Persönliches Lernmaterial: Diese Zusammenfassung dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt weder offizielle Vorgaben noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Schilddrüsenfunktionstörung

Morbus Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis, Hypothyreose, Hyperthyreose, Labordiagnostik und Therapie

1. Morbus Basedow (Graves' Disease) — Definition und Ätiologie

1.1 Grundlegende Definition

Der Morbus Basedow ist eine der häufigsten Ursachen einer Hyperthyreose und stellt eine klassische Autoimmunerkrankung dar. Für die Prüfung ist die folgende Definition von zentraler Bedeutung:

Definition Morbus Basedow: Es handelt sich um eine Autoimmunreaktion, bei der Thyreoidea-stimulierende Autoantikörper (TSI = TSH-Rezeptor-Autoantikörper, TRAK) an den TSH-Rezeptor der Schilddrüse binden und diesen unkontrolliert stimulieren. Dies führt zu einer Überproduktion von Schilddrüsenhormonen (fT3 und fT4).

Synonyme Begriffe: Basedow-Krankheit, Graves' Disease, Immunhyperthyreose.

1.2 Merseburger Trias — Kardinalsymptome

Die Merseburger Trias ist das klassische Leitsymptom-Trias des Morbus Basedow und gehört zu den am häufigsten geprüften Begriffen:

  • Exophthalmus (Protrusio bulbi) — das Hervortreten der Augen, bedingt durch eine autoimmun bedingte Entzündung und Schwellung des Orbitagewebes und der Augenmuskeln. Dies ist pathognomonisch für Morbus Basedow und tritt bei anderen Hyperthyreoseformen in der Regel nicht auf.
  • Tachykardie — eine Herzfrequenz von > 100 Schlägen/min, verursacht durch den erhöhten Stoffwechsel und die Wirkung der Schilddrüsenhormone auf das kardiovaskuläre System.
  • Struma — eine Vergrößerung der Schilddrüse, die als Kropf tastbar oder sichtbar sein kann.
Die Merseburger Trias (Exophthalmus, Tachykardie, Struma) ist eines der wichtigsten Prüfungsthemen beim Morbus Basedow. Der Prüfer erwartet, dass der Kandidat alle drei Symptome sicher benennen kann.

1.3 Weitere Symptome des Morbus Basedow

  • Wärmeintoleranz und übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose)
  • Gewichtsverlust trotz normaler oder gesteigerter Nahrungsaufnahme
  • Feinschlägiger Tremor (Fingerzittern)
  • Psychische Unruhe, Nervosität, Angstzustände
  • Haarausfall
  • Durchfall (erhöhte Darmmotilität)
  • Muskelschwäche, insbesondere der proximalen Muskulatur
  • Zyklusstörungen bei Frauen (Oligomenorrhö, Amenorrhö)
  • Prätibiales Myxödem — eine teigige Schwellung und Verdickung der Haut an den Unterschenkeln, ein weiteres spezifisches Zeichen des Morbus Basedow (bei Hashimoto-Thyreoiditis nicht vorhanden).

2. Diagnostik des Morbus Basedow

2.1 Labordiagnostik — Schilddrüsenparameter

Bei der laborchemischen Untersuchung zeigt der Morbus Basedow ein charakteristisches Muster:

Parameter Ergebnis bei Morbus Basedow Bemerkung
TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) Erniedrigt (supprimiert) Durch die negative Rückkopplung der erhöhten Schilddrüsenhormone auf die Hypophyse
fT3 (freies Trijodthyronin) Erhöht Überproduktion der Schilddrüse
fT4 (freies Thyroxin) Erhöht Überproduktion der Schilddrüse
TRAK (TSH-Rezeptor-Autoantikörper) Positiv (> 95 % der Fälle) Pathognomonisch für Morbus Basedow — dieser Nachweis bestätigt die autoimmune Genese
TSI (thyroideastimulierende Immunglobuline) Positiv Spezifischer als TRAK für die Bestätigung der immunologischen Aktivität
TPO-Ak (Thyreoperoxidase-Antikörper) Oft positiv, aber weniger spezifisch Können auch bei Hashimoto-Thyreoiditis vorkommen (im Rahmen der Autoimmunthyreopathie)
Interpretation des Laborbefundes:
Bei einer Hyperthyreose (z. B. Morbus Basedow) gilt:
• TSH ist erniedrigt (supprimiert durch die erhöhten fT3/fT4-Werte)
• fT3 und fT4 sind erhöht
• TRAK (TSH-Rezeptor-Autoantikörper) sind positiv — das ist der beweisende Marker für die Autoimmunreaktion.

