Persönliches Lernmaterial: Diese Zusammenfassung dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt weder offizielle Vorgaben noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Klinische Bauchuntersuchung

Systematische Abdomenuntersuchung — Inspektion, Auskultation, Perkussion, Palpation (mit Schwerpunkt Kenntnisprüfung Chirurgie/Innere)

Grundregel: Reihenfolge der Bauchuntersuchung

Pflicht-Reihenfolge (nicht verhandelbar):
  1. Inspektion
  2. Auskultation
  3. Perkussion
  4. Palpation

Warum zuerst Auskultation? Perkussion und Palpation erzeugen mechanische Reize, die die natürliche Darmperistaltik verfälschen oder anregen. Wer zuerst klopft oder drückt, hört anschließend keine unverfälschten Darmgeräusche mehr.

Prüfungstipp: Der Professor beginnt die Prüfung der Bauchuntersuchung fast immer mit der Frage nach der korrekten Reihenfolge. Viele Kandidaten nennen Palpation zuerst — das ist ein klassischer Fehler und kostet direkt Punkte.

1. Inspektion des Abdomens

1.1 Niveau des Bauches — Bauchdecken- vs. Thoraxniveau

Das Verhältnis des Bauchniveaus zum Brustkorb ist ein zentrales Inspektionskriterium:

  • Bauch eingezogen / unter Thoraxniveau (Kahnbauch): häufig bei Ileus oder hochgradigem Meteorismus möglich, vor allem aber auch bei stark kachektischen Patienten.
  • Bauch vorgewölbt / über Thoraxniveau: Hinweis auf Meteorismus, Aszites, Adipositas, Schwangerschaft oder Tumoren.
Wichtig — postoperative Darmparalyse: 1–3 Tage nach einer Operation kann ein Meteorismus mit reduzierter Peristaltik physiologisch sein (postoperative Atonie / paralytischer Ileus). Findet man Meteorismus ohne vorausgegangene Operation, ist dies pathologisch.

1.2 Vorwölbung und Rektusdiastase

Eine Rektusdiastase entsteht, wenn die beiden Anteile des Musculus rectus abdominis auseinanderweichen — sichtbar als Vorwölbung entlang der Linea alba.

Prüfungsrelevante Durchführung:
  • Patient liegt flach auf dem Rücken.
  • Kopf und Schultern werden leicht angehoben (Patient „richtet sich auf" — Schlüsselwort: Aufrichten).
  • Beim Anspannen der Bauchmuskulatur wölbt sich die Linea alba vor.
  • Der Untersucher kann mit den Fingern oberhalb des Nabels in die Lücke eintauchen und die Diastase palpieren.
  • Ein Hustenstoß oder Lachen verstärkt den Befund.

Risikofaktoren / Ursachen:

  • Adipositas
  • Schwangerschaft (Überdehnung der Bauchdecke)
  • Bindegewebsschwäche
Schlüsselwort für die Prüfung: „Aufrichten" — wer dieses Wort bei der Rektusdiastase-Prüfung nennt, bekommt sofort die volle Punktzahl.

1.3 Operationsnarben — Differenzierung

Bei der Inspektion unbedingt alle Narben registrieren und zwischen folgenden Typen unterscheiden:

TypMerkmalBeispiele
Laparoskopie3–4 kleine StichinzisionenCholezystektomie (Gallenblasenentfernung), Appendektomie
Laparotomiegroßer BauchschnittMediane Laparotomie, Pfannenstiel-Schnitt, Subkostalschnitt
Hernien-OPim Leisten-/NabelbereichLeistenhernie, Nabelhernie, Narbenhernie

Untersuchung der Narbe auf Hernie:

  • Finger auf die Narbe legen, Patient husten lassen → Vorwölbung = Bruch.
  • Palpation: lässt sich der Bruchsack reponieren?
  • Schmerzangabe des Patienten an der Narbe dokumentieren.
Wichtig für die Prüfung: Immer Laparoskopie vs. Laparotomie unterscheiden können — und die typischen Trokarpositionen (z. B. Cholezystektomie: 3–4 Trokare im Oberbauch, davon einer umbilikal). Wer die Narbenorte nicht benennen kann, wirkt unvorbereitet.

