Persönliches Lernmaterial: Diese Zusammenfassung dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt weder offizielle Vorgaben noch eine individuelle ärztliche Beratung.
FSP – Kompendium der Prüfungsthemen
Aufbereitung der 7 Audiomitschnitte eines erfahrenen Mentors für die medizinische Fachsprachprüfung in Deutschland
1. Reanimation, Hundebisswunden, Vorsorgevollmacht und Zeckenstich
1.1 Kardiopulmonale Reanimation (CPR)
Zentrale Aussage: Die korrekte Durchführung der Herz-Lungen-Wiederbelebung ist eine der wichtigsten Grundlagen für die Prüfung.
- Frequenz: 100–120 Kompressionen pro Minute.
- Atemspende: Mund-zu-Mund-Beatmung ist veraltet; in der Praxis nicht mehr üblich.
- Herzdruckmassage: Ausschlaggebend für den Erfolg der Reanimation – konsequent und korrekt durchführen.
Wichtig für die Prüfung: Prüfer fragen gezielt nach Kompressionsfrequenz und der Begründung der Herzdruckmassage. Auch die Pathophysiologie des Herzstillstands sollte erklärt werden können.
1.2 Hundebisswunde – Bissarten
- Scharfe Bisswunde (Scharf-/Schnittbiss): Glatte Wundränder, oft mit Gewebedefekt.
- Stumpfe Bisswunde (Quetschbiss): Gequetschtes, unregelmäßiges Gewebe, höhere Infektionsgefahr.
- Riss-/Platzwunde (Riss-Quetsch-Wunde): Kombination mit Gewebezerreißung.
1.3 Versorgung einer Hundebisswunde
- Desinfektion der Wunde.
- Débridement – Entfernung von nekrotischem Gewebe (sog. "Débridement" – in der Originaltranskription "Debrimo/Debriment" – gemeint ist das Wunddébridement).
- Spülung und Wundreinigung.
- Antibiotikatherapie bei erhöhter Infektionsgefahr.
Rote Linie – Primärnaht verboten: Hundebisswunden dürfen grundsätzlich nicht primär genäht werden. Eine Naht würde die Infektionsrate drastisch erhöhen (Abkapselung von Keimen, Abszess, Phlegmone, Sepsis). Die Wunde muss offen bleiben und sekundär heilen.
1.4 Tetanus-Prophylaxe und Impfaufklärung
- Bei jeder Bissverletzung den Tetanus-Impfschutz überprüfen.
- Impfanamnese, Grundimmunisierung und Auffrischungsimpfungen kennen.
- Bei unklarem oder unzureichendem Impfschutz: Tetanus-Immunglobulin + aktive Impfung.
Rote Linie: Wer die Impfthematik (Tetanus, aktiv/passiv) nicht beherrscht, fällt durch. Die korrekte Impfaufklärung ist eine der "Rote-Linien-Themen" der FSP.
1.5 Vorsorgevollmacht auf der Intensivstation
- Liegt eine schriftliche Vorsorgevollmacht vor, ist der benannte Bevollmächtigte (z. B. die Ehefrau) der primäre Ansprechpartner.
- Eine Operation / Narkoseeinwilligung kann durch den Bevollmächtigten erfolgen, sofern die Vollmacht diesen Bereich abdeckt.
- Ohne Vorsorgevollmacht: Gesetzliche Betreuung über das Betreuungsgericht.
Wichtig für die Prüfung: Immer zuerst klären, ob es eine Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht gibt, bevor man eine Einwilligung einholt.
1.6 Zeckenstich – Lyme-Borreliose
- Klinisches Bild: Wanderröte (Erythema migrans) – ringförmige, sich ausdehnende Rötung um die Einstichstelle, oft mit zentraler Aufhellung ("Schießscheibenmuster").
- Therapie: Antibiotikatherapie (z. B. Doxycyclin, Amoxicillin).
- Zecke korrekt entfernen (z. B. mit Zeckenzange oder -karte, nicht quetschen).
- Patient über mögliche Folgeerkrankungen (Neuroborreliose, Arthritis, Acrodermatitis chronica atrophicans) aufklären.
Tipp: Das Erythema migrans ist pathognomonisch – die Diagnose erfolgt klinisch, eine Serologie ist im Frühstadium meist noch negativ.
Quelle: Mitschnitt AUD-20231102-WA0100
2. Der Arztbrief (Entlassungsbrief) – Aufbau und Strategie
2.1 Zielsetzung
- Im Krankenhausalltag wird ein Arztbrief (Entlassungsbrief) geschrieben – nicht einfach "Anamnese + Diagnose".
- Oben links steht: Arztbrief.
- Prüfer bewerten korrekte Fachsprache, klare Struktur und Lesbarkeit, nicht die Textlänge.
