Ösophaguskarzinom, GERD & Achalasie
Klinische Vorlesungszusammenfassung — Facharztprüfungsvorbereitung
Inhaltsverzeichnis
1. Kardinalregel für die Prüfung: T1 vs. T2 beim Ösophaguskarzinom
⚠ Wichtig für die Prüfung!
Die Unterscheidung zwischen T1 und T2 beim Ösophaguskarzinom ist ein klassisches Prüfungsthema:
- T1: Lymphatische Infiltration (Lymphgefäßinvasion) beim Magenkarzinom ist beim T1-Stadium sehr gering — die Prognose ist günstiger. T1 bedeutet: Tumor infiltriert Submukosa oder Muscularis propria (je nach Definition).
- T2: Hier liegt bereits eine Tumorinfiltration in tiefere Wandschichten vor mit signifikanter lymphatischer Dissemination.
Diese Unterscheidung ist entscheidend für die Wahl der chirurgischen Therapie und die Prognoseabschätzung.
2. Das Ösophaguskarzinom (Speiseröhrenkrebs)
Definition
Das Ösophaguskarzinom ist eine bösartige Neubildung der Speiseröhre. Man unterscheidet histologisch:
- Adenokarzinom — geht von Drüsenzellen aus, häufig im distalen Ösophagus (Barrett-assoziiert)
- Plattenepithelkarzinom — geht vom Plattenepithel aus, häufig im mittleren und oberen Ösophagusdrittel
Epidemiologie
Prüfungshinweis
Das Ösophaguskarzinom gehört zu den seltener geprüften Themen. Häufiger werden folgende Karzinome gefragt: Bronchialkarzinom, kolorektales Karzinom und Pankreaskarzinom. Dennoch sollten die Grundlagen bekannt sein!
Risikofaktoren (Risikofaktoren)
| Risikofaktor | Zusammenhang |
|---|---|
| Chronischer Alkoholkonsum | Risikofaktor v. a. für Plattenepithelkarzinom |
| Rauchen | Erhöhtes Risiko für beide Typen |
| Barrett-Ösophagus | Präkanzeröse Läsion → Adenokarzinom-Risiko ↑↑ |
| GERD (chronisch) | Barrett-Ösophagus → Adenokarzinom |
| Heiße Getränke / Speisen | Chronische thermische Irritation |
| Achalasie | Stase → chronische Entzündung → Risiko erhöht |
| Plummer-Vinson-Syndrom | Syndrom mit Eisenmangel, Dysphagie → Risiko ↑ |
| HPV-Infektion | Assoziation mit Plattenepithelkarzinom (v. a. in Hochrisikogebieten) |
| Ernährung | Ballaststoffarme, nitritreiche Ernährung |
Metastasierung
Die Metastasierung des Ösophaguskarzinoms erfolgt auf zwei Wegen:
- Lymphogen (lymphogene Metastasierung): Über die reichlichen Lymphknotenstationen entlang der Speiseröhre — frühzeitige lymphogene Aussaat, besonders bei T2+ Tumoren
- Hämatogen (hämatogene Metastasierung): Über die Blutbahn — v. a. Leber, Lunge, Knochen
Symptome (Klassische Leitsymptome)
| Symptom | Beschreibung |
|---|---|
| Dysphagie (Schluckstörung) | Leitsymptom — zunächst für feste, dann auch für flüssige Speisen; progressive Verschlechterung |
| Gewichtsverlust | Oft massiv und ungewollt (Tumor-Kachexie) |
| Dysphagie + Gewichtsverlust | „Alarmkombination" bei Patienten > 45 Jahre → sofortige endoskopische Abklärung! |
| Regurgitation | Rückfluss unverdauter Nahrung |
| Odynophagie | Schmerzen beim Schlucken (bei ulzerierten Tumoren) |
| Hämatemesis | Erbrechen von Blut (Blutung aus dem Tumor) |
| Melaena | Teerstuhl (obere GI-Blutung) |
| Heiserkeit | Bei Rekurrensparese (N. laryngeus recurrens links) |
| Stridor | Bei fortgeschrittenen Tumoren mit Trachealkompression |
| Fieber / Nachtschweiß | Paraneoplastisch oder bei Tumornekrose |
Diagnostik
- Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD / Gastroskopie): Goldstandard — bioptische Sicherung, Lokalisation, Staging
- Endosonographie (EUS): Beurteilung der Tiefeninfiltration und Lymphknoten
