Persönliches Lernmaterial: Diese Zusammenfassung dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt weder offizielle Vorgaben noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Impfung

Aktive und Passive Immunisierung, STIKO-Empfehlungen, Tetanus-Prophylaxe, Impfungen nach Splenektomie und in der Schwangerschaft

1. Einleitung und Prüfungsrelevanz

  • Das Thema Impfung gehört zu den am häufigsten geprüften Themen in der medizinischen Fachsprachenprüfung (FSP/Kenntnisprüfung) in Deutschland.
  • Die Prüfer – häufig Fachärzte für Infektiologie – fragen systematisch die wichtigsten Konzepte ab: Aktive vs. Passive Immunisierung, Tetanus-Prophylaxe, STIKO-Empfehlungen, Indikationen und Kontraindikationen.
  • Jeder Prüfungskandidat muss definitives Wissen über die STIKO-Empfehlungen, den Impfkalender und die Impfgruppen vorweisen können.
Der Prüfer achtet besonders darauf, ob der Kandidat den Unterschied zwischen aktiver und passiver Immunisierung sicher erklären kann. Diese Frage wird in nahezu jeder Prüfung gestellt. Ebenso wichtig ist die Tetanus-Prophylaxe bei Verletzungen – sie wird fast immer in Verbindung mit einer Unfallanamnese (z. B. offene Fraktur, Schnittverletzung) geprüft.

2. Aktive vs. Passive Immunisierung

2.1 Aktive Immunisierung (Schutzimpfung)

  • Bei der aktiven Immunisierung werden abgeschwächte oder abgetötete Krankheitserreger bzw. Bestandteile der Krankheitserreger (z. B. Toxoide, Polysaccharide, Konjugat-Antigene) verabreicht.
  • Der Körper bildet selbstständig eigene Antikörper und entwickelt eine langanhaltende (langfristige) Immunität.
  • Die Immunantwort ist langsam (schleichend) und benötigt Zeit (Tage bis Wochen), bis ein vollständiger Schutz aufgebaut ist.
  • Der Impfstoff enthält immer immunologisch aktive Bestandteile des Erregers.
  • Beispiele für aktive Impfungen: Tetanus, Diphtherie, Polio, Masern, Mumps, Röteln, Influenza, Hepatitis B, Pneumokokken (Konjugat), Haemophilus influenzae Typ b.

2.2 Passive Immunisierung

  • Bei der passiven Immunisierung werden direkt verabreichte Antikörper (Immunglobuline) gegeben – der Körper erhält die Immunität sofort und nicht aufbauend.
  • Die Immunität hält nur kurzzeitig an, da keine eigene Antikörperproduktion angeregt wird.
  • Die Wirkung tritt sofort (sofortiger Schutz) ein.
  • Beispiele: Hepatitis-B-Immunglobulin (HBIG) bei postexpositioneller Prophylaxe, Tetanus-Immunglobulin (TIG) bei Tetanus-Exposition, Röteln-Immunglobulin bei Exposition in der Schwangerschaft.
Prüfungsbeispiel (aktive vs. passive Immunisierung):
„Eine stillende Mutter, die Windpocken ausgesetzt war – welche Immunität bekommt das Kind?"
Das Kind erhält eine passive Immunisierung über die Muttermilch: Es bekommt fertige Antikörper (Immunglobuline) der Mutter übertragen, die das Kind vorübergehend schützen. Das Kind bildet keine eigenen Antikörper aktiv gegen das Varizella-Virus.

