Persönliches Lernmaterial: Diese Zusammenfassung dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt weder offizielle Vorgaben noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Prüfungsrelevant

Chronische Pankreatitis

Definition · Ätiologie · Klinik · Diagnostik · Komplikationen · Therapie

1. Definition

Die chronische Pankreatitis ist eine persistierende Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die zu einer irreversiblen Zerstörung der Struktur und der Funktion des Pankreas führt.

Merke für die Prüfung:
  • Irreversibel – das Pankreasgewebe wird dauerhaft zerstört und durch Fibrosegewebe ersetzt
  • Es kommt sowohl zur endokrinen als auch zur exokrinen Insuffizienz
  • Im Unterschied zur akuten Pankreatitis: keine reversiblen Episoden, sondern fortschreitende Destruktion

2. Ätiologie (Ursachen)

Hauptursachen

  • Chronischer Alkoholabusus – häufigste Ursache (≈ 70–80 % der Fälle)
  • Rauchen – eigenständiger Risikofaktor, verstärkt die Alkoholwirkung
  • Hyperkalzämie (z. B. primärer Hyperparathyreoidismus)

Weitere Ursachen

  • Idiopathisch – ohne erkennbare Ursache
  • Hypertriglyzeridämie (Hyperlipidämie)
  • Autoimmune Pankreatitis
  • Hereditäre Pankreatitis (z. B. bei Mukoviszidose / CFTR-Mutationen)
  • Pancreas divisum – anatomische Variante als möglicher Risikofaktor
  • Chronische Gallenwegserkrankungen
Prüfungstipp – Ätiologie:

Die 3 großen A der chronischen Pankreatitis:

  • Alkohol
  • Autoimmun
  • Anatomisch (Pancreas divisum, hereditär)

Sowie: Hyperkalzämie und Hyperlipidämie

3. Klinik – Leitsymptome

1
Gürtelförmige Oberbauchschmerzen
2
Malassimilation / Steatorrhoe
3
Diabetes mellitus

Exokrine Insuffizienz → Malassimilation

  • Steatorrhoe (Fettstühle) – poröse, übelriechende, glänzende Stühle
  • Ursache: Mangel an Pankreaslipase → Fettverdauungsstörung
  • Gewichtsverlust und Kachexie (Patient meidet Essen wegen Schmerzen)
  • Vitaminmangel (fettlösliche Vitamine: A, D, E, K)
    • Vitamin-D-Mangel → Osteomalazie / Osteoporose
    • Vitamin-K-Mangel → Gerinnungsstörung
    • Vitamin-B12-Mangel (Intrinsic-Faktor-Mangel möglich)

Endokrine Insuffizienz → Diabetes mellitus

  • Zerstörung der Langerhans-Inseln (v. a. β-Zellen)
  • Sekundärer Diabetes mellitus (insulinpflichtig)
  • Oft als erstes Zeichen bei Diagnosestellung vorhanden
Wichtig für die Prüfung – Symptomentrias:

Die drei Leitsymptome der chronischen Pankreatitis unbedingt auswendig:

  • Schmerz (gürtelförmig, Oberbauch)
  • Malassimilation (Steatorrhoe, Gewichtsverlust)
  • Diabetes mellitus

4. Diagnostik

Diagnostische Säulen (3 Pfeiler)

🔬
Klinisches Bild
Anamnese + Symptome
📷
Bildgebung
Morphologische Veränderungen
🧪
Funktionsprüfung
Exokrine + endokrine Funktion

Bildgebung

  • Sonographie (Abdomensonographie):
    • Verkalkungen im Pankreas (hochgradig verdächtig)
    • Unregelmäßige Kontur / Atrophie
    • Dilatation des Ductus pancreaticus
    • Pankreaspseudozysten
  • CT / MRT / MRCP: bessere Detailauflösung, Darstellung des Gangsystems
  • ERCP (endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie): Gangveränderungen, Stenosen
⚠ Wichtig für die Prüfung: Pankreasverkalkungen sind das diagnostische Schlüsselmerkmal der chronischen Pankreatitis in der Bildgebung!

Laborchemie

  • Enzyme (Amylase, Lipase): oft nur mäßig erhöht oder normal – im Unterschied zur akuten Pankreatitis
    • Stark erhöhte Enzyme sprechen eher für eine akute Episode
  • Stuhltests: Bestimmung der Pankreaselastase-1 im Stuhl (FEC – fäkale Elastase) → Verminderung bei exokriner Insuffizienz
  • Blutzucker / HbA1c: zum Nachweis der endokrinen Insuffizienz
  • Vitamine: Vitamin D, B12, Quick/INR (Vitamin K-abhängig)
Prüfungstipp – Labordiagnostik:

Anders als bei der akuten Pankreatitis sind bei der chronischen Form die Pankreasenzyme (Amylase, Lipase) meist nur mäßig erhöht oder normal. Dies hilft bei der Abgrenzung.

