Persönliches Lernmaterial: Diese Zusammenfassung dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt weder offizielle Vorgaben noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Allen-Test – Prüfung der Handdurchblutung

Umfassende klinische Zusammenfassung — Fachsprachenprüfung (FSP)

⚡ Prüfungsrelevanz: HOCH (häufige Prüfungsfrage)

1. Definition & Zweck des Allen-Tests

Der Allen-Test ist ein einfacher, klinischer Funktionstest zur Überprüfung der Durchgängigkeit des arteriellen Kollateralkreislaufs der Hand zwischen der A. radialis und der A. ulnaris.

Er wird durchgeführt, um festzustellen, ob die Hand auch dann ausreichend durchblutet wird, wenn eines der beiden Hauptgefäße (z. B. durch eine Arterienpunktion) ausfällt oder verschlossen ist.

Der Test ist vor jeder geplanten Arterienpunktion (insbesondere der A. radialis) sowie vor Anlage eines Herzkatheters über den radialen Zugang zwingend erforderlich.

Merke (Prüfung): Der Allen-Test ist eine sehr häufige Frage in der Fachsprachenprüfung und kommt sowohl im mündlichen Stationsprüfungen, im Anatomieblock als auch im Chirurgie-Teil vor.

2. Relevante Anatomie der Hand

Die arterielle Versorgung der Hand erfolgt über zwei Hauptarterien:

  • A. radialis (Speichenarterie) – verläuft an der Daumenseite des Handgelenks, dort gut tastbar.
  • A. ulnaris (Ellenkopfarterie) – verläuft an der Kleinfingerseite des Handgelenks.

Beide Arterien stehen über den Arcus palmaris profundus (tiefer Hohlhandbogen) in Verbindung. Dieser arterielle Kollateralkreislauf ist die anatomische Grundlage dafür, dass die Hand auch bei Verschluss einer der beiden Arterien weiterhin durchblutet werden kann.

Wichtig für die Prüfung – Anatomiefrage: Im Anatomie-Teil der Prüfung wird oft nach dem Arcus palmaris profundus gefragt – seiner Lage, Funktion und seiner Bedeutung für den Kollateralkreislauf der Hand. Zusätzlich können Fragen zu Nerven, Knochen und Muskeln der Hand kommen (z. B. anhand einer Röntgenaufnahme bei Skaphoidfraktur: „Welcher Knochen ist betroffen? Woher kommt die Blutversorgung? Welche Nerven verlaufen hier?").

3. Durchführung Schritt für Schritt

Die korrekte Reihenfolge der Durchführung ist prüfungsrelevant und sollte jederzeit beherrscht werden:

  1. Position des Patienten: Der Patient sitzt entspannt, die Hand wird in horizontale Lage (nicht senkrecht herabhängend) gebracht. Eine Handposition wie bei der Begrüßung („wie wenn man jemandem die Hand gibt") ist ideal.
  2. Kompression beider Arterien: Der Untersucher komprimiert mit beiden Daumen gleichzeitig A. radialis und A. ulnaris am Handgelenk, sodass die arterielle Blutzufuhr zur Hand vollständig unterbrochen ist.
  3. Auspumpen des Blutes: Der Patient wird aufgefordert, mehrfach die Faust zu schließen und wieder zu öffnen. Durch diese aktive Pumpbewegung wird das restliche Blut aus der Hand gepresst – die Hand wird blass.
  4. Freigabe einer Arterie: Nun wird nur eine der beiden Arterien freigegeben (z. B. zuerst die A. ulnaris), während die andere weiterhin komprimiert bleibt.
  5. Beurteilung: Beobachtet wird die Zeit, bis die normale Hautrötung der Hand wiederhergestellt ist (reaktive Hyperämie).
Tipp für die Prüfung – Video: Zum Allen-Test gibt es im Internet, im DocCheck, in Amboss sowie auf YouTube anschauliche Video-Demonstrationen. Es wird empfohlen, sich diese vor der Prüfung anzusehen, um die Bewegungsabfolge (Faust schließen/öffnen, Freigabe) zu verinnerlichen.

