Persönliches Lernmaterial: Diese Zusammenfassung dient der Prüfungsvorbereitung und ersetzt weder offizielle Vorgaben noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Akutes Abdomen

Definition, Differentialdiagnostik, Diagnostik und Soforttherapie — Schwerpunkt Kenntnisprüfung Chirurgie/Innere

1. Definition des akuten Abdomens

Das akute Abdomen ist ein potenziell lebensbedrohlicher Notfall, der aufgrund seiner Intensität und Bedrohlichkeit notfallmäßig abgeklärt und entsprechend behandelt werden muss.

Schlüsseldefinition (aus dem Lehrbuch):

„Das akute Abdomen ist definiert als eine akut einsetzende bzw. zunehmende abdominale Symptomatik, die vital bedrohend sein kann und meistens eine rasche chirurgische Intervention erfordert."

Wichtige Schlüsselwörter dieser Definition:

  • akut einsetzend / zunehmend
  • vital bedrohend
  • chirurgische Intervention (in den meisten Fällen)

Ein akutes Abdomen ist ein funktioneller Sammelbegriff, keine eigene Diagnose — die zugrunde liegende Ursache muss immer gesucht werden.

2. Klinische Trias

Die Diagnose „akutes Abdomen" stützt sich auf drei Hauptbefunde, die alle zusammen vorhanden sein müssen:

Trias-BestandteilErklärung
1. Heftige Bauchschmerzenakut, stark, oft nicht tolerable
2. Abwehrspannung (Peritoneumreizung)muskuläre Anspannung der Bauchdecke, bretthartes Abdomen
3. Gestörter AllgemeinzustandBlässe, Kaltschweißigkeit, Tachykardie, Schockzeichen
Merksatz: „Schmerz + Abwehrspannung + reduzierter Allgemeinzustand = akutes Abdomen." Fehlt nur eines dieser drei Zeichen, ist die Diagnose nicht gerechtfertigt. Wer in der Prüfung nur Schmerzen nennt, ohne die anderen beiden Komponenten zu erwähnen, verliert Punkte.
Prüfungsfalle: Selbst ein erfahrener Untersucher kann eine Abwehrspannung übersehen, wenn er ungeübt ist. Die Trias ist daher ein klinisches Syndrom — auch ohne apparative Diagnostik erkennbar.

3. Die fünf Hauptursachen des akuten Abdomens

Bei den Ursachen unterscheidet man fünf große Gruppen, die jeweils zu einem akuten Abdomen führen können:

Nr.UrsacheBeispiele
1EntzündungAppendizitis, Cholezystitis, Pankreatitis, Divertikulitis, Morbus Crohn
2PerforationUlkusperforation, Darmperforation, Gallenblasenperforation
3Obstruktion / Ileusmechanischer Ileus, Briden, Tumoren, Hernien, Volvulus
4Vaskulär (Durchblutungsstörung)Mesenterialischämie, Aortenaneurysma, Milzinfarkt
5Trauma / Blutung / ExtrauteringraviditätMilzruptur, Leberruptur, EUG, rupturierte Ovarialzyste
Prüfungstipp: Diese fünf Kategorien sollte jeder Prüfling auswendig parat haben. In der mündlichen Prüfung wird oft gefragt: „Welche Ursachengruppen für ein akutes Abdomen kennen Sie?" — die fünf Gruppen sind die Standardantwort.

4. Topographische Zuordnung der Beschwerden

Die Schmerzlokalisation gibt wichtige Hinweise auf das betroffene Organ. Die Einteilung erfolgt in die vier Quadranten und in Quadranten-spezifische Krankheitsbilder:

4.1 Rechter Oberbauch

  • Cholezystitis (Gallenblasenentzündung)
  • Cholezystolithiasis (Gallenkolik)
  • Hepatitis
  • Leberabszess
  • Rechtsseitige Pleuritis / Pneumonie (extraabdominal)

4.2 Linker Oberbauch

  • Pankreatitis
  • Milzruptur / -infarkt
  • Gastritis / Ulkus
  • Linksseitige Pleuritis / Pneumonie (extraabdominal)

4.3 Rechter Unterbauch

  • Appendizitis (klassisch)
  • Morbus Crohn (terminales Ileum)
  • Zäkumdivertikulitis
  • Extrauteringravidität (bei Frauen)
  • Ovarialzyste / Stieldrehung
  • Meckel-Divertikel