5. Komplikationen

  • Pankreaskarzinom – deutlich erhöhtes Risiko (10- bis 20-fach) → wichtigster Prognosefaktor
    ⚠ Prüfungswissen Pankreaskarzinom-Risiko:

    Patienten mit chronischer Pankreatitis haben ein deutlich erhöhtes Risiko, ein Pankreaskarzinom zu entwickeln. Regelmäßige Nachsorge ist erforderlich!

  • Pankreaspseudozysten – durch Gangobstruktion / Steinbildung
  • Pankreasgangstenose / Gallenwegsstenose (obstruktiver Ikterus möglich)
  • Pankreasgangsteine (verkalkte Konkremente)
  • Sekundärer Diabetes mellitus (s. o.)
  • Malassimilationssyndrom mit Vitaminmangelzuständen
  • Arrosionsblutungen (z. B. bei Pseudozysten)
  • Thrombosen (Pfortader, Milzvene)

6. Therapie

Allgemeinmaßnahmen

  • Strikte Alkoholkarenz – wichtigste Maßnahme zur Verlangsamung der Progression
  • Nikotinverzicht – Rauchen ist eigenständiger Risikofaktor
  • Fettmodifizierte Diät – bei Steatorrhoe Fettrestriktion

Schmerztherapie

  • Schmerzmittel nach WHO-Stufenleiter (von Paracetamol bis zu zentral wirksamen Analgetika)
  • Bei akuter Schmerzepisode: stationäre Behandlung erwägen

Exokrine Insuffizienz – Enzymsubstitution

  • Pankreasenzympräparate (z. B. Kreon®, Pangrol®) in hoher Dosierung
  • Ziel: Verbesserung der Fettverdauung, Reduktion der Steatorrhoe
  • Einnahme: zu den Mahlzeiten

Endokrine Insuffizienz – Diabetestherapie

  • Insulintherapie – sekundärer Diabetes ist insulinpflichtig
  • Orale Antidiabetika in der Regel nicht ausreichend

Vitamin- und Ernährungssupplementierung

  • Fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) substituiieren
  • Ggf. Kalzium und Vitamin D bei Osteomalazie
  • Bei Bedarf: enterale oder parenterale Ernährung

Endoskopische / Chirurgische Therapie

  • ERCP: Steinentfernung, Gangdilatation, Stenteinlage bei Gangstenosen
  • Pankreaspseudozysten: endoskopische oder chirurgische Drainage
  • Chirurgie: bei Versagen der konservativen Therapie (z. B. Pankreatektomie, Pankreatojejunostomie nach Partington-Rochelle)

7. Abgrenzung: Akute vs. Chronische Pankreatitis

Merkmal Akute Pankreatitis Chronische Pankreatitis
Verlauf Akute Episode, potenziell reversibel Fortschreitend, irreversibel
Gewebeveränderung Ödem, Entzündung Fibrose, Nekrose, Verkalkungen
Enzyme (Amylase/Lipase) Stark erhöht Mäßig erhöht oder normal
Exokrine Insuffizienz Selten dauerhaft Häufig / progredient
Endokrine Insuffizienz Selten Häufig (Diabetes)
Hauptursache Gallensteine, Alkohol Alkoholabusus, Rauchen
Bildgebung Ödem, Nekrose Verkalkungen, Gangveränderungen
Prüfungstipp – Abgrenzung:

Der wichtigste Unterschied: Die chronische Pankreatitis ist irreversibel mit Fibrose und progredientem Funktionsverlust, während die akute Pankreatitis nach Abklingen potenziell reversibel ist.

8. Prüfungs-Checkliste – Chronische Pankreatitis

  • Definition – irreversibler entzündlicher Umbau mit Struktur- und Funktionsverlust
  • Ätiologie – Alkohol (häufigste Ursache), Rauchen, Hyperkalzämie, idiopathisch, Autoimmun, hereditär
  • Symptomentrias – Gürtelschmerz + Steatorrhoe/Malassimilation + Diabetes mellitus
  • Exokrine Insuffizienz → Steatorrhoe, Gewichtsverlust, Vitaminmangel (A, D, E, K)
  • Endokrine Insuffizienz → Sekundärer Diabetes mellitus (Langerhans-Inseln zerstört)
  • Diagnostik – Klinik + Bildgebung (Verkalkungen!) + Funktionsprüfung (fäkale Elastase)
  • Enzymverhalten – mäßig erhöht oder normal (im Unterschied zur akuten Pankreatitis!)
  • Komplikationen – Pankreaskarzinom (erhöhtes Risiko!), Pseudozysten, Gangstenosen, Thrombosen
  • Therapie – Alkohol-/Nikotinstopp, Schmerztherapie, Pankreasenzyme (hochdosiert), Insulin, Vitamine
  • Abgrenzung zur akuten Pankreatitis – irreversibel vs. potenziell reversibel