4. Reaktive Hyperämie – das Schlüsselkonzept

Wird die komprimierte Arterie freigegeben, strömt schlagartig Blut in die zuvor blutleere Hand zurück. Es entsteht eine reaktive Hyperämie – die Haut rötet sich sichtbar.

Diese Rötung ist der Beweis dafür, dass der Kollateralkreislauf über die freigegebene Arterie funktioniert und die Hand ausreichend versorgen kann.

Normalbefund: Die Hand rötet sich innerhalb von etwa 5 Sekunden nach Freigabe der Arterie wieder. Dies wird als normale reaktive Hyperämie (auch: fr reactive Hyperemia) bezeichnet.

Wichtig für die Prüfung – Begriff „Hyperämie": Häufige Prüfungsfrage: „Der Patient hält die Hand eine Zeit lang komprimiert, diese wird blass. Nach Freigabe der Arterie rötet sich die Hand wieder – wie heißt dieses Phänomen?"
Antwort: Reaktive Hyperämie (nicht „Stauung" oder „Ischämie" – diese Begriffe sind falsch).

5. Beidseitige Testung – beide Arterien prüfen

Eine der häufigsten Fehlerquellen in der Prüfung und im klinischen Alltag: Es muss immer erst die eine, dann die andere Arterie freigegeben werden – niemals nur eine einzelne.

Das Vorgehen:

  1. 1. Testung: Kompression beider Arterien → Freigabe der A. ulnaris → Beurteilung der Rötung.
  2. 2. Testung: Erneute Kompression beider Arterien → Freigabe der A. radialis → Beurteilung der Rötung.

Erst durch die beidseitige Testung kann eine Durchblutungsstörung sicher ausgeschlossen werden – ein intakter Kollateralkreislauf über eine Arterie alleine reicht für die Diagnose nicht aus.

Typischer Fehler in der Prüfung: Viele Prüflinge vergessen, beide Arterien getrennt zu prüfen. Wenn nur eine Arterie getestet wird, kann eine relevante Durchblutungsstörung übersehen werden. Diese Frage wird im mündlichen Examen bewusst gestellt, um zu prüfen, ob der Kandidat das vollständige Vorgehen beherrscht.

6. Indikationen

Der Allen-Test wird in folgenden klinischen Situationen eingesetzt:

  • Vor jeder Arterienpunktion der A. radialis (z. B. für arterielle Blutgasanalyse).
  • Vor Anlage eines Herzkatheters (Herzkatheteruntersuchung) über den radialen Zugang – Standard vor jeder Koronarangiographie.
  • Vor geplanter Anlage einer arteriellen Kanüle für invasives Monitoring.
  • Zur Beurteilung der Handdurchblutung bei bekannter pAVK, Arteriosklerose oder Thrombose-Vorgeschichte.

7. Kontraindikationen & Auswahl der Punktionsstelle

Eine formelle Kontraindikation im klassischen Sinn (also ein Verbot, den Test durchzuführen) gibt es beim Allen-Test nicht – der Test selbst ist ein nicht-invasives, risikoarmes Untersuchungsverfahren.

Der zentrale klinische Aspekt betrifft die Auswahl der Punktionsstelle, wenn eine der beiden Arterien bereits vorgeschädigt ist:

  • Stellt sich heraus, dass z. B. die A. radialis verändert/pathologisch ist (Arteriosklerose, Thrombose, Stenose), wird keine Punktion dieser Arterie durchgeführt.
  • Stattdessen erfolgt die Punktion der gesunden Arterie.
  • Wenn beide Arterien betroffen sind, wird die Punktion grundsätzlich unterlassen.
Wichtige Prüfungsfrage – Punktion bei vorgeschädigtem Gefäß: „Bei einem Patienten mit bekannter Arteriosklerose der A. ulnaris: Welche Arterie punktieren Sie für die BGA – die A. radialis oder die A. ulnaris?"