4.4 Linker Unterbauch

  • Sigmadivertikulitis
  • Linksseitige Ovarialpathologie
  • Rektosigmoidkarzinom
  • Ureterolithiasis (links)

4.5 Mittelbauch / epigastrisch

  • Ulkuskrankheit (Magen / Duodenum)
  • Pankreatitis
  • Aortendissektion / Aneurysma
  • Mesenterialischämie
Prüfungshinweis: In der Prüfung wird gezielt gefragt: „Welche Differentialdiagnosen haben Sie bei einem Patienten mit Schmerzen im rechten Unterbauch?" Mindestens 5–6 Diagnosen sollten Sie nennen können, geordnet nach Häufigkeit und Gefährlichkeit.

4.6 Schema: Zuordnung Krankheitsbild — Quadrant

QuadrantWichtigste Diagnosen
Oberbauch epigastrischUlkus, Pankreatitis, Aortenaneurysma, Myokardinfarkt
Rechter OberbauchCholezystitis, Cholelithiasis, Hepatitis, Pleuritis
Linker OberbauchPankreatitis, Milzruptur, Ulkus, Pleuritis
Rechter UnterbauchAppendizitis, Morbus Crohn, EUG, Ovarialzyste, Meckel-Divertikel
Linker UnterbauchDivertikulitis, Ovarialpathologie, Kolonkarzinom

5. Extraabdominale Ursachen

Wichtig: Nicht jeder Bauchschmerz kommt aus dem Bauch. Extraabdominale Ursachen können ein akutes Abdomen imitieren:

OrgansystemDifferentialdiagnoseSchmerzcharakter
KardialAkuter Myokardinfarkt (besonders Hinterwand), PerikarditisSchmerz in den Oberbauch ausstrahlend, oft mit Übelkeit
PulmonalPleuritis, Pneumonie, Lungenembolieatemabhängige Schmerzen, oft einseitig
UrologischNierenkolik, Ureterolithiasis, Pyelonephritiskolikartig, in die Leiste ausstrahlend
GynäkologischExtrauteringravidität, Ovarialtorsion, rupturierte OvarialzysteUnterbauch, oft seitenbetont
StoffwechselDiabetische Ketoazidose, Porphyrie, Addison-Krisediffuser Bauchschmerz, oft ohne Abwehrspannung
NeurologischBandscheibenvorfall, Herpes zostersegmental, gürtelförmig
Wichtige Prüfungsfrage — Myokardinfarkt als akutes Abdomen: Der Hinterwandinfarkt kann sich ausschließlich mit Oberbauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen präsentieren. Besonders bei Diabetikern und älteren Frauen ist die Schmerzsymptomatik häufig atypisch. Daher bei jedem akuten Abdomen ein 12-Kanal-EKG schreiben — es ist eine der wichtigsten Basismaßnahmen!
Prüfungstipp: Auch Schwangerschaft / Extrauteringravidität muss bei Frauen im gebärfähigen Alter immer ausgeschlossen werden — ein Schwangerschaftstest (β-HCG im Urin/Serum) gehört zur Basislabordiagnostik.

6. Schmerzcharakter und Schmerztypen

6.1 Viszeraler Schmerz

  • dumpf, schlecht lokalisierbar
  • in der Mediallinie empfunden (Mittellinie des Körpers)
  • ausgelöst durch Dehnung oder Spasmus viszeraler Organe (Darm, Gallenwege, Harnleiter)
  • oft kolikartig mit wellenförmigem Verlauf („kommt und geht")

6.2 Somatischer (parietaler) Schmerz

  • scharf, gut lokalisierbar
  • ausgelöst durch Reizung des Peritoneum parietale
  • konstant, durch Bewegung verstärkt
  • Patient liegt still (Schonhaltung)

6.3 Übertragener Schmerz (referred pain)