2.2 Aufbau des Arztbriefes
| Reihenfolge | Inhalt | Hinweise |
|---|---|---|
| 1. Patientendaten | Name, Geburtsdatum, Fallnummer | Im Briefkopf |
| 2. Anamnese | Aufnahmeanamnese, kurz und präzise, nur Relevantes | Keine ausschweifenden Texte |
| 3. Aufnahmebefund | Aktueller Befund bei Aufnahme | Z. B. "akutes Abdomen" |
| 4. Diagnosen | Haupt- und Nebendiagnosen | Klar, systematisch |
| 5. Therapie / Procedere | Was wurde gemacht (z. B. Appendektomie)? | Begründung mitliefern |
| 6. Anamnese (Detail) | Nur patientenbezogene Aspekte | Keine Nebenanamnesen wie "Knieprobleme" |
| 7. Aktueller Zustand | Aktueller Befund / Verlauf | Komprimiert |
| 8. Abschlussdiagnose | Verdachtsdiagnose vs. gesicherte Diagnose | Prüfer achten auf Formulierung |
| 9. Entlassmedikation | Nur Substanzgruppen, keine Einzeldosierungen | Stichpunkte genügen |
| 10. Empfehlungen | Wundkontrolle, Fadenentfernung, Reha etc. | Konkrete, kurze Hinweise |
2.3 Häufige Fehler vermeiden
Rote Linie:
- Zu viel, zu kleiner, unleserlicher Text – Prüfer haben wenig Zeit und bewerten Lesbarkeit als Signal für klinische Orientierung.
- Unnötiges Kopieren der gesamten Akte (z. B. unauffällige EKGs, sämtliche Laborparameter).
- Wichtige Befunde (Diagnose, Therapie, Empfehlung) gehen in der Textflut unter.
2.4 Empfehlungen im Brief
- Wundkontrolle alle 2 Tage beim Hausarzt.
- Fadenentfernung nach 10–14 Tagen (bei chirurgischen Eingriffen).
- Reha-Maßnahmen bei entsprechender Indikation.
- Sonstige Befundkontrollen (z. B. ECHO nach Endokarditis).
2.5 Bildgebende Befunde im Brief
- Thorakales Röntgen / Sonographie Abdomen / Doppler-Sonographie – Befund dokumentieren, aber nicht seitenweise kopieren.
- CT-Befunde: Auch hier nur die wesentlichen Ergebnisse, z. B. "CT-Abdomen: freie Flüssigkeit, kein Anhalt für Perforation".
- Bei der körperlichen Untersuchung im Brief: Was wurde untersucht? Normalbefund reicht.
Quelle: Mitschnitt AUD-20231102-WA0101
3. Hämorrhagischer Schock, Kinderorthopädie, Schwangerschaft und Bildgebung
3.1 Hämorrhagischer Schock – Volumentherapie
Definition: Schock durch akuten Volumenverlust (Blutung) mit inadäquater Organperfusion.
- Volumentherapie: Zunächst kristalloide Lösungen (Vollelektrolytlösung).
- Blutprodukte: Erythrozytenkonzentrate (EK) sind die primäre Säule der Therapie bei hämorrhagischem Schock.
- Zu große Volumenmengen an Vollelektrolytlösung führen zu Gerinnungsstörungen, Elektrolytentgleisungen und weiterer Verminderung der Sauerstoff-Transportkapazität.
- Maximale Volumengabe: Volumenersatzprodukte nur als Brücke, bis Blutprodukte verfügbar sind.
- Dosierung: Ca. 30 mL/kgKG bei hämorrhagischem Schock (entsprechend 2.000–3.000 mL bei 70 kg).
Wichtig für die Prüfung: Wird ein Prüfling gefragt, wie viel Volumen er bei einem hämorrhagischen Schock gibt, sollte er Blutprodukte als primäre Therapie nennen – nicht Kristalloide allein. Zu hohe Volumengaben können die Gerinnung verschlechtern ("Verdünnungskoagulopathie").
3.2 Pädiatrische Frakturen – Salter-Harris-Klassifikation
- Salter-Harris I–IV betreffen die Wachstumsfuge (Epiphysenfuge) bei Kindern.
- Wachstumsstörungen (Beinlängendifferenz, Achsabweichung) sind die gefürchtetsten Komplikationen.
- Diagnostik: Röntgen in 2 Ebenen; bei Verdacht auf Salter-Harris-Fraktur unbedingt kinderorthopädische Vorstellung.
- Therapie: Ab Salter-Harris II häufig operative Versorgung mit Schrauben-Osteosynthese, um Wachstumsstörungen zu vermeiden.