Antwort: Die A. radialis (gesunde Arterie). Niemals die vorgeschädigte Arterie punktieren.

Hintergrund: Eine Punktion einer bereits geschädigten Arterie birgt das Risiko einer Thrombose – bei zusätzlichem Ausfall der anderen Arterie (etwa durch Thrombosierung) wäre die Hand akut minderdurchblutet.

8. Komplikationen

Die Komplikationen betreffen weniger den Test selbst als vielmehr die invasive Konsequenz (Arterienpunktion), deren Risiko durch den Allen-Test minimiert werden soll:

  • Thrombose der punktierten Arterie.
  • Dissektion (Einriss) der Gefäßwand.
  • Embolie / Verschluss mit konsekutiver Ischämie der Hand (insbesondere bei vorgeschädigtem Gefäß).
  • Hämatom und Nachblutung an der Punktionsstelle.

9. Exam-Pearls & typische Prüfungsfragen

Die wichtigsten Tipps und Stolperfallen für die mündliche Fachsprachenprüfung:

Typische Prüfungsfragen:

  • „Beschreiben Sie den Allen-Test." → Schritt-für-Schritt-Erklärung wie unter Punkt 3.
  • „Welche anatomische Struktur wird beim Allen-Test geprüft?"Arcus palmaris profundus (tiefer Hohlhandbogen).
  • „Wie heißt das Phänomen, wenn die Hand nach Freigabe der Arterie wieder rot wird?"Reaktive Hyperämie.
  • „Welche Arterie punktieren Sie bei einer bekannten Schädigung der A. ulnaris?"Die gesunde A. radialis, niemals die kranke A. ulnaris.
  • „Was sind Indikationen für den Allen-Test?" → Arterienpunktion, Herzkatheter, BGA, invasive Blutdruckmessung.
  • „Was sind Komplikationen einer Arterienpunktion ohne vorherigen Allen-Test?" → Thrombose, Dissektion, Embolie, Ischämie der Hand.

Prüfungs-Do's:

  • ✅ Den Test Schritt für Schritt sauber erklären können.
  • ✅ Die beidseitige Testung beider Arterien erwähnen (häufige Fallstrick-Frage).
  • ✅ Den Begriff „reaktive Hyperämie" korrekt verwenden.
  • Indikationen und Komplikationen kennen.
  • ✅ Die Handanatomie (Arcus palmaris profundus, A. radialis, A. ulnaris) parat haben.
  • ✅ Den klinischen Sinn verstehen: Schutz der Handdurchblutung.

Prüfungs-Don'ts:

  • ❌ Nicht nur eine Arterie testen – beide müssen separat geprüft werden.
  • ❌ Nicht die kranke/vorgeschädigte Arterie punktieren.
  • ❌ Den Begriff „reaktive Hyperämie" nicht als „Stauung" oder „Ischämie" verwechseln.
  • ❌ Die Hand nicht senkrecht herunterhängen lassen – die horizontale Position ist wichtig.
Abschließender Hinweis des Dozenten: Der Allen-Test ist ein einfaches, sauberes und schnelles Thema – aber es enthält einige „Stolperfallen", die in der Prüfung gezielt abgefragt werden. Wer den Test einmal verstanden hat und die wichtigsten Begriffe (Arcus palmaris profundus, reaktive Hyperämie, beidseitige Testung) sicher anwenden kann, hat das Thema im Griff. Zusätzlich empfiehlt sich das Anschauen einer Video-Demonstration (DocCheck, Amboss, YouTube) zur Verinnerlichung der Bewegungsabfolge.
Zusammenfassung erstellt auf Grundlage der Vorlesungstranskripte „Allen test 1" und „Allen test 2".
Verwendung ausschließlich zu Lernzwecken — keine Gewähr für Vollständigkeit.