Nephrotisches und Nephritisches Syndrom
1. Ödeme – Grundlagen und Klassifikation
1.1 Was sind Ödeme?
Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe) können im Rahmen verschiedener Erkrankungen entstehen und entweder lokalisiert oder generalisiert auftreten.
1.2 Die vier großen Ursachengruppen generalisierter Ödeme
- Kardiale Ödeme — Herzinsuffizienz (links- und/oder rechtsventrikulär)
- Renale Ödeme — Nephrotisches Syndrom und Nephritisches Syndrom
- Hepatische Ödeme — Leberzirrhose und Lebererkrankungen
- Nutritive Ödeme — Malnutrition, Eiweißmangel (z. B. bei Mangelernährung, Marasmus, Kwashiorkor)
2. Hepatische Ödeme – Leberbedingte Flüssigkeitsansammlungen
Bei Lebererkrankungen (z. B. Leberzirrhose) entstehen Ödeme durch zwei zentrale Mechanismen:
2.1 Verminderte Albuminsynthese
Die Leber ist der Ort der Albuminsynthese. Bei Lebererkrankungen ist die Produktion von Albumin vermindert. Albumin hat eine zentrale Aufgabe als osmotisch wirksames Protein im Blut: Es hält die Flüssigkeit innerhalb der Blutgefäße. Bei Albuminmangel entweicht Flüssigkeit ins Gewebe → Ödeme.
2.2 Hyperaldosteronismus
Bei Lebererkrankungen wird Aldosteron vermindert abgebaut (in der Leber metabolisiert). Aldosteron ist ein Mineralocorticoid der Nebennierenrinde, das:
- Natrium und Wasser im Körper zurückhält
- Kalium ausscheidet
Die Aldosteronerhöhung führt zu Natriumretention, Wassereinlagerung und Kaliumverlust (Hypokaliämie).
- verminderte Albuminsynthese → Hypalbuminämie → Flüssigkeitsverschiebung ins Gewebe
- verminderter Aldosteronabbau → Hyperaldosteronismus → Natrium- und Wasserretention → Ödeme
3. Endokrine Ödeme und das Myxödem
3.1 Myxödem bei Schilddrüsenerkrankungen
Das Myxödem tritt bei Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) und Hyperthyreose (Schilddrysenüberfunktion, z. B. bei Morbus Basedow) auf. Es ist ein(endokrines Ödem).
3.2 Unterscheidung: Endokrine Ödeme vs. kardiale/renale/hepatische Ödeme
Der entscheidende Unterschied liegt in der Eindrückbarkeit (pitting test):
- Kardiale, renale und hepatische Ödeme → pitting Ödeme (eindrückbar) — bei Druck mit dem Finger entsteht eine Delle (pomphus)
- Endokrine Ödeme (Myxödem) → non-pitting Ödeme (nicht-eindrückbar) — bei Druck entsteht KEINE Delle
Weitere Merkmale des Myxödems:
- Gallertartige, teigige Konsistenz der Haut
- Betroffen sind oft die Prätibialregion (Unterschenkel)
- Bei Hypothyreose: Müdigkeit, Kälteintoleranz, Bradykardie, Gewichtszunahme, Haarausfall
- Bei Hyperthyreose (Morbus Basedow): Gewichtsverlust, Wärmeintoleranz, Tachykardie, Struma, Tremor, Exophthalmus
4. Lokalisierte Ödeme
4.1 Lymphödem
Das Lymphödem entsteht durch eine Abflussstörung der Lymphe. Typische Ursachen:
- Nach Operationen (z. B. Lymphknotendissektion bei Mammakarzinom)
- Nach Strahlentherapie (Radiatio)
- Angeborene Fehlbildungen des Lymphsystems
Klinische Merkmale:
- Non-pitting (nicht-eindrückbar)
- Schwellung typischerweise distal (an den Extremitäten, z. B. am Fuß oder Unterschenkel)
- Verhärtung und Fibrosierung des Gewebes im Verlauf
- Entwickelt sich von distal nach proximal (von der Peripherie zur Körpermitte)
Das Lymphödem ist ein non-pitting Ödem (nicht-eindrückbar) und beginnt distal, während das kardiale Ödem ein pitting Ödem (eindrückbar) ist und sich bei Rechtsherzinsuffizienz besonders an den abhängigen Körperpartien (z. B. Knöchel, Unterschenkel) zeigt.
4.2 Phlebo-/Thrombosebedingte Ödeme
Ödeme durch Venenerkrankungen oder Thrombosen (tiefe Venenthrombose, TVT) betreffen meist ein Bein, sind schmerzhaft und gehen mit weiteren Zeichen wie Rötung, Überwärmung und Schwellung einher.