- Grünholz-Fraktur ("Greenstick"): Unvollständige Fraktur bei Kindern – typisch für die Kompakta-Fraktur einer Tibia oder Fibula. Die Fraktur wird als "incomplete fracture" klassifiziert, nicht als klassische Salter-Harris-Fraktur.
Rote Linie: Bei Salter-Harris-Frakturen III und IV: Immobilisation reicht nicht aus – operative Versorgung notwendig, da sonst Gelenkfehlstellungen und Arthrosen drohen.
3.3 Berufsverbote in der Schwangerschaft
Grundsatz: Schwangere dürfen bestimmten Tätigkeiten nicht nachgehen, die das ungeborene Kind gefährden könnten.
- Chemotherapie (Zytostatika): Absolute Kontraindikation – Chemotherapeutika sind teratogen und können zu Fehlbildungen, Abort oder Entwicklungsstörungen führen.
- Infektionsrisiken: Tätigkeiten mit erhöhter Infektionsgefahr (z. B. Umgang mit bestimmten Patientengruppen).
- Der Arbeitgeber ist verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen und ggf. einen Berufswechsel anzubieten.
3.4 Lebermetastasen – Bildgebende Differenzierung
- MRT (Magnetresonanztomographie): Überlegen bei der Charakterisierung von Leberläsionen – kein ionisierendes Strahlung, bester Kontrast für Weichteilgewebe.
- CT (Computertomographie): Schnell verfügbar, gute Beurteilung der Vaskularisation, Standard in der Notfalldiagnostik.
- MRT bevorzugt bei Kontrastmittelunverträglichkeit und bei differenzierter Metastasen-Diagnostik.
- Typische Fragestellung: "Metastase oder benigner Herd?" – MRT mit leberspezifischem Kontrastmittel (Gadolinium, Eovist) liefert die höchste Aussagekraft.
Tipp: Bei kolorektalem Karzinom immer auch Lebermetastasen ausschließen – ein Drittel der Patienten entwickelt metachrone Lebermetastasen.
3.5 Kindliche Pylorusstenose
- Klassische Klinik: Projektilartiges, schwallartiges Erbrechen (nicht gallig!) bei einem 2–8 Wochen alten Säugling.
- Diagnostik: Sonographie – Nachweis des "Olivenzeichens" (verdickte Pylorusmuskulatur), Pyloruslänge > 16 mm, Wanddicke > 3 mm.
- Therapie: Pyloromyotomie nach Ramstedt – chirurgische Spaltung der hypertrophierten Muskulatur.
- Labor: hypochlorämische, hypokaliämische metabolische Alkalose durch den Verlust von Magensäure.
Quelle: Mitschnitt AUD-20231102-WA0102
4. Anatomie, Herzfehler, Ileus und Thoraxtrauma
4.1 Anatomie – Tägliche Wiederholung
- Täglich 10–15 Minuten Anatomie (Hauptmuskeln, Leitungsbahnen, Innervation).
- Prüfer fragen oft: "Welcher Nerv kommt aus dem Karotismaß (Kehldeckel, Mandeln)?" – hier ist der Karotismaß = Karotisdreieck gemeint, ein Spalt mit oberflächlichen Halsvenen und der Arteria carotis.
- Hirnnerv XII (N. hypoglossus) – Verlauf und Funktion kennen, Operationsrisiken bei Eingriffen an der Karotisarterie.
4.2 Bronchialanatomie
- Der rechte und linke Hauptbronchus teilen sich tracheal – der linke ist enger und länger, der rechte kürzer, weiter und steiler gestellt.
- Bronchopulmonale Segmente – anatomische Grundeinheit der Lunge.
- Bronchusverletzungen und -lazerationen: in der Regel mit Pneumothorax und Hämatothorax vergesellschaftet.
4.3 Kongenitale Herzfehler (angeborene Herzfehler)
4.3.1 Fallot-Tetralogie
Definition: Häufigster zyanotischer Herzfehler mit vier pathologischen Komponenten.
- Pulmonalstenose (rechtsventrikuläre Ausflussbahnobstruktion)
- Rechtsventrikuläre Hypertrophie
- Ventrikelseptumdefekt (VSD)
- Überreitende Aorta (Aorta über dem VSD reitend)
- Klinik: Zyanose, "Tet spells" (hypoxämische Anfälle), systolisches Herzgeräusch (Pulmonalstenose).
- Diagnostik: Echokardiographie (Gold-Standard), EKG, Röntgen (Holzschuhform des Herzens).
- Therapie: operativ, meist innerhalb des ersten Lebensjahres.
4.3.2 Aortendissektion (Stanford-Klassifikation)
- Stanford A: Dissektion der Aorta ascendens – Operationsindikation (Notfall-OP).
- Stanford B: Dissektion distal der linken A. subclavia – primär konservativ (Blutdruckkontrolle).
