Sie mit der Perkussion?" → Antwort: Klopfschmerz der Kalotte, Hinweis auf Sinusitis.

4. Palpation der Trigeminusdruckpunkte

4.1 Anatomie der drei Trigeminusdruckpunkte

Die Palpation der Austrittspunkte des Nervus trigeminus (V. Hirnnerv) erfolgt an drei klassischen Druckpunkten. Diese werden mit zwei Fingern palpiert:

Die drei Trigeminusdruckpunkte:
  • 1. Druckpunkt — Stirn: Foramen supraorbitale — Austritt des Nervus supraorbitalis (Ast V1, Ramus frontalis), am Oberrand der Orbita in der Mitte
  • 2. Druckpunkt — unterhalb der Orbita: Foramen infraorbitale — Austritt des Nervus infraorbitalis (Ast V2, Ramus maxillaris), ca. 1 cm unterhalb des Unterrands der Orbita
  • 3. Druckpunkt — Kinn: Foramen mentale — Austritt des Nervus mentalis (Ast V3, Ramus mandibularis), am Kinn
Wichtig für die Kenntnisprüfung — Prüfungsfrage: „Nennen Sie die Austrittspunkte des Nervus trigeminus und das jeweilige Foramen." Dies ist eine sehr häufige Prüfungsfrage. Die korrekten lateinischen Bezeichnungen lauten:
  • Foramen supraorbitale — Nervus supraorbitalis
  • Foramen infraorbitale — Nervus infraorbitalis
  • Foramen mentale — Nervus mentalis

4.2 Klinische Bedeutung der Druckschmerzhaftigkeit

Eine Druckschmerzhaftigkeit an den Trigeminusdruckpunkten ist pathologisch und kann folgende Ursachen haben:

  • Trigeminusneuralgie (Neuralgia nervi trigemini) — attackenartige, einseitige, blitzartige Schmerzen im Versorgungsgebiet des N. trigeminus, auslösbar durch Druck auf die Austrittspunkte
  • Sinusitis — entzündliche Schwellung im Bereich der Nebenhöhlen, Schmerz über den Austrittspunkten, besonders V2 (Sinus maxillaris) und V1 (Sinus frontalis)
Pathologischer Befund: Druckschmerz an den Trigeminusdruckpunkten in Kombination mit anamnestischen neuralgiformen Schmerzattacken → dringender Verdacht auf Trigeminusneuralgie. Häufige Differenzialdiagnose: Sinusitis.

5. Inspektion der Mundhöhle und der Lippen

5.1 Beurteilung der Lippen

Bei der Inspektion der Lippen werden Farbe, Form und Veränderungen beurteilt:

  • Zyanose der Lippen — Hinweis auf zentrale oder periphere Zyanose
  • Herpes labialis — Herpes-simplex-Infektion mit Bläschenbildung an den Lippen
  • Mikrostomie — verkleinerte Mundöffnung, z. B. bei systemischer Sklerose
  • Schleimhautveränderungen im Bereich der Lippeninnenseite
Prüfungstipp: Wenn der Prüfer fragt „Was sehen Sie an den Lippen?", nenne stets mehrere pathologische Befunde: Zyanose, Herpes labialis, Mikrostomie, Cheilitis.

5.2 Inspektion der Mundschleimhaut

Bei der Inspektion der Mundhöhle werden die Lippen, die Wangenschleimhaut, der Mundboden, der Gaumen (harter und weicher Gaumen), die Tonsillen sowie die Zunge systematisch untersucht.

5.3 Lateinische Fachbegriffe der Mundhöhle

Lateinische Fachbegriffe — prüfungsrelevant:
  • Labium / Labia — Lippe / Lippen
  • Mundboden — Diaphragma oris
  • Zahnfleisch — Gingiva
  • Zungenrücken — Dorsum linguae
  • Zungenunterfläche — Facies inferior linguae / Ventralfläche der Zunge
  • Mandel / Gaumenmandel — Tonsilla palatina
  • Wange / Backe — Bucca
  • Zapfchen / Uvula — Uvula palatina
  • Gaumenzäpfchen — Uvula
  • Zunge — Lingua
Wichtig für die Kenntnisprüfung: Prüfer verlangen zunehmend die korrekten lateinischen Bezeichnungen. Mindestens die wichtigsten Strukturen (Zunge, Tonsille, Zahnfleisch, Gaumen, Lippen) sollten benannt werden können.