4.3 Weitere lokalisierte Ödeme
- Allergische Ödeme (Angioödem, Urtikaria) — oft im Gesicht, an Lippen, Augenlidern
- Entzündungsbedingte Ödeme — bei Infektionen, Cellulitis
- Inspektionsödeme — z. B. bei Insektenstichen
5. Nephrotisches Syndrom – Definition und Leitsymptome
Das nephrotische Syndrom ist definiert durch die Triade:
- Massive Proteinurie — ≥ 3,5 g/24h (entspricht ≥ 3,5 g/d — bei Erwachsenen)
- Hypalbuminämie — Serumalbumin < 2,5 g/dL
- Hyperlipidämie — Erhöhung der Blutfette (Cholesterin, LDL, Triglyceride)
Antwort: Massive Proteinurie (≥ 3,5 g/24h), Hypalbuminämie (< 2,5 g/dL) und Hyperlipidämie. Als vierte häufige Begleiterscheinung kommen Ödeme hinzu.
5.1 Pathophysiologie
Schädigung der Podozyten
Die glomeruläre Filtrationsbarriere besteht aus drei Schichten: der Kapillarendothelzellschicht, der glomerulären Basalmembran und den Podozyten (Fußfortsatz-Zellen). Podozyten umgeben die glomerulären Kapillaren mit ihren Fußfortsätzen und bilden den letzten Teil der Filtrationsbarriere. Bei einer Schädigung der Podozyten (z. B. durch minimale Veränderungen wie bei der Minimal-Change-Glomerulonephritis) kommt es zu einer massiven Proteinurie, da Albumin und andere Plasmaproteine nicht mehr zurückgehalten werden.
Verlust von Plasmaproteinen
Bei der massiven Proteinurie gehen nicht nur Albumin, sondern auch andere Plasmaproteine verloren, darunter:
- Antithrombin III — Verlust führt zur Hyperkoagulabilität und erhöhtem Thromboserisiko
- Immunglobuline — erhöhte Infektanfälligkeit
- Complement-Faktoren
- Vitamin D-bindendes Protein — führt zu Vitamin-D-Mangel
- Transportproteine
Der Verlust von Antithrombin III (AT III) über den Urin führt zu einer Hyperkoagulabilität (verstärkte Gerinnungsneigung). Dies erklärt das erhöhte Risiko für venöse Thrombosen (z. B. Nierenvenenthrombose, tiefe Beinvenenthrombose). Deshalb wird bei nephrotischem Syndrom häufig eine Thromboseprophylaxe mit Heparin (z. B. niedermolekulares Heparin wie Certoparin/Nadroparin) durchgeführt.
5.2 Ödeme beim nephrotischen Syndrom
Die Ödeme beim nephrotischen Syndrom entstehen durch:
- Hypalbuminämie → verminderter kolloidosmotischer Druck → Flüssigkeit tritt aus den Gefäßen ins Interstitium aus
- Sekundärer Hyperaldosteronismus → Natrium- und Wasserretention verstärkt die Ödeme
Im Unterschied zum nephritischen Syndrom sind die Ödeme beim nephrotischen Syndrom typischerweise ausgeprägt und können generalisiert sein (Anasarka).
5.3 Ursachen des nephrotischen Syndroms (Ätiologie)
Die Ätiologie des nephrotischen Syndroms ist komplex und umfasst primäre und sekundäre Formen:
Primäre glomeruläre Ursachen (häufig bei Kindern)
Die Minimal-Change-Glomerulonephritis (MCGN) ist die häufigste Ursache des nephrotischen Syndroms im Kindesalter (ca. 75 % der Fälle). Histologisch zeigen sich unter dem Lichtmikroskop keine pathologischen Veränderungen; nur unter dem Elektronenmikroskop sind Podozytenveränderungen nachweisbar.
Die Membranöse Glomerulonephritis (MGN) ist die häufigste Ursache des nephrotischen Syndroms bei Erwachsenen.
Die Fokal-segmentale Glomerulosklerose (FSGS) zeigt eine herdförmige (fokale) und segementale (einen Teil des Glomerulus betreffende) Sklerose.
