Hodgkin- & Non-Hodgkin-Lymphom
Vorlesungszusammenfassung — maligne Lymphome des lymphatischen Systems, Differenzierung, Diagnostik, Klassifikation und prüfungsrelevante Hinweise
1. Überblick — Maligne Lymphome des lymphatischen Systems
Die malignen Lymphome sind bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems. Sie werden in zwei große Hauptgruppen unterteilt:
- Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin)
- Non-Hodgkin-Lymphom (NHL)
2. Das Hodgkin-Lymphom
2.1 Epidemiologie
Das Hodgkin-Lymphom macht nur etwa 11 % aller malignen Lymphome aus. Es ist damit deutlich seltener als das Non-Hodgkin-Lymphom. Die Non-Hodgkin-Lymphome stellen eine sehr heterogene Gruppe dar und umfassen ca. 98 % aller malignen Lymphome.
2.2 Pathognomonisches Merkmal — Reed-Sternberg-Riesenzelle
Das entscheidende diagnostische und prüfungsrelevante Merkmal des Hodgkin-Lymphoms ist der mikroskopische Nachweis von Reed-Sternberg-Riesenzellen (auch Hodgkin-Zellen genannt). Diese Zellen sind:
- Große, mehrkernige Riesenzellen mit charakteristischem „Eulenaugen"-Aussehen (zwei spiegelbildliche Kerne mit prominenten Nukleoli).
- Im histologischen Präparat deutlich erkennbar.
- Beim Non-Hodgkin-Lymphom sind diese Zellen definitionsgemäß nicht nachweisbar.
3. Das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL)
Die Non-Hodgkin-Lymphome sind eine sehr vielfältige Gruppe maligner Erkrankungen, die nach verschiedenen Kriterien (Zelltyp, Reifegrad, Aggressivität) eingeteilt werden. Wichtige Vertreter sind:
- B-Zell-Lymphome (die Mehrzahl der NHL)
- T-Zell-Lymphome
- Chronische lymphatische Leukämie (CLL) — wird laut WHO-Klassifikation den Non-Hodgkin-Lymphomen zugeordnet.
- Multiples Myelom (Plasmozytom) — ebenfalls ein Non-Hodgkin-Lymphom (Krankheit der Plasmazellen).
- Das Multiple Myelom (Plasmozytom) gehört zu den Non-Hodgkin-Lymphomen.
- Die CLL (chronische lymphatische Leukämie) wird nach WHO ebenfalls den Non-Hodgkin-Lymphomen zugeordnet.
4. Krankheitsentstehung — Wo beginnt die Erkrankung?
Ein wesentlicher und prüfungsrelevanter Unterschied zwischen Lymphomen und der CLL liegt im Ursprungsort der Erkrankung:
| Erkrankung | Beginn der Erkrankung | Spätere Ausbreitung |
|---|---|---|
| Lymphom (Hodgkin & NHL) | Beginnt primär in den Lymphknoten | In fortgeschrittenen Stadien Befall des Knochenmarks |
| Chronische lymphatische Leukämie (CLL) | Beginnt im Knochenmark | In fortgeschrittenen Stadien Befall des lymphatischen Systems (Lymphknoten, Milz) |
Antwort: Das Lymphom beginnt in den Lymphknoten und befällt erst spät das Knochenmark. Die CLL beginnt im Knochenmark und befällt erst später die Lymphknoten und die Milz.
5. Klinisches Bild — Symptome
5.1 B-Symptomatik
Patienten mit malignen Lymphomen können eine charakteristische B-Symptomatik zeigen:
- Fieber — oft zwischen 38 und 39 °C, Temperatur steigt nicht immer über 39 °C
- Nächtliche Schweißausbrüche (stark, schwer)
- Gewichtsverlust (unerklärlicher Gewichtsverlust)
- Schwäche / Abgeschlagenheit
5.2 Lymphknotenvergrößerungen
Patienten stellen sich häufig mit schmerzlosen Lymphknotenvergrößerungen vor. Charakteristisch:
- Schmerzlose Lymphknotenschwellung (nicht druckdolent, nicht schmerzhaft bei Palpation)
- Vergrößerung von Lymphknoten, Milz (Splenomegalie) und Leber (Hepatomegalie)
6. Diagnostik
6.1 Histologische Diagnosesicherung — Lymphknotenresektion
Die histologische Diagnosesicherung ist der entscheidende Schritt bei Verdacht auf ein malignes Lymphom. Dafür muss ein verdächtiger Lymphknoten operativ entfernt werden.
- Der Lymphknoten muss komplett (in toto) entfernt werden — eine Teilresektion oder Biopsie reicht für die Diagnosestellung nicht aus.