6. Zahnstatus & Zahnfleisch (Gingiva)

6.1 Beurteilung des Zahnstatus

Zunächst wird der Patient aufgefordert, den Mund zu öffnen. Dann wird beurteilt:

  • Vorhandensein und Zustand der Zähne (Karies, Füllungen, Prothesen, Zahnverlust)
  • Verfärbungen der Zähne
  • Lockerung der Zähne (Wackelzähne)

6.2 Zahnfleischbluten (Blutung der Gingiva)

Zahnfleischbluten ist ein häufiger pathologischer Befund mit wichtigen Differenzialdiagnosen:

  • Vitamin-C-Mangel (Skorbut) — klassische Ursache, das Zahnfleisch ist geschwollen, dunkelrot und blutet leicht
  • Leukämie — Blutungen der Schleimhaut und des Zahnfleischs durch Thrombozytopenie
  • Medikamenteneinnahme — z. B. Antikoagulanzien (Marcumar), Thrombozytenaggregationshemmer (ASS)
  • Leukämie — weitere Differenzialdiagnose, petechiale Blutungen, Schleimhautblutungen
Pathologischer Befund — Zahnfleischbluten: Häufige Prüfungsfrage: „Ein Patient hat Zahnfleischbluten. Welche Differenzialdiagnosen haben Sie?" Antwort: Vitamin-C-Mangel (Skorbut), Leukämie, Antikoagulanzien, Thrombozytopenie.

6.3 Zahnfleischveränderungen

  • Gingivahyperplasie — z. B. medikamenteninduziert (Phenytoin, Kalziumkanalblocker, Ciclosporin)
  • Gingivitis — Zahnfleischentzündung, gerötet, geschwollen, blutend
  • Parodontitis — Entzündung des Zahnhalteapparats mit Zahnlockerung

7. Schleimhaut & Beläge der Mundhöhle

7.1 Beurteilung der Schleimhaut

Die gesamte Mundschleimhaut wird auf Farbe, Feuchtigkeit (Austrocknung? Dehydratation?), Beläge und Verletzungen inspiziert.

7.2 Weißliche Beläge — Differenzialdiagnose

Eine sehr häufige Prüfungsfrage betrifft die Differenzierung weißlicher Beläge in der Mundhöhle:

Befund Charakteristika Diagnose
Abwischbarer, weißer Belag Abwischbar — Belag lässt sich mit dem Spatel entfernen Soor (orale Candidose / Mundsoor) — Infektion mit Candida albicans
Nicht abwischbarer, festsitzender Belag Nicht abwischbar — Belag bleibt auch nach Reiben mit dem Spatel auf der Schleimhaut LeukoplakiePräkanzerose! Obligate Abklärung erforderlich
Aphthen Schmerzhafte, flache Ulzerationen mit erythematösem Hof Aphthen — oft habituell, bei Morbus Crohn, Morbus Behçet, Zöliakie
Wichtig für die Kenntnisprüfung — Standardfrage: „Wie unterscheiden Sie Soor von einer Leukoplakie?"
Antwort: Soor ist abwischbar (Belag lässt sich mit dem Spatel abstreifen), Leukoplakie ist nicht abwischbar (festsitzend). Probe: Mit Holzspatel über die Schleimhaut reiben — bei Soor geht der Belag weg, bei Leukoplakie bleibt er.
Pathologischer Befund — Leukoplakie: Die Leukoplakie ist eine fakultative Präkanzerose (Präkanzerose / Präkanzerosis) und muss histologisch abgeklärt werden, um ein Plattenepithelkarzinom auszuschließen.

7.3 Soor (orale Candidose)

Der Soor (orale Candidose) ist eine Infektion mit Candida albicans. Er ist typischerweise abwischbar und kann an Wangenschleimhaut, Zunge, Gaumen und Tonsillen auftreten.