2.2 Sonographische Diagnostik

  • Die Schilddrüsensonographie zeigt typischerweise eine vergrößerte Schilddrüse mit einer homogenen, echoarmen Textur.
  • Ein erhöhter Farbdoppler-Fluss (Hypervaskularisation) ist ein typisches Zeichen der Autoimmunthyreopathie und spiegelt die aktive Stimulation wider.

2.3 Differenzialdiagnose — Hashimoto-Thyreoiditis vs. Morbus Basedow

Ein häufiger Prüfungsunterschied:

  • Bei Hashimoto-Thyreoiditis (als Ursache einer Hyperthyreose, z. B. Hashimoto-Basedow oder destruktive Phase): TPO-Ak und Tg-Ak sind typischerweise stark positiv; TRAK können ebenfalls positiv sein, aber das klinische Bild und der Verlauf unterscheiden sich.
  • Bei Morbus Basedow: TRAK sind der Leitantikörper; das klinische Bild wird durch den Exophthalmus und das prätibiale Myxödem dominiert.

3. Therapie des Morbus Basedow

3.1 Konservative Therapie mit Thyreostatika

Die medikamentöse Therapie stellt die First-Line-Behandlung dar und basiert auf dem Einsatz von Thyreostatika (schilddrüsenhormonsynthese-hemmende Medikamente):

Wichtigste Thyreostatika

  • Thiamazol (Methimazol) — das am häufigsten verwendete Thyreostatikum in Deutschland; hemmt die Thyroidperoxidase und damit die Hormonsynthese.
  • Carbimazol — ein Prodrug, das im Körper zu Thiamazol umgewandelt wird.
  • Propylthiouracil (PTU) — wird nicht mehr als Mittel der ersten Wahl eingesetzt. PTU wird nur noch in besonderen Situationen verwendet (z. B. erstes Trimester der Schwangerschaft oder thyreotoxische Krise), da es schwere Nebenwirkungen verursachen kann (siehe unten).
Standardtherapie: Thiamazol (10–30 mg/Tag, je nach Schwere) als Erhaltungstherapie über 12–18 Monate. Carbimazol wird äquivalent dosiert. Die Dosis wird nach 4–6 Wochen beginnend mit einer niedrigen Erhaltungsdosis weiter reduziert, sobald die Schilddrüsenparameter sich normalisieren.

3.2 Gefährliche Nebenwirkungen — Agranulozytose und Lebertoxizität

Agranulozytose (lebensbedrohliche Nebenwirkung):
Die Agranulozytose ist die gefährlichste Nebenwirkung der thyreostatischen Therapie. Sie tritt bei ca. 0,2–0,5 % der mit Thiamazol behandelten Patienten auf und ist durch einen nahezu vollständigen Verlust der Granulozyten gekennzeichnet. Klinisch zeigt sie sich typischerweise mit:
Fieber und Halsschmerzen (Angina agranulozytotica)
Ulzerationen der Mundschleimhaut und des Rachens
Sepsis als mögliche lebensbedrohliche Komplikation

Bei Auftreten einer Agranulozytose muss die thyreostatische Therapie SOFORT beendet und eine Notfalltherapie eingeleitet werden!
Prüfungsrelevante Frage: Ein Patient unter thyreostatischer Therapie (Thiamazol/Carbimazol) stellt sich mit hohem Fieber und Halsschmerzen vor — was ist zu tun?
Antwort: Sofortiges Absetzen des Thyreostatikums und Bestimmung des großen Blutbildes zum Ausschluss einer Agranulozytose. Bei Agranulozytose: Hospitalisierung, G-CSF-Gabe und symptomatische Therapie. Eine Radiojodtherapie oder Operation kommen als definitive Therapieoptionen infrage.

