AV-Block (atrioventrikulärer Block) & Synkope
Zusammenfassung der Vorlesungsinhalte — Klinik, Diagnostik, Ursachen und Therapie (mit prüfungsrelevanten Hinweisen)
1. Definition des AV-Blocks
Der AV-Block bezeichnet eine Störung der Erregungsleitung zwischen Vorhof und Kammer — von einer einfachen Verzögerung der Überleitung bis zur vollständigen Dissoziation zwischen Vorhöfen und Kammern.
- Definition des AV-Blocks,
- die Symptome (v. a. Synkopen) sowie das Adams-Stokes-Anfall-Konzept — danach wurde schon mehrfach gefragt und die Definition gilt als besonders wichtig,
- die typischen EKG-Zeichen,
- die Ursachen und die Therapie.
2. Anatomie des Reizleitungssystems
Die anatomische Leitungsbahn der elektrischen Erregung muss bekannt sein:
- Sinusknoten
- → AV-Knoten
- → His-Bündel
- → Tawara-Schenkel (rechter und linker Tawara-Schenkel)
Fällt die elektrische Erregungsleitung aus, übernimmt ein Ersatzrhythmus die Funktion. Der Weg des Reizleitungssystems wird im Prüfungsgespräch explizit abgefragt ("Wie läuft die Erregung im Reizleitungssystem?").
3. EKG / Diagnostik
- Im EKG ist ein höhergradiger AV-Block meist sehr deutlich erkennbar.
- Kennzeichen des AV-Blocks III°: Die Vorhöfe und Kammern schlagen voneinander unabhängig ("unabhängig voneinander") — jede Kammer arbeitet für sich, QRS-Komplexe erscheinen isoliert ohne Beziehung zu den P-Wellen.
- Dieser Befund heißt kompletter AV-Block bzw. AV-Dissoziation — die Definition der AV-Dissoziation ist prüfungsrelevant und muss bekannt sein.
- In der Ambulanz sind die drei Grade des AV-Blocks (I°, II°, III°) übersichtlich dargestellt und mit Beispiel-EKGs versehen.
4. Symptome
- Typisches Leitsymptom: Synkope (kurzzeitiger Bewusstseinsverlust).
- Lebensbedrohliche Komplikation: Adams-Stokes-Anfall — dessen Definition ist sehr wichtig und wurde in der Prüfung bereits mehrfach abgefragt.
5. Ursachen des AV-Blocks
| Kategorie | Beispiele |
|---|---|
| Vagal / medikamentös-toxisch | Vagotonie; Digitalis; Betablocker; Calciumantagonisten — diese Medikamente können einen AV-Block verursachen |
| Elektrolytstörungen | V. a. Hyperkaliämie — im EKG dann u. a. hohe/verbreiterte T-Wellen als Hinweis auf Hyperkaliämie |
| Kardiale Ursachen | Herzinfarkt (Myokardinfarkt — wichtig), koronare Herzkrankheit |
| Kardiochirurgie | Zustand nach Bypass-Operation (Bypass-OP) |
6. Therapie des AV-Blocks
6.1 Kausale Therapie zuerst
- Erst die Ursache behandeln: z. B. das Absetzen (Ausschleichen) auslösender Medikamente, wenn der Patient z. B. Betablocker o. Ä. einnimmt.
6.2 Notfallsituation (AV-Block III° in der Notaufnahme)
- Kein Atropin geben! Obwohl es in manchen Schemata steht, ist Atropin hier nutzlos, weil die AV-Leitung zerstört ist — das Medikament wirkt nicht am zerstörten AV-Knoten und kann sogar das Gegenteil bewirken (Verschlechterung).
- Stattdessen: temporäre Schrittmachertherapie — dies steht auch so im Ambulanz-Skript.
- Formen der temporären Stimulation:
- transkutane Schrittmachertherapie
- transvenöse Schrittmachertherapie
- Der Unterschied zwischen beiden Verfahren ist gut im Internet (YouTube) erklärt und sollte einmal angeschaut werden.