  • Schmerz wird in einem anderen Areal empfunden als am Ort der Läsion
  • Beispiele:
    • Cholezystitis → Schmerz rechte Schulter (Head-Zone Gallenblase)
    • Pankreatitis → Schmerz linker Schulter / Rücken
    • Milzruptur → Schmerz linke Schulter (Kehr-Zeichen)
    • Diaphragmareizung → Schulter-Schmerz (Phrenikus)
    • Appendizitis (parietal) → McBurney-Punkt, Loslassschmerz, Rovsing, Psoas-Zeichen
Prüfungsrelevante Schmerzphänomene:
  • Kehr-Zeichen: Schmerz in der linken Schulter bei Milzverletzung / Milzblutung
  • Loslassschmerz (Blumberg): Schmerz beim plötzlichen Loslassen der Bauchdecke → Appendizitis
  • McBurney-Punkt: Druckschmerz am Übergang äußeres/mittleres Drittel der Linie Spina iliaca anterior superior → Nabel
  • Rovsing-Zeichen: Schmerz im rechten Unterbauch bei Palpation des linken Unterbauchs (kontralateraler Loslassschmerz)
  • Psoas-Zeichen: Schmerz bei Anheben des rechten Beines gegen Widerstand → retrozökale Appendizitis

6.4 Kolik versus Peritonitis

SchmerztypCharakterBeispiel
Kolikwellenförmig, Patient unruhig, läuft umherGallen- oder Nierenkolik, mechanischer Ileus
Peritonitiskonstant, Patient liegt still (Schonhaltung), AbwehrspannungPerforation, Appendizitis, Pankreatitis
Prüfungsmerksatz: „Patient mit Kolik läuft, Patient mit Peritonitis liegt."

6.5 Peritoneale Reizzeichen

  • Abwehrspannung (défense musculaire): unwillkürliche, reflektorische Anspannung der Bauchdeckenmuskulatur auf Palpation
  • Spontane Abwehrspannung: bretthartes Abdomen bereits ohne Berührung — schwerster Befund
  • Loslassschmerz
  • Klopfschmerz
  • Erschütterungsschmerz (z. B. beim Husten, Hüpfen)
Späte Peritonitiszeichen: Bei fortgeschrittener Peritonitis kann die Abwehrspannung nachlassen — dies ist kein Zeichen der Besserung, sondern Ausdruck der Erschöpfung der Muskulatur (paralytischer Ileus, Sepsis). Vorsicht — Fehlinterpretation!

7. Labordiagnostik

Bei jedem Patienten mit akutem Abdomen wird ein Basislaborprogramm abgenommen, das die wichtigsten Ursachen abdeckt:

LaborparameterFragestellung
Kleines Blutbild (BB)Leukozytose (Entzündung), Anämie (Blutung)
Elektrolyte (Na, K, Ca, Cl)Elektrolytstörung, Azidose
Nierenwerte (Kreatinin, Harnstoff)Niereninsuffizienz, prärenales Nierenversagen
Leberwerte (Bilirubin, GOT, GPT, γ-GT, AP)hepatobiliäre Ursachen
Pankreasenzyme (Amylase, Lipase)Pankreatitis (Lipase > Amylase, spezifischer)
LaktatMesenterialischämie, Sepsis, Schock
Blutgasanalyse (BGA)pH, Base Excess, Laktat, O₂/CO₂
Gerinnung (Quick/INR, PTT, TZ)Blutungsneigung, OP-Vorbereitung
Blutzucker (BZ)Hypo-/Hyperglykämie, diabetische Ketoazidose
CRP / ProkalzitoninInflammation, Sepsis
Kreatinkinase (CK)Muskelschaden, Rhabdomyolyse — auch bei Statin-Patienten
TroponinMyokardinfarkt (DD Oberbauchschmerz!)
β-HCG (Urin/Serum)Schwangerschaft / Extrauteringravidität (Frauen)
UrinstatusHarnwegsinfekt, Hämaturie (Stein), Ketone, Glukose
Prüfungsfrage „Welches Labor ordnen Sie an?": Die Antwort sollte strukturiert erfolgen — nicht einfach Parameter aufzählen, sondern nach Organsystemen geordnet (Blutbild, Elektrolyte, Niere, Leber, Pankreas, Gerinnung, BGA, Urin, ggf. Troponin, β-HCG).
CK bei Statin-Patienten: Patienten, die Statine einnehmen, können eine Statin-induzierte Myopathie mit Muskelschmerzen entwickeln. Bei akuten Abdominalschmerzen sollte daher die Kreatinkinase (CK) bestimmt werden, um eine Rhabdomyolyse mit konsekutivem Nierenversagen auszuschließen.