7.4 Mundsoor & Mundbodeninspektion

Eine besonders wichtige Aufgabe ist die Inspektion des Mundbodens (Diaphragma oris) und der Zungenunterseite, weil dort Karzinome entstehen können, die vom Patienten häufig nicht bemerkt werden.

Prüfungstipp: Viele Karzinome im Mundboden oder an der Zungenunterseite werden erst spät entdeckt, weil der Patient sie selbst nicht spürt. Eine sorgfältige Inspektion dieser Areale ist daher lebenswichtig.

8. Zungenuntersuchung

8.1 Inspektion der Zunge

Die Zunge wird auf Farbe, Oberfläche, Beläge, Beweglichkeit und Verletzungen beurteilt:

  • Zungenbelag (weiß, gelb, braun) — Hinweis auf Soor, Tabakkonsum, Mundhygiene, Magen-Darm-Erkrankungen
  • Zungenverfärbung — Himbeerzunge bei Scharlach, Lackzunge bei Vitamin-B12-Mangel, glatte Zunge bei Eisenmangel
  • Atrophie der Zungenpapillen (Atrophie) — bei Vitaminmangel (B12, Folsäure, Eisen)
  • Rhagaden (Fissuren, Risse) der Zungenoberfläche
  • Beweglichkeit der Zunge — Hinweis auf Funktion des Nervus hypoglossus (XII. Hirnnerv)

8.2 Beurteilung des Zungenbändchens (Frenulum linguae)

Das Zungenbändchen (Frenulum linguae) wird beurteilt auf:

  • Verkürzung (Ankyloglossum) — eingeschränkte Zungenbeweglichkeit
  • Ulzerationen und Verletzungen
  • Farbe und Spannung

8.3 Hypoglossusprüfung — Zungenabweichung

Zur Prüfung des Nervus hypoglossus (XII. Hirnnerv) wird der Patient aufgefordert, die Zunge herauszustrecken.

Befund bei Läsion des N. hypoglossus:
  • Die Zunge weicht zur erkrankten (gelähmten) Seite ab — die gesunde Seite schiebt die Zunge zur kranken Seite
  • Bei einseitiger Läsion: Abweichung zur erkrankten Seite
  • Bei beidseitiger Läsion: Zunge kann nicht oder kaum herausgestreckt werden
Wichtig für die Kenntnisprüfung — Standardfrage: „Wohin weicht die Zunge bei einer Läsion des N. hypoglossus ab?"
Antwort: Zur erkrankten / gelähmten Seite (die gesunde Hälfte schiebt die Zunge zur kranken Seite).

9. Inspektion der Tonsillen

9.1 Beurteilung der Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae)

Bei der Inspektion der Tonsillen wird geachtet auf:

  • Größe — vergrößert bei chronischer Tonsillitis, akuter Tonsillitis, Mononukleose
  • Rötung — Hinweis auf Entzündung (Tonsillitis / Angina tonsillaris)
  • Beläge / Eiterstippchen (Eiter / Pus) — eitrige Tonsillitis, Streptokokken-Angina, Diphtherie (Pseudomembranen), Mononukleose (grau-weiße Beläge)
  • Symmetrie — einseitige Schwellung kann auf einen Peritonsillarabszess hinweisen

9.2 Warnhinweis: Eiter in den Tonsillen

Pathologischer Befund — Eiter (Pus) in den Tonsillen: Der Eiter sollte nicht ausgedrückt oder herausgedrückt werden! Beim Ausdrücken besteht das Risiko einer Keimverschleppung in die Blutbahn, was zu einer Sepsis oder einem Abszess führen kann. Ausnahme: Erfahrene Ärzte können in Einzelfällen die Tonsillen bei einer eitrigen Tonsillitis absaugen — dies ist jedoch kein Standardvorgehen.
Prüfungstipp: Der Prüfer fragt gern: „Sie sehen Eiter auf den Tonsillen. Was machen Sie?" — Falsche Antwort: „Ich drücke den Eiter heraus." — Korrekt: „Ich lasse den Eiter in situ, um eine Keimverschleppung zu vermeiden."