3.3 Beta-Blocker in der Therapie

Zusätzlich zur kausalen Therapie mit Thyreostatika werden Beta-Blocker zur symptomatischen Kontrolle der Hyperthyreose-Symptome eingesetzt:

  • Propranolol (nicht-selektiver Beta-Blocker):
    • Blockiert sowohl Beta-1- als auch Beta-2-Rezeptoren.
    • Nebenwirkungen: kann kalte Extremitäten (periphere Vasokonstriktion) und Bronchospasmen verursachen — daher bei Patienten mit peripherer Durchblutungsstörung oder Asthma bronchiale kontraindiziert.
    • Geeignet bei Patienten mit Tachykardie, Tremor und ausgeprägter Unruhe.
  • Metoprolol oder Atenolol (selektive Beta-1-Blocker):
    • Blockieren vorwiegend die Beta-1-Rezeptoren am Herzen.
    • Haben keinen signifikanten Effekt auf die Bronchien oder peripheren Gefäße — daher bei Asthma oder PAVK sicherer.
    • Geeignet bei Patienten mit kardialen Symptomen ohne bronchiale oder periphere Kontraindikationen.
Bei der Wahl des Beta-Blockers muss auf Begleiterkrankungen geachtet werden: Propranolol (nicht-selektiv) bei tachykarden Patienten ohne Asthma oder PAVK; Metoprolol/Atenolol (selektiv) bei Patienten mit Asthma oder peripherer Durchblutungsstörung. Propranolol blockiert auch die periphere Vasodilatation und kann daher bei PAVK die Durchblutung verschlechtern.

3.4 Radiojodtherapie (Radioiodtherapie)

  • Die Radiojodtherapie (Applikation von radioaktivem Iod-131) ist eine definitive Therapieoption bei Versagen der konservativen Therapie oder bei Rezidiv.
  • Das radioaktive Iod wird von der Schilddrüse aufgenommen und zerstört das Schilddrüsengewebe durch lokale Bestrahlung.
  • Sie ist besonders indiziert bei Patienten mit Rezidiv nach thyreostatischer Therapie.

3.5 Operative Therapie (Thyreoidektomie)

Eine chirurgische Entfernung der Schilddrüse (subtotale oder totale Thyreoidektomie) ist in folgenden Situationen indiziert:

Operationsindikationen bei Morbus Basedow:
Progredienter Exophthalmus: Wenn die Augensymptome unter konservativer Therapie nicht zurückgehen, sondern sich verschlechtern — die Operation der Schilddrüse kann die autoimmune Reaktion „entlasten" und eine Verschlechterung der Augenbeteiligung verhindern.
Versagen der thyreostatischen Therapie: Bei wiederholtem Rezidiv oder bei Unverträglichkeit der Medikamente.
Große Struma mit Kompressionssymptomen (Dysphagie, Stridor).
Patientenwunsch nach definitiver Therapie.

4. Hashimoto-Thyreoiditis — Ätiologie und Klinik

4.1 Definition

Die Hashimoto-Thyreoiditis (auch als Autoimmunthyreoiditis oder chronische Lymphozytäre Thyreoiditis bekannt) ist die häufigste Ursache einer Hypothyreose in iodine-supple-mentierten Regionen. Sie ist ebenfalls eine Autoimmunerkrankung:

Definition Hashimoto-Thyreoiditis: Es handelt sich um eine chronische Autoimmunthyreoiditis, die durch eine zelluläre und humorale Immunreaktion gegen Schilddrüsenantigene (insbesondere Thyreoglobulin und Thyreoperoxidase) gekennzeichnet ist. Klinisch führt sie zu einer Destruktion des Schilddrüsengewebes und in der Folge zu einer Hypothyreose.

Antikörper: TPO-Ak (Thyreoperoxidase-Antikörper) und Tg-Ak (Thyreoglobulin-Antikörper) sind typischerweise positiv. TRAK sind im Gegensatz zum Morbus Basedow negativ.