2.3 Zusammenfassende Vergleichstabelle

Merkmal Aktive Immunisierung Passive Immunisierung
Verabreichung Impfstoff (abgeschwächt/abgetötet/Komponenten) Immunglobuline (Antikörper direkt)
Immunitätsaufbau Langsam, durch körpereigene Bildung Sofort, direkt durch verabreichte Antikörper
Schutzdauer Langfristig (Jahre) Kurzfristig (Wochen bis Monate)
Wirkungseintritt Verzögert (Tage bis Wochen) Sofort
Immunologisches Prinzip Stimulation des Immunsystems → eigene Antikörper Direkte Gabe fertiger Antikörper
Beispiele Tdap, IPV, MMR, HepB, Influenza

3. Impfstoffgruppen und Zusammensetzungen

3.1 Lebendimpfstoffe

  • Enthalten abgeschwächte (attenuierte), vermehrungsfähige Erreger.
  • Beispiele: Masern, Mumps, Röteln (MMR), Varizellen (Windpocken), Rotavirus, BCG (Tuberkulose), orale Polio-Schluckimpfung (nicht mehr in DE).
  • Bei Immunsuppression und in der Schwangerschaft kontraindiziert (Ausnahme: bestimmte Indikationen, z. B. Rötelnexposition mit Immunglobulin).

3.2 Totimpfstoffe (inaktivierte Impfstoffe)

  • Enthalten abgetötete Erreger oder Bestandteile (Proteine, Polysaccharide, Konjugate).
  • Beispiele: Tetanus, Diphtherie (Tdap), Polio (IPV), Influenza (Injektion), Hepatitis A und B, Pneumokokken (Polysaccharid und Konjugat), Meningokokken, Haemophilus influenzae Typ b, Tollwut, FSME, COVID-19-Impfstoffe.
Prüfungswissen – Totimpfstoffe: In der Schwangerschaft und bei Immunsuppression sind Totimpfstoffe in der Regel ungefährlich und erlaubt. Lebendimpfstoffe sind kontraindiziert.

4. Sechsfach-Impfstoff (Hexavalenter Impfstoff)

  • Der Sechsfach-Impfstoff schützt gleichzeitig gegen sechs Erkrankungen und wird im Säuglingsalter verabreicht.
  • Er enthält:
    • Tetanus (Wundstarrkrampf)
    • Diphtherie
    • Pertussis (Keuchhusten)
    • Poliomyelitis (Kinderlähmung, IPV)
    • Haemophilus influenzae Typ b (Hib)
    • Hepatitis B
  • Abkürzung: TdaP-IPV-Hib-HepB (oder hexavalent)
  • Die Impfungen erfolgen nach dem STIKO-Impfschema im 2., 3., 4. und 11.–14. Lebensmonat (jeweils im Abstand von mindestens 4 Wochen zwischen den Dosen).
Der Sechsfach-Impfstoff wird als Kombinationsimpfstoff intramuskulär (i.m.) verabreicht. Dies ist ein häufiger Prüfungspunkt – der Prüfer fragt oft, warum der Impfstoff nicht subkutan (s.c.) oder intradermal (i.d.) gegeben wird: Die i.m.-Gabe gewährleistet eine verzögerte Freisetzung im Muskelgewebe, wodurch das Immunsystem den Impfstoff besser erkennt und eine optimale Immunantwort entsteht.

5. Tetanus-Prophylaxe – Eines der wichtigsten Prüfungsthemen

5.1 Wann besteht die Indikation zur Tetanus-Prophylaxe?

  • Bei jeder Verletzung, unabhängig von der Schwere, muss der Impfstatus bezüglich Tetanus überprüft werden.
  • Klassische Beispiele in der Prüfung:
    • Offene Fraktur (z. B. offene Unterschenkelfraktur nach Unfall)
    • Schnittverletzungen (z. B. Messerstich, Glasscherben)
    • Platzwunden (z. B. nach Sturz auf den Kopf bei Kindern – „Grünholzfraktur" mit Weichteilbeteiligung)
    • Pflanzenstiche (z. B. Rose-Dorn, Gartenarbeit)
    • Verbrennungen
    • Offene Handverletzungen (z. B. „Fleischwunde" durch Fleischwolf, Knochensäge)
  • Immer den Impfausweis kontrollieren und fragen: „Wann hatten Sie Ihre letzte Tetanus-Impfung?"

