Persönliches Lernmaterial: Diese Zusammenfassung dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt weder offizielle Vorgaben noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Kinderheilkunde – Pädiatrie Prüfungsvorbereitung

Fachsprachliche Prüfung: Häufige Prüfungsthemen, klinische Fallbeispiele und Untersuchungstechniken

Chirurgische Notfälle Klinische Untersuchung Neonatologie Pädiatrische Notfälle
Einleitung: Diese Zusammenfassung basiert auf einer Audio-Transkription einer Prüfungsvorbereitungssitzung für die fachsprachliche Prüfung im Bereich Pädiatrie. Der Fokus liegt auf häufigen Prüfungsthemen und klinischen Fallbeispielen, die in der pädiatrischen Untersuchung regelmäßig abgefragt werden. Alle arabischen Passagen wurden ins Deutsche übersetzt und inhaltlich korrekt strukturiert.

K1 Greenstick-Fraktur (Kinderknochenbruch)

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Definition: Eine inkomplette Frakturform, bei der ein Knochen auf einer Seite bricht, aber auf der anderen Seite noch intakt bleibt – typisch für Kinder, da ihre Knochen noch elastischer und weniger spröde sind als Erwachsenenknochen.

Klinische Merkmale

  • Häufig bei Kleinkindern nach Sturz (z. B. vom Wickeltisch, Fahrrad, Spielplatz)
  • Schwellung und Schmerzhaftigkeit an der Frakturstelle
  • Fehlstellung oft diskret, nicht so offensichtlich wie bei kompletten Frakturen
  • Typische Lokalisation: Unterarm (Radius/Ulna), Unterschenkel

Der Prüfer zeigt Ihnen ein Röntgenbild und fragt: „Ist das eine Fraktur bei einem Kind oder bei einem Erwachsenen?" – Die Antwort: Greenstick-Fraktur spricht für ein Kind, da die Knochen noch nicht vollständig verknöchert sind. Alternativ kann eine Wulstfraktur (torus fracture) vorkommen – eine Impaktionsfraktur der Kortikalis bei Kindern.

Unterscheidung: Kind vs. Erwachsener im Röntgen

  • Kind: Greenstick-Fraktur, Wulstfraktur, epiphysäre Frakturen (Salter-Harris-Typen)
  • Erwachsener: Transversalfraktur, Spiralfraktur, Trümmerfraktur

Merke: Bei kindlichen Frakturen immer an Tetanus-Prophylaxe denken! Insbesondere bei offenen Wunden oder Verschmutzung. Die Immunisierung sollte gemäß STIKO-Empfehlungen überprüft und gegebenenfalls aufgefrischt werden.

K2 Milzruptur (Milzruptur bei Trauma)

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Ätiologie: Stumpfes Abdominaltrauma (Sturz, Fahrradunfall, Verkehrsunfall, Sportunfälle) ist die häufigste Ursache einer Milzruptur im Kindesalter. Bei Kleinkindern auch durch Schütteltrauma (Shaken Baby Syndrom) möglich.

Klassifikation (zeitlicher Verlauf)

  • Sofortruptur: Ruptur zum Zeitpunkt des Traumas
  • Verzögerte Ruptur (zweizeitig): Erst freies Intervall (Stunden bis Tage), dann akute Symptomatik – Lebensgefahr!

Diagnostik

  • Sonographie: Methode der Wahl (FAST-Sonographie) – Darstellung von freier Flüssigkeit im Morrison-Raum, linkem Oberbauch
  • CT-Abdomen: Bei hämodynamisch stabilen Patienten zur genauen Klassifikation
  • Labor: Hb-Abfall, LDH-Erhöhung

Der Prüfer kann ein Sonographiebild zeigen und fragen: „Was sehen Sie hier? Wo ist die Milz rupturiert?" – Achten Sie auf freie Flüssigkeit (Morison-Pouch, perisplenisch) als Hinweis auf Milzruptur. Bei Kindern mit Thoraxtrauma immer an Milz- und Leberverletzungen denken.