8. Bildgebende Diagnostik

8.1 Sonographie (Ultraschall)

  • Erste bildgebende Maßnahme bei akutem Abdomen
  • schnell verfügbar, bettseitig durchführbar, keine Strahlenbelastung
  • Nachweis von:
    • freier Flüssigkeit (Aszites, Blutung)
    • Gallenblasenerkrankungen (Cholezystitis, Steine, Wandverdickung)
    • Aortenaneurysma (Screening)
    • Ileus (dilatierte Darmschlingen, Pendelperistaltik)
    • Pankreatitis (ödematöse Schwellung)
    • Appendizitis (Target-Zeichen, Kokarde)

8.2 Röntgen-Abdomenübersicht (a.p. + Linksseitenlage)

  • freie Luft unter dem Zwerchfell = Perforation (Pneumoperitoneum)
  • Ileuszeichen: stehende Darmschlingen, Spiegelbildung, „Klaviertastenphänomen"
  • in Linksseitenlage (horizontale Strahlengang) zum Nachweis freier Luft besser geeignet

8.3 CT-Abdomen

  • Goldstandard bei vielen unklaren Fällen
  • hohe Sensitivität und Spezifität
  • Indikationen: unklares Abdomen, Tumorverdacht, Mesenterialischämie, komplizierte Divertikulitis, Pankreatitis-Komplikationen
  • Mit Kontrastmittel zur Gefäßdiagnostik (CT-Angiographie bei Verdacht auf Mesenterialischämie oder Aortenaneurysma)

8.4 Weitere Diagnostik

  • EKG: bei Oberbauchschmerzen zum Ausschluss eines Hinterwandinfarkts
  • Röntgen-Thorax: freie Luft subphrenisch, Pneumonie, Pleuraerguss
  • Magensonde (nasogastrale Sonde): nicht nur therapeutisch, sondern auch diagnostisch — bräunliches/aspiriertes Sekret gibt Hinweis auf Blutung im oberen GI-Trakt oder Ileus
  • Endoskopie (ÖGD, Koloskopie): bei Verdacht auf Blutung, Tumor, Ulkus, Ischämie
  • Angiographie: bei Mesenterialischämie, Aneurysma
Wichtige Reihenfolge der Diagnostik:
  1. Anamnese + klinische Untersuchung (Trias!)
  2. Basislabor (inkl. Troponin, β-HCG, Laktat)
  3. EKG (immer bei Oberbauchschmerzen!)
  4. Sonographie (schnell, bettseitig)
  5. Röntgen-Abdomen (freie Luft? Ileus?)
  6. CT-Abdomen (bei unklarer Diagnose)
  7. Endoskopie / Angiographie (gezielt)

9. Therapeutische Sofortmaßnahmen

9.1 Erstmaßnahmen (parallel zur Diagnostik)

  • Sicherung der Vitalfunktionen (Atmung, Kreislauf)
  • Legen großlumiger peripherer Zugänge (mindestens 2)
  • Volumengabe (kristalloide Lösungen, z. B. Ringer-Azetat)
  • Monitoring: Blutdruck, Puls, SpO₂, EKG, Urinausscheidung
  • Sauerstoffgabe bei Bedarf
  • Schmerztherapie nach Klinikstandard (Cave: Schmerzbekämpfung darf Diagnostik nicht verschleiern — vor Diagnosestellung zurückhaltend)
  • Nahrungskarenz (nil per os)

9.2 Magensonde (nasogastrale Sonde)

  • wird in der Notfallsituation immer gelegt
  • Indikationen:
    • Ileus — Entlastung des gestauten Magen-Darm-Trakts
    • Erbrechen / Übelkeit
    • Vor Operation
    • Verdacht auf obere GI-Blutung — bräunliches Sekret = Hinweis
  • Reduziert Aspirationsgefahr bei bewusstseinsgetrübten Patienten
Prüfungstipp: In der Prüfung wird oft gefragt: „Was machen Sie als erstes bei einem Patienten mit akutem Abdomen?" Die Antwort sollte mehrere Maßnahmen parallel nennen: Zugänge, Volumen, Monitoring, Magensonde, Blasenkatheter, Nahrungskarenz, Schmerztherapie, Diagnostik.