1.4 Behaarungsmuster

  • Bei Männern verläuft die Schambehaarung keilförmig zum Nabel hin (normal).
  • Fehlt die Behaarung am Bauch, spricht man von einer Bauchglatze (= „Bauchkahlheit").
  • Eine horizontal verlaufende oder fehlende Behaarung kann ein Hinweis auf eine Virilisierung bei der Frau (hormonelle Störung, Nebennierenrinden-Erkrankung) oder auf eine Leberzirrhose sein.

1.5 Hautveränderungen

  • Striae (Dehnungsstreifen):
    • Striae rubrae (rötlich, livide): Hinweis auf Morbus Cushing oder Cortisontherapie
    • Striae distensae / Striae gravidarum: nach Schwangerschaft oder starker Gewichtszunahme
  • Caput medusae (geschlängelte erweiterte Venen um den Nabel): Pfortaderhochdruck bei Leberzirrhose
  • Hämatome an der Bauchwand: Trauma, Antikoagulation (Marcumar/Heparin), Gerinnungsstörungen, Cumarin-Therapie
  • Ikterus: Gelbfärbung der Haut — Hinweis auf Leber-/Gallenwegserkrankung
  • Bauchglatze: s. o.
Hautzeichen der Leberzirrhose: Caput medusae, Bauchglatze, Spider-Naevi, Ikterus, Palmarerythem, Weißnägel, Lackzunge, Dupuytren-Kontraktur. Diese Kombinationen werden in der Prüfung gezielt abgefragt.

1.6 Symmetrie der Bauchwand

Asymmetrien können auf Organvergrößerung (Hepatomegalie, Splenomegalie), Tumoren, Hernien oder aszitesbedingte Vorwölbung hinweisen.

2. Auskultation des Abdomens

2.1 Technik

  • Im Uhrzeigersinn alle vier Quadranten abhören.
  • Stethoskop mindestens 10 Sekunden pro Quadrant aufsetzen — nicht hasten, das signalisiert dem Prüfer Gründlichkeit.
  • Insgesamt ca. 2–3 Minuten für die Auskultation einplanen.
Prüfungstipp: Niemals „normal" sagen, wenn Darmgeräusche vorhanden sind — immer fachsprachlich korrekt formulieren: „über allen vier Quadranten lebhafte Peristaltik".

2.2 Befunde und ihre Bedeutung

BefundBedeutung
Lebhafte, regelrechte Peristaltik („Gurren / Gluckern")Normalbefund — „über allen vier Quadranten lebhafte Peristaltik"
Abgeschwächte / fehlende Darmgeräusche („Totenstille")Paralytischer Ileus, postoperative Atonie, Peritonitis
Metallisch klingende Geräusche („Spritzgeräusche")Mechanischer Ileus — Darm versucht, das Hindernis zu überwinden
Hyperperistaltik mit SpritzgeräuschenFrühphase mechanischer Ileus, Gastroenteritis
Reibegeräusch über Leber/MilzPerisplenitis, Perihepatitis
Schlüsselbegriffe für die Prüfung:
  • Atonie (= postoperative Darmträgheit, postoperativer Ileus): abgeschwächte Geräusche, 1–3 Tage post-OP physiologisch
  • Mechanischer Ileus: hochgestellte, metallisch klingende Darmgeräusche
  • Paralytischer Ileus: „Totenstille" des Darms

3. Perkussion des Abdomens

3.1 Grundlagen

  • Perkussion nach der Auskultation, vor der Palpation.
  • Der Arzt steht rechts neben dem Patienten (Ergonomie + bessere Leberbeurteilung).
  • Systematisch alle vier Quadranten abklopfen, nicht „springen".