- CT-Thorax und CT-Abdomen: Metastasenscreening
- PET-CT: Bei Verdacht auf Fernmetastasen
- Röntgen-Breischluck: Formerfassung (Stenose, Irregularität)
TNM-Stadieneinteilung (Auszug)
| Stadium | Definition |
|---|---|
| T1 | Tumor infiltriert Lamina propria, Muscularis mucosae oder Submukosa |
| T2 | Tumor infiltriert Muscularis propria |
| T3 | Tumor infiltriert Adventitia |
| T4 | Tumor infiltriert Nachbarstrukturen (Pleura, Perikard, V. azygos, etc.) |
| N1–N3 | Regionäre Lymphknotenmetastasen |
| M1 | Fernmetastasen (Leber, Lunge, Knochen etc.) |
Therapie
- Frühstadium (T1): Chirurgische Resektion (Ösophagusresektion), ggf. endoskopische Mukosaresektion (EMR)
- Lokal fortgeschritten: Neoadjuvante Chemotherapie + Chirurgie (Trimodale Therapie)
- Palliativ: Radiochemotherapie, Stenteinlage bei Dysphagie, palliative Chemotherapie
⚠ Klinischer Hinweis
Jeder Patient > 45 Jahre mit Dysphagie + Gewichtsverlust muss als Notfall endoskopiert werden — Verdacht auf Ösophagus- oder Magenkarzinom!
3. Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)
Definition
Die Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) ist eine Erkrankung, bei der Magensäure und/oder Gallensäure regelmäßig in die Speiseröhre zurückfließen und dort typische Symptome und/oder Komplikationen verursachen.
Epidemiologie
Die GERD ist eine der häufigsten Erkrankungen im gastroenterologischen Bereich. In Europa sind ca. 15–20 % der Bevölkerung betroffen. Sie gehört zu den „Allerweltserkrankungen", die jeder Medizinstudent kennen muss.
Pathophysiologie
Mehrere Faktoren führen zum gastroösophagealen Reflux:
- Inkompetenz des unteren Ösophagussphinkters (UÖS): Der wichtigste Mechanismus
- Transiente untere Ösophagussphinkterrelaxationen (tLESR): Häufigste Ursache bei Patienten ohne Hernie
- Hiatushernie: Begünstigt den Reflux durch Verlust der Zwerchfellfixierung
- Erhöhter intraabdomineller Druck: Adipositas, Schwangerschaft, Aszites
- Gestörte Magenentleerung: Gastroparese, Pylorusstenose
- Verminderte Speichelproduktion: Reduzierte Säureclearance
Symptome der GERD
Typische Symptome (öso phageal)
- Sodbrennen (Pyrosis): Brennen hinter dem Brustbein, aufsteigend von Magenregion nach Hals — das Leitsymptom
- Saurer Geschmack / saures Aufstoßen (Regurgitation): Rückfluss von Mageninhalt in den Mund/Rachen
- Schluckbeschwerden (Dysphagie): Bei entzündlicher oder struktureller Komplikation
Atypische / Extraösophageale Symptome
Extraösophageale Manifestationen der GERD
Die GERD kann sich weit über die Speiseröhre hinaus manifestieren — diese Symptome werden oft nicht sofort mit GERD in Verbindung gebracht:
- Husten (v. a. nächtlich): Durch Mikroaspiration oder vagalen Reflex
- Heiserkeit (Laryngitis): Chronische Reizung des Kehlkopfs durch sauren Refluat
- Globusgefühl: „Kloss im Hals"-Gefühl
- Asthma bronchiale: Reflux-getriggertes Asthma (besonders nächtlich)
- Chronische Bronchitis / Bronchiektasen: Durch Mikroaspiration
- Zahn erosionen: Durch sauren Rückfluss in die Mundhöhle
- Schmerzen im Oberbauch / epigastrische Schmerzen
Diagnostik
- Probatorische Therapie (Empirische Therapie): 4–8 Wochen PPI-Therapie bei typischer Symptomatik — wenn Beschwerden sistieren, gilt die Diagnose als gesichert
- ÖGD (Gastroskopie): Bei Alarmsymptomen, Therapieversagen, Langzeittherapie — zum Ausschluss von Komplikationen (Barrett, Striktur, Ulkus, Karzinom)
- pH-Metrie (24-Stunden-pH-Monitoring): Goldstandard zur Objektivierung des sauren Refluxes