- Minimal-Change-Glomerulonephritis (MCGN) — häufigste Ursache bei Kindern (ca. 75 %); Lichtmikroskopie unauffällig, nur Elektronenmikroskopie positiv
- Membranöse Glomerulonephritis (MGN) — häufigste Ursache bei Erwachsenen
- Fokal-segmentale Glomerulosklerose (FSGS)
Sekundäre Ursachen
- Diabetes mellitus — diabetische Nephropathie
- Amyloidose (AL-Amyloidose: primär; AA-Amyloidose: sekundär bei chronischen Entzündungen) — verursacht massive Proteinurie durch Ablagerung von Amyloid-Fibrillen in den Glomeruli
- Multiples Myelom (Plasmozytom) — Leichtkettenablagerungen
- Systemischer Lupus erythematodes (SLE) — Lupus-Nephritis
- Medikamente (z. B. NSAIDs, Gold, Penicillamin, Bisphosphonate)
- Infektionen (Hepatitis B/C, HIV, Malaria, Syphilis)
- Malignome (paraneoplastisch)
5.4 Diagnostik des nephrotischen Syndroms
Urinuntersuchungen
- 24-Stunden-Urin — Quantifizierung der Proteinurie (≥ 3,5 g/24h beweisend)
- Spontanurin (Spot-Urin) — Protein/Kreatinin-Quotient (≥ 3,5 g/g gilt als nephrotische Proteinurie)
- Urin-Proteinelektrophorese — Nachweis der Proteinsorte
- Urin-Sediment — oft bland (wenig Zellen), kein aktivem Sediment wie bei der Nephritis
- Urin-Mikroskopie — bei Amyloidose: keine charakteristischen Befunde, aber wichtig zum Ausschluss einer Hämaturie
Blutuntersuchungen
- Serumalbumin — typischerweise < 2,5 g/dL
- Serumgesamteiweiß — vermindert
- Serumlipide — erhöhtes Cholesterin, LDL, Triglyceride
- Kreatinin/Harnstoff — zur Beurteilung der Nierenfunktion
- Antithrombin III — zur Einschätzung der Thromboseneigung
- Komplement (C3, C4) — bei SLE-Nephritis typischerweise erniedrigt
- Autoantikörper (ANA, Anti-dsDNA bei V. a. SLE)
- Immunglobuline — oft polyklonale Hypogammaglobulinämie (Verlust über Niere)
Apparative Diagnostik
- Abdomen-Sonografie — Nierenmorphologie, Ausschluss einer Obstruktion
- Nierenbiopsie — Goldstandard zur histologischen Diagnosesicherung und Klassifikation der Grunderkrankung. Indiziert insbesondere bei Erwachsenen mit nephrotischem Syndrom (Ausnahme:diabetische Nephropathie bei eindeutiger Klinik)
5.5 Therapie des nephrotischen Syndroms
Kausale Therapie
Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung:
- Minimal-Change-GN — Glucocorticoide (Prednisolon) als First-Line-Therapie; bei Steroidresistenz: Cyclosporin A oder Cyclophosphamid
- Membranöse GN — immunsuppressive Therapie (Cyclophosphamid + Glucocorticoide oder Calcineurin-Inhibitoren)
- FSGS — Glucocorticoide, Cyclosporin A, Mycophenolat-Mofetil
- Diabetes mellitus — optimale Blutzuckereinstellung, RAAS-Blockade (ACE-Hemmer/AT1-Blocker) zur Reduktion der Proteinurie
- Amyloidose — Behandlung der Grunderkrankung, ggf. Stammzelltransplantation bei AL-Amyloidose
Symptomatische Therapie
- Diuretika (Schleifendiuretika wie Furosemid, ggf. Thiazide kombiniert) — zur Ödemreduktion; engmaschige Elektrolytkontrolle (v. a. Kalium)
- Thromboseprophylaxe — niedermolekulares Heparin (z. B. Certoparin) bei erhöhtem Thromboserisiko; bei manifester Hyperkoagulabilität ggf. orale Antikoagulation
- Statine (z. B. Atorvastatin) — zur Senkung der Hyperlipidämie
- ACE-Hemmer oder AT1-Blocker — zur Reduktion der Proteinurie und Blutdruckkontrolle
- Vitamin-D-Supplementierung — bei Vitamin-D-Mangel
- Kalziumsubstitution — bei Hypokalzämie
Statine (z. B. Atorvastatin) können eine Myopathie (Muskelschmerzen, Myalgien) bis hin zur Rhabdomyolyse verursachen. Bei Patienten unter Statintherapie muss regelmäßig die Creatinkinase (CK/CK-MB) kontrolliert werden. Bei Muskelschmerzen oder CK-Erhöhung sollte die Statintherapie pausiert werden.
6. Nephritisches Syndrom – Die Volhard-Trias
Das nephritische Syndrom ist das Gegenstück zum nephrotischen Syndrom und ist definiert durch die sogenannte Volhard-Trias:
- Hämaturie (Blut im Urin — mikro- oder makroskopisch)
- Hypertonie (Bluthochdruck)
- Ödeme (Flüssigkeitseinlagerungen)
Antwort: Die Volhard-Trias beschreibt die drei Leitsymptome des nephritischen Syndroms: Hämaturie, Hypertonie und Ödeme.