3.2 Klopfschallbefunde

  • Tympanitischer Klopfschall (laut, hohl): luftgefüllter Darm — Normalbefund über dem Abdomen
  • Luftgefüllter Darm = tympanitisch
  • Flüssigkeit / Organ = Dämpfung
  • Meteorismus = generalisierte Tympanie über dem gesamten Abdomen

3.3 Sonderformen der Perkussion

  • Seitenlage-Perkussion (zur Aszites-Diagnostik) — siehe unten
  • Kratzauskultation (zur Lebergrößenbestimmung) — siehe Leber

4. Aszites — Diagnostik

Aszites = freie Flüssigkeit in der Bauchhöhle. Drei klassische Methoden zum Nachweis:

4.1 Flankendämpfung mit Lagewechsel

  • Patient in Rückenlage: Perkussion von lateral (Flanke) nach medial (Bauchmitte).
  • In den Flanken → Dämpfung (Flüssigkeit sammelt sich am tiefsten Punkt).
  • In der Mitte → Tympanie (gasgefüllter Darm steigt auf).
  • Patient auf die Seite lagern: die Dämpfung folgt der Schwerkraft → verschiebliche Dämpfung = sicheres Aszites-Zeichen.
Prüfungstipp: Wer „verschiebliche Flankendämpfung" nennt, zeigt dem Prüfer, dass er den pathophysiologyen Mechanismus verstanden hat.

4.2 Knie-Ellbogen-Lage (Knie-Brust-Lage)

  • Patient nimmt Knie-Ellbogen-Lage ein (Stütz auf Knie und Unterarme).
  • Flüssigkeit sammelt sich am tiefsten Punkt — in der Nabelgegend.
  • Perkussion dort: Dämpfung in der Nabelgegend.
  • Diese Methode eignet sich auch für geringe Aszitesmengen.

4.3 Undulationsphänomen (Flüssigkeitswelle)

  • Eine Hand wird flach auf eine Flanke gelegt.
  • Mit den Fingerkuppen der anderen Hand wird kurz und scharf auf die gegenüberliegende Flanke geklopft.
  • Die Flüssigkeitswelle ist auf der Gegenseite taktil spürbar.
Fettwelle (fat wave) vs. echte Flüssigkeitswelle:

Bei adipösen Patienten kann eine falsche Welle (= Fettwelle) durch das Fettgewebe übertragen werden. Um dies auszuschließen, legt der Patient selbst die Handkante (ulnare Kante) auf die Mittellinie des Bauches. Sie wirkt als Barriere für Fettwellen — eine echte Flüssigkeitswelle wird dadurch nicht unterbrochen.

Dieses Manöver ist in den Lehrbüchern teils nicht beschrieben, in der Prüfung aber ausdrücklich erwünscht — es signalisiert praktische Erfahrung.

5. Leber — Inspektion, Perkussion, Palpation

5.1 Inspektion der Leber

  • Leberhautzeichen gezielt absuchen: Spider-Naevi, Palmarerythem, Bauchglatze, Ikterus, Caput medusae, Dupuytren, Weißnägel, Lackzunge
  • Direkter Hinweis auf Leberhautzeichen ist prüfungsrelevant.

5.2 Leberperkussion

  • Bestimmung der Lebergröße in der Medioklavikularlinie (MCL).
  • Normalbefund: 6 cm in der MCL (atemverschieblich).
  • Perkussion von kranial nach kaudal (Lunge → Leber) und kaudal nach kranial (Darm → Leber) — jeweils Dämpfungsgrenze markieren.

5.3 Kratzauskultation (Scratch-Auskultation)

  • Mit dem Finger oder Stethoskop auf der Bauchhaut kratzen.
  • Das Kratzgeräusch wird über dem Stethoskop lauter, wenn man über der Leber kratzt — so lässt sich die Lebergrenze bestimmen.
  • Von kranial nach kaudal und umgekehrt durchführen.

5.4 Leberpalpation

  • Beginn im rechten Unterbauch (rechte Fossa iliaca) — von unten nach oben tasten, sonst kann eine Hepatomegalie übersehen werden.
  • Patient tief einatmen lassen → Leber tritt unter dem Rippenbogen hervor.
  • Tasten mit flach aufgelegter Hand, Fingerkuppen Richtung Rippenbogen.
  • Den Leberrand beurteilen: Konsistenz, Oberfläche (glatt, höckerig), Druckschmerzhaftigkeit.
Prüfungsfalle: Niemals mit den Fingern „graben" oder den Leberrand „herauskratzen" — das schmerzt den Patienten und ist technisch falsch. Immer flach palpieren.

