Persönliches Lernmaterial: Diese Zusammenfassung dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt weder offizielle Vorgaben noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Intussuszeption & Volvulus

Klinischer Leitfaden zur Diagnose und Therapie zweier schwerwiegender Darmverschlüsse im Kindesalter – mit prüfungsrelevanten Hinweisen

1. Intussuszeption (Darminvagination)

1.1 Definition

Die Intussuszeption (auch Darminvagination genannt) bezeichnet das Einstülpen (Invagination) eines oralen (proximalen) Darmabschnitts in einen weiter aboral (distal) gelegenen Darmabschnitt. In der Regel handelt es sich um eine ileokolische Invagination – das Ileum stülpt sich in das Kolon.

Schlüsselbegriff: „Oral" bedeutet proximal (in Richtung Mund), „aboral" bedeutet distal (in Richtung After). Bei der Intussuszeption stülpt sich also der proximale Darmabschnitt in den distalen.

1.2 Epidemiologie

  • Häufigkeitsgipfel: 6 Monate bis 3 Jahre (Säuglinge und Kleinkinder)
  • Häufigste Ursache eines akuten Darmverschlusses im Kindesalter
  • Knaben sind häufiger betroffen als Mädchen
  • Rezidivrate: ca. 5–10 % nach konservativer Reposition

1.3 Pathophysiologie

Das Prinzip der Intussuszeption beruht auf der Telestierung eines Darmsegments (des sogenannten Intussuszeptums), das sich in das distal gelegene Intussuszipiens vorwölbt. Es entsteht das klassische Schießscheibenphänomen im Ultraschall.

Intussuszeptum

Der eingestülpte Darmabschnitt – wandert nach oral

Intussuszipiens

Der aufnehmende Darmabschnitt – bleibt ortsfest

Mesenterium

Wird mit eingezogen → Gefäßkompression → Ischämie droht

1.4 Ursachen & Einteilung

Ideopathische Intussuszeption (häufigste Form, ca. 90 %)

Bei Säuglingen und Kleinkindern liegt meist kein pathologischer Lead Point vor. Als mögliche Auslöser werden diskutiert:

  • Lymphatische Hyperplasie der Peyer'schen Plaques (nach viralen Infekten)
  • Vorangegangene Gastroenteritis (Viruserkrankungen)
  • Veränderte Darmperistaltik

Sekundäre Intussuszeption (mit pathologischem Lead Point)

Bei älteren Kindern und Erwachsenen liegt häufig ein pathologischer Lead Point vor:

  • Meckel-Divertikel (häufigster pathologischer Lead Point)
  • Polypen (juvenile Polypen, Peutz-Jeghers-Syndrom)
  • Tumoren und Lymphome
  • Mukoviszidose (Fäkolith = Koprostase)
  • Mekoniumileus
  • Internale Hernien

⚠ Wichtig für die Prüfung: Eine Intussuszeption bei Kindern älter als 2–3 Jahre oder mit rezidivierendem Verlauf sollte immer den Verdacht auf einen pathologischen Lead Point lenken – weiterführende Diagnostik (CT, MRT) ist dann indiziert!

1.5 Klinische Präsentation

Typische Symptomentrias

  • Kolikartige, intervalväre Bauchschmerzen
    • Episodisch, schreiende Kinder mit angezogenen Beinen
    • Schmerzfreie Intervalle dazwischen
  • Erbrechen
    • Zunächst refluxartig, dann gallig
    • Zeigt zunehmende Obstruktion an
  • „Himbeerroter" oder blutiger Schleim im Stuhl
    • Sog. „Johannesköpfchen" oder „Currant Jelly Stool"
    • Spätes Zeichen – bei Auftreten ist die Ischämie bereits fortgeschritten!

Weitere Befunde

  • Tastbare walzenförmige Raumforderung im Abdomen (oft im rechten Oberbauch)
  • Abdominaldistension
  • Stuhlverhalt oder „leichter Stuhl" (kein fester Stuhl mehr)
  • Schreien, Unruhe, Blässe
  • Fieber (bei fortgeschrittener Ischämie/Nekrose)

⏰ Zeit = Prognose: Je länger die Intussuszeption besteht, desto höher das Risiko einer Darmnekrose und Perforation. Ab einer Dauer von mehr als 24–48 Stunden steigt das Risiko einer operationspflichtigen Komplikation signifikant an.