5.2 Impfschema Tetanus (STIKO-Standardimpfkalender)

  • Grundimmunisierung im Säuglingsalter: 4 Dosen im 2., 3., 4. und 11.–14. Lebensmonat (im Rahmen des Sechsfach-Impfstoffs).
  • Auffrischimpfungen:
    • Mit 5–6 Jahren (Tdap-Kombination)
    • Mit 9–16 Jahren (Tdap oder Tdap-IPV)
    • Ab 18 Jahren alle 10 Jahre (Td oder Tdap)
STIKO-Regel: Bei unsicherem Impfstatus oder fehlender Grundimmunisierung → Grundimmunisierung mit 3 Dosen (0, 1 Monat, 6–12 Monate). Bei fehlender Auffrischung (>10 Jahre) → 1 Dosis auffrischen. Bei stark verschmutzten Wunden und letzter Impfung >5 Jahre → ebenfalls Auffrischung erwägen.

5.3 Tetanus-Prophylaxe bei Verletzungen – Stufenplan

Impfstatus Saubere, kleine Wunde Alle anderen Wunden*
Unbekannt oder < 3 Impfungen Impfung (Grundimmunisierung starten) Impfung + TIG
≥ 3 Impfungen, letzte Impfung < 10 Jahre Keine Impfung nötig Keine Impfung nötig
≥ 3 Impfungen, letzte Impfung ≥ 10 Jahre Impfung auffrischen Impfung auffrischen
≥ 3 Impfungen, letzte Impfung ≥ 5 Jahre Keine Impfung nötig Impfung auffrischen

*Alle anderen Wunden = verschmutzt, tief, Stich, Schuss, Verbrennung, Erfrierung, etc.

Prüfungstipp: In der Prüfung wird oft ein Fall präsentiert, in dem ein Kind mit einer offenen Fraktur oder einer platzenden Handverletzung eingeliefert wird. Der Kandidat muss sofort den Impfstatus erfragen und die Tetanus-Prophylaxe ansprechen – das zeigt klinisches Bewusstsein und wird vom Prüfer positiv bewertet.

5.4 Tetanus (Wundstarrkrampf) – Ätiologie und Pathophysiologie

  • Erreger: Clostridium tetani (anaerobes, sporenbildendes Stäbchenbakterium)
  • Toxin: Tetanospasmin – eines der stärksten bakteriellen Toxine überhaupt
  • Wirkmechanismus: Das Toxin blockiert die hemmenden Neurotransmitter (GABA und Glycin) an den Synapsen der Motoneuronen im Rückenmark und verursacht unkontrollierte Muskelspasmen.
  • Inkubationszeit: 3 Tage bis 3 Wochen (im Mittel 8 Tage)
  • Klinisches Bild:
    • Trismus (Kiefersperre) – erstes typisches Symptom
    • Risus sardonicus (verzerrtes Lächeln)
    • Opisthotonus (Überstreckung des Rückens)
    • Generalisierte Krämpfe, Autonomome Dysfunktion, Atemstillstand möglich
  • Therapie: Wundversorgung, Tetanus-Immunglobulin (passiv), Antibiotika (Metronidazol/Penicillin), symptomatische Therapie (Benzodiazepine, ggf. Beatmung).
Inkubationszeit und Klinik des Tetanus müssen auswendig beherrscht werden. Trismus als erstes Symptom ist ein klassischer Prüfungspunkt.

