Persönliches Lernmaterial: Diese Zusammenfassung dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt weder offizielle Vorgaben noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Tuberkulose (TB / Tbc)
Infektiologie & Pneumologie — Erreger, Pathogenese, Diagnostik, Bildgebung, Therapie und extrapulmonale Formen
1. Einleitung und Prüfungsrelevanz
- Die Tuberkulose gehört zu den wichtigsten prüfungsrelevanten Themen der Infektiologie und Pneumologie.
- Der Prüfer achtet darauf, ob der Kandidat Ätiologie, Pathogenese und Definition sicher beherrscht — nicht nur „Schwammiges" oder aus dem Internet Gelesenes.
- Typische Prüfungsformate:
- Mündliche Prüfung (Modellprüfung / Approbationsprüfung): freie Diskussion über Erreger, Diagnostik und Therapie.
- Röntgen-Bild-Befundung: Kavernen, Infiltrate, Pleuraerguss, miliares Bild, Aspergillom.
- Stationsprüfung / klinische Visite: Patient mit Lymphknotenvergrößerung (DD: Tuberkulose vs. Bronchialkarzinom).
- Dialogstation: Differentialdiagnostische Einordnung der Symptome Fieber, Husten, Hämoptoe, Nachtschweiß, Gewichtsverlust.
- Insbesondere bei Prüfern mit Schwerpunkt Infektiologie ist die Tuberkulose ein Pflicht-Thema.
Wichtig: Die Kenntnis von Pathogenese und Ätiologie hebt den Arzt von einem Laien ab, der nur „Wikipedia-Wissen" reproduziert. Immer die Reihenfolge kennen: Definition → Erreger → Epidemiologie → Pathogenese → Klinik → Diagnostik → Therapie → Meldepflicht.
2. Definition und Erreger
- Die Tuberkulose ist eine chronisch verlaufende Infektionskrankheit, die durch Erreger des Mycobacterium-tuberculosis-Komplexes verursacht wird.
- Erreger: Mycobacterium tuberculosis (M. tuberculosis, „Tuberkelbazillus").
- Entdecker: Robert Koch (1882) — Nobelpreis, Begründer der modernen Bakteriologie.
- Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Deutschland ist die zentrale Einrichtung für Infektionskrankheiten — auch in der Corona-Pandemie stark in den Medien präsent.
Stammfrage: „Was ist der Erreger der Tuberkulose und wer hat ihn entdeckt?" — Antwort: Mycobacterium tuberculosis, entdeckt von Robert Koch (1882). Das Robert-Koch-Institut ist nach ihm benannt.
3. Risikofaktoren und Epidemiologie
- Herkunft aus Hochprävalenzgebieten: Ost-Europa, Afrika, Asien — Patienten mit Migrationshintergrund haben ein deutlich erhöhtes TB-Risiko.
- Ost-Europa > West-Europa: In Ost-Europa sind Armut und mangelnde medizinische Versorgung weiter verbreitet, daher höhere Inzidenz.
- Immunsuppression: HIV-Infektion, Therapie mit TNF-α-Inhibitoren, Chemotherapie, Organtransplantation.
- Alkohol- und Drogenkonsum, Obdachlosigkeit, Unterernährung.
- Enge Wohnverhältnisse: Kirchen, Moscheen, Gefängnisse, Sammelunterkünfte — Orte mit fehlender Sonneneinstrahlung, mangelnder Belüftung und hoher Bewohnerdichte.
- Begleiterkrankungen: Diabetes mellitus, Silikose, Niereninsuffizienz.
Wichtig: Die wachsartige (lipophile) Zellwand des Mykobakteriums macht es widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse. Daher sind Licht, Sonne und Belüftung die wichtigsten unspezifischen Bekämpfungsmaßnahmen — diese Empfehlung gilt bis heute in Wohnungen, Moscheen, Schulen und Kliniken.