- Klinik: akute, reißende Thoraxschmerzen, evtl. in den Rücken ausstrahlend.
- Komplikationen: Aortenklappeninsuffizienz, Perikarderguss, Herzbeuteltamponade.
4.4 Ileus (Darmverschluss)
Definition: Lebensgefährliche Unterbrechung der Darmpassage.
| Merkmal | Mechanischer Ileus | Paralytischer Ileus |
|---|---|---|
| Ursache | Briden, Hernien, Tumoren, Volvulus | Peritonitis, postoperative Darmatonie, Elektrolytstörungen |
| Peristaltik | Hyperperistaltik, "metallische" Geräusche | Fehlende Peristaltik ("Totenstille") |
| Therapie | Operation (meist) | Konservativ (Magensonde, Abführmaßnahmen) |
4.4.1 Dünndarmileus vs. Dickdarmileus – Dringlichkeit
Rote Linie:
- Dünndarmileus: Operationsindikation innerhalb von 6 Stunden – das Mesenterium versorgt den Dünndarm, bei Strangulation droht Ischämie und Nekrose.
- Dickdarmileus: Operationsindikation innerhalb von 24 Stunden – der Dickdarm hat kein Mesenterium an der dorsalen Seite (kein komplettes Mesenterium), ist weniger anfällig für schnelle Ischämie.
- Erstmaßnahmen: Magensonde, i.v.-Zugang, Volumengabe, OP-Vorbereitung.
4.5 Thoraxtrauma – Pneumothorax, Hämatothorax
4.5.1 Hämatothorax
- Diagnostik: CT-Thorax (Goldstandard), ggf. Röntgen-Thorax in 2 Ebenen.
- Sonographie: "FAST-Sonographie" – auch beim Thoraxtrauma zunehmend genutzt.
- Therapie: Thoraxdrainage, ggf. operative Versorgung (Thorakotomie).
4.5.2 Spannungspneumothorax
- Klinik: zunehmende Atemnot, einseitig aufgehobenes Atemgeräusch, gestaute Halsvenen, Schock.
- Therapie: sofortige Dekompression (großlumige Kanüle 2. ICR Medioklavikularlinie), dann Thoraxdrainage.
Quelle: Mitschnitt AUD-20231102-WA0103
5. PDA, Panzytopenie, Multiples Myelom und Meldepflichten
5.1 Periduralanästhesie (PDA)
Vorteil der PDA gegenüber Vollnarkose: Die Periduralanästhesie hemmt den Sympathikus, während der Parasympathikus verschont bleibt. Dadurch bleibt die Darmmotilität erhalten – ein entscheidender Vorteil bei Baucheingriffen (z. B. kolorektale Chirurgie).
5.2 Panzytopenie – Differenzialdiagnose und klinische Zeichen
- Anämie: Blässe, Dyspnoe, Tachykardie, Müdigkeit.
- Leukopenie: Infektanfälligkeit, Fieber, Pneumonien.
- Thrombozytopenie: hämorrhagische Diathese.
- Bei Thrombozyten < 50.000/µL: erhöhtes Blutungsrisiko.
- Bei Thrombozyten < 30.000/µL: spontane Blutungen möglich (z. B. Petechien).
- Bei Thrombozyten < 20.000/µL: Petechien treten typischerweise auf – an den Extremitäten, am Rumpf.
- Automatische Thrombozytopenie – bei Autoimmunerkrankungen (z. B. ITP) kann die Thrombozytopenie ohne äußere Blutungszeichen auftreten.
5.3 Multiples Myelom ( Plasmozytom)
Definition: Maligne Erkrankung der Plasmazellen mit monoklonaler Immunglobulinproduktion (M-Protein), Knochenmarksinfiltration und Endorganschäden (CRAB-Kriterien).
- CRAB-Kriterien: HyperCalzämie, Niereninsuffizienz (Renal), Anämie, Bone lesions (Knochenläsionen).
- Symptome: Rückenschmerzen, pathologische Frakturen, Infekte, Niereninsuffizienz.
- Diagnostik: Serum- und Urinprotein-Elektrophorese (SPEP/UPEP), Knochenmarkbiopsie, Skelett-Szintigraphie, Röntgen (Schädel, Wirbelsäule).
- Therapie: Chemotherapie (z. B. Bortezomib-basiert), autologe Stammzelltransplantation.
5.4 Elektrolytstörungen – Hyperkalzämie
- Ursachen einer Hyperkalzämie:
- Primärer Hyperparathyreoidismus (häufigste Ursache).
- Malignome (paraneoplastisch, z. B. beim Multiplen Myelom).
- Immobilisation.
- Thiazid-Diuretika.
