Eisenmangelanämie
Vorlesungszusammenfassung – Hämatologie, Schwerpunkt Kenntnisprüfung
1. Definition & Referenzwerte
Referenzwerte Hämoglobin
Die Kenntnis der Normalwerte ist essenziell für die Kenntnisprüfung – sowohl für Fallfragen als auch für die mündliche Prüfung („Korrelation"). Werte sind in zwei Einheiten anzugeben:
| Geschlecht | g/dL | mmol/L |
|---|---|---|
| Frauen | 12 – 16 g/dL | 7,4 – 9,9 mmol/L |
| Männer | 13 – 17 g/dL | 8,1 – 10,5 mmol/L |
Zusätzliche Blutbild-Parameter
- Hämatokrit (Hk): Anteil der zellulären Bestandteile am Gesamtblutvolumen; gemeinsam mit dem Hb der entscheidende Screening-Wert.
- MCV (Mean Corpuscular Volume): Mittleres Erythrozytenvolumen – dient der morphologischen Klassifikation (mikro-, normo-, makrozytär).
- MCH (Mean Corpuscular Haemoglobin): Mittlerer Hämoglobingehalt pro Erythrozyt (hypochrom/normochrom/hyperchrom).
2. Allgemeine Symptome der Anämie
Die folgenden Symptome sind unspezifisch und können bei jeder Anämieform auftreten, unabhängig von der Ursache:
Haut & Schleimhäute
- Blässe (Haut, Konjunktiven, Schleimhäute, Nagelbett)
- Reduzierte Hautfarbe sichtbar an Konjunktiven und Nagelbetten
ZNS & Sinnesorgane
- Schwindel, Cephalgien (Kopfschmerzen)
- Ohrgeräusche (Tinnitus)
- Verminderte Leistungsfähigkeit
Kardiovaskulär
- Tachykardie, Palpitationen
- Belastungsdyspnoe
- Herzrasen (palpitatio cordis)
Allgemein
- Müdigkeit, Abgeschlagenheit
- Konzentrationsstörungen
- Kälteintoleranz
Befunde in der körperlichen Untersuchung
- Hand-Inspektion: Blasse Handlinien, Abblassen der Handflächen – Inspektion der Handflächen ist eine schnelle klinische Screening-Methode.
- Konjunktiven: Blässe der Konjunktiven als sensitiver klinischer Hinweis.
- Nagelbett: Kapillarfüllung beurteilen.
3. Klassifikation der Anämie
Die Einteilung erfolgt in der Kenntnisprüfung üblicherweise morphologisch nach MCV und MCH. Die Dozentin betont, dass diese Basisklassifikation beherrscht werden muss.
| Typ | MCV | MCH | Beispiele / Differenzialdiagnosen |
|---|---|---|---|
| Mikrozytär hypochrom | ↓ | ↓ | Eisenmangelanämie, Thalassämie, sideroblastische Anämie, Bleiintoxikation, Anämie bei chronischer Erkrankung (Teilaspekt) |
| Normozytär normochrom | normal | normal | Aplastische Anämie, hämolytische Anämie, akute Blutungsanämie, Anämie bei chronischer Nierenerkrankung |
| Makrozytär hyperchrom | ↑ | ↑ | Megaloblastische Anämie (Vitamin-B12-Mangel, Folsäuremangel), bestimmte Medikamente, Lebererkrankungen, Hypothyreose |
Schlüsseldiagnosen (Hämatologie, Fokus Kenntnisprüfung)
- Eisenmangelanämie – mikrozytär hypochrom (Hauptthema dieser Vorlesung).
- Megaloblastische Anämie – makrozytär hyperchrom (Vitamin-B12- und/oder Folsäuremangel).
- Hämolytische Anämie – in der Regel normozytär normochrom, kann aber je nach Ursache variieren.
- Aplastische Anämie – normozytär normochrom, oft Panzytopenie.
4. Spezifische klinische Zeichen
Die Eisenmangelanämie hat neben den allgemeinen Anämiezeichen eine Reihe spezifischer klinischer Befunde an Haut, Schleimhäuten und Nägeln:
Mundwinkelrhagaden
Einrisse / Entzündungen an den Mundwinkeln (Angulus infectiosus, Cheilitis angularis) – typisches, aber nicht pathognomonisches Zeichen.