Therapie

  • Konservativ bei hämodynamischer Stabilität (kinderchirurgische Zentren)
  • Operative Versorgung (Splenektomie) bei Instabilität oder Grad IV/V
  • Schonung für 6–8 Wochen postoperativ

K3 Invagination (Darminvagination)

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Definition: Einschiebung (Teleskopierung) eines proximalen Darmsegmentes in ein distales – am häufigsten ileokolisch bei Kleinkindern (6 Monate bis 3 Jahre). In der Fachsprachprüfung ein Standardthema.

Klassische Symptomatik (Kolikartiger Schmerzzyklus)

  • Starke, kolikartige Bauchschmerzen mit schmerzfreien Intervallen
  • Erbrechen (initial Reflux, dann gallig)
  • Himbeergeleeartiger Stuhl (blutig-schleimige Entleerung) – Spätzeichen
  • Tastbare walzenförmige Resistenz im Abdomen

Diagnostik

  • Sonographie: „Zielscheiben-Phänomen" (target sign), „Pseudoniere" – diagnostisch wegweisend
  • Röntgen-Abdomen: Luftsichel (Freiluft unter dem Zwerchfell bei Perforation)

Die Invagination ist ein echter Kinder-Notfall. Der Prüfer fragt nach: „Ein Kind, 18 Monate alt, mit kolikartigen Bauchschmerzen, Erbrechen und blutig-schleimigem Stuhl – was vermuten Sie?" – Antwort: Invagination bis zum Beweis des Gegenteils.

Therapie

  • Hydrostatische Desinvagination (Luft- oder Kontrastmitteleinlauf unter radiologischer Kontrolle)
  • Operative Desinvagination bei Versagen oder Perforation

K4 Hodentorsion

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Definition: Verdrehung des Hodens um die eigene Achse mit Abklemmung der Hodengefäße – urologischer Notfall! Maximal 6 Stunden Zeitfenster zur Rettung des Hodens. Kommt bei Neugeborenen und Jugendlichen vor.

Klinik

  • Plötzlich einsetzender, heftiger Skrotalschmerz
  • Übelkeit, Erbrechen (vegetative Begleitsymptome)
  • Schwellung und Rötung des Skrotums
  • Hochstand des Hodens (Bell-Clapper-Deformität: fehlende Fixierung am Skrotum)
  • Negatives Prehn-Zeichen: Kälte bessert nicht (im Unterschied zur Epididymitis)

Wichtiger Differenzialdiagnostischer Hinweis: Bei jeder Hodenschwellung im Kindes- und Jugendalter MUSS eine Hodentorsion ausgeschlossen werden – „Zeit ist Hoden". Die Epididymitis hingegen beginnt meist schleichend und das Prehn-Zeichen ist positiv.

Diagnostik

  • Klinische Untersuchung: Hochstand, horizontale Lage, schmerzhafte Schwellung
  • Doppler-Sonographie: Fehlender/verminderter Blutfluss

Therapie

  • Notfall-Operation: Destorsion innerhalb von max. 6 Stunden, Orchidopexie beidseits
  • Bei Nekrose: Semiorchidektomie
Chirurgischer Tipp: Der Prüfer kann fragen: „Was ist die Bell-Clapper-Deformität?" – Antwort: Fehlende Fixierung des Hodens an der Skrotalwand, wodurch er frei drehbar ist. Bei Erstdiagnose einer Hodentorsion sollte immer auch die Gegenseite orchidopexiert werden.

K5 Pylorusstenose (Hypertrophe Pylorusstenose)

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Definition: Hypertrophie und Hyperplasie der Pylorusmuskulatur mit Obstruktion des Magenausgangs. Tritt typischerweise im Alter von 2–8 Wochen auf, häufiger bei Erstgeborenen und Jungen.

Klinik – Die klassische Trias

  • Projektilartiges Erbrechen (spuckartig, nicht-gallig) – „schießt wie eine Pistole"
  • Gewichtsverlust und Gedeihstörung
  • Sichtbare Peristaltik (Olive-ähnliche Resistenz im rechten Oberbauch – tastbar)
  • Obstipation, seltener ikterische Verfärbung möglich

Pathophysiologie

Die Hypertrophie der Ringmuskulatur (Muskularis propria) am Pylorus führt zur Verengung des Magenausgangs. Durch die Obstruktion kommt es zu einer kompensatorischen Hypertrophie der Magenmuskulatur und konsekutiv zu den sichtbaren Peristaltikwellen.