- Symptome: "Stones, Bones, Groans, Moans, Psychiatric Overtones" (Nierensteine, Knochenschmerzen, GI-Beschwerden, psychische Veränderungen).
- Therapie der Hyperkalzämie:
- Ursache behandeln.
- Bisphosphonate (z. B. Pamidronat, Zoledronat).
- Loop-Diuretika (Furosemid) – nur bei Euvolämie, nicht bei Dehydratation.
- Kalziumarme Ernährung, intensive Flüssigkeitszufuhr.
5.5 Diuretika-Klassifikation und Elektrolyteffekte
| Diuretikum-Typ | Wirkung auf Elektrolyte | Beispiel |
|---|---|---|
| Schleifendiuretika | ↑ K+, ↓ Ca²⁺, ↓ Mg²⁺ | Furosemid |
| Thiazide | ↑ K+, ↓ Na⁺, ↑ Ca²⁺ | Hydrochlorothiazid |
| Kaliumsparende Diuretika | ↑ K⁺ | Spironolacton, Amilorid |
5.6 Salmonellose – Infektiöse Enteritis und Meldepflicht
- Klassische Gastroenteritis: wässrige Durchfälle, Bauchkrämpfe, Fieber.
- Meldepflicht gemäß IfSG (Infektionsschutzgesetz): Der Nachweis von Salmonella spp. ist meldepflichtig.
- Therapie: Meist selbstlimitierend – Rehydratation, Elektrolytersatz.
- Bei schweren Verläufen: Antibiotika (z. B. Ciprofloxacin).
Quelle: Mitschnitt AUD-20231102-WA0104
5b. Appendizitis, Poplitealaneurysma, Reha und Transfusionsmedizin
5b.1 Appendizitis – Kälteanwendung als unkonventionelle Maßnahme
Prüfungsfundstück: Bei akuter Appendizitis (oder Kolikartigen Schmerzen) wird von manchen Prüfern erwartet, dass man auch Kälteanwendungen (Cold Flash / Coolpack) als symptomatische Maßnahme kennt – zusätzlich zu Analgesie und Antibiotikagabe. Diese Information ist selten in den Standardlehrbüchern, wird aber von erfahrenen Notfallmedizinern als zusätzliche Schmerztherapie erwähnt.
5b.2 Kniekehlenschwellung – Poplitealaneurysma
- Poplitealaneurysma = Aneurysma der A. poplitea – häufigste Lokalisation eines peripheren Aneurysmas.
- Klinik: pulsatile Schwellung in der Kniekehle, oft druckschmerzhaft, kann mit peripherer Embolie einhergehen.
- Differenzialdiagnose: Baker-Zyste (nicht pulsatil, prall-elastisch).
- Diagnostik: Duplex-Sonographie (Methode der Wahl), ggf. MRT oder CT-Angiographie.
- Therapie: operative Sanierung (Bypass oder Stent) bei Größe > 2–3 cm oder symptomatischen Aneurysmen.
5b.3 Pleuraempyem
- Eiteransammlung im Pleuraraum – häufige Komplikation einer Pneumonie.
- Diagnostik: Röntgen-Thorax, CT-Thorax, Thorax-Sonographie, diagnostische Punktion.
- Therapie: Thorakozentese (Pleuradrainage), intrapleurale Fibrinolyse, ggf. chirurgische Sanierung (VATS – videoassistierte Thorakoskopie).
5b.4 Reha-Maßnahmen – Zuständigkeit und Krankheitsliste
- Wer trägt die Kosten einer Rehabilitationsmaßnahme?
- Deutsche Rentenversicherung (DRV): bei Erwerbstätigen zur Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit.
- Krankenkasse: bei Patienten ohne Erwerbsbezug (Rentner, Kinder).
- Berufsgenossenschaft (BG): nach Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten.
- Indikationen für Reha (Auswahl):
- Herzinfarkt (Herzsportgruppe, kardiologische Reha)
- COPD
- Schlaganfall
- Operationen am Bewegungsapparat (orthopädische Reha)
- Schwere chronische Erkrankungen
5b.5 Transfusionsmedizin – Sicherheit
- Bedside-Test: obligatorisch vor jeder EK-Transfusion.
- Bei Diskrepanz: Transfusion stoppen, erneut klären (häufigste Ursache: Probenverwechslung).
- Rechtliche Absicherung: schriftliche Aufklärung des Patienten, Dokumentation der Konservennummer.
Quelle: Mitschnitt AUD-20231102-WA0105
6. Leberzirrhose, Ösophagusvarizen, Aszites und Prüfungsstrategie
6.1 Leberzirrhose – Aszites-Pathogenese
Aszites bei Leberzirrhose: Folge der portalen Hypertension und der Hypalbuminämie (verminderter onkotischer Druck).
