Persönliches Lernmaterial: Diese Zusammenfassung dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt weder offizielle Vorgaben noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Tiefe Venenthrombose (TVT)

Umfassende klinische Zusammenfassung — Fachsprachenprüfung (FSP)

⚡ Prüfungsrelevanz: HOCH

1. Definition & Krankheitsbild

Die tiefe Venenthrombose (TVT) Phlebothrombose ist eine thrombotische Verlegung der tiefen, vor allem der unteren Extremitäten gelegenen Venen. Sie gehört zu den häufigsten und gefährlichsten Gefäßerkrankungen, da sie lebensbedrohliche Komplikationen wie die Lungenembolie verursachen kann.

Hinweis für die Kenntnisprüfung: TVT ist ein sehr häufig geprüftes Thema — sowohl in der mündlichen als auch in der schriftlichen Prüfung. Besonders die Differenzialdiagnose zur pAVK, die Durchführung der körperlichen Untersuchung und die Komplikationen (Lungenembolie, postthrombotisches Syndrom) sind prüfungsrelevant.

2. Ursachen: Virchow-Trias & genetische Faktoren

Die Entstehung einer TVT beruht auf zwei großen Ursachengruppen:

  1. Hereditäre (genetische) Ursachen Thrombophilie
  2. Erworbene Ursachen im Rahmen der Virchow-Trias

2.1 Virchow-Trias 3 Faktoren

Die klassische Virchow-Trias umfasst drei pathophysiologische Faktoren, die zusammen zur Thrombose führen:

Faktor Bezeichnung Beispiele / Ursachen
1 Endothelveränderung (Gefäßwandschaden) Operationen (v. a. postoperativ, insbesondere Hüft- und Kniegelenksoperationen, Polytrauma), Verletzungen, Entzündungen
2 Flussverlangsamung (Stase) Immobilisation (lange Autofahrten, Flugreisen, Bettlägerigkeit), Herzinsuffizienz, Schwangerschaft, Übergewicht
3 Veränderung der Blutzusammensetzung (Hyperkoagulabilität) Östrogenpräparate, Schwangerschaft, Exsikkose, Operationen, maligne Erkrankungen, Thrombophilie

2.2 Hereditäre Thrombophilie Genetik

Bei der Thrombophilie liegen angeborene Gerinnungsstörungen vor, die das Thromboserisiko deutlich erhöhen:

  • Protein-C-Mangel — Protein C ist ein wichtiger Inhibitor der Gerinnung; ein Mangel begünstigt unkontrollierte Gerinnungsaktivierung
  • Protein-S-Mangel — Protein S ist Cofaktor von aktiviertem Protein C; ein Mangel stört die Gerinnungsregulation
  • Antithrombin-Mangel — Antithrombin hemmt Thrombin und Faktor Xa; ein Mangel führt zu verstärkter Gerinnungsneigung
  • Faktor-V-Leiden-Mutation (APC-Resistenz) — die häufigste genetische Thrombophilie; Faktor V wird nicht mehr ausreichend inaktiviert
  • Prothrombinmutation (Faktor-II-G20210A-Mutation) — erhöhte Prothrombinspiegel im Plasma
  • Antiphospholipid-Syndrom (APS) — Autoantikörper gegen Phospholipide; kann auch erworben sein
Wichtig für die Prüfung: Beim Antiphospholipid-Syndrom handelt es sich um eine besondere Thrombophilieform — es ist explizit prüfungsrelevant, weil es sowohl mit Thrombosen als auch mit Schwangerschaftskomplikationen (rezidivierende Aborte) assoziiert ist. Im Labor finden sich Antiphospholipid-Antikörper (z. B. Lupus-Antikoagulans, Anti-Cardiolipin-Antikörper).