9.3 Blasenkatheter

  • zur Bilanzierung der Urinausscheidung
  • bei Schock oder Sepsis obligat
  • Menge des Urins = Parameter für Nierenperfusion

9.4 Operative Therapie — Explorative Laparotomie

Bei gesicherter oder dringender Operationsindikation erfolgt eine operative Exploration:

  • Zugang der Wahl in der Notfallsituation: mediane Laparotomie
  • Die mediane Laparotomie kann nach kranial und kaudal erweitert werden
  • Sie erlaubt eine ausreichende Exploration der gesamten Bauchhöhle
  • Vorteile: schneller Zugang, maximale Übersicht, alle Organe erreichbar
Wichtig für die Prüfung: Die mediane Laparotomie ist der Standardnotfallzugang bei akutem Abdomen. Sie ist:

  • schnell durchführbar
  • beliebig erweiterbar (nach kaudal und kranial)
  • bietet Übersicht über alle vier Quadranten

Laparoskopische Eingriffe kommen bei stabilen Patienten und klar definierten Befunden in Frage (z. B. laparoskopische Appendektomie), sind aber nicht der Standard im Notfall.

9.5 Operationsindikationen (häufig)

UrsacheOperationsindikation
Perforationsofortige Laparotomie mit Übernähung / Resektion
AppendizitisAppendektomie (offen oder laparoskopisch)
CholezystitisCholezystektomie (früh-elektiv oder notfallmäßig)
Mechanischer IleusLaparotomie/Laparoskopie mit Adhäsiolyse / Resektion
Mesenterialischämiesofortige Revaskularisation / Resektion (Zeit = Prognose!)
ExtrauteringraviditätLaparoskopie / Laparotomie, je nach Zustand
Aortenaneurysma (rupturiert)sofortige offene Operation oder endovaskulär
Milzrupturje nach Befund: Splenektomie oder Erhalt
Merksatz „Zeit = Prognose": Besonders bei Mesenterialischämie, Aortenaneurysma-Ruptur und Extrauteringravidität zählt jede Minute. Diagnostik und Therapie müssen parallel laufen, nicht nacheinander.

10. Prüfungsfragen und typische Prüfungssituationen

10.1 Häufige Prüfungsfragen

Frage: „Was versteht man unter einem akuten Abdomen?"

Antwort: Ein lebensbedrohlicher Notfall mit der Trias heftige Bauchschmerzen + Abwehrspannung + gestörter Allgemeinzustand, der eine sofortige notfallmäßige Abklärung und meist eine chirurgische Intervention erfordert.

Frage: „Welche fünf Ursachengruppen kennen Sie?"

Antwort: Entzündung, Perforation, Obstruktion (Ileus), vaskuläre Ursachen, Trauma/Blutung (inkl. Extrauteringravidität).

Frage: „Welche Differentialdiagnosen haben Sie bei Schmerzen im rechten Unterbauch?"

Antwort: Appendizitis, Morbus Crohn, Zäkumdivertikulitis, Extrauteringravidität, Ovarialzyste / Stieldrehung, Meckel-Divertikel, Ureterolithiasis.

Frage: „Welche extraabdominellen Ursachen müssen Sie ausschließen?"

Antwort: Myokardinfarkt (v. a. Hinterwand!), Pleuritis / Pneumonie, Ureterolithiasis, gynäkologische Ursachen (EUG, Ovarialtorsion), Stoffwechselentgleisungen (DKA, Porphyrie), neurologische Ursachen (Bandscheibenvorfall, Herpes zoster).

Frage: „Welches Basislabor ordnen Sie an?"

Antwort: BB, Elektrolyte, Nierenwerte, Leberwerte, Pankreasenzyme (Lipase, Amylase), Gerinnung, BGA, Laktat, CRP, Urinstatus, Troponin (bei Oberbauchschmerzen), β-HCG (bei Frauen), CK (bei Statinpatienten).

Frage: „Welche Bildgebung veranlassen Sie zuerst?"

Antwort: Sonographie (schnell, bettseitig, ohne Strahlung) — bei Verdacht auf Perforation zusätzlich Röntgen-Abdomen (Linksseitenlage!) zum Nachweis freier Luft. CT als Goldstandard bei unklarer Diagnose.

