Persönliches Lernmaterial: Diese Zusammenfassung dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt weder offizielle Vorgaben noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Ösophaguskarzinom, GERD & Achalasie

Klinische Vorlesungszusammenfassung — Facharztprüfungsvorbereitung

1. Kardinalregel für die Prüfung: T1 vs. T2 beim Ösophaguskarzinom

⚠ Wichtig für die Prüfung!

Die Unterscheidung zwischen T1 und T2 beim Ösophaguskarzinom ist ein klassisches Prüfungsthema:

  • T1: Lymphatische Infiltration (Lymphgefäßinvasion) beim Magenkarzinom ist beim T1-Stadium sehr gering — die Prognose ist günstiger. T1 bedeutet: Tumor infiltriert Submukosa oder Muscularis propria (je nach Definition).
  • T2: Hier liegt bereits eine Tumorinfiltration in tiefere Wandschichten vor mit signifikanter lymphatischer Dissemination.

Diese Unterscheidung ist entscheidend für die Wahl der chirurgischen Therapie und die Prognoseabschätzung.

2. Das Ösophaguskarzinom (Speiseröhrenkrebs)

Definition

Das Ösophaguskarzinom ist eine bösartige Neubildung der Speiseröhre. Man unterscheidet histologisch:

  • Adenokarzinom — geht von Drüsenzellen aus, häufig im distalen Ösophagus (Barrett-assoziiert)
  • Plattenepithelkarzinom — geht vom Plattenepithel aus, häufig im mittleren und oberen Ösophagusdrittel

Epidemiologie

Prüfungshinweis

Das Ösophaguskarzinom gehört zu den seltener geprüften Themen. Häufiger werden folgende Karzinome gefragt: Bronchialkarzinom, kolorektales Karzinom und Pankreaskarzinom. Dennoch sollten die Grundlagen bekannt sein!

Risikofaktoren (Risikofaktoren)

RisikofaktorZusammenhang
Chronischer AlkoholkonsumRisikofaktor v. a. für Plattenepithelkarzinom
RauchenErhöhtes Risiko für beide Typen
Barrett-ÖsophagusPräkanzeröse Läsion → Adenokarzinom-Risiko ↑↑
GERD (chronisch)Barrett-Ösophagus → Adenokarzinom
Heiße Getränke / SpeisenChronische thermische Irritation
AchalasieStase → chronische Entzündung → Risiko erhöht
Plummer-Vinson-SyndromSyndrom mit Eisenmangel, Dysphagie → Risiko ↑
HPV-InfektionAssoziation mit Plattenepithelkarzinom (v. a. in Hochrisikogebieten)
ErnährungBallaststoffarme, nitritreiche Ernährung

Metastasierung

Die Metastasierung des Ösophaguskarzinoms erfolgt auf zwei Wegen:

  • Lymphogen (lymphogene Metastasierung): Über die reichlichen Lymphknotenstationen entlang der Speiseröhre — frühzeitige lymphogene Aussaat, besonders bei T2+ Tumoren
  • Hämatogen (hämatogene Metastasierung): Über die Blutbahn — v. a. Leber, Lunge, Knochen

Symptome (Klassische Leitsymptome)

SymptomBeschreibung
Dysphagie (Schluckstörung)Leitsymptom — zunächst für feste, dann auch für flüssige Speisen; progressive Verschlechterung
GewichtsverlustOft massiv und ungewollt (Tumor-Kachexie)
Dysphagie + Gewichtsverlust„Alarmkombination" bei Patienten > 45 Jahre → sofortige endoskopische Abklärung!
RegurgitationRückfluss unverdauter Nahrung
OdynophagieSchmerzen beim Schlucken (bei ulzerierten Tumoren)
HämatemesisErbrechen von Blut (Blutung aus dem Tumor)
MelaenaTeerstuhl (obere GI-Blutung)
HeiserkeitBei Rekurrensparese (N. laryngeus recurrens links)
StridorBei fortgeschrittenen Tumoren mit Trachealkompression
Fieber / NachtschweißParaneoplastisch oder bei Tumornekrose

Diagnostik

  • Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD / Gastroskopie): Goldstandard — bioptische Sicherung, Lokalisation, Staging
  • Endosonographie (EUS): Beurteilung der Tiefeninfiltration und Lymphknoten
  • CT-Thorax und CT-Abdomen: Metastasenscreening
  • PET-CT: Bei Verdacht auf Fernmetastasen
  • Röntgen-Breischluck: Formerfassung (Stenose, Irregularität)