Diagnostik

  • Sonographie: Methode der Wahl – Pylorusmuskeldicke > 3 mm, Pyloruskanallänge > 15–17 mm (sog. „target sign" im Querschnitt)
  • Röntgen mit Kontrastmittel: „String sign" – dünner Kontrastmittelstrahl durch den verengten Pylorus
  • Labor: Hypochlorämische, hypokaliämische metabolische Alkalose (durch Verlust von Magensäure)

Der Prüfer zeigt Ihnen ein Sonographiebild oder Röntgenbild und fragt: „Was zeigen diese Bilder? Wo ist das Problem?" – Achten Sie auf: verdickte Pylorusmuskulatur, verlängerten Pyloruskanal. Sonographisch: Pylorusmuskeldicke ≥ 3 mm, Pyloruskanallänge ≥ 15–17 mm.

Therapie

  • Chirurgisch: Pyloromyotomie nach Ramstedt – Längsschnitt durch die hypertrophierte Muskulatur bis zur Submukosa, ohne diese zu eröffnen
  • Präoperativ: Elektrolyt- und Volumenkorrektur (Alkalose ausgleichen)
Merke für die Prüfung: Die Pylorusstenose ist einer der häufigsten pädiatrisch-chirurgischen Notfälle. Erbrechen NACH jeder Mahlzeit, nicht-gallig, bei einem 4–6 Wochen alten männlichen Säugling = Pylorusstenose bis zum Beweis des Gegenteils. Behandlungsname: Ramstedt-Operation (Pyloromyotomie).

K6 Fieber + Petechien/Hautblutungen im Kindesalter

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Klinischer Kontext: Ein Kind kommt mit Fieber und Hauteinblutungen (Petechien, Purpura) in die Notaufnahme – dies ist einer der kritischsten pädiatrischen Notfälle, da die Differenzialdiagnose lebensbedrohliche Erkrankungen umfasst.

Differenzialdiagnosen

  • Waterhouse-Friderichsen-Syndrom (Meningokokkensepsis) – Notfall!
  • Meningitis (bakteriell, v. a. Meningokokken)
  • Immune thrombozytopenische Purpura (ITP)
  • Hämophagozytisches Lymphohistiozytosesyndrom (HLH)
  • Verbrauchskoagulopathie (DIC)
  • Virale Infektionen (z. B. Masern, Röteln)
  • Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP)

Der Prüfer fragt: „Ein Kind, 2 Jahre alt, mit Fieber 40 °C und Petechien am Körper – was denken Sie?" – Antwort: Waterhouse-Friderichsen-Syndrom (Meningokokkensepsis) mit Verbrauchskoagulopathie bis zum Beweis des Gegenteils. Jede Petechie bei Fieber ist ein Notfall.

Typische Laborveränderungen

  • Thrombozytopenie (Verbrauch)
  • Erhöhte D-Dimere, verlängerte PTT/Zeit
  • Leukozytose oder Leukopenie
  • Erhöhtes CRP, Procalcitonin
  • Hypofibrinogenämie

Ursachen einer Thrombozytopenie im Kindesalter

  • Verbrauchskoagulopathie / DIC
  • Immune thrombozytopenische Purpura (ITP)
  • Leukämie
  • Hypersplenismus
  • Medikamenteninduziert
  • Infektiös (z. B. CMV, EBV)

K7 Meningitis im Kindesalter

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Definition: Entzündung der Meningen (Hirn- und Rückenmarkshäute), meist infektiöser Genese. Bei Neugeborenen und Säuglingen oft unspezifische Symptome, bei älteren Kindern klassische Meningismuszeichen.

Klinik – Je nach Alter unterschiedlich

Neugeborene/Säuglinge:
  • Apathie, Trinkschwäche
  • Erbrechen, Schreien (Schreien bei Berührung)
  • Fieber oder Untertemperatur
  • Gespannte Fontanelle (aber oft fehlend!)
  • Krampfanfälle
Ältere Kinder:
  • Meningismus: Nackensteife, Kernig-Zeichen, Brudzinski-Zeichen
  • Heftige Kopfschmerzen
  • Photophobie
  • Fieber, Schüttelfrost
  • Übelkeit, Erbrechen

Erreger nach Altersgruppen

  • Neugeborene (0–4 Wochen): Streptococcus agalactiae (B-Streptokokken), E. coli, Listeria monocytogenes
  • Säuglinge (4 Wochen–3 Monate): Streptococcus pneumoniae, Neisseria meningitidis, Haemophilus influenzae Typ b
  • Kinder > 3 Monate: Neisseria meningitidis, Streptococcus pneumoniae, seltener Haemophilus influenzae

Prüfungsrelevant: Bei der Meningitis im Kindesalter unbedingt die Erreger nach Altersgruppe kennen. Der Prüfer fragt oft: „Welche Erreger kommen in welcher Altersgruppe vor?" – Diese Tabelle auswendig lernen!