3. Erworbene Risikofaktoren Risiko

Zusätzlich zu den genetischen Faktoren spielen erworbene Risikofaktoren eine entscheidende Rolle bei der TVT-Entstehung:

  • Immobilisation: lange Autofahrten, Flugreisen, Bettruhe, postoperativ (besonders nach Hüft- und Becken-OPs, Polytrauma)
  • Adipositas (Übergewicht) Adipositas
  • Medikamente: östrogenhaltige Präparate (z. B. orale Kontrazeptiva, Hormonersatztherapie), einige Chemotherapeutika
  • Schwangerschaft und Wochenbett
  • Maligne Erkrankungen (paraneoplastische Hyperkoagulabilität, Trousseau-Syndrom)
  • Herzinsuffizienz
  • Exsikkose (Austrocknung)
  • Frühere TVT in der Eigenanamnese
  • Fortgeschrittenes Alter
Wichtig für die Prüfung — Klassischer Fall: „Patientin, 28 Jahre, nimmt seit 3 Monaten die Pille, ist gerade von einem 12-stündigen Langstreckenflug zurückgekehrt und klagt über Schmerzen und Schwellung im linken Unterschenkel." → Bei dieser Konstellation muss immer an eine TVT gedacht werden. Die Kombination Östrogene + Immobilisation ist ein klassischer Risikokomplex.

4. Klinische Symptome & Schmerzcharakter

Die typische klinische Präsentation umfasst mehrere Leitsymptome. Wichtig: Die Trias tritt nur selten vollständig auf!

4.1 Anamnestische Hinweise

  • Immobilisationsanamnese: lange Reisen, Flug, OP, Bettlägerigkeit
  • Schmerzcharakter: dumpfer, ziehender Schmerz, der sich bei Bewegung und beim Gehen verstärkt
  • Belastungsabhängigkeit: Schmerzen beim Gehen, Stehen, Treppensteigen
  • Schwellung: einseitige Umfangsvermehrung der betroffenen Extremität

4.2 Klinische Zeichen Befunde

  • Schwellung (Ödem) des betroffenen Beins
  • Schweregefühl im Bein
  • Schmerz bei Belastung
  • Zyanotische (bläulich-violette) Glanzhaut — gespannte, glänzende Haut
  • Überwärmung der betroffenen Extremität
  • Dilatierte oberflächliche Venen (sog. Pratt-Venen / Kollateralvenen)
Merke — Schmerzcharakter: Der typische TVT-Schmerz ist ein dumpfer, ziehender Spannungsschmerz, der sich bei Belastung (Gehen, Stehen) verstärkt. Die Schmerzen bessern sich typischerweise bei Hochlagerung des Beins — im Gegensatz zur pAVK, bei der das Gehen die Schmerzen auslöst und Stehenbleiben (mit Herabhängenlassen) sie bessert.

5. Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung beginnt immer mit Inspektion und Palpation:

5.1 Inspektion

  • Schwellung, Umfangsvermehrung (vgl. einseitige Schwellung!)
  • Verfärbung (Zyanose, Rötung)
  • Glanzhaut (gespannte, glänzende Hautoberfläche)
  • Sichtbare Kollateralvenen (Pratt-Venen)

5.2 Palpation

  • Druckschmerz im Verlauf der tiefen Venen (Wade, Oberschenkel, Leiste)
  • Konsistenz: prallelastische, verhärtete Venen
  • Temperaturmessung: seitengleicher Vergleich (Rücken der Hand — siehe unten)

5.3 Temperaturprüfung — Wichtig für die Praxis

Praxis-Tipp: Zur Temperaturprüfung wird der Handrücken (Rückseite der Hand) verwendet — nicht die Handfläche (palmar)! Die Handinnenfläche ist physiologisch feuchter und wärmer, wodurch feine Temperaturunterschiede schlechter beurteilt werden können. Der Handrücken erlaubt eine genauere, vergleichende Beurteilung der Hauttemperatur an symmetrischen Stellen beider Beine.