TNM-Stadieneinteilung (Auszug)

StadiumDefinition
T1Tumor infiltriert Lamina propria, Muscularis mucosae oder Submukosa
T2Tumor infiltriert Muscularis propria
T3Tumor infiltriert Adventitia
T4Tumor infiltriert Nachbarstrukturen (Pleura, Perikard, V. azygos, etc.)
N1–N3Regionäre Lymphknotenmetastasen
M1Fernmetastasen (Leber, Lunge, Knochen etc.)

Therapie

  • Frühstadium (T1): Chirurgische Resektion (Ösophagusresektion), ggf. endoskopische Mukosaresektion (EMR)
  • Lokal fortgeschritten: Neoadjuvante Chemotherapie + Chirurgie (Trimodale Therapie)
  • Palliativ: Radiochemotherapie, Stenteinlage bei Dysphagie, palliative Chemotherapie

⚠ Klinischer Hinweis

Jeder Patient > 45 Jahre mit Dysphagie + Gewichtsverlust muss als Notfall endoskopiert werden — Verdacht auf Ösophagus- oder Magenkarzinom!

3. Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)

Definition

Die Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) ist eine Erkrankung, bei der Magensäure und/oder Gallensäure regelmäßig in die Speiseröhre zurückfließen und dort typische Symptome und/oder Komplikationen verursachen.

Epidemiologie

Die GERD ist eine der häufigsten Erkrankungen im gastroenterologischen Bereich. In Europa sind ca. 15–20 % der Bevölkerung betroffen. Sie gehört zu den „Allerweltserkrankungen", die jeder Medizinstudent kennen muss.

Pathophysiologie

Mehrere Faktoren führen zum gastroösophagealen Reflux:

  • Inkompetenz des unteren Ösophagussphinkters (UÖS): Der wichtigste Mechanismus
  • Transiente untere Ösophagussphinkterrelaxationen (tLESR): Häufigste Ursache bei Patienten ohne Hernie
  • Hiatushernie: Begünstigt den Reflux durch Verlust der Zwerchfellfixierung
  • Erhöhter intraabdomineller Druck: Adipositas, Schwangerschaft, Aszites
  • Gestörte Magenentleerung: Gastroparese, Pylorusstenose
  • Verminderte Speichelproduktion: Reduzierte Säureclearance

Symptome der GERD

Typische Symptome (öso phageal)

  • Sodbrennen (Pyrosis): Brennen hinter dem Brustbein, aufsteigend von Magenregion nach Hals — das Leitsymptom
  • Saurer Geschmack / saures Aufstoßen (Regurgitation): Rückfluss von Mageninhalt in den Mund/Rachen
  • Schluckbeschwerden (Dysphagie): Bei entzündlicher oder struktureller Komplikation

Atypische / Extraösophageale Symptome

Extraösophageale Manifestationen der GERD

Die GERD kann sich weit über die Speiseröhre hinaus manifestieren — diese Symptome werden oft nicht sofort mit GERD in Verbindung gebracht:

  • Husten (v. a. nächtlich): Durch Mikroaspiration oder vagalen Reflex
  • Heiserkeit (Laryngitis): Chronische Reizung des Kehlkopfs durch sauren Refluat
  • Globusgefühl: „Kloss im Hals"-Gefühl
  • Asthma bronchiale: Reflux-getriggertes Asthma (besonders nächtlich)
  • Chronische Bronchitis / Bronchiektasen: Durch Mikroaspiration
  • Zahn erosionen: Durch sauren Rückfluss in die Mundhöhle
  • Schmerzen im Oberbauch / epigastrische Schmerzen

Diagnostik

  • Probatorische Therapie (Empirische Therapie): 4–8 Wochen PPI-Therapie bei typischer Symptomatik — wenn Beschwerden sistieren, gilt die Diagnose als gesichert
  • ÖGD (Gastroskopie): Bei Alarmsymptomen, Therapieversagen, Langzeittherapie — zum Ausschluss von Komplikationen (Barrett, Striktur, Ulkus, Karzinom)
  • pH-Metrie (24-Stunden-pH-Monitoring): Goldstandard zur Objektivierung des sauren Refluxes
  • Impedanz-pH-Metrie: Detektion auch von nicht-sauren Refluxepisoden
  • Röntgen (Breischluck): Zum Nachweis einer Hiatushernie