- Impedanz-pH-Metrie: Detektion auch von nicht-sauren Refluxepisoden
- Röntgen (Breischluck): Zum Nachweis einer Hiatushernie
Komplikationen der GERD
Komplikationen der GERD — Übersicht
| Komplikation | Beschreibung | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|
| Barrett-Ösophagus | Metaplasie des Plattenepithels → Zylinderepithel (intestinale Metaplasie) | Präkanzeröse Läsion — erhöhtes Adenokarzinom-Risiko um das 30–125-Fache |
| Ösophagitis | Entzündung der Ösophagusschleimhaut durch Säure | Schmerzen, Dysphagie, Blutungsrisiko |
| Ösophagusstriktur / -stenose | Fibrotische Engstellung der Speiseröhre | Dysphagie für feste Speisen |
| Ösophagusulzera | Schleimhautulzerationen | Schmerzen, Blutungen, Hämatemesis |
| Barrett-Adenokarzinom | Adenokarzinom aus Barrett-Schleimhaut | Späte Komplikation bei jahrelanger Refluxbelastung |
| Obere GI-Blutung | Varizen? Nein — eher durch Ulzera oder Erosionen | Hämatemesis, Melaena, Anämie |
Therapie der GERD
Konservative / Lebensstiländerungen (Basistherapie)
Allgemeine Therapiemaßnahmen (evidenzbasiert)
- Gewichtsreduktion bei Adipositas
- Nicht flach hinlegen nach dem Essen — mindestens 2–3 Stunden Wartezeit vor dem Schlafengehen
- Kopfende des Bettes erhöhen (ca. 20–30 cm hoch lagern)
- Abendliche Mahlzeiten vermeiden — spätestens 3 Stunden vor dem Schlafengehen essen
- Kleine, häufige Mahlzeiten statt großer Mahlzeiten
- Vermeidung von Reflux-fördernden Substanzen: Kaffee, Alkohol, Schokolade, fettreiche Speisen, kohlensäurehaltige Getränke, Zitrusfrüchte, Tomaten
- Medikamente absetzen, die den UÖS relaxieren: Kalziumantagonisten, Nitrate, Anticholinergika, Theophyllin, Eisenpräparate
- Rauchen einstellen — Nikotin reduziert den UÖS-Tonus
- Enge Kleidung vermeiden (Gürtel, enge Hosen)
Medikamentöse Therapie
| Medikamentenklasse | Wirkstoffe (Beispiele) | Wirkmechanismus |
|---|---|---|
| Protonenpumpenhemmer (PPI) | Omeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol, Lansoprazol | Irreversible Hemmung der H⁺/K⁺-ATPase — stärkste Säureblockade |
| H2-Rezeptorantagonisten | Ranitidin*, Famotidin, Nizatidin | Blockade der H2-Rezeptoren an Belegzellen |
| Antazida | Magnesiumhydroxid, Aluminiumhydroxid | Neutralisation der Magensäure (sofortige, kurzzeitige Linderung) |
| Alginate | Natriumalginat (z. B. Gaviscon) | Bilden physikalische Barriere auf Mageninhalt |
* Ranitidin wurde wegen NDMA-Verunreinigungen vom Markt genommen
Stufenweise Therapie der GERD
| Stufe | Indikation | Therapie |
|---|---|---|
| Step 1 | Episodische / gelegentliche Symptome (<2×/Woche) | Antazida oder Alginate bei Bedarf + Lebensstiländerung |
| Step 2 | Mehr als 2×/Woche typische Symptome | PPI einmal täglich (morgens nüchtern) + Lebensstiländerung |
| Step 3 | Unzureichende Kontrolle unter Standard-PPI | PPI 2× täglich (vor Frühstück und Abendessen) — „PPI twice daily" |
| Step 4 | Refraktäre GERD / Barrett-Ösophagus | Langzeit-PPI (Erhaltungstherapie), ggf. chirurgische Therapie (Fundoplicatio) |
Der Barrett-Ösophagus — Detailbesprechung
Barrett-Ösophagus: Die wichtigste Komplikation der GERD
Der Barrett-Ösophagus entsteht als Reaktion auf den chronischen Säure- und Gallensäurereflux: Das Plattenepithel des distalen Ösophagus wird durch intestinale Metaplasie (Zylinderepithel mit Becherzellen) ersetzt. Dies gilt als Präkanzerose für das Ösophagusadenokarzinom.