Diagnostik

  • Lumbalpunktion (nach Ausschluss von Kontraindikationen)
  • Zellzahl, Glukose, Protein im Liquor
  • Gram-Färbung, Kultur, PCR
  • Blutkulturen

Therapie

  • Empirische Antibiotikatherapie sofort nach Diagnostik, ohne auf Ergebnisse zu warten
  • Ceftriaxon + Ampicillin (bei Neugeborenen + Listerienabdeckung)
  • Dexamethason vor/nach erster Antibiotikagabe (v. a. bei H. influenzae, S. pneumoniae)
  • Isolierung bei Verdacht auf Meningokokken

K8 Waterhouse-Friderichsen-Syndrom

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Definition: Fulminante Sepsis mit beidseitiger Nebennierenrindennekrose, klassischerweise ausgelöst durch Neisseria meningitidis (Meningokokken). Führt zu akuter Nebennierenrindeninsuffizienz und Schock.

Klinik

  • Akuter Beginn mit hochfieber, Schüttelfrost
  • Petechiale Hauteinblutungen → rasche Ausbreitung, Ekchymosen
  • Schock: Hypotonie, Tachykardie, kalte Extremitäten, Bewusstseinsstörungen
  • Übelkeit, Erbrechen, Abdominalschmerzen
  • Azidose, Hyperkaliämie (Nebenniereninsuffizienz)

Prüfungstipp: Der Prüfer fragt oft: „Was verursacht das Waterhouse-Friderichsen-Syndrom?" – Antwort: Meningokokkensepsis (Neisseria meningitidis) mit Verbrauchskoagulopathie und beidseitiger Nebennierenrindennekrose. Es kann auch durch andere Sepsisformen (z. B. Pneumokokken, H. influenzae) verursacht werden, aber die Meningokokken-Ätiologie ist die klassische.

Pathophysiologie

Die massive bakteriämische Streuung von Meningokokken führt zu einer disseminierte intravaskulären Gerinnung (DIC), die die Nebennierenrinde ischämisch schädigt und zu einer akuten Nebenniereninsuffizienz führt.

Therapie

  • Sofortige intensivmedizinische Betreuung
  • Volumenersatz, Katecholamine (Dopamin, Noradrenalin)
  • Breitspektrum-Antibiotika (Ceftriaxon) – sofort!
  • Hydrokortison-Substitution (stressadaptierte Dosis)
  • Gerinnungsfaktoren, Thrombozytenkonzentrate bei DIC
  • Isolierung des Patienten (Tröpfcheninfektion)

K9 APGAR-Score

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Definition: Der APGAR-Score ist ein standardisiertes Schema zur Beurteilung des postnatalen Zustands eines Neugeborenen. Benannt nach der amerikanischen Anästhesistin Virginia Apgar (1909–1974).

Die 5 Kriterien

Kriterium0 Punkte1 Punkt2 Punkte
Appearence (Hautfarbe)Blass, zyanotischAkrozyanoseRosig
Pulse (Herzfrequenz)Keine (< 100/min)< 100/min> 100/min
Grimace (Reflex irritability)Keine ReaktionGrimassierenSchreien, Husten, Niesen
Activity (Muskeltonus)SchlaffLeichte FlexionAktive Bewegung
Respiration (Atmung)KeineLangsam, unregelmäßigRegelmäßig, kräftig

Merke die 5 Kriterien mit dem Akronym APGAR: Appearance (Hautfarbe), Pulse (Herzfrequenz), Grimace (Reflexirritabilität), Activity (Muskeltonus), Respiration (Atmung). Jedes Kriterium wird mit 0, 1 oder 2 Punkten bewertet – maximal 10 Punkte.