4.2 Klinik — Symptome der Hypothyreose (Myxödem)

Die Symptome der Hypothyreose bei Hashimoto-Thyreoiditis werden als Myxödem bezeichnet und umfassen:

  • Gewichtszunahme und Kälteintoleranz
  • Bradykardie (verlangsamte Herzfrequenz)
  • Obstipation (Verstopfung)
  • Myxödem — teigige, nicht eindrückbare Schwellung der Haut (bedingt durch Ablagerung von Muzin und Glykosaminoglykanen in der Dermis), besonders im Gesicht (periorbitale Schwellung) und an den Händen.
  • Haarverlust (trockenes, sprödes Haar)
  • Bradyphrenie (verlangsamtes Denken) und Fatigue
  • Hypothermie (erniedrigte Körpertemperatur)
  • Hypotonie
  • Hyporeflexie mit verzögertem Reflexabbau
  • Hyperlipidämie (erhöhtes LDL-Cholesterin, Triglyzeride)
  • Zyklusstörungen (Menorrhagien, Oligomenorrhö)
  • Peripheres Ödem — durch die vermehrte Wasserbindung im Gewebe
  • Hypotone Dysphonie (heisere, tiefe Stimme)

4.3 Ursachen der Hypothyreose

Neben der Hashimoto-Thyreoiditis gibt es weitere wichtige Ursachen einer Hypothyreose:

  • Postoperativ nach subtotaler oder totaler Thyreoidektomie (z. B. bei Morbus Basedow, Knotenstruma, Schilddrüsenkarzinom).
  • Nach Radiojodtherapie (z. B. bei Morbus Basedow).
  • Medikamenteninduziert:
    • Amiodaron — ein jodreiches Antiarrhythmikum, das sowohl eine Hypothyreose als auch eine Hyperthyreose auslösen kann. Wichtig: Amiodaron enthält hohe Joddosen und kann über die „Jod-betonte Hypothyreose" (Jodexzess) eine Schilddrüsenfunktionsstörung verursachen. Es hemmt die peripheren Konversion von T4 zu T3.
    • Lithium — verwendet in der Psychiatrie (bipolare Störung); hemmt die Schilddrüsenhormonfreisetzung.
    • Thyreostatika (Überdosierung).
  • Iodmangel — endemische Struma und Hypothyreose in Regionen mit Ioddefizienz.
  • Iodexzess (extremer Jodüberschuss) — paradoxerweise kann ein extremer Jodüberschuss ebenfalls eine Hypothyreose auslösen (Wolff-Chaikoff-Effekt), insbesondere bei Patienten mit vorbestehender Autoimmunthyreoiditis.
Wichtige Ursachen der Hypothyreose im Überblick:
Hashimoto-Thyreoiditis (häufigste Ursache in iodine-reichen Regionen)
Zustand nach Schilddrüsenoperation (subtotale/totale Thyreoidektomie)
Zustand nach Radiojodtherapie
Amiodaron (jodreiches Antiarrhythmikum — häufigeExamensfrage)
Lithium (Psychopharmakon)
Iodmangel / Iodexzess

5. Amiodaron und Schilddrüsenfunktion — Besonderheiten

5.1 Amiodaron-induzierte Schilddrüsenfunktionsstörungen

Amiodaron enthält 37 % organischen Iod und hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Schilddrüsenfunktion. Zwei klinisch wichtige Syndrome sind bekannt:

  • Amiodaron-induzierte Hypothyreose (AIH):
    • Mechanismus: Der hohe Iodanteil führt zur Hemmung der Schilddrüsenhormonsynthese (Wolff-Chaikoff-Effekt), zusätzlich hemmt Amiodaron die periphere Konversion von T4 zu T3.
    • Laborchemisch: TSH erhöht, fT4 erniedrigt oder normal, fT3 erniedrigt.
    • Therapie: L-Thyroxin-Substitution; Amiodaron kann meist weiter gegeben werden.
  • Amiodaron-induzierte Hyperthyreose (AIT):
    • Mechanismus: Iod-induzierte Hyperthyreose (Jod-Basedow-Phänomen) bei Patienten mit vorbestehender Autonomie oder Autoimmunerkrankung.
    • Laborchemisch: TSH erniedrigt, fT3 und fT4 erhöht.
    • Therapie: Thyreostatika (v. a. PTU und Perchlorat), ggf. Glukokortikoide; Amiodaron muss abgesetzt werden (wenn immer möglich).
Bei jedem Patienten unter Amiodaron-Therapie muss die Schilddrüsenfunktion regelmäßig kontrolliert werden (TSH, fT3, fT4 alle 6 Monate). Amiodaron ist einer der häufigsten auslösenden Faktoren für Schilddrüsenfunktionsstörungen und wird daher in der Prüfung gerne im Zusammenhang mit dem Thema „medikamenteninduzierte Hypothyreose" oder „medikamenteninduzierte Hyperthyreose" gefragt.