- Diagnose: ÖGD mit Biopsien (mindestens 4-Quadranten-Biopsien nach Seattle-Schema)
- Histologie: Nachweis von intestinaler Metaplasie (Zylinderepithel mit Becherzellen)
- Überwachung: Surveillance-Endoskopien alle 3–5 Jahre bei nicht-dysplastischem Barrett; häufiger bei Low-Grade-Dysplasie (alle 6–12 Monate)
- Risiko: Das Risiko der Progression von Barrett zum Adenokarzinom beträgt ca. 0,5 % pro Jahr
- Therapie bei Dysplasie: Endoskopische Mukosaresektion (EMR) oder Radiofrequenzablation (RFA)
Tipps für den Patienten (Therapie-Gespräch)
▶ Wichtige Patientenberatung — GERD
- Nicht sofort nach dem Essen hinlegen — mindestens 2–3 Stunden warten
- Das Kopfende des Bettes hochstellen (ca. 45°-Winkel — Kissen allein reichen nicht!)
- Späte Abendmahlzeiten vermeiden
- Medikamente meiden, die die Speiseröhre reizen können (z. B. bestimmte Schmerzmittel wie NSAR)
- Bei anhaltenden Symptomen trotz Therapie: Arzt aufsuchen zur Endoskopie
- Medikamente wie Theophyllin und Nitrate können den Sphinkter relaxieren und Sodbrennen verschlimmern — Arzt informieren!
4. Achalasie
Definition
Die Achalasie (griechisch: „ohne Erschlaffung") ist eine primäre Motilitätsstörung der Speiseröhre, charakterisiert durch:
- Fehlende / unvollständige Erschlaffung des unteren Ösophagussphinkters (UÖS) beim Schluckakt
- Ineffektive Peristaltik im tubulären Ösophagus (aperistaltisch oder simultane Kontraktionen)
- Die ganglionären Zellen (inhibitorische Neurone mit NO und VIP) im Plexus myentericus sind degeneriert
Epidemiologie
- Inzidenz: ca. 0,5–1/100.000 pro Jahr
- Bimodale Altersverteilung: jüngere Erwachsene (25–40 Jahre) und ältere Patienten (>60 Jahre)
- Leichte männliche Prävalenz (Männer : Frauen ≈ 1,5 : 1)
Pathophysiologie
Die Achalasie beruht auf einer Degeneration der inhibitorischen Ganglienzellen im Plexus myentericus (Auerbach-Plexus) der Speiseröhre. Dadurch fehlen:
- Stickstoffmonoxid (NO) als wichtigster inhibitorischer Neurotransmitter
- Vasoaktives intestinales Polypeptid (VIP)
→ Resultat: Fehlende Erschlaffung des UÖS + fehlende geordnete Peristaltik → Stase des Speisebreis → progressive Dilatation des Ösophagus.
Klassifikation (Chicago-Klassifikation, Version 3.0)
Achalasie-Subtypen nach Chicago-Klassifikation v3.0
| Typ | Charakteristikum | Therapie |
|---|---|---|
| Typ 1 (Klassische Achalasie) | Völlig aperistaltisch (keine Peristaltik); UÖS fehlerschlaffend | Pneumatische Dilatation / POEM / Myotomie |
| Typ 2 (Achalasie mit kompressiven Kontraktionen) | Fehlende Erschlaffung + zeitgleiche kompressive Kontraktionen (≥20 mmHg) in ≥20 % der Schluckakte | Hohe Ansprechraten auf alle Therapien |
| Typ 3 (Spastische Achalasie) | Fehlende Erschlaffung + vorzeitige/spastische Kontraktionen (ohne kompressive Komponente) in ≥20 % der Schluckakte | Schwieriger zu behandeln; POEM bevorzugt |
Symptome (Leitsymptome)
- Dysphagie (Schluckstörung): Für solide UND flüssige Speisen — im Unterschied zu vielen mechanischen Stenosen (dort zunächst nur für feste Speisen) — daher ein wichtiger differentialdiagnostischer Hinweis!