6. Impfungen nach Splenektomie (Asplenie)

  • Nach Entfernung der Milz (Splenektomie) ist der Patient besonders anfällig für Infektionen mit bekapselten Bakterien (insbesondere Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae Typ b, Neisseria meningitidis).
  • Die Milz spielt eine zentrale Rolle bei der Filterung bekapselter Erreger aus dem Blut und der Bildung von IgM-Antikörpern.
  • Empfohlene Impfungen (mindestens 2 Wochen vor geplanter Splenektomie oder ab 2 Wochen nach Notfall-Splenektomie):
    • Pneumokokken-Impfung (PCV13 gefolgt von PPSV23 nach ≥ 8 Wochen) – bei elektiver OP: PCV13 ≥ 2 Wochen vor OP; bei Notfall-OP: ab 2 Wochen postoperativ)
    • Haemophilus influenzae Typ b (Hib)
    • Meningokokken-Impfung (MenACWY und MenB)
    • Influenza-Impfung (jährlich empfohlen)
  • Auffrischung Pneumokokken: Einmalige Wiederholung von PPSV23 nach 5 Jahren.
  • Merksatz: „Der Asplenie-Patient braucht Impfschutz gegen alle bekapselten Erreger, insbesondere Pneumokokken, H. influenzae und Meningokokken."
Prüfungsfrage: „Ein Patient kommt auf die Intensivstation, erhält Cortison, ist splenektomiert – was raten Sie bezüglich Impfungen?" Antwort: Impfanamnese erheben, Pneumokokken-Status prüfen und impfen (falls nicht vorhanden), da Cortison als Immunsuppressivum das Infektionsrisiko erhöht.

7. Pneumokokken-Impfung – Indikationen und Impfstoffe

7.1 Impfstofftypen

  • PCV13 (Prevenar 13): 13-valenter Konjugatimpfstoff – polysaccharid-gebunden an ein Trägerprotein (erhöht die Immunogenität, insbesondere bei Kleinkindern und immunsupprimierten Patienten).
  • PPSV23 (Pneumovax 23): 23-valenter Polysaccharidimpfstoff – deckt mehr Serotypen ab, aber geringere Immunogenität bei bestimmten Gruppen (Kinder < 2 Jahre, Immunsupprimierte).

7.2 STIKO-Indikationen für Pneumokokken-Impfung

Gruppe Empfohlener Impfstoff Auffrischung
Säuglinge (2, 4, 11–14 Monate) PCV13
Personen ≥ 60 Jahre PCV13 + PPSV23 (sequenziell) PPSV23 alle 6 Jahre bei Risiko
Chronisch Kranke (COPD, Diabetes, Alkoholiker) PPSV23 Einmalige Wiederholung nach 6 Jahren
Immunsupprimierte (HIV, Splenektomie, Z. n. SZT) PCV13 + PPSV23 PPSV23 alle 5 Jahre
Patienten mit Cochlea-Implantat oder Liquorfistel PCV13 + PPSV23
Unterschied merken: PCV13 = Konjugat → bessere Immunantwort, T-Zell-abhängig, wirksam bei Kleinkindern. PPSV23 = Polysaccharid → T-Zell-unabhängig, eingeschränkte Wirksamkeit bei Kindern < 2 Jahre.

8. Impfungen in der Schwangerschaft

  • Die STIKO empfiehlt allen Schwangeren die saisonale Influenza-Impfung (Totimpfstoff) ab dem 2. Trimenon – bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung durch Grunderkrankungen (z. B. Asthma, Diabetes) bereits ab dem 1. Trimenon.
  • Die Tdap-Impfung (Tetanus, Diphtherie, Pertussis) wird jeder Schwangeren in jeder Schwangerschaft im Zeitraum von 27+0 bis 36+0 SSW empfohlen (Kokon-Strategie zum Schutz des Neugeborenen).
  • Lebendimpfstoffe (z. B. MMR, Varizellen) sind in der Schwangerschaft kontraindiziert (Teratogenitätsrisiko).
  • Totimpfstoffe sind in der Schwangerschaft grundsätzlich nicht schädlich und können bei Indikation verabreicht werden.
  • Postexpositionelle Prophylaxe (z. B. Hepatitis B nach Exposition, Tollwut nach Biss) ist auch in der Schwangerschaft möglich und indiziert.
Prüfungswissen Schwangerschaft:
  • Erlaubt: Influenza (Totimpfstoff), Tdap (ab 27. SSW), Hepatitis A/B (Totimpfstoffe), Pneumokokken (Totimpfstoff)
  • Verboten: MMR, Varizellen, Gelbfieber (Lebendimpfstoffe) – es sei denn, klare Exposition und strenge Nutzen-Risiko-Abwägung
  • Die Formulierung „gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sind in der Schwangerschaft kontraindiziert" ist ein sicherer Prüfungssatz.