5.4 Pulsstatus

  • Bei reiner TVT: Pulse normal tastbar
  • Ausnahme: Phlegmasia coerulea dolens (s. Komplikationen) — hier kann der Puls verschwinden, wenn die Schwellung die Arterien komprimiert

6. Klinische Schmerzzeichen Prüfungs-Klassiker

Bei der klinischen Untersuchung der TVT gibt es mehrere klassische Schmerzzeichen, die in der Prüfung immer wieder gefragt werden. Diese Zeichen sind jedoch nur begrenzt sensitiv und spezifisch — sie können eine TVT weder sicher beweisen noch ausschließen.

6.1 Meyer-Zeichen (Druckpunkte)

  • Durchführung: Druck auf die mediale Wadenmuskulatur (Musculus gastrocnemius medialis)
  • Positiv bei: Schmerzempfindlichkeit im Bereich der tiefen Wadenvenen

6.2 Payr-Zeichen (Fußsohlendruckschmerz)

  • Durchführung: Druck auf die Fußsohle (mediales Fußgewölbe)
  • Positiv bei: Schmerz im Bereich der Fußsohle — Hinweis auf Beteiligung der Fußvenen

6.3 Homans-Zeichen (Wadendehnungsschmerz)

  • Durchführung: Dorsalflexion des Fußes (Fuß nach oben ziehen) bei gestrecktem Bein
  • Positiv bei: Schmerz in der Wade bei dieser Dehnung

6.4 Lowenberg-Zeichen (Manschettentest)

  • Durchführung: Blutdruckmanschette am Oberschenkel anlegen und langsam aufpumpen
  • Positiv bei: Schmerzen in der Wade bereits unter 60 mmHg
  • Normalbefund: Schmerzen erst ab ca. 180 mmHg
  • Bedeutung: Schmerzprovokation bei niedrigem Druck spricht für venöse Stauung/Thrombose
WICHTIG — Schwere Fehler in der Prüfung vermeiden:
  1. Homans-Zeichen nicht durchführen bei V. a. TVT! Die forcierte Dorsalflexion kann eine Thrombusablösung verursachen und eine Lungenembolie auslösen. Dies ist ein klassischer Fehler in der Prüfung.
  2. Die klassische Trias (Schmerz, Schwellung, Überwärmung) tritt nur bei einem kleinen Teil der Patienten vollständig auf — man kann sich nicht auf das Fehlen der Trias verlassen, um eine TVT auszuschließen.
  3. Die einzelnen Schmerzzeichen sind unspezifisch und können auch bei anderen Erkrankungen (Muskelzerrung, Baker-Zyste, Hämatom) positiv sein.
Wichtig für die Prüfung: Die Frage „Welche Schmerzzeichen kennen Sie bei der TVT?" ist eine Standardfrage in der Kenntnisprüfung. Die korrekte Antwort umfasst: Meyer-, Payr- und Lowenberg-Zeichen. Das Homans-Zeichen sollte nicht mehr angewendet werden, da es das Risiko einer Lungenembolie birgt. Viele Lehrbücher (auch IMPP) listen es noch auf — es sollte aber ausdrücklich erwähnt werden, dass es heute kontraindiziert ist.

7. Umfangsmessung der Extremität

Eine korrekte Umfangsmessung ist essenziell für die Diagnose und für Verlaufskontrollen.

7.1 Korrekte Messtechnik

So wird's gemacht — Korrekte Position des Maßbands:
  1. Das Maßband wird medial des Kniegelenkspalts (also am medialen Condylus) angelegt — nicht an der Tuberositas tibiae und nicht an der Patella!
  2. Von dieser Position aus wird 15 cm nach distal gemessen
  3. An dieser markierten Stelle wird der Umfang gemessen
  4. Der Vorgang wird auf der Gegenseite exakt wiederholt (gleicher Abstand!)
  5. Die Stelle wird markiert oder notiert, damit Verlaufsmessungen immer an derselben Stelle erfolgen

7.2 Pathologischer Befund

  • Ein Seitenunterschied von > 3 cm gilt als klinisch signifikant und stützt die TVT-Diagnose
  • Manche Lehrbücher nennen bereits 2 cm, andere erst 3 cm als Grenzwert
  • Für die Prüfung: > 3 cm (IMPP-konform) angeben
Häufiger Fehler in der Prüfung: Viele messen 10 cm unterhalb der Tuberositas tibiae oder unterhalb der Patella. Das ist falsch und führt zu ungenauen Werten. Die korrekte Referenz ist 15 cm distal des medialen Kniegelenkspalts (mediale Kante des Kniegelenks). Auch in der Prüfung explizit erwähnen, dass die Messstelle markiert werden muss, damit der nachfolgende Untersucher exakt an derselben Stelle misst.