Komplikationen der GERD

Komplikationen der GERD — Übersicht

KomplikationBeschreibungKlinische Bedeutung
Barrett-ÖsophagusMetaplasie des Plattenepithels → Zylinderepithel (intestinale Metaplasie)Präkanzeröse Läsion — erhöhtes Adenokarzinom-Risiko um das 30–125-Fache
ÖsophagitisEntzündung der Ösophagusschleimhaut durch SäureSchmerzen, Dysphagie, Blutungsrisiko
Ösophagusstriktur / -stenoseFibrotische Engstellung der SpeiseröhreDysphagie für feste Speisen
ÖsophagusulzeraSchleimhautulzerationenSchmerzen, Blutungen, Hämatemesis
Barrett-AdenokarzinomAdenokarzinom aus Barrett-SchleimhautSpäte Komplikation bei jahrelanger Refluxbelastung
Obere GI-BlutungVarizen? Nein — eher durch Ulzera oder ErosionenHämatemesis, Melaena, Anämie

Therapie der GERD

Konservative / Lebensstiländerungen (Basistherapie)

Allgemeine Therapiemaßnahmen (evidenzbasiert)

  • Gewichtsreduktion bei Adipositas
  • Nicht flach hinlegen nach dem Essen — mindestens 2–3 Stunden Wartezeit vor dem Schlafengehen
  • Kopfende des Bettes erhöhen (ca. 20–30 cm hoch lagern)
  • Abendliche Mahlzeiten vermeiden — spätestens 3 Stunden vor dem Schlafengehen essen
  • Kleine, häufige Mahlzeiten statt großer Mahlzeiten
  • Vermeidung von Reflux-fördernden Substanzen: Kaffee, Alkohol, Schokolade, fettreiche Speisen, kohlensäurehaltige Getränke, Zitrusfrüchte, Tomaten
  • Medikamente absetzen, die den UÖS relaxieren: Kalziumantagonisten, Nitrate, Anticholinergika, Theophyllin, Eisenpräparate
  • Rauchen einstellen — Nikotin reduziert den UÖS-Tonus
  • Enge Kleidung vermeiden (Gürtel, enge Hosen)

Medikamentöse Therapie

MedikamentenklasseWirkstoffe (Beispiele)Wirkmechanismus
Protonenpumpenhemmer (PPI)Omeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol, LansoprazolIrreversible Hemmung der H⁺/K⁺-ATPase — stärkste Säureblockade
H2-RezeptorantagonistenRanitidin*, Famotidin, NizatidinBlockade der H2-Rezeptoren an Belegzellen
AntazidaMagnesiumhydroxid, AluminiumhydroxidNeutralisation der Magensäure (sofortige, kurzzeitige Linderung)
AlginateNatriumalginat (z. B. Gaviscon)Bilden physikalische Barriere auf Mageninhalt

* Ranitidin wurde wegen NDMA-Verunreinigungen vom Markt genommen

Stufenweise Therapie der GERD

StufeIndikationTherapie
Step 1Episodische / gelegentliche Symptome (<2×/Woche)Antazida oder Alginate bei Bedarf + Lebensstiländerung
Step 2Mehr als 2×/Woche typische SymptomePPI einmal täglich (morgens nüchtern) + Lebensstiländerung
Step 3Unzureichende Kontrolle unter Standard-PPIPPI 2× täglich (vor Frühstück und Abendessen) — „PPI twice daily"
Step 4Refraktäre GERD / Barrett-ÖsophagusLangzeit-PPI (Erhaltungstherapie), ggf. chirurgische Therapie (Fundoplicatio)

Der Barrett-Ösophagus — Detailbesprechung

Barrett-Ösophagus: Die wichtigste Komplikation der GERD

Der Barrett-Ösophagus entsteht als Reaktion auf den chronischen Säure- und Gallensäurereflux: Das Plattenepithel des distalen Ösophagus wird durch intestinale Metaplasie (Zylinderepithel mit Becherzellen) ersetzt. Dies gilt als Präkanzerose für das Ösophagusadenokarzinom.