9.3 Differenzialdiagnose von Tonsillenbelägen

Befund Wahrscheinliche Diagnose
Eiterstippchen auf geröteten Tonsillen Streptokokken-Angina / akute eitrige Tonsillitis
Grau-weiße, abwischbare Pseudomembranen, die beim Ablösen bluten Diphtherie (Verdacht — sofortige Isolation und Therapie)
Grau-weiße, schmierige Beläge, beidseits vergrößerte Tonsillen, Lymphknoten Mononukleose (Pfeiffer-Drüsenfieber, EBV)
Einseitige, hochrote Schwellung mit Vorwölbung des Gaumensegels Peritonsillarabszess

10. Präkanzerosen & Karzinome der Mundhöhle

Die Identifikation von Präkanzerosen und Frühstadien maligner Tumoren ist eine der wichtigsten Aufgaben der Mundhöhleninspektion.

10.1 Leukoplakie (Leukoplakia)

  • Definition: Weißer, nicht abwischbarer Belag der Mundschleimhaut, der histologisch einer Präkanzerose entspricht
  • Lokalisation: typisch an Wangenschleimhaut (Planum buccale), Mundboden, Zungenrand und Gaumen
  • Bedeutung: fakultative Präkanzerose (Präkanzerosis) — kann in ein Plattenepithelkarzinom übergehen
Wichtig für die Kenntnisprüfung: „Was versteht man unter einer Präkanzerose / Präkanzerosis?" — Die Leukoplakie ist die wichtigste Präkanzerose der Mundhöhle. Das Schlagwort Präkanzerosis sollte in der Antwort explizit fallen.

10.2 Karzinome der Mundhöhle

Bei der Inspektion der Mundhöhle müssen insbesondere folgende Karzinome erkannt werden:

  • Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle — häufigstes Karzinom der Mundhöhle, vor allem an Zungenrand, Mundboden und Tonsillen
  • Zungenkarzinom (Karzinom der Zunge) — oft am Zungenrand, leicht zu übersehen
  • Mundbodenkarzinom (Karzinom des Mundbodens) — am Mundboden, häufig erst spät erkannt
  • Lippenkarzinom — an der Unterlippe, oft bei chronischer UV-Exposition und Tabakkonsum
Pathologischer Befund — Mundhöhlenkarzinom: Ein Patient mit nicht heilendem Ulkus im Mund, weißlichen nicht abwischbaren Belägen (Leukoplakie) oder einer ungeklärten Zahnlockerung muss zeitnah bioptisch abgeklärt werden — Karzinomverdacht!

10.3 Morbus Crohn — Mundhöhlenmanifestation

Eine seltene, aber prüfungsrelevante Manifestation des Morbus Crohn sind Veränderungen der Mundhöhle. Dazu zählen:

  • Zahnlockerung und Zahnausfall — durch entzündliche Destruktion des Zahnhalteapparats
  • Chronische Verletzungen der Mundschleimhaut — Aphten, Ulzerationen, schlecht heilende Wunden
  • Pflastersteinrelief der Mundschleimhaut — pflastersteinartige Schleimhautveränderungen (analog zum typischen Befall des Darms)
Pathologischer Befund — Morbus Crohn und Mundhöhle: Die Kombination aus Zahnausfall (Zahnlockerung) und chronischen Schleimhautverletzungen kann langfristig zu Präkanzerosen (Leukoplakie) und letztlich zu einem Karzinom führen.
Prüfungstipp: Auf die Frage „Welche Mundhöhlenveränderungen finden sich bei Morbus Crohn?" lautet die korrekte Antwort: Zahnausfall (Zahnlockerung), chronische Verletzungen der Mundschleimhaut, Pflastersteinrelief, Aphten und ggf. Präkanzerosen / Karzinom. Dies ist eine seltene, aber anspruchsvolle Prüfungsfrage.