- In-toto-Resektion bedeutet wörtlich: „Organ — Order — Full vert" (komplette Entfernung des Organs/der Struktur).
- Eine Feinnadelaspiration (FNA) ist bei Lymphomen nicht ausreichend — sie liefert kein verwertbares histologisches Ergebnis.
- Zur Diagnosesicherung eines Lymphoms ist die komplette operative Resektion (in toto) eines verdächtigen Lymphknotens erforderlich.
- Eine Feinnadelaspiration (FNA) ist nicht ausreichend — sie hat bei Lymphomen keinen diagnostischen Wert.
6.2 Wahl des zu entfernenden Lymphknotens
Es sollte bevorzugt ein auffällig veränderter, vergrößerter oder verformter Lymphknoten entnommen werden. Bevorzugt werden extranodale Lymphknoten, da die inguinalen Lymphknoten häufig reaktive Veränderungen aufweisen und die Diagnostik verfälschen können. Die entnommenen Lymphknoten werden anschließend zur Histologie eingesandt.
6.3 Labordiagnostik
Im Labor werden folgende Parameter bestimmt:
- LDH (Laktatdehydrogenase) — erhöhte Werte sind ein wichtiger prognostischer Marker
- Blutbild
- Knochenmarkspunktion — zur Beurteilung des Knochenmarkbefalls
- Virologische / Serologische Diagnostik:
- CMV (Zytomegalievirus)
- EBV (Epstein-Barr-Virus) — kann mit dem Burkitt-Lymphom assoziiert sein
6.4 Bildgebende Diagnostik
Zur Stadieneinteilung und Ausbreitungsdiagnostik werden eingesetzt:
- Sonographie (Ultraschall)
- CT (Computertomographie) — Hals, Thorax, Abdomen
- PET-CT — bei Hodgkin-Lymphom routinemäßig zur Verlaufsbeurteilung (Re-Staging) eingesetzt
7. Klassifikation — Ann-Arbor-Staging
Die Stadieneinteilung maligner Lymphome erfolgt nach dem Ann-Arbor-Klassifikationssystem. Dies ist eine prüfungsrelevante Klassifikation, die auswendig beherrscht werden sollte.
| Stadium | Beschreibung |
|---|---|
| Stadium I | Befall einer einzelnen Lymphknotenregion |
| Stadium II | Befall mehrerer Lymphknotenregionen auf derselben Seite des Zwerchfells |
| Stadium III | Befall von Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells |
| Stadium IV | Diffuser oder disseminierter Befall extranodaler Organe (z. B. Knochenmark, Leber) |
Zusätzlich wird das Vorhandensein (B) oder Fehlen (A) von B-Symptomen angegeben:
- A = keine B-Symptomatik
- B = mit B-Symptomatik (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust)
8. Ätiologie und Risikofaktoren
Die genaue Ursache von malignen Lymphomen ist nicht abschließend geklärt. Es gibt jedoch bekannte Risikofaktoren und prädisponierende Faktoren:
| Risikofaktor | Beispiel / Erklärung |
|---|---|
| Virale Infektionen | EBV-assoziierte Lymphome; Burkitt-Lymphom (assoziiert mit EBV); HIV/AIDS erhöht das Risiko für NHL |
| Immundefizienz | Angeborene oder erworbene Immunschwäche (z. B. nach Transplantation, HIV) |
| Genetische Prädisposition | Familiäre Häufung in einigen Fällen |
| Chemische Exposition | Exposition gegenüber kanzerogenen Chemikalien |
| Strahlenexposition | Berufliche oder medizinische Strahlenbelastung |
Antwort: Viren (EBV, HIV), Immundefekte, genetische Prädisposition, chemische Noxen und Strahlenexposition.
9. Therapie maligner Lymphome
Die Behandlung maligner Lymphome erfolgt hauptsächlich durch:
- Chemotherapie — als wichtigste Säule der Therapie
- Strahlentherapie (Radiotherapie) — häufig in Kombination mit Chemotherapie
9.1 Bekannte Chemotherapie-Schemata
In der Vorlesung genannte Schemata (Beispiele zur Orientierung):
- ABVD-Schema — klassisches Schema beim Hodgkin-Lymphom (Adriamycin, Bleomycin, Vinblastin, Dacarbazin)
- BEACOPP-Schema — intensiviertes Schema
- CHOP-Schema — häufig beim Non-Hodgkin-Lymphom (Cyclophosphamid, Hydroxydaunorubicin, Vincristin, Prednison)
10. Komplikationen
Wichtige Komplikationen, die der Dozent besonders hervorgehoben hat:
| Komplikation | Bedeutung |
|---|---|
| Infektionen | Patienten sind durch die Erkrankung und die Therapie immunsupprimiert — erhöhtes Risiko für bakterielle, virale und Pilzinfektionen. Eine Infektion kann ein Lymphom maskieren (z. B. erschwert eine begleitende Infektion die histologische Beurteilung). |
| B-Symptomatik | Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust — oft das erste klinische Zeichen |
| Organbeteiligung | Splenomegalie, Hepatomegalie, Knochenmarkbefall |
| Verwechslung mit Infektionskrankheiten | Wichtig: Eine Lymphknotenvergrößerung bei gleichzeitig bestehender Virusinfektion (z. B. EBV) kann das Vorliegen eines Lymphoms verschleiern. Klinisch ist die Abgrenzung schwierig. |
11. Sonderfall: Schmerzhafte Lymphknoten bei Alkoholikern
Eine besondere Beobachtung in der Praxis:
- Bei Alkoholikern können Lymphknotenvergrößerungen schmerzhaft sein — auch wenn ein Lymphom vorliegt.