  • Diagnose: ÖGD mit Biopsien (mindestens 4-Quadranten-Biopsien nach Seattle-Schema)
  • Histologie: Nachweis von intestinaler Metaplasie (Zylinderepithel mit Becherzellen)
  • Überwachung: Surveillance-Endoskopien alle 3–5 Jahre bei nicht-dysplastischem Barrett; häufiger bei Low-Grade-Dysplasie (alle 6–12 Monate)
  • Risiko: Das Risiko der Progression von Barrett zum Adenokarzinom beträgt ca. 0,5 % pro Jahr
  • Therapie bei Dysplasie: Endoskopische Mukosaresektion (EMR) oder Radiofrequenzablation (RFA)

Tipps für den Patienten (Therapie-Gespräch)

▶ Wichtige Patientenberatung — GERD

  • Nicht sofort nach dem Essen hinlegen — mindestens 2–3 Stunden warten
  • Das Kopfende des Bettes hochstellen (ca. 45°-Winkel — Kissen allein reichen nicht!)
  • Späte Abendmahlzeiten vermeiden
  • Medikamente meiden, die die Speiseröhre reizen können (z. B. bestimmte Schmerzmittel wie NSAR)
  • Bei anhaltenden Symptomen trotz Therapie: Arzt aufsuchen zur Endoskopie
  • Medikamente wie Theophyllin und Nitrate können den Sphinkter relaxieren und Sodbrennen verschlimmern — Arzt informieren!

4. Achalasie

Definition

Die Achalasie (griechisch: „ohne Erschlaffung") ist eine primäre Motilitätsstörung der Speiseröhre, charakterisiert durch:

  • Fehlende / unvollständige Erschlaffung des unteren Ösophagussphinkters (UÖS) beim Schluckakt
  • Ineffektive Peristaltik im tubulären Ösophagus (aperistaltisch oder simultane Kontraktionen)
  • Die ganglionären Zellen (inhibitorische Neurone mit NO und VIP) im Plexus myentericus sind degeneriert

Epidemiologie

  • Inzidenz: ca. 0,5–1/100.000 pro Jahr
  • Bimodale Altersverteilung: jüngere Erwachsene (25–40 Jahre) und ältere Patienten (>60 Jahre)
  • Leichte männliche Prävalenz (Männer : Frauen ≈ 1,5 : 1)

Pathophysiologie

Die Achalasie beruht auf einer Degeneration der inhibitorischen Ganglienzellen im Plexus myentericus (Auerbach-Plexus) der Speiseröhre. Dadurch fehlen:

  • Stickstoffmonoxid (NO) als wichtigster inhibitorischer Neurotransmitter
  • Vasoaktives intestinales Polypeptid (VIP)

→ Resultat: Fehlende Erschlaffung des UÖS + fehlende geordnete Peristaltik → Stase des Speisebreis → progressive Dilatation des Ösophagus.

Klassifikation (Chicago-Klassifikation, Version 3.0)

Achalasie-Subtypen nach Chicago-Klassifikation v3.0

TypCharakteristikumTherapie
Typ 1 (Klassische Achalasie)Völlig aperistaltisch (keine Peristaltik); UÖS fehlerschlaffendPneumatische Dilatation / POEM / Myotomie
Typ 2 (Achalasie mit kompressiven Kontraktionen)Fehlende Erschlaffung + zeitgleiche kompressive Kontraktionen (≥20 mmHg) in ≥20 % der SchluckakteHohe Ansprechraten auf alle Therapien
Typ 3 (Spastische Achalasie)Fehlende Erschlaffung + vorzeitige/spastische Kontraktionen (ohne kompressive Komponente) in ≥20 % der SchluckakteSchwieriger zu behandeln; POEM bevorzugt

Symptome (Leitsymptome)

  • Dysphagie (Schluckstörung): Für solide UND flüssige Speisen — im Unterschied zu vielen mechanischen Stenosen (dort zunächst nur für feste Speisen) — daher ein wichtiger differentialdiagnostischer Hinweis!
  • Regurgitation: Rückfluss von unverdautem Speisebrei, oft mehrere Stunden nach dem Essen (im Liegen verstärkt)
  • Gewichtsverlust: Progredient bei unzureichender Nahrungsaufnahme
  • Brustschmerzen (thorakale Schmerzen): Retrosternale Schmerzen, auch bei leerer Speiseröhre (spastische Kontraktionen)
  • Husten und Aspiration: Besonders nachts im Liegen
  • Heiserkeit: Selten, bei chronischer Reizung
  • Foetor ex ore (Mundgeruch) bei Speiseretention