6.1 Pathophysiologie
Beim nephritischen Syndrom kommt es zu einer Schädigung der glomerulären Filtrationsbarriere, die zur Ausscheidung von Erythrozyten (Hämaturie) führt. Im Unterschied zum nephrotischen Syndrom ist die Proteinurie beim nephritischen Syndrom mild bis moderat (üblicherweise < 3,5 g/24h).
Die Hypertonie entsteht durch:
- Volumenüberladung durch Natrium- und Wasserretention
- Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS)
- Verminderte Synthese von Stickstoffmonoxid (NO) und Prostazyklin
6.2 Dysmorphe Erythrozyten – Der Schlüssel zur renalen Hämaturie
Im Urin-Sediment werden dysmorphe Erythrozyten (verformte Erythrozyten, insbesondere Akanthozyten) nachgewiesen. Dysmorphe Erythrozyten entstehen, wenn die roten Blutkörperchen auf ihrem Weg durch die geschädigte glomeruläre Basalmembran mechanisch verformt werden. Der Nachweis von > 70 % dysmorphen Erythrozyten spricht für eine glomeruläre Blutungsquelle.
6.3 Ursachen des nephritischen Syndroms
Poststreptokokken-Glomerulonephritis (PSGN)
Die poststreptokokken-Glomerulonephritis ist die klassische und wichtigste Ursache des nephritischen Syndroms bei Kindern. Sie tritt typischerweise 1–3 Wochen nach einer Streptokokkeninfektion (z. B. Streptokokken-Pharyngitis/Tonsillitis oder Streptokokken-Hautinfektion) auf.
Antwort: Poststreptokokken-Glomerulonephritis (PSGN). Die Erkrankung tritt 1–3 Wochen nach einer Streptokokkeninfektion auf und präsentiert sich mit der Volhard-Trias (Hämaturie, Hypertonie, Ödeme).
Typische Erreger der PSGN:
- Streptococcus pyogenes (β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A) — Tonsillitis, Pharyngitis, Scharlach
- Streptococcus equisimilis — seltener
Weitere Ursachen des nephritischen Syndroms
- Membranoproliferative Glomerulonephritis (MPGN) — auch als mesangioproliferative GN bezeichnet
- Lupus-Nephritis (SLE) — wichtigste sekundäre Ursache bei jungen Frauen
- IgA-Nephropathie (Morbus Berger) — häufigste primäre Glomerulonephritis weltweit; zeigt sich typischerweise mit Episoden von Makrohämaturie nach Infekten der oberen Atemwege (synpharyngitische Hämaturie)
- Goodpasture-Syndrom (Anti-GBM-Krankheit) — selten, aber akut und lebensbedrohlich
- Schnell progrediente Glomerulonephritis (RPGN)
- ANCA-assoziierte Vaskulitiden (Granulomatose mit Polyangiitis, Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis)
6.4 Diagnostik des nephritischen Syndroms
- Urin-Sediment — Erythrozyten, dysmorphe Erythrozyten (Akanthozyten), Erythrozytenzylinder
- 24-Stunden-Urin — Proteinurie (mild bis moderat, < 3,5 g/24h)
- Blutbild — Anämie durch Hämodilution (bei Volumenüberladung)
- Kreatinin, Harnstoff, Elektrolyte — Nierenfunktion und Elektrolytstatus
- Komplement (C3, C4) — bei PSGN typischerweise C3 erniedrigt, C4 normal; bei SLE-Nephritis C3 und C4 erniedrigt
- Antistreptolysin-Titer (ASL/ASO) und Anti-DNase B — bei V. a. PSGN
- Autoantikörper (ANA, Anti-dsDNA bei SLE; Anti-GBM bei Goodpasture; c-ANCA/p-ANCA bei Vaskulitiden)
- Nierenbiopsie — bei unklarem Befund, rapid progressivem Verlauf oder zur Klassifikation
6.5 Therapie des nephritischen Syndroms
- Bettruhe — in der akuten Phase
- Salzarme Ernährung — zur Blutdruckkontrolle und Ödemreduktion
- Flüssigkeitsrestriktion — bei Ödemen und Hypertonie
- Blutdruckkontrolle — ACE-Hemmer oder AT1-Blocker (renoprotektiv und antiproteinurisch)
- Diuretika (Schleifendiuretika) — bei ausgeprägten Ödemen