9. Masernimpfpflicht in Deutschland

  • Seit März 2020 gilt in Deutschland die gesetzliche Masernimpfpflicht (Masernschutzgesetz).
  • Die Impfpflicht betrifft Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen (Kindergärten, Schulen) oder in bestimmten Gesundheitseinrichtungen (Kliniken, Praxen) betreut oder tätig sind.
  • Nicht geimpfte Kinder können vom Besuch von Kindertagesstätten ausgeschlossen werden.
  • Nachweis: Zwei Masern-Impfungen (MMR-Impfung) oder Immunitätsnachweis (IgG im Blut).
  • Der Impfstoff ist ein Lebendimpfstoff (MMR) – eine Kontraindikation in der Schwangerschaft (s. o.).
Frage, die in der Prüfung gestellt werden kann: „Was ist die Masernimpfpflicht und ab wann gilt sie?" Antwort: Sie gilt seit März 2020 und verpflichtet alle Kinder und Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen betreut werden oder dort arbeiten, zum Nachweis von zwei Masern-Impfungen.

10. Kontraindikationen für Impfungen

10.1 Allgemeine Kontraindikationen

  • Akute Infekte mit Fieber (> 38,5 °C) – Impfungen sollten verschoben werden, da der Körper bereits mit einer Infektion beschäftigt ist und keine optimale Immunantwort bilden kann.
  • Schwere Immundefekte (z. B. AIDS mit niedrigen CD4-Zellen) – insbesondere für Lebendimpfstoffe.
  • Allergie gegen Impfstoffbestandteile (z. B. Hühnereiweiß, Neomycin).
  • Schwangerschaft – für Lebendimpfstoffe.
  • Immunsuppressive Therapie (z. B. hochdosiertes Cortison, Chemotherapie, Biologika).
Do's & Don'ts in der Prüfung:
  • Nicht während eines akuten Infekts impfen – der Körper ist mit der Infektion beschäftigt.
  • Nicht Lebendimpfstoffe bei Schwangeren geben.
  • Nicht bei bekannter Allergie gegen Bestandteile impfen.
  • Immer vor der Impfung den Impfpass kontrollieren.
  • Immer akute Infekte erfragen.
  • Totimpfstoffe sind auch bei leichten Infekten ohne Fieber in der Regel möglich.

10.2 Warum wird der Impfstoff intramuskulär (i.m.) gegeben und nicht subkutan (s.c.)?

  • Die i.m.-Gabe gewährleistet eine verzögerte Freisetzung des Impfstoffs aus dem Muskelgewebe.
  • Dadurch hat das Immunsystem mehr Zeit, den Impfstoff-Antigen zu erkennen und eine optimale Immunantwort auszulösen.
  • Bei subkutaner Gabe wird der Impfstoff schneller resorbiert und kann vom Immunsystem nicht so effektiv verarbeitet werden.