1.6 Diagnostik

Sonographie (Goldstandard) – Schießscheibenphänomen

Die Sonographie ist die Methode der Wahl und erreicht eine Sensitivität und Spezifität von nahezu 100 %.

  • Longitudinal: „Pseudokidney" oder „Doppelwandrohr"-Zeichen
  • Transversal: Schießscheibe (Target-Sign) – konzentrische Ringe (Darmwände des Intussuszeptums und Intussuszipiens)
  • Farbdoppler: Beurteilung der Durchblutung – fehlender Flow = Ischämie

⚠ Prüfungsfrage: Wie sieht das typische Ultraschallbild der Intussuszeption aus?
Antwort: Transversal: konzentrische Ringe (= Schießscheibe/Target-Sign). Longitudinal: röhrenförmiges Doppelwandphänomen.

Röntgen Abdomen (Nativ)

  • Wenig spezifisch, aber hilfreich zum Ausschluss einer Freiluft (Perforation)
  • Möglicher Befund: Luft-Flüssigkeits-Spiegel, „Scaphoidabdomen"
  • Zunehmende Luftarmut im betroffenen Segment

Laborparameter

  • Entzündungsparameter: BSG, CRP – erhöht bei Ischämie/Nekrose
  • Elektrolyte: Hyponatriämie, metabolische Azidose (bei schwerer Ischämie)
  • Leukozytose mit Linksverschiebung
  • Laktat – erhöht bei Darmischämie

⚠ Wichtig für die Prüfung: Der erste Schritt – noch bevor die Sonographie erfolgt – ist die intravenöse Volumensubstitution (Ringer-Laktat oder NaCl 0,9 %), da Kinder schnell dehydrieren!

1.7 Therapie

A. Konservative (nichtoperative) Therapie: Hydrostatische Reposition

Die hydrostatische Reposition ist der erste Therapieversuch bei unkomplizierter Intussuszeption ohne Perforationszeichen und mit stabilem Kreislauf.

1

Stabilisierung: IV-Zugang, Volumensubstitution, Analgesie (z. B. Piritramid)

2

Sonographisch geführte Reposition: Unter sonographischer Kontrolle wird Flüssigkeit (Kochsalzlösung) über ein Rektoskop oder einen Foley-Katheter retrograde ins Rektum eingebracht. Der hydrostatische Druck schiebt das Intussuszeptum zurück.

3

Erfolgskontrolle: Sonographisch – Verschwinden des Target-Signs, Übertritt von Flüssigkeit über die Bauhini-Klappe

Erfolgsrate: ca. 80–95 % bei frühzeitiger Durchführung

Zeichen der erfolgreichen Reposition: Klinik (Schmerzfreiheit), sonographisch freier Übertritt von Flüssigkeit über die Bauhini-Klappe, kein Target-Sign mehr nachweisbar.

B. Operative Therapie

Indikationen zur Operation:

  • Versagen der konservativen Reposition (kein sonographischer Erfolg nach 2–3 Versuchen)
  • Perforationszeichen (Freiluft, Peritonitis)
  • Instabiler Kreislauf / Schock
  • Fortgeschrittene Ischämie (fehlender Doppler-Flow)
  • Rezidiv nach bereits erfolgreicher Reposition
  • Pathologischer Lead Point

⚠ Chirurgischer Grundsatz – Prüfungswissen: Bei der operativen Bergung der Intussuszeption dürfen die Darmabschnitte wegen der Perforationsgefahr nicht einfach auseinandergezogen werden. Stattdessen wird die Hugh-Johnstone-Manöver (oder „Milking") angewandt – das Intussuszeptum wird vorsichtig durch sanften Druck von distal nach proximal „ausgemolken".

Operationsverfahren:

  • Laparotomie (Medianlaparotomie oder Rektusschnitt lateral)
  • Laparoskopie (in erfahrenen Zentren, besonders bei Rezidiven)
  • Bei Nekrose: Resektion mit primärer Anastomose oder Stoma (je nach Befund)

1.8 Besonderheiten bei Erwachsenen

Eine Intussuszeption bei Erwachsenen ist selten (weniger als 5 % aller Invaginationen), jedoch fast immer sekundär durch einen pathologischen Lead Point bedingt.