8. Differenzialdiagnose: TVT vs. pAVK TVT pAVK

Die Unterscheidung zwischen TVT und pAVK ist eine der wichtigsten und häufigsten Prüfungsfragen. Beide Erkrankungen betreffen die untere Extremität, haben aber völlig unterschiedliche Pathomechanismen und Therapien.

8.1 Gegenüberstellung der Befunde

Merkmal TVT (tiefe Venenthrombose) TVT pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) pAVK
Pathomechanismus Thrombotischer Verschluss einer Vene Stenosierender Verschluss einer Arterie (Atherosklerose)
Schmerzcharakter Dumpfer, ziehender Dauerschmerz, verstärkt sich bei Bewegung und Gehen Belastungsschmerz (Claudicatio intermittens), Schmerzen beim Gehen, Besserung in Ruhe
Schmerzverhalten Schmerzen bessern sich bei Hochlagerung (Entlastung der Vene) Schmerzen bessern sich beim Stehenbleiben / Herabhängenlassen des Beins (Schwerkraft fördert die Perfusion)
Körpertemperatur Überwärmung der betroffenen Extremität Kälte der betroffenen Extremität (Minderperfusion)
Hautfarbe Zyanotisch (bläulich-violett), glänzend, gespannt Blass, evtl. marmoriert; in fortgeschrittenen Stadien Rötung
Pulsstatus Pulse normal tastbar (Arterien nicht betroffen) Pulse abgeschwächt oder fehlend distal der Stenose
Schwellung Ja — einseitige Schwellung, Umfangsvermehrung Keine relevante Schwellung; eher Muskelatrophie im Verlauf
Schmerzzeichen Meyer, Payr, Lowenberg ggf. positiv Schmerzzeichen negativ
Risikofaktoren Immobilisation, Thrombophilie, Östrogene, Operation Rauchen, Diabetes mellitus, Hypertonie, Hyperlipidämie
Schweregefühl Vorhanden, häufig Nicht typisch
Linderungsposition Hochlagerung (Bein hochlegen) — Komfortposition Herabhängenlassen (abhängige Position) — Patient sitzt mit hängendem Bein aus dem Bett

8.2 Komfortposition des Patienten Prüfungsfrage!

Sehr häufige Prüfungsfrage: „Welche Position nimmt der Patient ein, um seine Schmerzen zu lindern?"
  • Bei pAVK: Der Patient sitzt mit hängenden Beinen aus dem Bett — die abhängige Position verbessert die arterielle Perfusion (Schwerkraft). Die Füße sind dabei oft kalt und blass.
  • Bei TVT: Der Patient lagert das Bein hoch — die Hochlagerung entstaut die Vene und reduziert den Druck. Diese Position heißt „Komfortposition".

8.3 Weitere Differenzialdiagnosen der TVT

  • Baker-Zyste (rupturierte Poplitealzyste) — kann TVT-ähnliche Symptome imitieren
  • Muskelzerrung / Muskelfaserriss
  • Hämatom (posttraumatisch)
  • Cellulitis / Erysipel
  • Lymphödem
  • Postthrombotisches Syndrom (bei Z. n. TVT)
  • Kompartmentsyndrom

9. Apparative Diagnostik

9.1 Klinische Wahrscheinlichkeit: Wells-Score Validiert

Zur Einschätzung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer TVT dient der Wells-Score. Es gibt eine Version für TVT und eine für Lungenembolie.