Fall-Hinweis aus der Vorlesung: Bei einem Patienten mit Fieber, Nachtschweiß, Hämoptoe, produktivem Husten und therapierefraktärem Verlauf unter Antibiose muss immer an Tuberkulose gedacht werden — besonders bei Herkunft aus Ost-Europa oder Afrika.
4. Pathogenese
4.1 Übertragung
- Übertragung fast immer aerogen durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Sprechen) von Mensch zu Mensch.
- Infektiosität hängt ab von:
- der Erregerzahl im Sputum (mikroskopisch positive Fälle sind die infektiösesten),
- der Dauer und Intensität des Kontakts,
- dem Immunstatus des Exponierten.
4.2 Stadien der Erkrankung
| Stadium | Beschreibung |
|---|---|
| Latente tuberkulöse Infektion (LTBI) | Erreger im Körper, keine Symptome, nicht infektiös. Positiver Tuberkulin-/Interferon-γ-Test. |
| Primärtuberkulose | Erstinfektion, meist asymptomatisch; Ausbildung des Primärkomplexes (Ghon-Komplex). |
| Postprimäre Tuberkulose (Reaktivierung) | Reaktivierung alter Herde bei Immunschwäche; kavernöse TB, offene TB, klinisch symptomatisch. |
Prüfungsfrage: „Was ist der Unterschied zwischen Primär- und Postprimärtuberkulose?" — Primär-TB = Erstinfektion, meist klinisch stumm, bildet den Primärkomplex. Postprimär-TB = Reaktivierung bei nachlassender Immunität, verläuft kavernös und symptomatisch.
4.3 Primärkomplex & Ranke-Komplex
- Primärkomplex (Ghon-Komplex): peripheres Lungeninfiltrat + zugehöriger hilärer Lymphknoten.
- Ranke-Komplex: verkalkter Primärkomplex — Zeichen der abgeheilten Tuberkulose. Im Röntgen sichtbar als kleiner verkalkter Rundherd mit Kalk im Hilus, lebenslang nachweisbar.
4.4 Ausbreitungswege der Erreger im Körper
- Lymphogen: über die Lymphbahnen zu regionalen Lymphknoten.
- Hämatogen: Streuung über das Blut — Ursache der Miliartuberkulose und der Organtuberkulose.
- Bronchogen (Aerogen): innerhalb der Lunge von Kaverne zu Kaverne sowie von Patient zu Umgebung.
4.5 Kavernenbildung
- Im Zentrum verkäsender Granulome entsteht durch Gewebeeinschmelzung eine Kaverne (Höhle, arab. „Ka'f").
- Inhalt = käsig-nekrotisches Material + massenhaft Mykobakterien.
- Eröffnet sich die Kaverne in einen Bronchus, wird das infektiöse Material abgehustet — der Patient wird infektiös (offene TB).
- Die bronchogene Streuung aus der Kaverne ist der entscheidende Übertragungsweg auf andere Personen.
Schlüsselaussage: Eine offene (= infektiöse) Tuberkulose liegt vor, sobald Erreger aus einer Kaverne bronchogen ausgehustet werden — also Kavernen oft ≡ offene TB. Mikroskopisch positive Sputen sind die epidemiologisch gefährlichste Gruppe.
5. Klinische Manifestationsformen
| Form | Beschreibung |
|---|---|
| Miliar-Tuberkulose | Hämatogene Streuung mit feinen, gleichgroßen Knötchen in der gesamten Lunge („Reis- oder Hirsekörner"); im Röntgen „miliare" (= hirsekornartige) Aussaat. Arabisch: „Sal Dakhni". |
| Organtuberkulose | Befall anderer Organe (Lymphknoten, Niere, Nebenniere, Knochen, Meningen). |
| Hauttuberkulose (Lupus vulgaris) | Chronische Hautmanifestation. |
| Knochen-/Gelenktuberkulose | Insbesondere Wirbelsäulen-Befall = Spondylitis tuberculosa (Pott-Krankheit / Morbus Pott). Auf Arabisch „Butisis". |
| Tuberkulöse Meningitis | Schwere Verlaufsform mit hoher Letalität. |
| Intestinale Tuberkulose | Befall von Dünndarm, Peritoneum, Mesenteriallymphknoten. |
- Ca. 15 % der Tuberkulosen sind extrapulmonal.