  • Häufigste Ursachen: Tumoren, Polypen, Meckel-Divertikel, Verwachsungen
  • Symptomatik: Weniger akut als bei Kindern, oft chronisch-rezidivierende Subileus-Symptomatik
  • Diagnostik: CT-Abdomen (Spiral-CT) – zeigt Target-Sign und den Lead Point
  • Therapie: Nahezu immer operativ (Resektion mit histopathologischer Aufarbeitung)

2. Volvulus (Darmverdrehung)

2.1 Definition

Der Volvulus ist eine Achsendrehung (Torsion) eines Darmabschnitts um seine mesenteriale Achse, die zu einer kompletten Obstruktion und bei Fortbestehen zu einer Ischämie und Nekrose führt. Im Unterschied zur Intussuszeption ist hier nicht das Einstülpen, sondern die Drehung des Darms selbst das Problem.

2.2 Lokalisation & Formen

Sigmavolvulus

Häufigste Form – besonders bei älteren, bettlägerigen Patienten mit chronischer Obstipation

  • Achsendrehung des Sigma um seine mesenteriale Achse
  • Extrem dilatiert (oft > 10–12 cm)

Zökumvolvulus

Seltener – Achsendrehung des Zökums

  • Oft bei mobilem Zökum (Malrotation)
  • Meist jüngere Patienten

Midgut-Volvulus

Neonatologischer Notfall!

  • Im Rahmen einer Malrotation
  • Präsentiert sich als kompletter Dünndarmileus

2.3 Pathophysiologie

Die Drehung des Darms führt zu:

  1. Kompression der Mesenterialgefäße → venöse Stauung und arterieller Verschluss
  2. Darmischämie → zunächst venös, dann arteriell
  3. Darmwandnekrose → Perforation → Peritonitis → Sepsis

2.4 Klinische Präsentation

Typische Symptome

  • Starke, akute Abdominalschmerzen – kolikartig oder konstant
  • Abdominale Distension – oft massiv (besonders beim Sigmavolvulus)
  • Obstipation / Stuhlverhalt – initiale Obstruktion
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Peritonismus bei Ischämie/Perforation

Klinische Zeichen

  • Abdominale Abwehrspannung
  • Klopfschmerz über dem dilatierten Segment
  • Stille Abdomen (fehlende Peristaltik)
  • Tachykardie, Hypotonie bei Kreislaufdepression

2.5 Diagnostik

Röntgen-Abdomen (Diagnostikum der Wahl!)

Das radiologische Erkennungsmerkmal des Sigmavolvulus ist das charakteristische:

☕ Kaffeebohnenzeichen (Coffee-Bean-Sign):
Die massive Überdehnung des Sigmas zeigt im Röntgen-Abdomen eine große, kaffeebohnenförmige Luftsichel mit zwei verdichteten Mediokontur-Linien (durch die Sigma-Falten). Dieses Zeichen ist pathognomonisch für den Sigmavolvulus!

  • Sigmavolvulus: Massiv dilatiertes Sigma (oft > 15 cm Durchmesser), „Kaffeebohnenzeichen", keine Luft im Rektum
  • Zökumvolvulus: Gasgefüllte, torquierte Darmschlinge im rechten Oberbauch, „Ace-of-Spades"-Zeichen
  • Midgut-Volvulus: Dilatation des Magens und proximalen Duodenums mit plötzlichem Stopp (Duodenalobstruktion)

⚠ Prüfungsfrage: Was ist das radiologische Erkennungsmerkmal des Sigmavolvulus?
Antwort: Das Kaffeebohnenzeichen (Coffee-Bean-Sign) im Röntgen-Abdomen.

CT-Abdomen

  • Swirl-Sign: Wirbelsäulenartige Rotation der Mesenterialgefäße
  • Whirl-Sign: Torsion des Darms um seine Achse
  • Zeigt Lokalisation, Schweregrad und Komplikationen (Nekrose, Perforation)
  • Bei geplantem operativem Vorgehen das Mittel der Wahl

2.6 Therapie

Sigmavolvulus

1

Endoskopische (koloskopische) Detorquierung: In stabiler Situation Versuch der endoskopischen Rückdrehung über ein flexibles Koloskop – bei Erfolg sofortige Deflation der Schlinge.

2

Bei Erfolg: Elektive Sigmaresektion (Hartmann-OP oder anteriore Rektosigmoidresektion) nach Stabilisierung – da die Rezidivrate nach alleiniger Detorquierung hoch ist.

3

Bei Perforation/Nekrose: Notfalllaparotomie mit Resektion und ggf. Hartmann-Stoma.

Zökumvolvulus

Wegen der höheren Nekrosegefahr fast immer operative Therapie (Resektion, ggf. Zökopexie).