6. Laborinterpretationen — TSH, fT3, fT4 bei verschiedenen Schilddrüsenerkrankungen

6.1 Differentialdiagnostik der Schilddrüsenfunktionstörungen

Erkrankung TSH fT3 fT4 Zusätzliche Marker
Primäre Hyperthyreose
(z. B. Morbus Basedow)
Erniedrigt (supprimiert) Erhöht Erhöht TRAK positiv, TSI positiv
Primäre Hypothyreose
(z. B. Hashimoto)
Erhöht Erniedrigt oder normal Erniedrigt oder normal TPO-Ak positiv, Tg-Ak positiv
Sekundäre (hypophysäre) Hypothyreose Erniedrigt oder normal Erniedrigt Erniedrigt Weitere hypophysäre Ausfälle (z. B. ACTH-Mangel)
Tertiäre (hypothalamische) Hypothyreose Erniedrigt Erniedrigt Erniedrigt TRH erniedrigt,其他的hypophysäre Hormone ggf. erniedrigt
Latente Hyperthyreose Erniedrigt (supprimiert) Normal Normal Im TSH suppressionstest weitere Abklärung nötig
Latente Hypothyreose Erhöht Normal Normal TPO-Ak oft positiv; Therapie bei TSH > 10 mU/L oder bei Symptomen
Euthyroidämie Normal Normal Normal
TSH-Referenzbereich: ca. 0,4–4,0 mU/L (laborabhängig).

Primäre Schilddrüsenfunktionsstörung: Erkrankung liegt in der Schilddrüse selbst — der TSH reagiert als erster Parameter auf Veränderungen der Hormonproduktion.

Sekundäre Schilddrüsenfunktionsstörung: Erkrankung liegt in der Hypophyse (z. B. Hypophyseninsuffizienz) — TSH ist erniedrigt bei gleichzeitig erniedrigten fT3/fT4.

Tertiäre Schilddrüsenfunktionsstörung: Erkrankung liegt im Hypothalamus — TRH-Mangel führt zu erniedrigtem TSH und erniedrigten Schilddrüsenhormonen.

6.2 Hormonelle Regelung — Wer produziert was?

Die Schilddrüsenhormone werden durch die Achse Hypothalamus → Hypophyse → Schilddrüse reguliert:

  • Hypothalamus produziert TRH (Thyreoliberin) — dieses stimuliert die Hypophyse.
  • Hypophysenvorderlappen produziert TSH (Thyroidea-stimulierendes Hormon, Thyreotropin) — dieses stimuliert die Schilddrüse.
  • Schilddrüse produziert T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin, Tetrajodthyronin) — T4 ist das Prohormon, das peripher zu T3 umgewandelt wird.
Merksatz für die Prüfung:
„TRH kommt vom Hypothalamus" (thyreotropes Releasing-Hormon).
„TSH kommt von der Hypophyse" (Vorderlappen — Adenohypophyse).
„T3 und T4 kommen von der Schilddrüse".

Bei einer primären Hypothyreose ist die Schilddrüse selbst defekt → TSH ist hoch als Kompensationsversuch.
Bei einer sekundären Hypothyreose ist die Hypophyse defekt → TSH ist niedrig.