Diagnostik

Röntgen-Thorax / Breischluck — Das „Sektglas-Phänomen"

Das Sektglas-Phänomen (Klassisches Röntgen-Zeichen bei Achalasie)

Im Röntgen-Breischluck zeigt sich das charakteristische Bild der Achalasie:

  • Dilatierter, dilatierters Ösophagus — aufgetriebene Speiseröhre, die an ein Sektglas erinnert
  • Schmale, spitz zulaufende Kontrastmittelpassage am gastroösophagealen Übergang (glatter,„schnabelartiger" Übergang)
  • Flüssigkeits- und Speiseretention im dilatierten Ösophagus
  • Fehlende Gasblase im Magenfundus (bei fortgeschrittener Erkrankung)

Dieses Phänomen ist ein Klassiker in der Prüfung und wird häufig im Röntgen-Bild gefragt!

Weitere diagnostische Verfahren

  • Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD): Ausschluss einer mechanischen Obstruktion (Tumor), Beurteilung der Schleimhaut, Retentionsbefund
  • High-Resolution-Manometrie (HRM): Goldstandard der Diagnostik — misst Druckverhältnisse im Ösophagus und am UÖS; zeigt fehlende Erschlaffung und aperistaltische Muster
  • Röntgen-Breischluck: Typische Veränderungen wie beschrieben (Sektglas-Phänomen)
  • CT-Thorax: Bei V. a. sekundäre Achalasie (z. B. durch Tumor) — „Chagas-Krankheit" (T. cruzi), Pseuoachalasie

Differentialdiagnose zur GERD und zum Ösophaguskarzinom

⚠ Klinische Differentialdiagnose — GERD vs. Achalasie vs. Ösophaguskarzinom

Bei Dysphagie denke man immer differenzialdiagnostisch an:

KriteriumGERDAchalasieÖsophaguskarzinom
LeitsymptomSodbrennen, saures AufstoßenDysphagie (fest + flüssig), RegurgitationDysphagie (progredient), Gewichtsverlust
Dysphagie-CharakterEher für saure/große MahlzeitenFür fest UND flüssig,渐进endZunächst fest, dann auch flüssig (mechanisch)
SchmerzBrennen hinter dem BrustbeinRetrosternale Krämpfe (spastisch)Odynophagie, Schmerz
GewichtsverlustSelten, mildJa, oft erheblichJa, oft massiv
RöntgenHiatushernie, RefluxSektglas-Phänomen, dilatiertIrréguläre Stenose, Exophyt
EndoskopieÖsophagitis, BarrettRetentionsschleimhaut, DilatationTumor / ulzerierte Läsion
ManometrieNormal / erhöhter UÖS-TonusFehlende UÖS-Erschlaffung, AperistaltikObstruktives Muster

Therapie der Achalasie

MethodeBeschreibungGeeignet für
Pneumatische DilatationBallon Dilatation des UÖS unter radiologischer KontrolleTyp 1 und 2; gute Erfolgsrate
POEM (Perorale endoskopische Myotomie)Endoskopische Myotomie der Ringmuskulatur — minimal-invasivAlle Typen; besonders Typ 3 und rezidivierende Fälle
Laparoskopische Myotomie (Heller-Myotomie)Chirurgische Durchtrennung der UÖS-Muskulatur + Antireflux-OP (Fundoplicatio)Junge Patienten, Versagen der Dilatation
MedikamentösNitrate (Isosorbid-Dinitrat) oder Kalziumantagonisten (Nifedipin) — UÖS-RelaxationÜberbrückung oder bei Kontraindikation zu Interventionen (ältere/gebrechliche Patienten)
Botulinumtoxin-InjektionEndoskopische Injektion von Botulinumtoxin in den UÖS — hemmt die Acetylcholin-FreisetzungÄltere Patienten, die weder Dilatation noch OP vertragen; Wirkung hält nur 6–12 Monate

Wichtig: Sekundäre Achalasie / Pseudoachalasie

Bei einer Pseudoachalasie (sekundäre Achalasie) täuscht ein maligner Tumor des gastroösophagealen Übergangs das Bild einer Achalasie vor. Klinische Hinweise:

  • Alter > 55–60 Jahre (bei Erstmanifestation)
  • Rapid progrediente Dysphagie
  • Signifikante Gewichtsabnahme
  • Fehlendes Ansprechen auf Standardtherapie

Immer Endoskopie + CT zum Ausschluss!