- Die lymphatische, ossäre, genitale und intestinale Manifestation ist in Hochprävalenzregionen häufig.
Stammfrage: „Wie heißt die Tuberkulose der Wirbelsäule?" — Pott-Krankheit (Spondylitis tuberculosa, „Butisis" im Arabischen). Bei Pott-Disease können sich Senkungsabszesse (z. B. entlang des M. psoas) bilden.
6. Klassifikation der Tuberkulose
| Klassifikation | Bedeutung |
|---|---|
| Offene Tuberkulose | Erregernachweis im Sputum (mikroskopisch oder kulturell); infektiös. |
| Geschlossene Tuberkulose | Kein Erregernachweis im Sputum; nicht infektiös (aber Vorsicht: bei Husten trotzdem Isolierung erwägen). |
| Primär- vs. Postprimärtuberkulose | siehe Pathogenese. |
7. Klinische Symptomatik
- Husten mit oder ohne Auswurf (initial oft trocken, später produktiv).
- Hämoptoe / Bluthusten (Aushusten von Blut — klassisches TB-Symptom, DD: Bronchialkarzinom).
- Fieber (subfebril bis hochfebril, oft remittierend).
- Nachtschweiß (heftiges nächtliches Schwitzen, oft mit Wäschewechsel).
- Gewichtsverlust (Appetitlosigkeit, Kachexie — „Schwindsucht").
- Thoraxschmerzen, Dyspnoe.
- Heiserkeit (bei Larynxbeteiligung).
- Pleuraerguss (serös, lymphozytenreich).
- Lymphknotenvergrößerung (Hals, Hilus, mediastinal).
Typischer Fall aus der Vorlesung: 18–19-jähriger Patient aus Ost-Europa oder Afrika mit Gewichtsverlust, Fieber, Nachtschweiß, Hämoptoe und produktivem Husten → V. a. Tuberkulose. Vorgehen: sofortige Isolation, dann Diagnostik, dann Therapie.
8. Diagnostik
8.1 Bildgebung (Röntgen-Thorax / CT)
- Postero-anteriore (p.a.) und laterale Aufnahme: Standard.
- Befunde je nach Form:
- Infiltrate in den Oberlappen / apikalen Segmenten.
- Kavernen (Ringstrukturen mit Spiegelbildung, zentral nekrotisch).
- Pleuraerguss (serös, lymphozytenreich).
- Miliares Bild (feine Knötchen über alle Lungenfelder).
- Hiläre/mediastinale Lymphadenopathie.
- Verkalkter Ranke-Komplex (alte, ausgeheilte TB).
- CT-Thorax: bei Verdacht auf Aspergillom (DD: chronische Kaverne mit Pilzbesiedlung),Bronchialkarzinom oder komplizierende Lymphome.
Differentialdiagnose Kavernen-Röntgen-Befund:
- Tuberkulose (echte Kaverne durch Mykobakterien),
- Aspergillom (Pilzball in präexistierender Höhle, „Luftzeichen" / Monod-Zeichen),
- Abszess (eitrig einschmelzender Herd),
- nekrotisierendes Bronchialkarzinom.
Prüfungsfall Röntgen: Rö-Thorax zeigt diffuse feinknotige Aussaat beidseits → V. a. Miliar-Tuberkulose. Eine zusätzliche Pleuraerguss-Komponente ist möglich.
8.2 Mikrobiologie / direkter Erregernachweis
- Mikroskopie (Ziehl-Neelsen-Färbung):
- Färbung der säurefesten Stäbchen („rot auf blau").
- Vorteil: schnell (Sofortdiagnostik).
- Nachteil: geringe Sensitivität (mind. 10⁴ Keime/ml nötig); keine Spezies-Differenzierung.
- Kultur (Goldstandard):
- Festmedien (Löwenstein-Jensen): 3–8 Wochen.