Midgut-Volvulus (Neugeborene)

Notfall-OP! Ladd-Bänder spalten, ggf. Resektion nekrotischer Anteile – bei Malrotation generell Laparotomie.

⚠ Unterschied Intussuszeption vs. Volvulus – Prüfungsrelevanz:

  • Intussuszeption: Einstülpung eines Darms in den anderen → Schießscheibe im Ultraschall → hydrostatische Reposition als Ersttherapie
  • Volvulus: Drehung des Darms um seine Achse → Kaffeebohnenzeichen im Röntgen → Detorquierung/OP

3. Diagnostischer Vergleich: Intussuszeption vs. Volvulus

Kriterium Intussuszeption Volvulus
Mechanismus Einstülpung (Invagination) Drehung (Torsion) um die mesenteriale Achse
Häufigstes Alter 6 Monate – 3 Jahre Sigmavolvulus: ältere Patienten
Midgut: Neonaten
Diagnostikum der Wahl Sonographie (Schießscheibe/Target-Sign) Röntgen-Abdomen (Kaffeebohnen-Zeichen)
Pathophysiologisches Zeichen Schießscheibe (Target-Sign) Kaffeebohnen-Zeichen (pathognomonisch)
Ersttherapie Hydrostatische Reposition Endoskopische Detorquierung oder OP
OP-Indikation Versagen konservativ, Perforation, Schock Perforation, Nekrose, Rezidiv
Chirurgische Bergung Hugh-Johnstone-Manöver Detorquierung + Resektion

4. Therapie-Übersicht

4.1 Notfallmanagement (gemeinsam)

⏰ Bei beiden Erkrankungen gilt:

  • 1. Schritt: IV-Zugang, Volumensubstitution (Ringer-Laktat, NaCl 0,9 %)
  • 2. Schritt: Labor (BB, CRP, Elektrolyte, Laktat, BGA)
  • 3. Schritt: Kreislaufstabilisierung, Analgesie, Nüchternheit
  • 4. Schritt: Zielgerichtete Diagnostik (Sonographie / Röntgen)
  • 5. Schritt: Definitive Therapie (konservativ vs. operativ)

4.2 Therapieentscheidung Intussuszeption

SituationTherapie
Stabil, keine Ischämie-/PerforationszeichenHydrostatische Reposition (sonographisch geleitet)
Reposition erfolgreichBeobachtung, Flüssigkeitszufuhr, orale Kost
Reposition fehlgeschlagen (2–3 Versuche)Operative Bergung (Laparotomie/Laparoskopie)
Perforation / Peritonitis / SchockNotfalllaparotomie, Resektion
Rezidiv / Pathologischer Lead PointOperativ (Resektion)

4.3 Therapieentscheidung Volvulus

SituationTherapie
Stabil, kein Perforationsverdacht (Sigmavolvulus)Endoskopische Detorquierung
Detorquierung erfolgreichElektive Sigmaresektion (Hartmann / anteriore Resektion)
Instabil / Nekrose / PerforationNotfalllaparotomie, Resektion ± Stoma
ZökumvolvulusNahezu immer operativ (Zökum-Resektion)
Midgut-Volvulus (Neugeborene)Notfalllaparotomie (Ladd-OP)

5. Kenntnisprüfung – Prüfungsfragen & Tipps

5.1 Häufigste Prüfungsfragen

Frage 1: Was versteht man unter einer Intussuszeption?
Antwort: Das Einstülpen eines oralen (proximalen) Darmabschnitts in einen aboral (distal) gelegenen Darmabschnitt – in der Regel eine ileokolische Invagination.

Frage 2: Wie sieht das typische Ultraschallbild der Intussuszeption aus?
Antwort: Transversal: Konzentrische Ringe (Schießscheibe / Target-Sign). Longitudinal: Röhrenförmiges Doppelwandphänomen.

Frage 3: Was ist die Ersttherapie bei einer unkomplizierten Intussuszeption?
Antwort: Die hydrostatische Reposition unter sonographischer Kontrolle (Kochsalz- oder Kontrastmitteleinlauf).

Frage 4: Warum darf man bei der operativen Bergung einer Intussuszeption die Darmschlingen nicht einfach auseinanderziehen?
Antwort: Wegen der hohen Perforationsgefahr – es wird das Hugh-Johnstone-Manöver („Milking") angewandt.

Frage 5: Was ist das radiologische Erkennungsmerkmal des Sigmavolvulus?
Antwort: Das Kaffeebohnenzeichen (Coffee-Bean-Sign) im Röntgen-Abdomen – eine kaffeebohnenförmige Luftsichel.