5. Prüfungsrelevanz & Tipps für die Kenntnisprüfung

▶ Wichtig für die Prüfung — Ösophaguskarzinom

  • Das Ösophaguskarzinom ist ein seltener geprüftes Thema — häufiger werden Bronchialkarzinom, kolorektales Karzinom und Pankreaskarzinom gefragt
  • Dennoch: Grundlagen kennen! Definition, Risikofaktoren, Symptome (Dysphagie + Gewichtsverlust = Alarmkombination), Metastasierungswege
  • Die Unterscheidung T1 vs. T2 (lymphatische Infiltration) ist ein klassisches Prüfungsthema
  • Barrett-Ösophagus als Präkanzerose — immer wissen!
  • Zwei Metastasierungswege: lymphogen und hämatogen

▶ Wichtig für die Prüfung — GERD

  • GERD ist ein Allerwelts-Thema — jeder Prüfer fragt es gerne
  • Leitsymptom Sodbrennen (Pyrosis) — was ist das? Warum entsteht es?
  • Extraösophageale Manifestationen — Husten, Heiserkeit, Asthma, Bronchiektasen
  • Barrett-Ösophagus — Definition (Metaplasie), Risiko (Adenokarzinom), Surveillance
  • Therapie-Stufenschema — PPI als erste Wahl, Lebensstiländerungen
  • Patienten-Ratschläge: Nicht flach hinlegen nach Essen, Kopfende hochlagern, Abendessen meiden
  • Medikamente, die den UÖS relaxieren und Sodbrennen verschlimmern: Theophyllin, Nitrate, Kalziumantagonisten, Eisenpräparate

▶ Wichtig für die Prüfung — Achalasie

  • „Sektglas-Phänomen" — im Röntgen-Breischluck! Dies ist ein klassischer Prüfungsfall — man bekommt ein Röntgenbild gezeigt
  • Definition: Fehlende Erschlaffung des unteren Ösophagussphinkters (inhibitorische Ganglienzellen degeneriert)
  • Chicago-Klassifikation: 3 Typen — besonders die Unterscheidung zwischen klassischer (Typ 1) und spastischer (Typ 3) Achalasie
  • Dysphagie für solide UND flüssige Speisen — im Unterschied zu mechanischen Stenosen (dort nur solide initial)
  • Therapieoptionen: Pneumatische Dilatation, POEM, Heller-Myotomie, Botulinumtoxin
  • Pseudoachalasie durch Tumor — bei älteren Patienten mit rascher Progredienz an Malignom denken!

▶ Wichtig für die Prüfung — Hiatushernie

  • Die Hiatushernie (Zwerchfellhernie) begünstigt den gastroösophagealen Reflux und ist eng mit der GERD assoziiert
  • Typen: Typ I (Sliding-Hernie) — häufigste Form (90 %), gastroösophagealer Übergang gleitet nach thorakal; Typ II–IV (Paraösophageale Hernien) — Fundus gleitet neben dem Ösophagus nach thorakal
  • Kann im Röntgen-Breischluck oder CT diagnostiziert werden
  • Therapie: Konservativ (PPI) bei Typ I; bei Typ II–IV mit Symptomen ggf. Operation (Fundophrenikopexie) wegen Strangulationsgefahr

Zusammenfassung: Das 3-Säulen-Prinzip bei Dysphagie

Merke dir bei Dysphagie immer die drei wichtigsten Differentialdiagnosen:

  • GERD — Sodbrennen, saures Aufstoßen, Pyrosis, extraösophageale Symptome
  • Achalasie — Dysphagie für fest UND flüssig, Regurgitation, Sektglas-Phänomen
  • Ösophaguskarzinom — progrediente Dysphagie + Gewichtsverlust (Alarmkombination)

Klinische Vorlesungszusammenfassung — Ösophaguskarzinom, GERD & Achalasie

Erstellt auf Basis des Vorlesungstranskripts | Alle Angaben ohne Gewähr — zur Prüfungsvorbereitung