- Pathogenese:
- Portale Hypertension → Erhöhung des hydrostatischen Drucks im Splanchnikusgebiet.
- Verminderte Albuminsynthese der Leber → Erniedrigung des onkotischen Drucks.
- Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) → Natrium- und Wasserretention.
6.2 Spontan bakterielle Peritonitis (SBP)
- Lebensbedrohliche Infektion des Aszites ohne nachweisbare intraabdominelle Infektionsquelle.
- Diagnostik: diagnostische Parazentese (Aszitespunktion) – Bestimmung der Zellzahl (PMN ≥ 250/µL = pathologisch), Kultur, Eiweißgehalt.
- Pathogenese: Die Bakterien stammen aus der eigenen Darmflora – keine exogene Infektion. Translozieren über die geschädigte Darmwand.
- Therapie: Cephalosporine der 3. Generation (z. B. Ceftriaxon), ggf. Albuminsubstitution.
6.3 Ösophagusvarizenblutung
- Notfallmaßnahmen:
- Stabilisierung (Volumengabe, Transfusion, Gerinnung).
- Endoskopische Blutstillung: Gummibandligatur, Sklerotherapie, Histoacryl.
- Medikamentöse Therapie: Terlipressin (Vasopressin-Analogon), Somatostatin, Protonenpumpenhemmer (PPI).
- Prophylaxe: Nicht-selektive Betablocker (Propranolol, Nadolol) + endoskopische Ligatur.
Tipp: Terlipressin ist das wichtigste Medikament bei akuter Varizenblutung – reduziert die Durchblutung im Splanchnikusgebiet.
6.4 Aszitespunktion – Praktisches Vorgehen
- Lagerung des Patienten, Desinfektion, Lokalanästhesie.
- Drainage: bei massivem Aszites Einlage einer Drainage.
- Farbe der Aszitesflüssigkeit: gelb = typisch (Lymph- und Plasmabestandteile).
- Differenzierung: Exsudat vs. Transsudat – bei Leberzirrhose typischerweise Transsudat.
6.5 Erythromycin – Motilitätssteigerung
- Bei oberer GI-Blutung fördert Erythromycin die Magenmotilität (Motilin-Agonist).
- Einsatz: Vorbereitung vor Notfall-Endoskopie – bessere Sicht durch schnelleren Mageninhalt-Transport.
6.6 Prüfungsstrategie – wie Prüfer denken
Strategische Hinweise des Mentors:
- Prüfer bewerten Reaktion und Denkweise des Kandidaten, nicht nur Faktenwissen.
- Stressresistenz: Wer "blockt" und nicht mehr antwortet, fällt durch – auch wenn er die Antwort weiß.
- Manche Prüfer stellen Fangfragen, um die Reaktion zu testen – eine ehrliche "Das weiß ich nicht, aber so würde ich es angehen" ist besser als panisches Schweigen.
- Üben, üben, üben – Wiederholung ist der Schlüssel.
Quelle: Mitschnitt AUD-20231102-WA0106
7. Anaphylaxie, Volumentherapie, Rektumkarzinom und Kindesmisshandlung
7.1 Anaphylaktischer Schock – Adrenalin als Erstlinientherapie
Rote Linie: Bei anaphylaktischem Schock ist Adrenalin die Erstlinientherapie – nicht Kortison, nicht Antihistaminika. Diese kommen als Adjuvanzien hinzu, wirken aber verzögert (nach ca. 15 Minuten).
- Wirkung von Histamin (aus Mastzellen): Vasodilatation, Blutdruckabfall, Bronchospasmus, Urtikaria, Flush.
- Wirkung von Adrenalin: Wirkt als direkter Antagonist des Histamins – α1-vermittelte Vasokonstriktion, β2-vermittelte Bronchodilatation, positiv inotrop, antiödematös.
- Wirkungseintritt: Bereits nach den ersten 5 Minuten – das ist entscheidend.
- Applikation: intramuskulär (i.m.) in den anterolateralen Oberschenkel – nicht intravenös (i.v.) als Bolus (Gefahr von Arrhythmien).
- Weitere Maßnahmen: Volumenersatz (Kochsalzlösung), Kortikosteroide (Prednisolon), Antihistaminika (Dimetinden), Sauerstoffgabe, ggf. Bronchodilatatoren.
Wichtig für die Prüfung: Die richtige Reihenfolge ist: Adrenalin i.m. → Volumen → Kortison + Antihistaminikum. Kortison allein kann in den ersten Minuten lebensrettend sein – das ist ein Fehler.
7.2 Schockformen im Überblick
- Hypovolämischer Schock: Volumenverlust (Blutung, Dehydratation).
- Septischer Schock: Verteilungsschock durch systemische Inflammation.
- Kardiogener Schock: Pumpversagen des Herzens.