Frage 6: Was muss bei einer Intussuszeption sofort (vor der Sonographie) veranlasst werden?
Antwort: Die intravenöse Volumensubstitution, da Kinder schnell dehydrieren!

Frage 7: Wann sollte bei einer Intussuszeption an einen pathologischen Lead Point gedacht werden?
Antwort: Bei Kindern älter als 2–3 Jahre oder bei rezidivierender Invagination – dann weiterführende Diagnostik (CT/MRT).

Frage 8: Was ist der Unterschied zwischen Intussuszeption und Volvulus?
Antwort: Bei der Intussuszeption stülpt sich ein Darm in den anderen; beim Volvulus dreht sich der Darm um seine mesenteriale Achse.

Frage 9: Nennen Sie die Symptomentrias der Intussuszeption!
Antwort: Kolikartige Bauchschmerzen + Erbrechen + „Himbeermützenstuhl" (blutiger Schleim).

Frage 10: Was ist das Swirl-Sign / Whirl-Sign im CT bei Volvulus?
Antwort: Wirbelsäulenartige/wirbelnde Darstellung der tordierten Mesenterialgefäße und des Darms – Zeichen der Torsion.

5.2 Dozenten-Tipps & Warnungen

🔑 Prüfungstipps vom Dozenten:

  • Der Zeitfaktor ist entscheidend: Zeit = Prognose! Je länger die Ischämie besteht, desto schlechter die Prognose.
  • Bei Kindern immer zuerst Volumen geben, bevor weitere Diagnostik betrieben wird.
  • Das „Himbeerrote Stuhl" ist ein spätes Zeichen – bei Auftreten ist die Ischämie bereits fortgeschritten!
  • Der Midgut-Volvulus ist ein Neugeborenen-Notfall – hier muss sofort operiert werden!
  • Beim Sigmavolvulus ist die elektive Sigmaresektion nach erfolgreicher Detorquierung indiziert, da die Rezidivrate sonst hoch ist.
  • Bei rezidivierender Intussuszeption immer an Meckel-Divertikel oder andere Lead Points denken.

5.3 Häufige Fehlerquellen & Pitfalls

PitfallErklärung
Verwechslung der DiagnoseIntussuszeption = Einstülpung (Schießscheibe); Volvulus = Drehung (Kaffeebohne)
Späte VorstellungBlutiger Stuhl = bereits Ischämie! Sofort weitere Diagnostik und Therapie
Überspringen der VolumengabeKinder dehydrieren schnell – IV-Zugang + Volumen vor allem anderen
Gewaltsames AuseinanderziehenBei OP → Perforationsgefahr! Immer Hugh-Johnstone-Manöver anwenden
Pathologischen Lead Point übersehenBei Kindern > 2–3 Jahre: weiterführende Diagnostik, ggf. CT/MRT

5.4 Fallbeispiele zum Üben

Fall 1: Ein 10 Monate alter Junge wird mit kolikartigen Bauchschmerzen, schreiend mit angezogenen Beinen, und galligem Erbrechen vorgestellt. Die Mutter berichtet von Phasen intensiven Schreiens, gefolgt von kurzer Ruhe. Sonographisch zeigt sich ein Target-Sign.

Diagnose: Intussuszeption. Nächster Schritt: IV-Zugang, Volumensubstitution, dann hydrostatische Reposition.

Fall 2: Ein 75-jähriger bettlägeriger Patient mit chronischer Obstipation präsentiert sich mit massiver Abdominaldistension, starken Schmerzen und komplettem Stuhlverhalt. Röntgen zeigt eine kaffeebohnenförmige Luftsichel.

Diagnose: Sigmavolvulus. Nächster Schritt: Volumensubstitution, endoskopische Detorquierung, dann elektive Sigmaresektion.

Fall 3: Ein 4-jähriges Mädchen mit rezidivierender Intussuszeption (bereits 3. Episode).

Klinische Relevanz: Bei rezidivierender Invagination jenseits des Kleinkindalters: immer an pathologischen Lead Point denken – weiterführende Diagnostik (MRT/CT) und operative Sanierung.


Zusammenfassung erstellt auf Basis des Vorlesungstranskripts zu Intussuszeption und Volvulus.
Alle Inhalte wurden sorgfältig aus dem Originalmaterial zusammengestellt und dienen der examenvorbereitenden Wissensvertiefung.