7. Therapie der Hypothyreose — L-Thyroxin-Substitution

7.1 Grundlagen der Substitutionstherapie

Die Hypothyreose erfordert in den meisten Fällen eine lebenslange Substitutionstherapie mit L-Thyroxin (Levothyroxin):

  • Wirkstoff: Levothyroxin (L-T4), das synthetische Pendant zum körpereigenen Thyroxin.
  • Dosis: Die Anfangsdosis beträgt in der Regel 25–50 µg/Tag, die schrittweise auf eine Erhaltungsdosis von 1,5–2,0 µg/kg Körpergewicht/Tag gesteigert wird.
  • Einnahme: L-Thyroxin wird morgens nüchtern (30–60 Minuten vor dem Frühstück) eingenommen, da die Resorption im Darm durch Nahrungsbestandteile (v. a. Kalzium, Eisen, Ballaststoffe) gehemmt wird.
  • Zielparameter: TSH im Normalbereich (therapeutisches Drug Monitoring nach 6–8 Wochen nach Dosisanpassung).
Therapieschema: Start mit 25–50 µg/Tag, Steigerung um 12,5–25 µg alle 4–6 Wochen, bis der TSH-Wert im Zielbereich liegt. Bei älteren Patienten oder Patienten mit kardialen Vorerkrankungen langsamer auftitrieren (Startdosis 12,5–25 µg).

7.2 Besonderheiten bei Substitutionstherapie

  • Vor operativen Eingriffen: Bei elektiven Operationen muss die L-Thyroxin-Dosis am Operationstag weggelassen werden (Nüchternheit), da eine unveränderte Einnahme das Narkoserisiko erhöhen kann.
  • Bei Schwangerschaft: Der L-Thyroxin-Bedarf steigt in der Schwangerschaft um ca. 25–50 % — eine Dosisanpassung ist erforderlich.
  • Medikamenteninteraktionen: Eisenpräparate, Kalzium, Protonenpumpeninhibitoren und cholestyraminbinden L-Thyroxin im Darm und reduzieren dessen Resorption — Einnahme daher im Abstand von mindestens 4 Stunden.

8. Komplikationen der Hypothyreose

8.1 Myxödemkoma

Das Myxödemkoma (hypothyreotes Koma) ist die lebensbedrohlichste Komplikation einer schweren, unbehandelten Hypothyreose:

Myxödemkoma —Notfall:
Auslöser sind häufig Infektionen, Kälteexposition, Trauma, Operationen oder der plötzliche Abbruch der L-Thyroxin-Therapie.

Klinik:
Bradykardie und Hypotonie
Hypothermie (Körpertemperatur oft < 35 °C)
Hypoventilation mit Hyperkapnie und Hypoxie
Stupor bis Koma
Perikarderguss, Pleuraerguss, Aszites
Hyponatriämie (durch verminderte freie Wassit-Clearance)

Therapie: Sofortige Intensivstation, parenterale L-Thyroxin-Gabe (hohe Dosen), Kortikosteroide (Nebennierenrindeninsuffizienz zusätzlich!), Schilddrüsenhormone iv, Wärmezufuhr, Beatmung bei Bedarf.

8.2 Weitere Komplikationen

  • Hyperlipidämie (erhöhtes kardiovaskuläres Risiko)
  • Periphere Ödeme (Myxödem)
  • Obstipation bis zum Ileus
  • Herzinsuffizienz (dilatative Kardiomyopathie bei unbehandelter Hypothyreose)
  • Psychiatrische Symptome (Depression, Demenz)
  • Infertilität und Zyklusstörungen

9. Niedervoltage im EKG — Differentialdiagnose

In der klinischen Praxis kann bei Patienten mit hypothyreoter Stoffwechsellage eine Niedervoltage im EKG auftreten:

  • Ursache: Durch die generalisierte Stoffwechselverlangsamung, Elektrolytverschiebungen und perikardiale/subkutane Ödeme (Myxödem) wird die elektrische Leitfähigkeit des Körpers verändert, was zu einer verminderten EKG-Amplitude führt.
  • Zugehörigkeit: Die Niedervoltage ist ein typisches EKG-Zeichen bei schwerer Hypothyreose und tritt besonders bei Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis auf.
  • Differentialdiagnose: Niedervoltage kann auch bei Adipositas, Perikarderguss (jeder Genese), Hypothyreose, Hypothermie und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) auftreten.
Prüfungsfrage (modern): „Welche Erkrankungen verursachen eine Niedervoltage im EKG?"
Antwort: Hypothyreose (Myxödem), Perikarderguss, Adipositas permagna, Hypothermie, COPD/Emphysem. Bei einem hypothyreoten Patienten (z. B. Hashimoto) ist die Niedervoltage ein typischer Befund und sollte als solcher erkannt werden.