- Schmerzen können beim Trinken von Alkohol auftreten.
- Bei Nicht-Alkoholikern sind Lymphom-bedingte Lymphknoten in der Regel schmerzlos.
Antwort: Bei Alkoholikern können die Lymphknoten schmerzhaft sein. Ansonsten sind Lymphom-Lymphknoten typischerweise schmerzlos.
12. Prüfungsrelevante Schwerpunkte (Kenntnisprüfung) im Überblick
- Unterscheidung Hodgkin vs. Non-Hodgkin: Das entscheidende Merkmal ist die Reed-Sternberg-Riesenzelle (Eulenaugen-Zelle) — sie ist beim Hodgkin-Lymphom nachweisbar, beim Non-Hodgkin-Lymphom nicht.
- Epidemiologie: Hodgkin-Lymphom ca. 11 %, Non-Hodgkin-Lymphom ca. 98 % der malignen Lymphome.
- Multiples Myelom und CLL zählen zu den Non-Hodgkin-Lymphomen (WHO-Klassifikation).
- Ursprungsort: Lymphom beginnt in Lymphknoten, CLL beginnt im Knochenmark.
- Diagnostik: Komplette Resektion (in toto) eines verdächtigen Lymphknotens ist erforderlich. Feinnadelaspiration (FNA) reicht nicht.
- LDH: Erhöhte LDH ist ein wichtiger Prognosemarker (schlechtere Prognose bei erhöhten Werten).
- Stadieneinteilung: Ann-Arbor-Klassifikation mit vier Stadien I–IV und Zusätzen A/B (B-Symptomatik).
- Risikofaktoren: Viren (EBV, HIV), Immundefekte, genetische Prädisposition, chemische Noxen, Strahlenexposition.
- Therapie: Chemotherapie und Strahlentherapie — die genauen Medikamentennamen müssen nicht auswendig gekannt werden.
- Sonderfall Alkoholiker: Schmerzhafte Lymphknotenvergrößerungen können auch bei Lymphomen auftreten — sonst sind Lymphom-Lymphknoten schmerzlos.
12.1 Typische Prüfungsfragen und Musterantworten
| Prüfungsfrage | Musterantwort |
|---|---|
| „Was ist das pathognomonische Merkmal des Hodgkin-Lymphoms?" | „Die Reed-Sternberg-Riesenzelle (Eulenaugen-Zelle) — eine große, mehrkernige Riesenzelle, die in der Histologie nachweisbar ist. Beim Non-Hodgkin-Lymphom fehlt sie." |
| „Was versteht man unter in-toto-Resektion?" | „Die komplette operative Entfernung eines verdächtigen Lymphknotens. Nur so kann eine verlässliche histologische Diagnose gestellt werden. Eine Feinnadelaspiration reicht bei Lymphomen nicht aus." |
| „Welche Erkrankungen zählen zu den Non-Hodgkin-Lymphomen?" | „Das Multiple Myelom (Plasmozytom) und die chronische lymphatische Leukämie (CLL) werden nach WHO-Klassifikation den Non-Hodgkin-Lymphomen zugeordnet." |
| „Was ist der Unterschied zwischen Lymphom und CLL hinsichtlich des Krankheitsursprungs?" | „Das Lymphom beginnt primär in den Lymphknoten und befällt später das Knochenmark. Die CLL beginnt im Knochenmark und befällt später die Lymphknoten und die Milz." |
| „Welche Bedeutung hat die LDH beim Hodgkin-Lymphom?" | „Eine erhöhte LDH ist ein wichtiger Prognosemarker — erhöhte Werte zeigen eine schlechtere Prognose an." |
| „Welche Risikofaktoren kennen Sie für maligne Lymphome?" | „Viren (EBV, HIV), Immundefekte, genetische Prädisposition, chemische Noxen und Strahlenexposition." |