9.2 Labordiagnostik: D-Dimere Screening

  • D-Dimere sind Spaltprodukte des Fibrins
  • Hohe Sensitivität (negativer Vorhersagewert sehr gut) — bei normalen D-Dimeren kann eine TVT in der Regel ausgeschlossen werden
  • Niedrige Spezifität — erhöhte D-Dimere können auch bei vielen anderen Zuständen vorkommen (Infektion, Trauma, Operation, Schwangerschaft, maligne Erkrankungen)
  • Daher: D-Dimere eignen sich zum Ausschluss, nicht zur Bestätigung

9.3 Bildgebung: Doppler- / Duplexsonographie Mittel der Wahl

  • Kompressionssonographie der Venen — Goldstandard zur TVT-Diagnose
  • Nicht komprimierbare Vene → Thrombose
  • Beurteilung des Blutflusses mittels Dopplersignal
  • Vorteil: nicht-invasiv, keine Strahlenbelastung, breit verfügbar

9.4 Phlebographie (Venenkontrastmitteldarstellung)

  • Historischer Goldstandard, heute nur noch in Sonderfällen
  • Prinzip: Kontrastmittelinjektion in eine Fußvene, Röntgendarstellung der tiefen Venen
  • Diagnostisch sehr genau, aber invasiv und mit Strahlenbelastung
  • Wird heute durch die Duplexsonographie weitgehend ersetzt

9.5 Weitere Bildgebung (CT, MRT)

  • CT oder MRT können ergänzend eingesetzt werden, z. B. bei V. a. Beckenvenenthrombose oder bei unklarem Sonographiebefund
  • Insbesondere die CT-Phlebographie ist bei zentralen Thrombosen hilfreich

10. Komplikationen Wichtig!

10.1 Lungenembolie Lebensbedrohlich

  • Häufigste und gefährlichste Komplikation der TVT
  • Ein Thrombus löst sich und gelangt über die venöse Strombahn in die Lungenarterien
  • Klinische Zeichen: plötzliche Dyspnoe, Thoraxschmerz, Tachykardie, Synkope, Hämoptoe
  • Schweregrade: von leichter Symptomatik bis zur fulminanten, tödlichen Lungenembolie

10.2 Postthrombotisches Syndrom (PTS) Langzeitfolge

  • Definition: chronische venöse Insuffizienz nach TVT durch Schädigung der Venenklappen
  • Folgen: chronische Schwellung, Schweregefühl, Schmerzen, Hautveränderungen (Hyperpigmentierung, Stauungsdermatitis), im Verlauf Ulcus cruris venosum
  • Prävention: konsequente Kompressionstherapie (Kompressionsstrümpfe) nach TVT

10.3 Rezidiv-TVT

  • Patienten mit Z. n. TVT haben ein erhöhtes Risiko für erneute Thrombosen
  • Rezidive treten besonders bei unzureichender Antikoagulation oder fehlender Kompressionstherapie auf

10.4 Phlegmasia coerulea dolens Notfall!

  • Schwerste Form der TVT — massive Schwellung mit Zyanose, Schmerzen und arterieller Minderperfusion
  • Der massive Venenstau komprimiert die Arterien → Pulse verschwinden, kalte Extremität
  • Drohende venöse Gangrän — Notfall, der sofortige Therapie erfordert

10.5 Ulcus cruris venosum

  • Spätkomplikation des postthrombotischen Syndroms
  • Schlecht heilende Wunden am Unterschenkel (typischerweise medial)
  • Therapie: Kompression, Wundversorgung, Behandlung der Grunderkrankung
Wichtig für die Prüfung: Die zwei wichtigsten Komplikationen sind: Lungenembolie (kurzfristig lebensbedrohlich) und postthrombotisches Syndrom (Langzeitkomplikation). Die Phlegmasia coerulea dolens ist eine extrem schwere, prüfungsrelevante Verlaufsform.