- Immunsuppression — je nach Ursache:
- PSGN: meist selbstlimitierend; bei schwerem Verlauf kurzzeitige Glucocorticoide
- Lupus-Nephritis: Glucocorticoide + Cyclophosphamid oder Mycophenolat-Mofetil
- IgA-Nephropathie: bei fortschreitender Nierenfunktionseinschränkung Immunsuppression
7. Zusammenfassende Differenzialdiagnose: Nephrotisch vs. Nephritisch
| Merkmal | Nephrotisches Syndrom | Nephritisches Syndrom |
|---|---|---|
| Proteinurie | Massiv (≥ 3,5 g/24h) | Mild bis moderat (< 3,5 g/24h) |
| Serumalbumin | Stark erniedrigt (< 2,5 g/dL) | Normal oder leicht erniedrigt |
| Ödeme | Massiv, generalisiert (Anasarka) | Mild, periorbital und prätibial |
| Hämaturie | Meist keine oder mild | Typisch (mikro- oder makroskopisch) |
| Hypertonie | Selten oder mild | Typisch (Volhard-Trias) |
| Hyperlipidämie | Ja (klassisches Merkmal) | Nein |
| Thromboserisiko | Erhöht (AT-III-Verlust) | Nicht typisch erhöht |
| Urin-Sediment | Bland (wenig Zellen) | Aktiv (Erythrozyten, Zylinder) |
| Typische Ursachen | MCGN, MGN, FSGS, Diabetes, Amyloidose | PSGN, IgA-Nephropathie, Lupus-Nephritis, MPGN |
| Häufigstes Alter | Erwachsene (MGN); Kinder (MCGN) | Kinder (PSGN), junge Erwachsene (IgA-Nephropathie) |
Antwort: Nephrotisches Syndrom — massive Proteinurie (≥ 3,5 g/24h), Hypalbuminämie und Hyperlipidämie (ggf. laborchemisch nachzuweisen) definieren das nephrotische Syndrom.
8. Überwachung und Management des Patienten mit Ödemen
Unabhängig von der Ursache der Ödeme gelten folgende Grundsätze:
- Gewichtskontrolle — tägliche Kontrolle des Körpergewichts zur Beurteilung der Ödemdynamik und des Therapieerfolges
- Flüssigkeitsbilanz — genaue Dokumentation von Einfuhr (Trinkmenge, Infusionen) und Ausfuhr (Urinproduktion, ggf. Drainagen)
- Elektrolytkontrolle — insbesondere bei Diuretikatherapie (Kalium, Natrium)
- Blutdrucküberwachung — bei Hypertonie und unter Diuretikatherapie
- Nierenfunktion — Kreatinin, Harnstoff, GFR-Kontrolle
- Diuretika (Schleifendiuretika wie Furosemid, ggf. kombiniert mit Thiaziden)
- Salzarme Ernährung (max. 2–3 g NaCl/Tag)
- Flüssigkeitsrestriktion bei Hypervolämie
- Lagerung: bei lymphatischen oder venösen Ödemen ist eine kompressiv-physikalische Therapie sinnvoll
- Behandlung der Grunderkrankung
9. Prüfungsrelevante Fakten und Merksätze
- Die vier großen Ursachen generalisierter Ödeme: kardial, renal, hepatisch, nutritiv
- Endokrine Ödeme (Myxödem) = non-pitting; kardiale/renale/hepatische Ödeme = pitting
- Nephrotisches Syndrom = Proteinurie ≥ 3,5 g/24h + Hypalbuminämie + Hyperlipidämie
- Nephritisches Syndrom = Volhard-Trias: Hämaturie + Hypertonie + Ödeme
- Dysmorphe Erythrozyten (Akanthozyten) = glomeruläre Hämaturie
- Poststreptokokken-GN: 1–3 Wochen nach Streptokokkeninfektion; Erreger: Streptococcus pyogenes (β-hämolysierende Streptokokken Gruppe A)
- Die drei häufigsten primären Ursachen des nephrotischen Syndroms: Minimal-Change-GN, Membranöse GN, Fokal-segmentale Glomerulosklerose
- Thromboseprophylaxe beim nephrotischen Syndrom wegen Verlust von Antithrombin III
- Statin-Nebenwirkung: Myopathie/Rhabdomyolyse → CK-Kontrolle
- Gewichtskontrolle und Flüssigkeitsbilanzierung bei allen Ödempatienten
- Patienten mit nephrotischem Syndrom brauchen Diuretika und Thromboseprophylaxe
Vorlesungszusammenfassung — Nephrotisches und Nephritisches Syndrom mit Differenzialdiagnose der Ödeme