Auswertung

  • 0–3: Schwere Asphyxie – sofortige Reanimation erforderlich
  • 4–6: Leichte bis moderate Asphyxie – Stimulierung, ggf. Beatmung
  • 7–10: Normaler Zustand

Zeitpunkt

Der APGAR-Score wird 1 Minute, 5 Minuten und 10 Minuten nach der Geburt erhoben. Bei Werten unter 7 werden die Messungen alle 5 Minuten bis zum Erreichen von ≥ 7 fortgesetzt.

K10 Fontanellen (Schädelöffnungen beim Neugeborenen)

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Definition: Fontanellen sind bindegewebige Verbindungsstellen zwischen den Schädelknochen des Neugeborenen. Sie ermöglichen die Überlappung der Schädelknochen während der Geburt (Konfiguration) und das Wachstum des Gehirns in den ersten Lebensmonaten.

Wichtige Fontanellen

  • Große Fontanelle (Fonticulus anterior): Rautenförmig, am Scheitel, schließt sich mit ca. 12–18 Monaten. Normal: leicht pulsierend, leicht eingedellt
  • Kleine Fontanelle (Fonticulus posterior): Dreieckig, am Hinterhaupt, schließt sich mit ca. 6–8 Wochen

Klinische Bedeutung

  • Vorgewölbt/bullend: Erhöhter intrakranieller Druck (Meningitis, Hydrozephalus)
  • Eingesunken (sunken): Dehydratation
  • Größe verändert: Kraniosynostosen, Stoffwechselerkrankungen

Prüfungstipp: Der Prüfer kann ein Bild des Neugeborenenschädels zeigen und fragen: „Zeigen Sie mir die Fontanellen – welche Anatomie sehen Sie hier?" – Benennen Sie: Große Fontanelle (Scheitel, rautenförmig, schließt sich mit 12–18 Monaten) und Kleine Fontanelle (Hinterhaupt, dreieckig, schließt sich mit 6–8 Wochen).

Untersuchungstechnik

  • Inspektion: Form, Größe, Pulsation
  • Palpation: Vorsichtige Betastung mit den Fingerspitzen (keine tiefe Penetration!)
  • ACHTUNG: Bei Verdacht auf erhöhten ICP niemals tiefe Palpation oder invasive Maßnahmen über der Fontanelle durchführen!
Merke: Eine vorgewölbte Fontanelle bei Fieber ist ein Warnsignal für Meningitis oder erhöhten Hirndruck. Eine eingesunkene Fontanelle spricht für Exsikkose/Dehydratation.

K11 Nephroblastom (Wilms-Tumor)

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Definition: Der Wilms-Tumor (Nephroblastom) ist der häufigste maligne Nierentumor im Kindesalter. Häufigkeit: ca. 1:10.000, Altersgipfel: 2–5 Jahre. Er kann sporadisch oder im Rahmen von Syndromen (WAGR, Beckwith-Wiedemann, Denys-Drash) auftreten.

Klinik

  • Painless abdominal mass: Tastbare, schmerzlose Abdominalschwellung (oft Zufallsbefund)
  • Makrohämaturie (ca. 15–20 %)
  • Hypertonie (durch Reninproduktion)
  • B-Symptomatik (Fieber, Gewichtsverlust) bei fortgeschrittenen Stadien

Diagnostischer Tipp: Ein Kind kommt zur Vorsorgeuntersuchung. Der Hausarzt tastet eine Abdominalmasse. In der Sonographie zeigt sich eine Nierenerkrankung. „Was ist die wahrscheinlichste Diagnose?" – Antwort: Wilms-Tumor (Nephroblastom).

Diagnostik

  • Sonographie: Darstellung der renalen Masse, Differenzierung zum Neuroblastom
  • CT-Abdomen: Lokalisation, Ausdehnung, Lymphknoten, Lebermetastasen
  • Röntgen-Thorax: Lungmetastasen (häufigste Metastasierungsstelle)

Therapie

  • OP (nephronenschonende Tumorresektion wenn möglich)
  • Chemotherapie: Aktinomycin D, Vincristin (bei Stadium I–III)
  • Strahlentherapie: Bei Stadium III–IV
  • Die Therapie erfolgt nach dem SIOP-Protokoll (präoperative Chemotherapie bevorzugt)

K12 Sectio caesarea – Vena-cava-Kompressionssyndrom

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Definition des Vena-cava-Kompressionssyndroms (IVC-Syndrom): Kompression der Vena cava inferior durch den schwangeren Uterus in Rückenlage, was zu einer Verminderung des venösen Rückflusses zum Herzen führt. Therapie: Sofortige Linksseitenlagerung!