Koilonychie
Löffel- bzw. „Hohlnägel" (im Volksmund auch „Löffel" der Nägel) – konkave Verformung der Fingernägel durch brüchiges Keratin.
Plummer-Vinson-Syndrom
Triade: Atrophie der Schleimhaut (Ösophagus, Pharynx, Mundhöhle) + Dysphagie + Eisenmangelanämie. Präkanzerose (Risiko für Plattenepithelkarzinom).
Brüchige Haare & Nägel
Diffuser Haarausfall, brüchige und splitternde Nägel – unspezifische Hinweise.
Trockene Haut & Schleimhäute
- Trockene, rissige Haut.
- Trockene Schleimhäute.
- Pruritus, Hauteinrisse.
5. Pathophysiologie & Eisenstoffwechsel
Körpereisenspeicher
- Gesamtkörperbestand: ca. 3 – 5 g Eisen bei einem gesunden Erwachsenen.
- Verteilung: Größtenteils als Funktionseisen im Hämoglobin (~ 2 – 3 g), der Rest in Myoglobin, Enzymen und als Speichereisen (Ferritin, Hämosiderin) in Leber, Milz, Knochenmark.
Pathomechanismus der Eisenmangelanämie
- Negative Eisenbilanz: Eisenverluste übersteigen die Eisenzufuhr über die Nahrung (Resorption im Duodenum und oberen Jejunum).
- Entleerung der Speicher: Zunächst Abnahme des Speichereisens (Ferritin ↓).
- Eisendefizit in der Erythropoese: Transferrinsättigung ↓, Eisenversorgung des Knochenmarks ↓.
- Mikrozytäre hypochrome Erythrozyten: Hämoglobin-Synthese ↓ → kleine, hämoglobinarme Erythrozyten (Anisozytose, Poikilozytose, Targetzellen, Elliptozyten).
- Manifeste Anämie: Hb-Konzentration fällt unter die Referenzbereichsgrenze.
Latente Eisenmangelanämie
6. Ursachen der Eisenmangelanämie
Die Eisenmangelanämie ist mit ca. 80 – 90 % die häufigste Anämieform überhaupt. Die Ursachen werden in der Vorlesung in drei große Gruppen eingeteilt:
1. Blutverlust (ca. 75 % der Fälle)
Die mit Abstand häufigste Ursache – die Dozentin hebt hervor, dass hier „am meisten gefragt" wird.
| Lokalisation | Beispiele |
|---|---|
| Gastrointestinal | Angi dysplasien, Refluxösophagitis, Magenulkus, Kolonkarzinom, Ösophaguskarzinom, Hämorrhoiden, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen |
| Urogenital | Harnwegskarzinome, Nierentumoren, starke Menstruationsblutungen (Hypermenorrhoe, Menorrhagie) |
| Iatrogen / Medikamente | Antikoagulanzien (Marcumar, Heparin), Thrombozytenaggregationshemmer (ASS, Clopidogrel), Dauerblutentnahmen, Operationen |
| Vegetarismus / „Nahrungs-Eisenmangel" | Strikt vegetarische oder vegane Ernährung, einseitige Diäten – in der Vorlesung als „Vege-Tarisch" erwähnt |
| Sonstige | Blutspender, Trauma, postoperative Nachblutung, häufige Nasenbluten |
2. Vermehrter Eisenbedarf
- Schwangerschaft und Stillzeit.
- Wachstumsphasen (Säuglinge, Kleinkinder, Pubertät).
- Chronische Hämodialyse.
3. Malabsorption (Eisen-Malabsorptionssyndrome)
- Autoimmungastritis (mit Anti-Intrinsic-Factor- und Anti-Parietalzell-Antikörpern) – Cave: kann sich hinter einer vermeintlichen Eisenmangelanämie verbergen und in Richtung perniziöse Anämie / Vitamin-B12-Mangel entwickeln.
- Helicobacter-pylori-Infektion.
- Zöliakie / Sprue.
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa).
- Zustand nach Magen- oder Dünndarmresektion (z. B. bariatrische Chirurgie).