11. Therapie

11.1 Antikoagulation Kern der Therapie

Die Basis der TVT-Therapie ist die Blutverdünnung (Antikoagulation):

  • Initialtherapie: Heparin (niedermolekular oder unfraktioniert) oder Fondaparinux
  • Erhaltungstherapie: direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) wie Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban oder Vitamin-K-Antagonisten (Phenprocoumon, Warfarin)
  • Dauer: abhängig von Auslöser und Rezidivrisiko — bei provozierter TVT mindestens 3 Monate, bei unprovozierter TVT oft 6–12 Monate oder länger

11.2 Kompressionstherapie Unverzichtbar!

Wichtig — Kompressionstherapie nicht vergessen! Jeder Patient mit TVT erhält zusätzlich zur Antikoagulation eine konsequente Kompressionstherapie (Kompressionsstrümpfe oder Kompressionsverband). Ziel: Vermeidung des postthrombotischen Syndroms durch Förderung des venösen Rückflusses und Verhinderung der chronischen venösen Insuffizienz.

11.3 Mobilisation

  • Frühe Mobilisation unter Antikoagulation ist sicher und empfohlen
  • Strenge Bettruhe ist nicht mehr Standard — sie erhöht sogar das Thromboserisiko weiter

11.4 Thrombolyse / Thrombektomie (Sonderfälle)

  • Bei Phlegmasia coerulea dolens oder ausgedehnter Beckenvenenthrombose mit schwerer Symptomatik
  • Kathetergestützte Thrombolyse oder operative Thrombektomie
  • IVC-Filter (Cava-Schirm) bei Kontraindikation gegen Antikoagulation

11.5 Therapie der Lungenembolie (Komplikation)

Die Therapie der Lungenembolie folgt denselben Prinzipien wie die TVT-Therapie (Antikoagulation, Kompression), in schweren Fällen kommen Lyse oder Embolektomie zum Einsatz.

12. Tiefe Armvenenthrombose (Paget-Schroetter-Syndrom)

Eine besondere Form ist die Armvenenthrombose (Thrombose der V. subclavia / V. axillaris), auch als Paget-Schroetter-Syndrom oder „Thrombose par effort" bezeichnet.

  • Ursachen: anatomische Engstellen (Halsrippe, kostoklavikuläres Syndrom), Überanstrengung des Arms, Thoracic-Outlet-Syndrom
  • Klinik: Schwellung, Schmerzen, Zyanose des Arms, evtl. sichtbare Kollateralvenen an Schulter und Brust
  • Diagnostik: Duplexsonographie, ggf. Phlebographie
  • Therapie: Antikoagulation, Kompression, ggf. Thrombolyse und operative Dekompression (Resektion der Halsrippe)

12.1 Betroffene Gefäße — Übersicht (TVT-Beine)

Die TVT kann verschiedene Venen betreffen. Die wichtigsten sind:

Vene Lokalisation Bemerkung
V. femoralis (Oberschenkelvene) Oberschenkel Häufig betroffen
V. poplitea (Kniekehlenvene) Kniekehle Häufig betroffen, klinisch oft „Wadenschmerz"
Vv. tibiales anteriores / posteriores (Schienbeinvenen) Unterschenkel Unterschenkelvenenthrombose
V. iliaca (Beckenvene) Becken Beckenvenenthrombose — gefährlich, da großes Embolierisiko
V. cava inferior Unterer Bauchraum Selten, sehr gefährlich (beidseitige Symptomatik)
V. saphena magna Oberflächlich Oberflächliche Thrombophlebitis — keine TVT im engeren Sinne