- Flüssigmedien (BACTEC/MGIT): 1–3 Wochen.
- Erlaubt Spezies-Identifikation und Resistenztestung.
- PCR / Nukleinsäure-Amplifikation (NAT):
- Schnell (Stunden), hochspezifisch.
- Erlaubt zusätzlich Resistenzmutationen (z. B. gegen Rifampicin = Hinweis auf MDR-TB).
Stammfrage: „Welche Färbung wird zum mikroskopischen Nachweis von Mykobakterien verwendet?" — Ziehl-Neelsen-Färbung (Säurefestfärbung). Mykobakterien erscheinen als rote Stäbchen auf blauem Hintergrund.
8.3 Labordiagnostik
- BSG ↑ (unspezifisch)
- CRP ↑
- Leukozytose (meist nur mäßig)
- Anämie (chronische Erkrankung)
- Ferritin ↑: Akute-Phase-Protein — auch bei TB oft erhöht, ist aber nicht spezifisch für eine Eisenmangelanämie. Cave: erhöhtes Ferritin schließt eine Eisenmangelanämie nicht aus.
8.4 Immunologische Tests
| Test | Prinzip | Bewertung |
|---|---|---|
| Tuberkulin-Hauttest (THT / Mendel-Mantoux) | Intrakutantest mit gereinigtem Tuberkulin (PPD); Ablesen nach 72 h. | Positiv = Induration ≥ 10 mm (bzw. ≥ 5 mm bei Risikogruppen). Falsch-positive und falsch-negative Ergebnisse möglich (BCGP, Immunsuppression). |
| Interferon-γ-Release-Assay (IGRA), z. B. QuantiFERON-TB Gold | Misst IFN-γ-Freisetzung sensibilisierter T-Zellen nach Stimulation mit M.-tuberculosis-spezifischen Antigenen (ESAT-6, CFP-10). | Spezifischer als THT (keine Kreuzreaktion mit BCG); bei Immunsuppression ebenfalls eingeschränkt. |
Wichtiger Vergleich für die Prüfung:
- Tuberkulin-Test = kostengünstig, aber BCGP-kreuzreaktiv, Ablesung nach 72 h.
- IGRA (Interferon-γ-Test) = spezifischer, unabhängig von BCG-Impfung, im Blut durchführbar.
8.5 Materialgewinnung
- Sputum (morgens, dreimal an aufeinanderfolgenden Tagen).
- Bronchoskopie mit BAL (bronchoalveoläre Lavage) und Biopsie.
- Magenspülwasser / Magensaft (v. a. bei Kindern, die ihr Sputum schlucken — Mykobakterien sind säurefest und überleben die Magenpassage).
- Pleurapunktion (lymphozytenreiches Exsudat, ADA ↑).
- Urin, Liquor, Biopsien je nach Organmanifestation.
Cave bei Kindern: Kinder können kein Sputum produzieren und schlucken das Bronchialsekret. Daher Magenspülwasser-Untersuchung (Magenazidität tötet Mykobakterien NICHT — sie sind säurefest!) — sonst würde der Erreger im Magen abgetötet, bevor er nachgewiesen werden kann.
9. Therapie
9.1 Übersicht: Phasen und Standardmedikamente
| Phase | Dauer | Medikamente |
|---|---|---|
| Initialphase (Intensivphase) | 2 Monate | INH + RMP + PZA + EMB (= Vierfachtherapie) |
| Stabilisierungsphase (Kontinuitätsphase) | 4 Monate | INH + RMP |
- Gesamttherapiedauer: mindestens 6 Monate.
- Medikamente der Erstlinien-Tuberkulostatika:
- Isoniazid (INH)
- Rifampicin (RMP)
- Pyrazinamid (PZA)
- Ethambutol (EMB)
Prüfungsfrage: „Welche Medikamente umfasst die initiale Vierfachtherapie der Tuberkulose?" — Isoniazid (INH), Rifampicin (RMP), Pyrazinamid (PZA), Ethambutol (EMB). Merkhilfe: „INH-RIPE" bzw. „RIPE" (Rifampicin, Isoniazid, Pyrazinamid, Ethambutol).