- Regurgitation: Rückfluss von unverdautem Speisebrei, oft mehrere Stunden nach dem Essen (im Liegen verstärkt)
- Gewichtsverlust: Progredient bei unzureichender Nahrungsaufnahme
- Brustschmerzen (thorakale Schmerzen): Retrosternale Schmerzen, auch bei leerer Speiseröhre (spastische Kontraktionen)
- Husten und Aspiration: Besonders nachts im Liegen
- Heiserkeit: Selten, bei chronischer Reizung
- Foetor ex ore (Mundgeruch) bei Speiseretention
Diagnostik
Röntgen-Thorax / Breischluck — Das „Sektglas-Phänomen"
Das Sektglas-Phänomen (Klassisches Röntgen-Zeichen bei Achalasie)
Im Röntgen-Breischluck zeigt sich das charakteristische Bild der Achalasie:
- Dilatierter, dilatierters Ösophagus — aufgetriebene Speiseröhre, die an ein Sektglas erinnert
- Schmale, spitz zulaufende Kontrastmittelpassage am gastroösophagealen Übergang (glatter,„schnabelartiger" Übergang)
- Flüssigkeits- und Speiseretention im dilatierten Ösophagus
- Fehlende Gasblase im Magenfundus (bei fortgeschrittener Erkrankung)
Dieses Phänomen ist ein Klassiker in der Prüfung und wird häufig im Röntgen-Bild gefragt!
Weitere diagnostische Verfahren
- Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD): Ausschluss einer mechanischen Obstruktion (Tumor), Beurteilung der Schleimhaut, Retentionsbefund
- High-Resolution-Manometrie (HRM): Goldstandard der Diagnostik — misst Druckverhältnisse im Ösophagus und am UÖS; zeigt fehlende Erschlaffung und aperistaltische Muster
- Röntgen-Breischluck: Typische Veränderungen wie beschrieben (Sektglas-Phänomen)
- CT-Thorax: Bei V. a. sekundäre Achalasie (z. B. durch Tumor) — „Chagas-Krankheit" (T. cruzi), Pseuoachalasie
Differentialdiagnose zur GERD und zum Ösophaguskarzinom
⚠ Klinische Differentialdiagnose — GERD vs. Achalasie vs. Ösophaguskarzinom
Bei Dysphagie denke man immer differenzialdiagnostisch an:
| Kriterium | GERD | Achalasie | Ösophaguskarzinom |
|---|---|---|---|
| Leitsymptom | Sodbrennen, saures Aufstoßen | Dysphagie (fest + flüssig), Regurgitation | Dysphagie (progredient), Gewichtsverlust |
| Dysphagie-Charakter | Eher für saure/große Mahlzeiten | Für fest UND flüssig,渐进end | Zunächst fest, dann auch flüssig (mechanisch) |
| Schmerz | Brennen hinter dem Brustbein | Retrosternale Krämpfe (spastisch) | Odynophagie, Schmerz |
| Gewichtsverlust | Selten, mild | Ja, oft erheblich | Ja, oft massiv |
| Röntgen | Hiatushernie, Reflux | Sektglas-Phänomen, dilatiert | Irréguläre Stenose, Exophyt |
| Endoskopie | Ösophagitis, Barrett | Retentionsschleimhaut, Dilatation | Tumor / ulzerierte Läsion |
| Manometrie | Normal / erhöhter UÖS-Tonus | Fehlende UÖS-Erschlaffung, Aperistaltik | Obstruktives Muster |
Therapie der Achalasie
| Methode | Beschreibung | Geeignet für |
|---|---|---|
| Pneumatische Dilatation | Ballon Dilatation des UÖS unter radiologischer Kontrolle | Typ 1 und 2; gute Erfolgsrate |
| POEM (Perorale endoskopische Myotomie) | Endoskopische Myotomie der Ringmuskulatur — minimal-invasiv | Alle Typen; besonders Typ 3 und rezidivierende Fälle |
| Laparoskopische Myotomie (Heller-Myotomie) | Chirurgische Durchtrennung der UÖS-Muskulatur + Antireflux-OP (Fundoplicatio) | Junge Patienten, Versagen der Dilatation |
| Medikamentös | Nitrate (Isosorbid-Dinitrat) oder Kalziumantagonisten (Nifedipin) — UÖS-Relaxation | Überbrückung oder bei Kontraindikation zu Interventionen (ältere/gebrechliche Patienten) |
| Botulinumtoxin-Injektion | Endoskopische Injektion von Botulinumtoxin in den UÖS — hemmt die Acetylcholin-Freisetzung | Ältere Patienten, die weder Dilatation noch OP vertragen; Wirkung hält nur 6–12 Monate |
Wichtig: Sekundäre Achalasie / Pseudoachalasie
Bei einer Pseudoachalasie (sekundäre Achalasie) täuscht ein maligner Tumor des gastroösophagealen Übergangs das Bild einer Achalasie vor. Klinische Hinweise:
- Alter > 55–60 Jahre (bei Erstmanifestation)
- Rapid progrediente Dysphagie
- Signifikante Gewichtsabnahme
- Fehlendes Ansprechen auf Standardtherapie
Immer Endoskopie + CT zum Ausschluss!