6. Milz — Palpation

6.1 Technik

  • Beginn im linken Unterbauch (linke Fossa iliaca) — von unten kommend.
  • Patient in Rechtsseitenlage (bessere Tastbarkeit).
  • Untersucher beugt sich über den Patienten, umgreift mit der linken Hand den Rippenbogen und kippt den Patienten leicht nach oben/seitlich.
  • Mit der rechten Hand von der Fossa iliaca kommend tief einatmen lassen → Milzrand tritt unter dem linken Rippenbogen hervor.
  • Koordiniertes Spiel: Tief einatmen → ausatmen → erneut einatmen.

6.2 Normalmaße und Lage

  • Lage: linke Axillarlinie (linker Oberbauch unter dem Rippenbogen)
  • Normalgröße: ca. 7 × 11 cm
  • Eine gesunde Milz ist in der Regel nicht tastbar — sie wird erst bei ca. 2- bis 3-facher Vergrößerung palpabel.
Splenomegalie — mögliche Ursachen:
  • Infektionen (Mononukleose, Malaria, Hepatitis)
  • Hämatologische Erkrankungen (Leukämie, Lymphom, Polycythaemia vera)
  • Portale Hypertension bei Leberzirrhose
  • Speicherkrankheiten
Prüfungsfrage — „Wann ist eine vergrößerte Milz gefährlich?": Bei sehr großer Milz besteht Rupturgefahr. Daher besonders vorsichtig palpieren — niemals grob drücken. Eine Milzruptur ist eine akut lebensbedrohliche Komplikation.

7. Palpation — oberflächlich und tief

7.1 Oberflächliche Palpation

  • Beginn in schmerzfreien Quadranten — Patienten vorher fragen, wo der Schmerz lokalisiert ist.
  • Nicht in den schmerzhaften Bereich als Erstes hineinpalpieren — sonst verkrampft der Patient und die gesamte Untersuchung wird unbrauchbar.
  • Bauchdecke sollte entspannt sein:
    • Patient Beine anwinkeln lassen — entspannt die Bauchdeckenmuskulatur.
    • Mit dem Patienten reden, „bitte entspannen Sie den Bauch".
  • Während der Palpation ins Gesicht des Patienten schauen (Mimik) — Schmerzreaktionen erkennen.
Prüfungstipp: Der Prüfer achtet gezielt darauf, ob der Kandidat die Mimik des Patienten beobachtet. Wer mit geschlossenen Augen oder Blick auf den Bauch nur „drückt", zeigt kein klinisches Feingefühl.

7.2 Tiefe Palpation

  • Erst nach der oberflächlichen → tiefe Palpation.
  • Auch hierbei: von schmerzfrei nach schmerzhaft tasten.
  • Beurteilung von Resistenzen, Organvergrößerungen, Druckschmerz, Abwehrspannung.

8. Abwehrspannung — Abwehrspannung vs. défense musculaire

BegriffDefinitionBedeutung
Abwehrspannung (défense)unwillkürliche, reflektorische Anspannung der Bauchdecke auf PalpationReizung des Peritoneums (Peritonitis, Appendizitis)
Spontane AbwehrspannungBauchdecke bereits ohne Berührung bretthartAkutes Abdomen, Perforation
Bewusste Anspannung (willkürlich)Patient spannt Bauch aktiv an (Angst, Kälte, Unbehagen)Kein pathologischer Befund — Patient beruhigen, Beine anwinkeln, ablenken
Wichtige Unterscheidung für die Prüfung:

Die Abwehrspannung (französisch: défense musculaire) ist immer unwillkürlich und ein Peritonealzeichen. Eine Appendizitis muss nicht immer eine Abwehrspannung auslösen — der Prüfer (Chirurg) will aber das Wort „Abwehrspannung" hören, wenn nach Appendizitis gefragt wird.