11. Reiseimpfungen und geografische Besonderheiten

  • Reiseimpfungen richten sich nach dem Zielreisedestination, der Reisedauer und der Art der Reise.
  • Wichtige reisemedizinisch relevante Impfungen:
    Region / Erkrankung Impfung
    Afrika (südlich der Sahara) Gelbfieber (Lebendimpfstoff, gesetzlich vorgeschrieben)
    Mittel- und Südamerika, Afrika Cholera (oraler Lebendimpfstoff), Typhus
    Weltweit (end派misch) Hepatitis A und B, Tollwut (bei Tierkontakt)
    Südasien, Afrika Polio (IPV), Typhus, Japanische Enzephalitis
    Europa (besonders Südosteuropa) FSME (durch Zecken übertragen)
    Naher Osten / Mekka-Pilgerfahrt Meningokokken-Impfung (MenACWY) – Pflicht für Pilger
  • Bei der Hepatitis B gilt: In Afrika, Asien, Mittelamerika ist die Prävalenz hoch → Reiseimpfberatung dringend empfohlen.
Prüfungsrelevanz Reiseimpfungen: Der Prüfer fragt oft nach der Indikation für Gelbfieber-Impfung (Zielgebiet Afrika/Mittel- und Südamerika) und der Pflichtimpfung für Mekka-Pilger (Meningokokken ACWY). Bei der Hepatitis-B-Impfung ist die Endemiegebiete-Strategie wichtig.

12. Impfkalender – Überblick (STIKO, Stand 2024)

Alter / Zeitpunkt Impfungen
2. Lebensmonat Hexa (TdaP-IPV-Hib-HepB), PCV13, Rotavirus
3. Lebensmonat Hexa (2. Dosis), Rotavirus (2. Dosis)
4. Lebensmonat Hexa (3. Dosis), PCV13 (2. Dosis)
11–14. Lebensmonat Hexa (4. Dosis), PCV13 (3. Dosis), MMR (1. Dosis), Varizellen
5.–6. Lebensjahr Tdap (Auffrischung), ggf. IPV
9.–16. Lebensjahr Tdap oder Tdap-IPV (Auffrischung), MMR (2. Dosis), Varizellen (2. Dosis), ggf. HPV (2 Dosen)
Ab 18 Jahre Td/Tdap alle 10 Jahre, Influenza (jährlich), Pneumokokken (ab 60), ggf. FSME, Reiseimpfungen
Schwangerschaft (27.–36. SSW) Tdap (jede Schwangerschaft), Influenza (ab 2. Trimenon)
Ab 60 Jahre Pneumokokken (PCV13 + PPSV23), Influenza (jährlich), Gürtelrose (Shingrix 2 Dosen), COVID-19 nach STIKO

13. Hepatitis B – Schutzimpfung und postexpositionelle Prophylaxe

  • Die Hepatitis-B-Impfung ist ein Totimpfstoff (rekombinanter Oberflächenantigen-Impfstoff, HBsAg).
  • Die Grundimmunisierung umfasst 3 Dosen (0, 1 Monat, 6 Monate) – bei Kindern im Rahmen des Hexa-Impfstoffs.
  • Postexpositionelle Prophylaxe (HBV PEP): Nach Nadelstichverletzung oder Sexualkontakt mit HBV-positiver Person → Hepatitis-B-Immunglobulin (HBIG) + Hepatitis-B-Impfung (aktiv) simultan verabreichen.
  • Impf-Erfolgskontrolle: Anti-HBs-Titer ≥ 10 IE/L nach 4–8 Wochen – bei Non-Responder (Titer < 10) → erneute Impfserie (ggf. mit höherer Dosis).

14. Hepatitis-B-Prophylaxe bei Neugeborenen

  • Alle Neugeborenen erhalten innerhalb der ersten 24 Stunden nach Geburt die erste Hepatitis-B-Impfung (aktive Immunisierung).
  • Mütter mit unbekanntem oder positivem HBs-Status: Das Neugeborene erhält zusätzlich Hepatitis-B-Immunglobulin (HBIG) innerhalb von 12 Stunden postpartum.
  • Diese Maßnahme verhindert die vertikale Transmission (围产期 Übertragung) von der Mutter auf das Kind in > 95 % der Fälle.