Frage: „Welche Sofortmaßnahmen ergreifen Sie?"

Antwort: Vitalfunktionen sichern, großlumige Zugänge, Volumengabe, Monitoring, Magensonde, Blasenkatheter, Nahrungskarenz, Schmerztherapie, parallele Diagnostik. Bei OP-Indikation: mediane Laparotomie.

Frage: „Welcher operative Zugang ist im Notfall Standard?"

Antwort: Mediane Laparotomie — sie ist schnell, erweiterbar (nach kranial/kaudal) und erlaubt die Exploration aller vier Quadranten.

10.2 Do's and Don'ts für die Prüfung

Do:
  • Trias immer nennen: Schmerz + Abwehrspannung + AZ-Verschlechterung
  • Fünf Ursachengruppen auswendig parat haben
  • Topographische Differentialdiagnose strukturiert nach Quadranten vortragen
  • Extraabdominale Ursachen aktiv ausschließen (v. a. Myokardinfarkt!)
  • EKG bei Oberbauchschmerzen immer erwähnen
  • β-HCG bei Frauen im gebärfähigen Alter immer anfordern
  • Basislabor strukturiert nach Organsystemen auflisten
  • Magensonde als Sofortmaßnahme erwähnen
  • Mediane Laparotomie als Notfallzugang kennen
  • „Zeit = Prognose" bei Ischämie / Aneurysma betonen
  • Unterscheidung viszeraler vs. somatischer Schmerz kennen
  • Peritoneale Reizzeichen (Abwehrspannung, Loslassschmerz, Klopfschmerz) aktiv untersuchen
Don't:
  • Trias unvollständig nennen (alle drei Komponenten erforderlich!)
  • EKG vergessen bei Oberbauchschmerzen — wichtige Fehlerquelle
  • β-HCG vergessen bei Frauen — kann Extrauteringravidität übersehen
  • Schmerzcharakter „Patient mit Kolik läuft, Patient mit Peritonitis liegt" nicht kennen
  • Schmerztherapie vor Diagnosestellung überdosieren
  • Bei spätem Peritonitisstadium die nachlassende Abwehrspannung als Besserung fehldeuten
  • Laparoskopie als Standard im Notfall nennen — korrekt ist die mediane Laparotomie
  • Statin-Patienten ohne CK-Abnahme lassen

11. Zusammenfassung — Kernaussagen

  • Definition: akutes Abdomen = vital bedrohlicher Notfall, der notfallmäßig abgeklärt werden muss
  • Trias: heftige Schmerzen + Abwehrspannung + gestörter Allgemeinzustand
  • 5 Ursachengruppen: Entzündung, Perforation, Ileus, vaskulär, Trauma/Blutung
  • Topographie: rechter Oberbauch (Galle), rechter Unterbauch (Appendix), linker Oberbauch (Pankreas, Milz), linker Unterbauch (Sigma)
  • Extraabdominal: Myokardinfarkt (Hinterwand!), Pneumonie, Ureterolithiasis, EUG, Stoffwechsel
  • Schmerztyp: viszeral (dumpf, schlecht lokalisiert) vs. somatisch (scharf, gut lokalisiert, Peritoneum)
  • Übertragener Schmerz: Cholezystitis → re Schulter, Milzruptur → li Schulter (Kehr), Pankreatitis → Rücken
  • Peritonealzeichen: Abwehrspannung, Loslassschmerz, Klopfschmerz, Erschütterungsschmerz
  • Labor: BB, Elektrolyte, Niere, Leber, Pankreasenzyme, Laktat, Gerinnung, BGA, Urin, Troponin, β-HCG, CK
  • Bildgebung: Sonographie (1.), Röntgen-Abdomen (freie Luft?), CT (Goldstandard)
  • Soforttherapie: Zugänge, Volumen, Monitoring, Magensonde, Blasenkatheter, NPO, Schmerztherapie
  • Notfall-OP: mediane Laparotomie (schnell, erweiterbar, Übersicht)
  • Merksatz: „Zeit = Prognose" bei Ischämie und Aneurysma
  • Merksatz: „Patient mit Kolik läuft, Patient mit Peritonitis liegt"