- Wo wird der temporäre Schrittmacher gelegt? — Im Rahmen der Aufnahme-/Interventionseinheit (ITS/Notaufnahme-Setting).
7. Komplikationen des (permanenten) Herzschrittmachers
- Sonden-Dysfunktion / Sondendislokation: In Röntgenbildern (die routinemäßig angefertigt werden) sieht man, dass die Sonde/das Kabel aus dem Herzen herausgerutscht ist — sie liegt nicht mehr richtig (z. B. statt im rechten Ventrikel falsch positioniert).
- Sondeninfektion (Infektion): Wenn die Sonde infiziert ist, muss sie gewechselt werden.
- Weiterhin kausale Therapie beachten: Medikamente absetzen, Komplikationen behandeln.
8. Synkope (ausführlicher Teil)
8.1 Definition
Eine Synkope ist ein plötzlicher, kurzzeitiger Bewusstseinsverlust — meist bis ca. 20 Sekunden — durch eine transitorische globale zerebrale Minderperfusion mit spontaner und vollständiger Erholung. Oft gehen Prodromi voraus, z. B. Übelkeit, Schwitzen und Schwächegefühl.
8.2 Ursachen (Einteilung)
- Reflexvermittelte (vasovagale) Synkopen:
- Vasovagale Synkope (z. B. emotionale Belastung, Angst)
- Karotissinus-Synkope
- Situationsbedingte Synkopen: nach dem Essen (postprandial), bei der Defäkation (beim Stuhlgang), beim Wasserlassen (Miktions-Synkope), Hustensynkope
- Orthostatische Hypotonie — Synkope insbesondere beim Aufstehen
- Kardiale Synkopen:
- Rhythmusstörungen: bradykarde oder tachykarde Arrhythmien
- Strukturell: z. B. Aortenklappenstenose (Aortenklappenvitium) oder Myokardinfarkt
- Auch Medikamente können eine Synkope auslösen.
8.3 Untersuchungstechnik: Karotispalpation
- Zuerst die eine Arteria carotis tasten, danach erst die andere Seite.
- Nur leicht palpieren, niemals stark drücken.
- Begründung: Im Bereich der Carotis liegt der Karotissinus mit den Barorezeptoren. Bei kräftigem Druck kann eine Karotissinus-Synkope ausgelöst werden — man würde dem Patienten selbst einen Bewusstseinsverlust provozieren.
8.4 Diagnostik & Differenzialdiagnose
- Grunddiagnostik: EKG (Elektrokardiogramm) anfertigen; weitere Untersuchungen je nach Ursache.
- Wichtige Differenzialdiagnose: Abgrenzung der Synkope gegenüber der Epilepsie — diese Abgrenzung wurde explizit als prüfungsrelevant genannt und muss beherrscht werden.
- Zur Therapiewahl gehört die richtige Zuordnung: Je nach Ursache kommen Atropin (bei brykarden/vagalen Zuständen) oder ein Herzschrittmacher (z. B. bei AV-Block) infrage.
9. Prüfungsrelevante Gesamtschwerpunkte (Kenntnisprüfung)
- Das gesamte Thema AV-Block inkl. Synkope ist sehr wichtig und muss sicher beherrscht werden.
- Am wichtigsten: temporäre Schrittmachertherapie (transkutan/transvenös) — sehr viele wissen diese nicht.
- Atropin beim AV-Block nicht verwenden (vagale/leitungsabhängige Wirkung — nutzlos bei zerstörtem AV-Knoten).
- AV-Block-Definition, Adams-Stokes-Anfall, AV-Dissoziation (III°) definieren können.
- Ursachen nennen können (Medikamente, Hyperkaliämie, Infarkt, Bypass-OP wegen der Naht).
- Karotispalpation nur einseitig und sanft (Gefahr der Karotissinus-Synkope durch Barorezeptoren).
- Synkope vs. Epilepsie differenzieren.