Klinik

  • Hypotonie (RR-Abfall > 20 mmHg systolisch)
  • Tachykardie
  • Übelkeit, Schwindel, Schwäche
  • Fetale Bradykardie als kindliches Warnsignal

Prävention und Therapie

  • Linksseitenlagerung (mindestens 15° Linksneigung) – auch während einer Sectio!
  • Manuelle Uterusverlagerung nach links (sog. „Uterus-displacement")
  • Infusionsvolumen vor Spinal-/Epiduralanästhesie
  • Vermeidung der Rückenlage während Sectio

Praktischer Hinweis: Der Prüfer fragt: „Eine Patientin wird zur Sectio in Rückenlage gelagert. Plötzlich wird sie hypotensiv und tachycard. Was ist die wahrscheinlichste Ursache und was tun Sie?" – Antwort: Vena-cava-KompressionssyndromSofort Linksseitenlagerung.

Chirurgische Besonderheiten

Bei der Sectio caesarea in Spinalanästhesie kann das Vena-cava-Kompressionssyndrom besonders ausgeprägt sein. Der Chirurg muss:

  • Die Patientin in Linksseitenlagerung operieren
  • Den Operationstisch nach links neigen (sog. Linkskippung oder „tilt")
  • Die Uterusinzision bevorzugt am unteren Uterinsegment vornehmen

K13 Maligne Erkrankungen im Kindesalter

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Überblick: Krebserkrankungen im Kindesalter sind selten, aber eine der führenden Todesursachen bei Kindern. Die häufigsten malignen Erkrankungen unterscheiden sich deutlich von denen bei Erwachsenen.

Häufigste maligne Erkrankungen

  • Leukämien: Häufigste Krebsart bei Kindern (ALL, AML)
  • ZNS-Tumoren: Zweithäufigste (Medulloblastom, Astrozytom, Ependymom)
  • Lymphome: Non-Hodgkin-Lymphome, Hodgkin-Lymphom
  • Neuroblastom: Häufigster extrakranieller Solittumor
  • Wilms-Tumor (Nephroblastom): Häufigster Nierentumor
  • Hepatoblastom, Retinoblastom, Keimzelltumoren

Allgemeine Warnsignale

  • Unklares Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß
  • Tastbare Lymphadenopathie
  • Blässe, Müdigkeit, Anämiezeichen
  • Knochenschmerzen (v. a. Leukämie, Neuroblastom)
  • Erbrechen morgens mit Kopfschmerzen (ZNS-Tumor)

K14 Anästhesiologische Besonderheiten bei Kindern

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Relevanz: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – sie haben andere physiologische Parameter, Anatomie und Pharmakologie.

Wichtige Parameter

  • Atemfrequenz: Neugeborenes: 30–60/min, Säugling: 25–40/min, Kleinkind: 20–30/min
  • Herzfrequenz: Neugeborenes: 100–160/min, Säugling: 80–150/min
  • Blutdruck: Altersadaptiert, z. B. Säugling: systolisch ca. 70–90 mmHg

Prämedikation bei Kindern

  • Midazolam p.o. oder nasal für Anxiolyse
  • Atropin als Anticholinergikum (vagolytisch, sekretionsreduzierend)
  • Nüchternheit: Klare Flüssigkeiten bis 2h, Muttermilch bis 4h, feste Nahrung bis 6h

Prüfungstipp: Der Prüfer fragt nach Dosierungen und altersadaptierten Werten. Typische Fragen: „Welche Midazolam-Dosis geben Sie einem 3-jährigen Kind zur Prämedikation?" oder „Wie hoch ist die normale Atemfrequenz bei einem 6 Monate alten Säugling?"