5. Prüfungsrelevanz & Tipps für die Kenntnisprüfung
▶ Wichtig für die Prüfung — Ösophaguskarzinom
- Das Ösophaguskarzinom ist ein seltener geprüftes Thema — häufiger werden Bronchialkarzinom, kolorektales Karzinom und Pankreaskarzinom gefragt
- Dennoch: Grundlagen kennen! Definition, Risikofaktoren, Symptome (Dysphagie + Gewichtsverlust = Alarmkombination), Metastasierungswege
- Die Unterscheidung T1 vs. T2 (lymphatische Infiltration) ist ein klassisches Prüfungsthema
- Barrett-Ösophagus als Präkanzerose — immer wissen!
- Zwei Metastasierungswege: lymphogen und hämatogen
▶ Wichtig für die Prüfung — GERD
- GERD ist ein Allerwelts-Thema — jeder Prüfer fragt es gerne
- Leitsymptom Sodbrennen (Pyrosis) — was ist das? Warum entsteht es?
- Extraösophageale Manifestationen — Husten, Heiserkeit, Asthma, Bronchiektasen
- Barrett-Ösophagus — Definition (Metaplasie), Risiko (Adenokarzinom), Surveillance
- Therapie-Stufenschema — PPI als erste Wahl, Lebensstiländerungen
- Patienten-Ratschläge: Nicht flach hinlegen nach Essen, Kopfende hochlagern, Abendessen meiden
- Medikamente, die den UÖS relaxieren und Sodbrennen verschlimmern: Theophyllin, Nitrate, Kalziumantagonisten, Eisenpräparate
▶ Wichtig für die Prüfung — Achalasie
- „Sektglas-Phänomen" — im Röntgen-Breischluck! Dies ist ein klassischer Prüfungsfall — man bekommt ein Röntgenbild gezeigt
- Definition: Fehlende Erschlaffung des unteren Ösophagussphinkters (inhibitorische Ganglienzellen degeneriert)
- Chicago-Klassifikation: 3 Typen — besonders die Unterscheidung zwischen klassischer (Typ 1) und spastischer (Typ 3) Achalasie
- Dysphagie für solide UND flüssige Speisen — im Unterschied zu mechanischen Stenosen (dort nur solide initial)
- Therapieoptionen: Pneumatische Dilatation, POEM, Heller-Myotomie, Botulinumtoxin
- Pseudoachalasie durch Tumor — bei älteren Patienten mit rascher Progredienz an Malignom denken!
▶ Wichtig für die Prüfung — Hiatushernie
- Die Hiatushernie (Zwerchfellhernie) begünstigt den gastroösophagealen Reflux und ist eng mit der GERD assoziiert
- Typen: Typ I (Sliding-Hernie) — häufigste Form (90 %), gastroösophagealer Übergang gleitet nach thorakal; Typ II–IV (Paraösophageale Hernien) — Fundus gleitet neben dem Ösophagus nach thorakal
- Kann im Röntgen-Breischluck oder CT diagnostiziert werden
- Therapie: Konservativ (PPI) bei Typ I; bei Typ II–IV mit Symptomen ggf. Operation (Fundophrenikopexie) wegen Strangulationsgefahr
Zusammenfassung: Das 3-Säulen-Prinzip bei Dysphagie
Merke dir bei Dysphagie immer die drei wichtigsten Differentialdiagnosen:
- GERD — Sodbrennen, saures Aufstoßen, Pyrosis, extraösophageale Symptome
- Achalasie — Dysphagie für fest UND flüssig, Regurgitation, Sektglas-Phänomen
- Ösophaguskarzinom — progrediente Dysphagie + Gewichtsverlust (Alarmkombination)
Klinische Vorlesungszusammenfassung — Ösophaguskarzinom, GERD & Achalasie
Erstellt auf Basis des Vorlesungstranskripts | Alle Angaben ohne Gewähr — zur Prüfungsvorbereitung