15. Diphtherie – Ätiologie, Klinik und Impfstoff

  • Erreger: Corynebacterium diphtheriae
  • Toxin: Diphtherietoxin – ein Exotoxin, das die Proteinsynthese in eukaryontischen Zellen hemmt ( ADP-Ribosylierung des Elongationsfaktors 2).
  • Klinisches Bild: Halsschmerzen, Fieber, „belegte Rachenmandeln" mit grau-weißen Pseudomembranen, die bei Ablösung bluten können. Lymphknotenschwellung („Cäsarenhals"). Gefahr: Atemwegsobstruktion und Myokarditis (toxischer Effect).
  • Impfstoff: Diphtherie-Toxoid (inaktiviertes Toxin) – im Kombinationsimpfstoff Tdap enthalten.
Das Diphtherietoxin ist ein Exotoxin, das durch ADP-Ribosylierung des EF-2 die Proteinsynthese hemmt. Dies muss als Wirkmechanismus auswendig beherrscht werden.

16. Pertussis (Keuchhusten) – Klinik und Impfung

  • Erreger: Bordetella pertussis (gramnegatives Stäbchenbakterium)
  • Klinisches Bild – 3 Stadien:
    • Stadium catarrhale (1–2 Wochen): Unspezifische Erkältungssymptome, Schnupfen, leichtes Fieber – höchste Ansteckungsfähigkeit.
    • Stadium convulsivum (2–6 Wochen): Typische Stakkato-Hustenanfälle mit inspiratorischem Stridor („Keuchen"), Erbrechen nach Hustenattacken, Husten besonders nachts. Bei Säuglingen: Apnoen statt Husten.
    • Stadium decrementi (Wochen bis Monate): Langsame Besserung, Husten persistiert.
  • Impfung: Azellulärer Pertussis-Impfstoff (aP) im Kombinationsimpfstoff Tdap.
  • Booster bei Erwachsenen: Alle 10 Jahre Tdap (nicht nur Td) – die STIKO empfiehlt seit 2009 auch Erwachsenen die Pertussis-Komponente.

17. Zusammenfassung: Prüfungs-Checkliste

Die folgenden Themen müssen für die Kenntnisprüfung sicher beherrscht werden:
  • Unterschied aktive vs. passive Immunisierung (Prinzip, Wirkungseintritt, Schutzdauer, Beispiele)
  • Tetanus-Prophylaxe bei Verletzungen (Impfschema, TIG-Gabe, Wundversorgung)
  • Hexavalenter Impfstoff – Zusammensetzung und Impfzeitpunkte
  • Impfungen nach Splenektomie (Pneumokokken, Hib, Meningokokken, Influenza)
  • Impfungen in der Schwangerschaft (Tdap ab 27. SSW, Influenza, Lebendimpfstoffe kontraindiziert)
  • Masernimpfpflicht in Deutschland (seit März 2020)
  • Pneumokokken-Impfung – PCV13 vs. PPSV23, Indikationen
  • Kontraindikationen (akute Infekte, Immunsuppression, Schwangerschaft bei Lebendimpfstoffen)
  • Reiseimpfungen – geografische Zuordnung
  • Hepatitis B – Impfschema und postexpositionelle Prophylaxe
  • Diphtherie-Toxin – Wirkmechanismus (ADP-Ribosylierung von EF-2)
  • Pertussis – 3 Stadien des klinischen Bildes
  • Tetanus – Erreger (Clostridium tetani), Toxin (Tetanospasmin), Klinik (Trismus, Risus sardonicus, Opisthotonus)
  • Warum i.m. und nicht s.c.? – verzögerte Freisetzung → bessere Immunantwort
Lerntipp: Lernen Sie zuerst die Grundbegriffe (aktive vs. passive Immunisierung, Impfkalender, Tetanus-Prophylaxe), dann die Krankheitsbilder (Tetanus, Diphtherie, Pertussis). Wiederholen Sie anhand der Prüfungs-Checkliste. Machen Sie sich Eselsbrücken: z. B. „TIG = Tetanus-Immunglobulin, passt perfekt" (TIG = passiv, sofortiger Schutz).