K15 Plötzlicher Kindstod (SIDS) und sichere Schlafumgebung

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Definition SIDS: Plötzlicher, unerwarteter Tod eines Kindes unter 1 Jahr, der auch nach autoptischer Untersuchung ungeklärt bleibt. Häufigstes Ereignis im Schlaf, Gipfel: 2.–4. Lebensmonat.

Risikofaktoren

  • Bauchlage beim Schlafen (stärkster Risikofaktor!)
  • Rauchen der Eltern
  • Prematurität, niedriges Geburtsgewicht
  • Überwärmung
  • Weiche Schlafunterlage
  • Co-Sleeping (Bett teilen)

Präventionsmaßnahmen (ABC-Regel)

  • Always supine – immer in Rückenlage schlafen
  • Breastfeeding – Stillen schützt
  • Care – kein Co-Sleeping, keine Raucherumgebung
  • Feste Schlafunterlage, kühle Raumtemperatur (18–20 °C)
  • Schnuller im Schlaf (schützend)
Prüfungswissen: SIDS-Prävention gehört zu den wichtigsten pädiatrischen Beratungsthemen. Der Prüfer kann fragen: „Eltern kommen mit ihrem Neugeborenen – was raten Sie zur Schlafumgebung?" – Rückenlage, feste Unterlage, kein Co-Sleeping, kühle Temperatur, kein Rauchen.

K16 Entwicklungsstadien und Meilensteine

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Relevanz für die Prüfung: Kenntnisse über normale Entwicklung helfen, Entwicklungsstörungen zu erkennen. Der Prüfer fragt oft nach altersgerechten Meilensteinen.

Motorische Entwicklung

AlterMeilenstein
2 MonateHebt Kopf in Bauchlage
4 MonateGreifen nach Objekten, dreht sich
6 MonateSitzt mit Stütze, Monosyllaben
9 MonateKrabbelt, steht mit Unterstützung
12 MonateErste Schritte, Pinzettengriff
18 MonateGeht sicher, stapelt 2–3 Würfel
24 MonateRennt, steigt Treppen, 2-Wort-Sätze

Sprachentwicklung

  • 2–3 Monate: Lallen (Gurgellaute)
  • 6–9 Monate: Silbenketten (ba-ba, da-da)
  • 12 Monate: Erste Worte mit Bedeutung
  • 18 Monate: 10–20 Worte
  • 24 Monate: 2-Wort-Sätze, 50+ Worte
  • 3 Jahre: Sätze, Verständnisfragen

Warnsignale für Entwicklungsverzögerung: Kein Greifen mit 4 Monaten, kein Sitzen mit 8 Monaten, kein Laufen mit 18 Monaten, keine Zwei-Wort-Sätze mit 2 Jahren.

K17 Prüfungsrelevante Kurzübersicht & FAQ

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Die häufigsten Prüfungsfragen im Überblick

  • Greenstick-Fraktur: Was ist das? Wie unterscheidet man sie von einer Erwachsenenfraktur? Wann an Tetanus denken?
  • Invagination: Symptome? Diagnostik? Sonographisches Zeichen? Therapie?
  • Pylorusstenose: Symptome? Alter des Patienten? Diagnostik (Sonographie-Werte)? OP-Name? Elektrolytstörung?
  • Hodentorsion: Bell-Clapper-Deformität? Diagnostik? Zeitfenster? OP?
  • Waterhouse-Friderichsen: Ursache? Pathophysiologie? Klinik? Therapie?
  • APGAR-Score: Was bedeutet APGAR? Kriterien? Zeitpunkte? Interpretation?
  • Fontanellen: Welche gibt es? Wann schließen sie sich? Was bedeutet vorgewölbt/gesunken?
  • Sectio: Vena-cava-Kompressionssyndrom – was ist das? Was tun?
  • Wilms-Tumor: Klinik? Diagnostik? Therapie?
  • Meningitis: Erreger nach Alter? Klinik nach Alter? Therapie?
Abschließende Empfehlung: Für die pädiatrische Prüfungsvorbereitung ist es empfehlenswert, sowohl die Normalwerte und Meilensteine als auch die typischen Notfälle zu beherrschen. Die genannten Themen decken die häufigsten Prüfungsfragen ab.
Pädiatrie Prüfungsvorbereitung – Fachsprachliche Prüfung
Basierend auf Vorlesungs-Transkription, vollständig überarbeitet und inhaltlich geprüft