Bei ca. 20 % der Fälle lässt sich trotz intensiver Diagnostik keine eindeutige Ursache sichern.
7. Labordiagnostik
Basisdiagnostik
- Blutbild: Hb ↓, Hk ↓, MCV ↓, MCH ↓.
- Retikulozyten: Als Ausdruck der kompensatorischen Knochenmarkaktivität; bei reinem Eisenmangel eher niedrig-normal bis erniedrigt (hypoproliferativ).
Eisenstoffwechsel-Parameter
| Parameter | Veränderung bei Eisenmangel | Bedeutung |
|---|---|---|
| Ferritin | ↓ (erniedrigt) | Speichereisen; sensitivster Parameter für entleerte Eisenspeicher. Cave: Akute-Phase-Protein! |
| Transferrin | ↑ (erhöht) | Transportprotein; wird bei Eisenmangel hochreguliert. |
| Transferrinsättigung (TSAT) | ↓ (erniedrigt) | Verhältnis Serumeisen / totale Eisenbindungskapazität (TEBK); zeigt aktuelle Eisenversorgung der Erythropoese. |
| Serumeisen | ↓ (erniedrigt) | Wenig sensitiv, tageszeitlich stark schwankend. |
| Löslicher Transferrinrezeptor (sTfR) | ↑ (erhöht) | Steigt bei zellulärem Eisenmangel; hilfreich zur Abgrenzung von Anämie bei chronischer Erkrankung. |
Blutausstrich (peripherer Blutausstrich)
Typische morphologische Befunde bei Eisenmangelanämie:
- Anulozyten (Ringzellen, „Annulocytes") – Erythrozyten mit nur schmalem Hämoglobinsaum.
- Anisozytose – unterschiedliche Erythrozytengrößen.
- Poikilozytose – unterschiedliche Erythrozytenformen.
- Targetzellen (Schießscheibenzellen), Elliptozyten, gelegentlich Stiftzellen.
Weiterführende Diagnostik (Ursachensuche)
- Gastro- und Koloskopie bei V. a. okkulte GI-Blutung.
- Hämoccult-Test / immunologischer Stuhltest auf okkultes Blut.
- Gynäkologische Abklärung bei Menstruationsstörungen.
- Helicobacter-pylori-Diagnostik (Urease-Test, Stuhl-Antigen, Atemtest).
- Zöliakie-Serologie (Anti-Transglutaminase-IgA, Gesamt-IgA).
- Autoimmun-Gastritis-Serologie (Anti-Parietalzell-AK, Anti-Intrinsic-Factor-AK).
8. Differenzialdiagnose & Sonderformen
Abgrenzung zu anderen mikrozytär-hypochromen Anämien
| Erkrankung | Ferritin | Transferrinsättigung | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Eisenmangelanämie | ↓ | ↓ | Speicher entleert, häufigste Form |
| Thalassämie | normal / ↑ | normal / ↑ | Mentzer-Index, Hämoglobin-Elektrophorese |
| Sideroblastische Anämie | ↑ | ↑ | Ringsideroblasten im Knochenmark |
| Anämie bei chronischer Erkrankung | normal / ↑ | ↓ | Ferritin als Akute-Phase-Protein, oft Entzündungskonstellation |
Plummer-Vinson-Syndrom (Detail)
Sonderfall: Bleiintoxikation
Eine Bleivergiftung kann ebenfalls eine mikrozytär-hypochrome Anämie auslösen (Hemmung der Ferrochelatase und der ALA-Dehydratase im Häm-Biosyntheseweg). Klinisch begleitet von Bauchschmerzen, neurologischen Symptomen und einer basophilen Tüpfelung der Erythrozyten im Blutausstrich.
9. Therapie
1. Kausale Therapie
2. Orale Eisensubstitution (1. Wahl)
- Präparate: Zweiwertige Eisensalze (Fe²⁺) – z. B. Eisen(II)-sulfat, Eisen(II)-fumarat, Eisen(II)-gluconat.
- Dosierung: 100 – 200 mg elementares Eisen pro Tag, verteilt auf 2 – 3 Einzeldosen.