8.1 Pathophysiologie der Abwehrspannung

  • Reizung des Peritoneum viscerale / parietale
  • Reflektorische Kontraktion der Bauchdeckenmuskulatur
  • Ziel: Schonung der entzündeten Region

9. Murphy-Zeichen (Gallenblase)

  • Untersucher tastet tief unter dem rechten Rippenbogen.
  • Patient tief einatmen lassen → Gallenblase wandert nach unten.
  • Schmerz + Atemstopp = positives Murphy-Zeichen → Hinweis auf akute Cholezystitis.
Prüfungsrelevant: Das Murphy-Zeichen nicht mit „Schmerz und Druckgefühl" verwechseln — der Atemstopp ist das entscheidende Kriterium. Sagt der Patient „Au, das tut weh" und hört nicht auf zu atmen, ist es negativ.

10. Operationsmerkmale und Drainagen

10.1 Drainagen

  • Verband / Drainage immer beurteilen:
    • Wann gelegt?
    • Welche Farbe / Menge des Sekrets?
    • Wann wieder entfernen? (je nach Sekretion — z. B. täglich kontrollieren)
  • Häufige Drainagen: Robinson-Drainage, Easy-Flow-Drainage, Redon-Drainage

10.2 Operationszugänge — prüfungsrelevante Narben

ZugangIndikationLage
Mediane Laparotomiegroße abdominale EingriffeMittellinie vom Xiphoid bis Symphyse
Pfannenstiel-SchnittKaiserschnitt, gynäkologische Eingriffequer suprapubisch
Subkostalschnitt (rechts)offene Cholezystektomie, Leberteilresektion2 Querfinger unter dem rechten Rippenbogen
WechselschnittAppendektomierechte Fossa iliaca
Laparoskopie-TrokareCholezystektomie, Appendektomie3–4 Stichinzisionen, davon einer umbilikal
Inguinaler Schnitt (Leiste)Leistenhernien-OPLeistenregion bds.

11. Prüfungsfragen und typische Prüfungssituationen

11.1 Häufige Prüfungsfragen

Frage: „Wie untersuchen Sie das Abdomen?"

Antwortschema:

  1. Inspektion (Narben, Vorwölbung, Behaarung, Hautzeichen)
  2. Auskultation (4 Quadranten, mind. 10 s pro Quadrant)
  3. Perkussion (4 Quadranten, danach gezielt Leber und Flanken)
  4. Palpation (oberflächlich, dann tief — von schmerzfrei nach schmerzhaft)
  5. Spezielle Tests (Abwehr, Murphy, Leber, Milz)

Frage: „Wie diagnostizieren Sie eine Rektusdiastase?"

Antwort: Patient in Rückenlage, Aufrichten (Kopf und Schultern anheben) — Vorwölbung entlang der Linea alba, ggf. mit den Fingern in die Lücke eintauchen, Hustenprovokation.

Frage: „Wie unterscheiden Sie Meteorismus bei Ileus von postoperativer Atonie?"

Antwort: Meteorismus + ohne vorausgegangene OP = pathologisch (Ileus). Meteorismus 1–3 Tage nach OP = physiologische Atonie.

Frage: „Wie diagnostizieren Sie Aszites?"

Antwort: Drei Methoden — verschiebliche Flankendämpfung, Knie-Ellbogen-Lage, Undulationsphänomen (ggf. mit Handkanten-Block gegen Fettwelle).

Frage: „Was ist das Murphy-Zeichen?"

Antwort: Schmerz unter dem rechten Rippenbogen bei tiefer Palpation + Atemstopp des Patienten → akute Cholezystitis.

Frage: „Wie untersuchen Sie die Milz?"

Antwort: Patient in Rechtsseitenlage, Beginn im linken Unterbauch, von unten nach oben, koordiniert mit der Atmung. Nicht grob drücken — Rupturgefahr.

Frage: „Was ist eine Abwehrspannung?"