9.2 Nebenwirkungen und Monitoring
| Medikament | Wichtige Nebenwirkungen | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Isoniazid (INH) | Hepatotoxizität, periphere Neuropathie (Pyridoxin-Mangel) | Prophylaxe der Neuropathie mit Vitamin B6 (Pyridoxin) — prüfungsrelevant! |
| Rifampicin (RMP) | Hepatotoxizität, Rot-/Orange-Verfärbung von Urin, Tränen, Schweiß (Cave: verfärbt auch Kontaktlinsen!), CYP450-Induktion (Wechselwirkungen mit Kontrazeptiva, Antikoagulanzien etc.) | Cave: Verfärbung des Urins rot/orange — Patienten vorher aufklären! |
| Pyrazinamid (PZA) | Hepatotoxizität, Hyperurikämie (Gichtanfälle) | stärkste Hepatotoxizität, engmaschige Leberwert-Kontrollen |
| Ethambutol (EMB) | Optikusneuritis (Rot-Grün-Blindheit, Visusminderung) | Bei Kindern < 10 J. nicht empfohlen — Kinder können Sehstörungen nicht zuverlässig angeben! |
| Streptomycin (Reserve) | Ototoxizität, Nephrotoxizität | Reserveantibiotikum bei Resistenzen |
Wichtige Stammfragen:
- „Welche Medikamente sind die stärksten Hepatotoxine?" — Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid; PZA am stärksten.
- „Welches Medikament verursacht eine Rotfärbung des Urins?" — Rifampicin.
- „Welches Medikament verursacht Optikusneuritis?" — Ethambutol.
- „Welches Medikament verursacht Neuropathie, und wie wird sie verhindert?" — Isoniazid → Prophylaxe mit Vitamin B6 (Pyridoxin).
Cave Ethambutol bei Kindern: Kinder unter 10 Jahren dürfen kein Ethambutol erhalten, weil sie eine beginnende Optikusneuritis / Rot-Grün-Blindheit nicht bemerken und nicht zuverlässig kommunizieren können. Folge wäre ein irreversibler Visusverlust.
9.3 Monitoring unter Therapie
- Leberwerte (Transaminasen) regelmäßig (Hepatotoxizität von INH, RMP, PZA).
- Visuskontrollen / Farbsehen unter Ethambutol (Rot-Grün-Diskrimination).
- Hörprüfung unter Streptomycin.
- Sputum-Kontrollen im Verlauf (Konversion = mikroskopisch negativ nach 2–3 Monaten).
9.4 Resistenzformen
- MDR-TB (Multi-Drug-Resistant): Resistenz gegen mindestens INH + RMP.
- XDR-TB (Extensively Drug-Resistant): zusätzlich Resistenz gegen Fluorchinolone + mindestens ein injizierbares Zweitlinienmedikament.
- Therapie dann mit Reservemitteln (Bedaquilin, Linezolid, Fluorchinolone etc.) über deutlich längere Zeit (18–24 Monate).
10. BCG-Impfung
- In Deutschland seit 1998 nicht mehr empfohlen (weder STIKO-Standardimpfung noch Indikationsimpfung).
- Schützt vor allem vor extrapulmonaler Tuberkulose (Meningitis, Miliartuberkulose) im Kindesalter.
- Schützt NICHT zuverlässig vor pulmonaler TB bei Erwachsenen.
- Wird in Hochprävalenzländern weiterhin neonatal verabreicht.
Wichtig: Die BCG-Impfung ist in Deutschland seit 1998 nicht mehr Standard. Sie reduziert v. a. die extrapulmonale TB im Kindesalter — die pulmonale TB kann auch bei Geimpften auftreten.
11. Vorgehen im Verdachtsfall (Klinik)
- Sofortige Isolierung des Patienten (Einzelzimmer, Mundschutz, negative Druckbelüftung).
- Diagnostik: Röntgen-Thorax, Sputum-Mikroskopie + Kultur + PCR, ggf. Bronchoskopie.
- Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz (IfSG):
- § 6 IfSG: Meldepflicht für Erkrankung und Tod an TB.
- § 7 IfSG: Meldepflicht für direkten Erregernachweis (Mikroskopie, Kultur, PCR).
- Meldung an das Gesundheitsamt binnen 24 h.
- Antituberkulöse Therapie (Vierfachtherapie) einleiten.
- Umgebungsuntersuchung (Kontaktpersonen, v. a. bei offener TB).
Prüfungsrelevant: Meldepflicht ist ein Lieblingsthema der Prüfer! Antwort: §§ 6, 7 IfSG — Meldung an das Gesundheitsamt; Erkrankung, Tod und Erregernachweis sind namentlich meldepflichtig.
Prüfungs-Schema bei V. a. Tuberkulose:
- Patient aus Hochrisikogebiet + Symptome (Fieber, Nachtschweiß, Hämoptoe, Gewichtsverlust) → V. a. TB.
- Sofortige Isolierung (Schutz anderer).
- Diagnostik (Röntgen, Sputum, Kultur, PCR).
- Bestätigung → Beginn Vierfachtherapie (INH, RMP, PZA, EMB).
- Meldepflicht an das Gesundheitsamt beachten.
12. Differentialdiagnose (DD) — kurz zusammengefasst
- Bronchialkarzinom: zentrale Symptomüberlappung (Hämoptoe, Gewichtsverlust, Husten). Bei jedem „TB-verdächtigen" Patienten mit Hämoptoe muss ein Karzinom aktiv ausgeschlossen werden (CT, Bronchoskopie, Biopsie).
- Pneumonie (bakteriell, viral, Pilz).
- Sarkoidose (Lymphknoten, Lunge — bihiläre Lymphadenopathie).
- Pleuraerguss anderer Genese (Herzinsuffizienz, Malignom, Empyem).
- Lymphom (Hodgkin / Non-Hodgkin) bei Lymphknotenvergrößerung.
- Aspergillom (Pilzball in präexistierender Kaverne).
Prüfungsfalle: Hämoptoe ist ein Schlüsselsymptom, das in der Differentialdiagnose immer Bronchialkarzinom und Tuberkulose aktiv ausschließen lässt. Niemals nur eine der beiden Diagnosen in Betracht ziehen!
13. Zusammenfassung der prüfungsrelevanten Kernaussagen
- Erreger: Mycobacterium tuberculosis, entdeckt von Robert Koch (1882).
- Übertragung: aerogen (Tröpfcheninfektion); Infektiosität hängt von Sputum-Keimzahl und Kontakt ab.
- Pathogenese: Primärkomplex → mögliche Ranke-Komplex-Verkalkung; bei Reaktivierung Kavernenbildung und bronchogene Streuung.
- Risikofaktoren: Herkunft aus Ost-Europa/Afrika, Immunsuppression, HIV, Alkohol, Armut, schlechte Belüftung.
- Symptom-Trias: Fieber + Nachtschweiß + Gewichtsverlust („Schwindsucht"), Hämoptoe, Husten.
- Diagnostik: Röntgen (Kavernen, miliares Bild, Pleuraerguss), Ziehl-Neelsen-Mikroskopie, Kultur (Goldstandard), PCR, Tuberkulin-Test, IGRA.
- Therapie: Vierfachtherapie (INH + RMP + PZA + EMB) für 2 Monate, dann INH + RMP für 4 Monate.
- Wichtigste Nebenwirkungen: Hepatotoxizität (INH/RMP/PZA), Optikusneuritis (EMB — nicht bei Kindern < 10 J.), Rotfärbung des Urins (Rifampicin), Neuropathie (INH → Pyridoxin).
- BCG-Impfung: in Deutschland seit 1998 nicht mehr empfohlen.
- Meldepflicht: §§ 6, 7 IfSG — namentliche Meldung an das Gesundheitsamt.
- Offene TB = Kaverne mit bronchogener Erregeraussaat = infektiös.