10.4 Differentialdiagnose weiße Beläge — Zusammenfassung

Drei wichtige Differenzialdiagnosen weißer Beläge:
  • Soor (orale Candidose) — abwischbar, Belag lässt sich mit Spatel entfernen
  • Leukoplakienicht abwischbar, fakultative Präkanzerose
  • Aphten — schmerzhafte Ulzerationen mit erythematösem Hof

11. Kulissenphänomen & weitere Prüfungsfragen

11.1 Kulissenphänomen (Gaumensegelparese)

Das Kulissenphänomen (Kulissenphänomen) ist ein wichtiger Befund bei der Beurteilung des weichen Gaumens (Velum palatinum, Gaumensegel).

Kulissenphänomen:
  • Definition: Bei einseitiger Lähmung des weichen Gaumens weicht das Gaumensegel beim Phonation (Phonation, „Aaaa sagen") zur gesunden Seite ab
  • Ursache: Die gesunde Seite hebt das Gaumensegel an, die gelähmte Seite bleibt unten — es entsteht der Eindruck einer „verschobenen Kulisse" wie im Theater
  • Zuständige Nerven: Nervus glossopharyngeus (IX. Hirnnerv) — sensible Versorgung; Nervus vagus (X. Hirnnerv) — motorische Versorgung über den Plexus pharyngeus
Wichtig für die Kenntnisprüfung — Standardfrage: „Was ist das Kulissenphänomen und welche Hirnnerven sind beteiligt?"
Antwort: Einseitige Lähmung des weichen Gaumens → Abweichung zur gesunden Seite beim Phonieren. Beteiligt: N. glossopharyngeus (IX) und N. vagus (X). Wichtig: Manche Lehrbücher führen nur den N. vagus an, da er die motorische Versorgung des Gaumensegels übernimmt.

11.2 Häufige Prüfungsfragen — Übersicht

Zusammenfassung der wichtigsten Prüfungsfragen zur Kopf- und Mundhöhlenuntersuchung:
  • Trigeminusdruckpunkte: Welche Foramina kennen Sie? Welche Nerven treten dort aus? (Foramen supraorbitale / infraorbitale / mentale)
  • Zyanose: Welche Formen kennen Sie? Wie differenzieren Sie diese? (peripher / zentral, Low-Test, Recap-Test)
  • Akromegalie: Welche charakteristischen Gesichtszüge sehen Sie? (Vergröberung, Kuhle an der Stirn)
  • Parkinson: Welche Veränderungen der Mimik sehen Sie? (Hypomimie, Maskengesicht)
  • Zahnfleischbluten: Welche Differenzialdiagnosen haben Sie? (Vitamin-C-Mangel, Leukämie, Antikoagulanzien)
  • Weiße Beläge: Wie unterscheiden Sie Soor von einer Leukoplakie? (abwischbar vs. nicht abwischbar)
  • Präkanzerosen: Nennen Sie Beispiele aus der Mundhöhle! (Leukoplakie)
  • Zungenabweichung: Wohin weicht die Zunge bei einer Hypoglossusläsion? (zur erkrankten Seite)
  • Kulissenphänomen: Was ist das, welche Hirnnerven sind beteiligt?
  • Morbus Crohn: Welche Veränderungen finden sich in der Mundhöhle? (Zahnausfall, chronische Verletzungen, Pflastersteinrelief, Aphten)
Letzter Prüfungstipp: Die Untersuchung des Kopfes und der Mundhöhle umfasst abschließend auch die Inspektion der Augen, Ohren, Lymphknoten und Schilddrüse. Diese Themen werden in separaten Vorlesungen behandelt. Bleibe bei der Kopfuntersuchung zunächst bei Kopf & Mundhöhle, wechsle dann systematisch zu Augen, Ohren, Lymphknoten und Schilddrüse.
Vollständig überarbeitete Fassung des Vorlesungs-Transkripts auf Basis der Mitschnitte „Kopf, Mundhöhle 1–5". Arabische Passagen wurden ins Deutsche übersetzt, Erkennungsfehler korrigiert, alle inhaltlichen Details und Beispiele aus dem Original übernommen.