Antwort: Unwillkürliche reflektorische Anspannung der Bauchdeckenmuskulatur als Peritonealzeichen — z. B. bei Appendizitis oder Peritonitis.

Frage: „Wie erkennen Sie eine Leberzirrhose?"

Antwort: Leberhautzeichen (Spider-Naevi, Palmarerythem, Bauchglatze, Caput medusae, Dupuytren, Weißnägel, Lackzunge, Ikterus), ggf. Aszites, Splenomegalie.

Frage: „Welche Reihenfolge bei der Bauchuntersuchung?"

Antwort: Inspektion → Auskultation → Perkussion → Palpation. Auskultation vor Perkussion/Palpation, weil mechanische Reize die Peristaltik verändern.

Frage: „Wie beschreiben Sie den Auskultationsbefund richtig?"

Antwort: Nie nur „normal" sagen — z. B. „über allen vier Quadranten lebhafte Peristaltik" oder „abgeschwächte Darmgeräusche" oder „metallisch klingende Geräusche".

11.2 Do's and Don'ts für die Prüfung

Do:
  • Korrekte Reihenfolge: Inspektion → Auskultation → Perkussion → Palpation
  • Rechts neben dem Patienten stehen
  • Stethoskop mind. 10 Sekunden pro Quadrant
  • Immer schmerzfreie Region zuerst palpieren
  • Mimik des Patienten beobachten
  • Fachsprache benutzen („Abwehrspannung", „Peristaltik", „Klopfschall", „Verschieblichkeit")
  • Schlüsselwörter: „Aufrichten" (Rektusdiastase), „Abwehrspannung" (Appendizitis), „Atemstopp" (Murphy)
  • Bei Drainagen: Farbe, Menge, Liegedauer dokumentieren
  • Milz vorsichtig palpieren (Rupturgefahr)
  • Leber flach palpieren, nicht „graben"
Don't:
  • Nicht „normal" sagen, wenn man „Peristaltik vorhanden" meint
  • Nicht zuerst palpieren, dann auskultieren
  • Nicht in schmerzhafte Region zuerst palpieren
  • Nicht „Spritzgeräusche" sagen, wenn man „Reibegeräusche" meint
  • Nicht mit dem Finger in den Leberrand „graben"
  • Nicht „Patient entspannt sich nicht" — besser: Beine anwinkeln, Patient ablenken
  • Nicht vergessen, die Haut zu inspizieren (Narben, Behaarung, Striae, Hämatome, Caput medusae)
  • Nicht nur eine Methode zur Aszites-Diagnostik kennen (immer drei parat haben)

12. Zusammenfassung — Kernaussagen

  • Reihenfolge: Inspektion → Auskultation → Perkussion → Palpation
  • Inspektion: Niveau, Rektusdiastase (Aufrichten!), Narben, Behaarung, Hautzeichen, Symmetrie
  • Auskultation: 4 Quadranten, 10 s pro Quadrant, Uhrzeigersinn; lebhafte Peristaltik, Atonie, metallische Geräusche
  • Perkussion: 4 Quadranten, Tympanie vs. Dämpfung; Leber, Flanken, Aszites
  • Palpation: schmerzfrei zuerst, oberflächlich → tief; Abwehr, Murphy, Leber, Milz
  • Aszites: verschiebliche Flankendämpfung, Knie-Ellbogen-Lage, Undulationsphänomen
  • Leber: MCL, 6 cm normal, Inspektion, Perkussion, Kratzauskultation, Palpation von unten
  • Milz: Linksseitenlage, Palpation von unten, Rupturgefahr bei großer Milz
  • Sprache: Fachbegriffe benutzen, Befunde präzise beschreiben
  • Empathie: Mimik beobachten, Patient beruhigen, Beine anwinkeln lassen
Diese Zusammenfassung basiert auf den Vorlesungsmitschnitten „Bauchuntersuchung 1" (4 Teile) und „Bauchuntersuchung 2" (6 Teile). Sie dient ausschließlich der Prüfungsvorbereitung und ersetzt nicht das praktische Üben der Untersuchungstechniken am Patienten.