- Einnahme: Auf nüchternen Magen, 30 – 60 Min vor oder 2 h nach den Mahlzeiten, da Nahrungsbestandteile (Phytate, Tannine, Kalzium, Antazida) die Resorption hemmen.
- Resorptionsverbesserung: Gleichzeitige Gabe von Vitamin C (Ascorbinsäure) verbessert die Resorption, da es Eisen in der zweiwertigen Form hält und die Azidität des Magens fördert.
- Dauer: Mindestens 3 – 6 Monate, bis Hb normalisiert ist und die Speicher (Ferritin) wieder aufgefüllt sind. Eine alleinige Normalisierung des Hb genügt nicht.
- Kontrollparameter: Retikulozytenanstieg nach ca. 5 – 7 Tagen, Hb-Anstieg um ca. 1 g/dL pro Woche.
3. Kontrollparameter unter Therapie
- Retikulozyten – steigt nach ca. 5 – 7 Tagen an („Retikulozytenkrise").
- Hb – Anstieg um ca. 1 – 2 g/dL pro Woche.
- Ferritin – Ziel: > 50 µg/L (Speicher auffüllen).
4. Nebenwirkungen der oralen Substitution
- Häufig: gastrointestinale Beschwerden – Obstipation, Übelkeit, epigastrische Schmerzen, Durchfall, dunkle Stuhlfärbung (harmlos).
- Cave: Aufklärung der Patient (anonymisiert):
- Bei Unverträglichkeit Dosisreduktion, Präparatwechsel oder Gabe zu den Mahlzeiten (Resorption ↓).
5. Intravenöse Eisensubstitution (2. Wahl)
- Präparate: Eisen(III)-Carboxymaltose, Eisensucrose, Ferumoxytol, Eisen-Dextran (älter).
- Vorteil: Schnellere Auffüllung der Speicher, Umgehung der Resorption.
- Risiken: Anaphylaktische Reaktionen, Hypotonie, lokale Reaktionen, selten schwere Überempfindlichkeitsreaktionen – Applikation daher nur unter klinischer Überwachung mit Notfallbereitschaft.
6. Ernährungsberatung
- Eisenreiche Kost: rotes Fleisch, Innereien, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, dunkelgrünes Blattgemüse.
- Resorptionshemmer vermeiden bzw. zeitversetzt einnehmen: Kaffee, Tee, Milchprodukte, kalziumreiche Lebensmittel.
- Resorptionsförderer: Vitamin-C-haltige Lebensmittel (Obst, Säfte, Paprika).
10. Vitamin C – Hintergrund
Grundlagen
- Vitamin C (Ascorbinsäure) ist ein wasserlösliches Vitamin, das nicht selbst synthetisiert werden kann.
- Wesentliche Funktionen: Kollagensynthese, Immunfunktion, Eisenresorption, Antioxidans.
Mangelerscheinungen (Skorbut)
- Zahnfleischbluten, Hauteinblutungen (Petechien, Ekchymosen), Hämatombildung, schlechte Wundheilung.
- Perifollikuläre Blutungen, Hyperkeratose, Gelenkbeschwerden.
- Müdigkeit, Infektanfälligkeit.
Bezug zur Eisenmangeltherapie
11. Prüfungsrelevante Hinweise (Kenntnisprüfung)
- Normalwerte Hb in g/dL und mmol/L für Männer und Frauen auswendig lernen.
- Eisenmangelanämie = mikrozytär, hypochrom.
- Plummer-Vinson-Syndrom = Eisenmangel + Dysphagie + Schleimhautatrophie (Präkanzerose).
- Ferritin = Akute-Phase-Protein → normales Ferritin schließt Eisenmangel nicht sicher aus, immer Transferrinsättigung mitbeurteilen.
- Ursachensuche vor jeder Therapie: GI-Blutung ausschließen, insbesondere bei Männern und postmenopausalen Frauen.
- Orale Therapie bevorzugt, 3 – 6 Monate, mit Vitamin C kombinieren, um Resorption zu verbessern.
- Intravenöses Eisen nur in speziellen Fällen (Resorptionsstörung, CED, Hämodialyse, Unverträglichkeit) – Gabe unter klinischer Überwachung wegen Anaphylaxie-Risiko.