- Anaphylaktischer Schock: Verteilungsschock durch massive Vasodilatation und Kapillarleck.
- Neurogener Schock: Verlust des Sympathikotonus (z. B. bei Rückenmarkverletzung).
7.3 Rektumkarzinom – Therapie und Komplikationen
- Therapie: tief-anteriorer Rektumresektion (TME = totale mesorektale Exzision) mit/ohne Stoma.
- Anastomoseninsuffizienz: Gefürchtete Komplikation – ggf. proximales Stoma (Ileostoma/Kolostoma) notwendig.
- Stoma-Management: Regelmäßige Stomakontrolle, Stomatherapie, Versorgungsplan.
- Nach Entfernung des Stomas: Vor dem Rückverlegen muss die Anastomosenheilung gesichert sein (Röntgen-Kontrastmittel-Darstellung / Rektoskopie).
7.4 Periorbitale Hämatome bei Kindern – Kindesmisshandlung
Warnung – Kindesmisshandlung: Symmetrische periorbitale Hämatome ("Brillenhämatome") bei einem Kleinkind ohne plausible Unfallanamnese sind ein Alarmsignal für Kindesmisshandlung. In diesem Fall besteht eine Meldepflicht – das Jugendamt (Jugendamt / Kinderschutzgruppe) muss informiert werden.
- Weitere Hinweise: unerklärliche Hämatome an verschiedenen Körperstellen, Frakturen (z. B. Spiralfraktur, Rippenfrakturen bei Säuglingen).
- Der Oberarm (Humerus) ist eine typische Lokalisation bei Misshandlung – besonders die "Corner Fracture" (Abducensfraktur) des Humerus bei Kleinkindern.
- Kind bei Zuverlässigkeit des Unfallhergangs befragen – Kinder erzählen oft die Wahrheit.
Quelle: Mitschnitt AUD-20231102-WA0107
8. Fragen der Anästhesistin – Präoperative Vorbereitung und Differenzialdiagnosen
8.1 Fontanelle bei Säuglingen
- Große Fontanelle (Stirnfontanelle): zwischen Stirnbein und Scheitelbein – schließt sich mit ca. 18–24 Monaten.
- kleine Fontanelle: zwischen Scheitel- und Hinterhauptsbein – schließt sich früher (ca. 6–8 Wochen).
- Bedeutung: Die Fontanellen ermöglichen die Geburt (Schädelkompression) und dienen als klinisches Fenster für Hirndruckzeichen.
- Prüferthema: Palpation, zeitlicher Verlauf des Schlusses, pathologische Veränderungen (Kraniosynostose, Meningitis-bedingte Vorwölbung).
8.2 Opioidanalgesie und Nebenwirkungen bei älteren Patienten
- Morphin: Gold-Standard der Opioidanalgesie. Nebenwirkungen: Atemdepression, Übelkeit, Obstipation, Sedierung.
- Antagonist: Naloxon – wirkt als kompetitiver Antagonist an Opioidrezeptoren.
- Besonderheit bei älteren Patienten: Interaktionsrisiko mit Antidepressiva (insbesondere trizyklische Antidepressiva / MAO-Hemmer) – verstärkte Sedierung, Atemdepression.
- Zahlreiche Interaktionen zwischen Opioiden und Psychopharmaka – immer Medikamentenanamnese erheben.
8.3 Fibromyalgie-Syndrom (Myofasziales Schmerzsyndrom)
- Chronisches Schmerzsyndrom mit Schmerzen in der Muskulatur und am Bewegungsapparat.
- Diagnose: Klinisch (tender points), Ausschlussdiagnose.
- Therapie: Multimodale Schmerztherapie, Antidepressiva (Amitriptylin), Physiotherapie, Bewegungstherapie.
8.4 Herzinsuffizienz – NYHA-Klassifikation
- NYHA I: Keine Einschränkung bei körperlicher Belastung.
- NYHA II: Leichte Einschränkung – Beschwerden bei stärkerer Belastung.
- NYHA III: Starke Einschränkung – Beschwerden bei leichter Belastung.
- NYHA IV: Beschwerden in Ruhe.
Tipp: NYHA III–IV: Transfusionsschwelle anheben – bei herzinsuffizienten Patienten ist eine Anämie besonders kritisch, da das Herz bereits vorbelastet ist.
8.5 Körperliche Untersuchung – Herz und Lunge
- Herzauskultation: 2. ICR rechts = Aortenklappe, 2. ICR links = Pulmonalklappe, 4. ICR links parasternal = Trikuspidalklappe, Herzspitzenstoß = Mitralklappe.
- Hypertrophe Kardiomyopathie: Hebender, betonter Herzspitzenstoß, systolisches Geräusch (Ausflussbahnobstruktion).