13. Exam-Pearls & Tipps für die Kenntnisprüfung

Zusammenfassung der prüfungsrelevanten Punkte:
  1. Virchow-Trias korrekt benennen können: Endothelveränderung, Flussverlangsamung, Hyperkoagulabilität.
  2. Risikofaktoren kennen: Immobilisation, postoperativ (besonders Hüft-/Knie-OP, Polytrauma), Östrogene, Thrombophilie, Schwangerschaft, maligne Erkrankungen, Adipositas.
  3. Schmerzzeichen (Meyer, Payr, Lowenberg) aufzählen können — und das Homans-Zeichen ausdrücklich als kontraindiziert benennen.
  4. Umfangsmessung korrekt: 15 cm distal des medialen Kniegelenkspalts, nicht ab Tuberositas tibiae.
  5. Differenzialdiagnose TVT vs. pAVK sicher beherrschen — insbesondere Schmerzcharakter, Hauttemperatur, Pulsstatus, Komfortposition.
  6. Diagnostik: D-Dimere (zum Ausschluss), Duplexsonographie (Goldstandard), Phlebographie (Goldstandard historisch).
  7. Komplikationen: Lungenembolie, postthrombotisches Syndrom, Phlegmasia coerulea dolens, Rezidiv.
  8. Therapie: Antikoagulation (Heparin/DOAK) + Kompressionstherapie (unerlässlich zur PTS-Prophylaxe).
  9. Thrombophilie kennen: Protein-C-/S-Mangel, Antithrombin-Mangel, Faktor-V-Leiden, Prothrombinmutation, Antiphospholipid-Syndrom.
  10. Antiphospholipid-Syndrom als Sonderform kennen — wichtig für rezidivierende Thrombosen und Schwangerschaftskomplikationen.

13.1 Do's and Don'ts in der Prüfung

✅ Do ❌ Don't
Anamnese mit Risikofaktoren (Immobilisation, OP, Östrogene) erfragen TVT-Diagnose allein auf die Trias (Schmerz, Schwellung, Überwärmung) stützen — sie ist oft inkomplett
Beide Beine vergleichend untersuchen (Inspektion, Palpation, Umfangsmessung) Nur eine Seite untersuchen
Maßband 15 cm distal des medialen Kniegelenkspalts anlegen Maßband an Tuberositas tibiae oder Patella anlegen
Handrücken zur Temperaturprüfung verwenden Handfläche (palmar) zur Temperaturprüfung verwenden
Lowenberg-Zeichen vorsichtig durchführen, Homans-Zeichen nicht durchführen Homans-Zeichen forciert durchführen (Emboliegefahr!)
Auf Komfortposition (Hochlagerung) achten — Hinweis auf TVT Patient mit hängenden Beinen nicht als TVT-Verdacht erkennen
Differenzialdiagnose aktiv ansprechen (pAVK, Baker-Zyste, Muskelzerrung) TVT als einzige Differenzialdiagnose nennen
Kompressionstherapie immer erwähnen Antikoagulation ohne Kompression nennen

13.2 Klassische Prüfungsfragen

Beispielfragen, die häufig gestellt werden:
  • „Was ist die Virchow-Trias?" → Endothelveränderung, Flussverlangsamung, Hyperkoagulabilität
  • „Welche Schmerzzeichen kennen Sie bei der TVT?" → Meyer, Payr, Lowenberg (Homans nicht mehr anwenden!)
  • „Wie messen Sie den Beinumfang korrekt?" → 15 cm distal des medialen Kniegelenkspalts, Seitenvergleich
  • „Wie unterscheiden Sie TVT und pAVK klinisch?" → Temperatur, Pulse, Schmerzcharakter, Komfortposition
  • „Welche Komplikationen hat eine TVT?" → Lungenembolie, postthrombotisches Syndrom, Rezidiv, Phlegmasia coerulea dolens
  • „Welche Therapie verordnen Sie?" → Antikoagulation + Kompression, frühe Mobilisation
  • „Welche erblichen Thrombophilien kennen Sie?" → Protein-C-/S-Mangel, Antithrombin-Mangel, Faktor-V-Leiden, Prothrombinmutation, APS

Erstellt auf Basis einer automatisch generierten Vorlesungsmitschrift (NotebookLM/Whisper). Inhalte wurden überarbeitet, korrigiert und systematisch für die Kenntnisprüfung strukturiert.

Keine Quellenangaben im Text — die Inhalte entsprechen dem transkribierten Vorlesungsmaterial.