- Differenzialdiagnose mikrozytär-hypochromer Anämien kennen: Eisenmangel vs. Thalassämie vs. sideroblastisch vs. Anämie bei chronischer Erkrankung.
- Spezifische klinische Zeichen der Eisenmangelanämie: Mundwinkelrhagaden, Koilonychie, Plummer-Vinson-Syndrom, brüchige Haare/Nägel.
- Klassische Befunde im Blutausstrich: Anulozyten, Anisozytose, Poikilozytose.
Typische Prüfungsfragen
Was sind die Normalwerte für Hämoglobin?
Frauen 12 – 16 g/dL (7,4 – 9,9 mmol/L); Männer 13 – 17 g/dL (8,1 – 10,5 mmol/L).
Welche Anämieform ist die häufigste?
Die Eisenmangelanämie (ca. 80 – 90 % aller Anämien).
Wie ist die klassische Laborkonstellation der Eisenmangelanämie?
Hb ↓, MCV ↓, MCH ↓, Ferritin ↓, Transferrin ↑, Transferrinsättigung ↓, Serumeisen ↓.
Welche Ursachen hat eine Eisenmangelanämie?
1) Blutverlust (am häufigsten, > 75 %), 2) erhöhter Bedarf (Schwangerschaft, Wachstum), 3) Malabsorption (Gastritis, Zöliakie, CED, H. pylori).
Wann wird ein Blutausstrich angefordert?
Bei jeder unklaren Anämie zur Beurteilung der Erythrozytenmorphologie (Anulozyten, Aniso-/Poikilozytose, Targetzellen etc.).
Wie wird eine Eisenmangelanämie behandelt?
1) Ursache suchen und behandeln, 2) orale Eisensubstitution (Fe²⁺), 3 – 6 Monate, in Kombination mit Vitamin C, 3) Kontrolle von Retikulozyten, Hb und Ferritin, 4) iv-Eisen nur bei speziellen Indikationen.
Was ist das Plummer-Vinson-Syndrom?
Triade aus Eisenmangelanämie, Dysphagie und Schleimhautatrophie – Präkanzerose für Ösophagus-/Hypopharynxkarzinom.
Warum schließt ein normales Ferritin einen Eisenmangel nicht sicher aus?
Ferritin ist ein Akute-Phase-Protein und kann bei Entzündungen, Infektionen oder Tumoren normal oder erhöht sein, obwohl die Eisenspeicher entleert sind. Daher zusätzlich Transferrinsättigung und ggf. löslichen Transferrinrezeptor bestimmen.
Welche klinischen Befunde sind typisch für die Eisenmangelanämie?
Mundwinkelrhagaden, Koilonychie (Löffelnägel), brüchige Haare und Nägel, trockene Haut/Schleimhäute, ggf. Plummer-Vinson-Syndrom – zusätzlich zu den unspezifischen Allgemeinsymptomen (Blässe, Müdigkeit, Schwindel).
Welche Hauptnebenwirkung hat die orale Eisentherapie?
Gastrointestinale Beschwerden (Obstipation, Übelkeit, epigastrische Schmerzen) sowie harmlose Schwarzfärbung des Stuhls.
Do's & Don'ts
| Do | Don't |
|---|---|
| Vor jeder Therapie eine Ursachensuche einleiten. | „Einfach Eisen geben" ohne Abklärung – vor allem bei Männern. |
| Bei Männern / postmenopausalen Frauen immer eine GI-Abklärung veranlassen. | Eisenmangelanämie als „Befindlichkeitsstörung" abtun. |
| Ferritin + Transferrinsättigung gemeinsam bewerten. | Sich nur auf Ferritin verlassen (Akute-Phase-Protein!). |
| Eisensubstitution 3 – 6 Monate fortsetzen, bis Speicher aufgefüllt sind. | Therapie bei Hb-Normalisierung sofort beenden. |
| Vitamin C zur Resorptionsverbesserung empfehlen. | Eisen zusammen mit Kaffee, Tee, Milch oder Antazida einnehmen lassen. |
| iv-Eisen nur bei klarer Indikation unter klinischer Überwachung. | iv-Eisen als Routine-„Schnelllösung". |