- Respiratorische Symptome: Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, Zyanose, Interkostaleinziehungen – Zeichen einer schweren Ateminsuffizienz.
8.6 Präoperative Vorbereitung
Wichtig für die Prüfung:
- Clopidogrel: muss 5 Tage vor einer Operation abgesetzt werden – erhöhtes Blutungsrisiko.
- Acetylsalicylsäure (ASS): in der Regel weiter gegeben (Kardio-Schutz), aber prüferspezifisch.
- Warfarin: Umstellung auf Heparin-Bridging (periprozedural).
- Antibiotika-Prophylaxe: bei langen Eingriffen (über 3 Stunden) eine intraoperative Dosis.
8.7 Pneumonie – Atypische Erreger und Therapie
Rote Linie: Bei atypischer Pneumonie (Mykoplasmen, Legionellen, Chlamydien) wirken Penicilline nicht – diese Erreger haben keine Zellwand, daher ist der Angriffspunkt von Penicillin (Zellwandsynthese-Hemmung) unwirksam.
- Atypische Erreger: Mycoplasma pneumoniae, Legionella pneumophila, Chlamydophila pneumoniae.
- Therapie: Makrolide (Azithromycin, Clarithromycin), Doxycyclin, respiratorische Fluorchinolone.
- Komplikation: Pleuraempyem – eitrige Pleuraschwarte, Drainage oder operative Sanierung erforderlich.
8.8 Blutgasanalyse (BGA) – Azidose und Alkalose
| Störung | pH | Parameter | Ursachen |
|---|---|---|---|
| Metabolische Azidose | ↓ | BE ↓, HCO₃⁻ ↓, pCO₂ normal/↓ | Diabetische Ketoazidose, Laktatazidose, Niereninsuffizienz, Durchfall |
| Respiratorische Azidose | ↓ | pCO₂ ↑, HCO₃⁻ normal/↑ | Hypoventilation (COPD, Sedierung, neuromuskuläre Erkrankung) |
| Metabolische Alkalose | ↑ | BE ↑, HCO₃⁻ ↑, pCO₂ normal/↑ | Erbrechen, Diuretika, Hyperaldosteronismus |
| Respiratorische Alkalose | ↑ | pCO₂ ↓, HCO₃⁻ normal/↓ | Hyperventilation (Angst, Schmerz, Lungenembolie, Sepsis) |
8.9 Anionenlücke (Anion Gap)
- Formel: Na⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻) = Normalwert: 8–12 mmol/L.
- Erhöhte Anionenlücke (vermehrte ungemessene Anionen): diabetische Ketoazidose, Laktatazidose, Vergiftungen (Salicylate, Methanol, Ethylenglykol), Urämie.
- Normale Anionenlücke: hyperchlorämische metabolische Azidose (z. B. Durchfall, renal-tubuläre Azidose).
8.10 Tracheotomie (Koniotomie / Tracheotomie)
- Indikationen: Obstruktion der oberen Atemwege (Fremdkörper, Tumor, Verbrennung), Langzeitbeatmung, Schutz der Atemwege.
- Notfall-Koniotomie: Horizontaler Schnitt durch das Ligamentum conicum (Membrana cricothyroidea) zwischen Schildknorpel und Ringknorpel.
- Geplante Tracheotomie: Horizontale Inzision am 2./3. Trachealring, Kanüleneinlage.
- Anatomische Landmarken: Schildknorpel (Adamsapfel), Ringknorpel, Trachea.
8.11 Laparoskopie vs. Laparotomie
| Kriterium | Laparoskopie | Laparotomie |
|---|---|---|
| Invasivität | Minimal-invasiv | Offenchirurgisch |
| Vorteile | Schnellere Erholung, weniger Schmerzen, kosmetisch besser, weniger Adhäsionen | Bessere Übersicht, schnellere OP bei Notfällen |
| Nachteile | Längere OP-Zeit, technisch anspruchsvoller, CO₂-Absorption | Größerer Wundschmerz, längere Erholung |
| Suturtechnik | Versetzung der Trokare (3–4 Zugänge), ggf. Minilaparotomie für Bergung | Direkte Naht der Faszie und Haut |
8.12 Transfusionsmedizin – Bedside-Test
- Vor jeder Transfusion: Bedside-Test (Kreuzprobe) – direkte ABO-/Rhesus-Bestimmung am Empfängerblut.
- Bei positivem Bedside-Test: Transfusion sofort stoppen und Laborbefund überprüfen.
- Mögliche Fehler: Verwechslung der Blutproben, falsche Beschriftung.
- Transfusionsschwelle: Hämoglobin < 7–8 g/dL bei stabilen Patienten; bei Herzinsuffizienz ggf. höher.
Quelle: Mitschnitt AUD-20231102-WA0109