10. Wichtige Prüfungsthemen im Überblick

Zusammenfassung der prüfungsrelevanten Themen — Schilddrüsenfunktionstörungen:

1. Morbus Basedow:
• Definition: Autoimmunreaktion mit TRAK (TSH-Rezeptor-Autoantikörper)
• Merseburger Trias: Exophthalmus + Tachykardie + Struma
• Labor: TSH erniedrigt, fT3/fT4 erhöht, TRAK positiv
• Therapie: Thiamazol/Carbimazol (kein PTU als First-Line!), Beta-Blocker (Propranolol/Metoprolol)
Lebensbedrohliche Nebenwirkung: Agranulozytose → sofortiges Absetzen
• Operationsindikation: progredienter Exophthalmus

2. Hypothyreose/Hashimoto:
• Klinik: Myxödem, Bradykardie, Obstipation, Gewichtszunahme
• Labor: TSH erhöht, fT3/fT4 erniedrigt
• Therapie: L-Thyroxin lebenslang
• Medikamentöse Ursachen: Amiodaron (häufig!), Lithium
• Komplikation: Myxödemkoma (Notfall!)

3. Labordiagnostik:
• TSH = wichtigster Screeningparameter
• Primäre Hypothyreose: TSH erhöht
• Primäre Hyperthyreose: TSH erniedrigt
• Sekundäre Hypothyreose: TSH niedrig + fT3/fT4 niedrig
• Latente Hypothyreose: TSH erhöht, fT3/fT4 normal
• TRAK = Morbus Basedow
• TPO-Ak = Hashimoto-Thyreoiditis

11. Häufige Examensfragen — Direkte Antworten

Frage 1: Was ist die Merseburger Trias beim Morbus Basedow?
Antwort: Exophthalmus (Augapfelprotrusion), Tachykardie (Herzrasen), Struma (Schilddrüsenvergrößerung).

Frage 2: Was sind TRAK und warum sind sie bei Morbus Basedow positiv?
Antwort: TSH-Rezeptor-Autoantikörper. Sie binden an den TSH-Rezeptor und stimulieren die Schilddrüse unkontrolliert — das ist die pathophysiologische Grundlage des Morbus Basedow als Autoimmunerkrankung.

Frage 3: Was muss bei Fieber und Halsschmerzen unter Thiamazol-Therapie vermutet werden?
Antwort: Agranulozytose. Sofortiges Absetzen und großes Blutbild zur Bestätigung.

Frage 4: Wann wird beim Morbus Basedow operiert?
Antwort: Bei progredientem Exophthalmus unter konservativer Therapie oder bei Versagen der thyreostatischen Therapie mit Rezidiv.

Frage 5: Was ist die häufigste Ursache einer Hypothyreose?
Antwort: Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmunthyreoiditis).

Frage 6: Warum ist Amiodaron gefährlich für die Schilddrüse?
Antwort: Amiodaron enthält 37 % organischen Iod und kann sowohl eine Hypothyreose (Jodüberschuss, Hemmung der peripheren T4→T3-Konversion) als auch eine Hyperthyreose (Jod-Basedow) auslösen.

Frage 7: Was ist das Myxödemkoma und wie zeigt es sich?
Antwort: Lebensbedrohliche Komplikation der schweren Hypothyreose mit Hypothermie, Bradykardie, Koma, Hypoventilation und Hyponatriämie.

Frage 8: Wie wird eine Hypothyreose therapiert und wie dosiert?
Antwort: Lebenslange L-Thyroxin-Substitution in einer Dosis von 1,5–2,0 µg/kg/Tag, morgens nüchtern.